Krns-Kmtsbtatt * Myememer amtticherKnzeLyer für öar Kreis -Echtem
-emttunö Verlag: H.StrLrrfeLö Söhnen Gesthäst^ '^Lhuhofstv.6^ fernßwrrw.^^ Postflheck^^arrksur^
Ar 15 (1. Blatt) Samstag, den 4 Februar 1928 80. Zahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
Bekanntmachung.
Nr. 546. Anstelle des Baurats Dr. phil. vr. ing. Holtmeyer ist Dr. BI eib a u m zum Bezirkskonservator ; für den Regierungsbezirk Rassel gewählt und von dem Herrn preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in dieser Eigenschaft bestätigt worden. Dr. Bleibaum vertritt in der bezeichneten Stelle für den Umfang des Regierungsbezirks Raffel den Ronservator der Runst- denkmäler in Berlin.
Anzeigen, Anträge und Ansuchen auf dem Gebiet der Denkmalspflege sind daher in erster Linie an Dr. Bleibaum zu richten.
Rassel, den 14. 3anuar 1928.
Der Gberpräsident: gez. Dr. Zchwander.
I.-Rr. 716. Der Herr Rreismedizinalrat wird am Dienstag, dem 7. Februar d. 3s. von 1/2 10 Uhr ab im hiesigen Kreishaufe Sprechstunde halten.
Schlüchtern, den 31. 3anuar 1928.
। Der Kom. Landrat. 3. D.: Schultheis.
Kreisausschuß.
Bekanntmachung.
3.=Hr. 1187 F. Wie in den vergangenen Jahren, hat auch in diesem Jahre eine Sammlung von Erntegaben zugunsten des Rreiskrankenhauses in verschiedenen Gemeinden des Kreises stattgefunden. Die gesammelten Gaben werden restlos dazu verwandt werden, die Verpflegung der Kranken im Krankenhause zu verbessern.
Die an der Sammlung beteiligten Gemeinden sind folgende:
Breitenbach, Bellings, Gundhelm, Rlosterhöse, Drasen- ^erg, Gomfritz, Heubach, Hütten, Elm, Jossa, Neuengronau, iRiederzell, Schwarzenfels, vollmerz, Ramholz, hinkelhos, lvallroth, Weichersbach.
Allen Spenbern sprechen wir an dieser Stelle unseren -herzlichsten Dank aus, ebenso auch den betr. Herren Bür= germeistern, Pfarrern und Lehrern sowie allen übrigen Personen, die mitgeholfen haben, die Sammlung zustande Zu bringen.
i Schlächtern, den 30. Januar 1928.
Die Verwaltung und die Schwestern des Rreiskrankenhauses
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung.
; 3n der Zeit vom 6. bis einschl. 8. Februar 1928 er= folgt die Reinigung der Schornsteine in der Hanäuerstraße, Hohenzellerstraße, Schloßstraße, Sandgartenstraße, Wassergasse, Rirchstraße, Sackgasse, Alte-Bahnhofstraße und Hö- fbäckerweg.
Schlüchtern, den 1. Februar 1928.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Das Reichsschulaesch.
Kommt es zur zweiten Lesung?
K . Laut „Germania" hat zwischen Reichskanzler Marx um, Mnchsaußenminister Stresemann eine Besprechung stattge- Mnden, deren Gegenstand das Reichsschulgesetz war. Es han- sich dabei bekanntlich in erster Linie um die §§ 9, 14 und WO- Die zu diesen Paragraphen erhobenen Forderungen sind Myriftlich formuliert worden und sollen die Grundlage der Weiteren Verhandlungen bilden, die nun innerhalb der Regierung und der Regierungsparteien geführt werden sollen.
k Sollte die Deutsche Volkspartei auf ihrem im Ausschuß an- i genommenen Antrag zu § 20 bestehen und den Forderungen : oeg Bentrums also nicht gerecht werden, so hat die Zentrums- fraktion an weiteren Verhandlungen kein Interesse mehr. Es also dann zu einer zweiten Lesung der Vorlage im Aus- - Ichus; überhaupt nicht mehr kommen. Wenn aber hier eine für Zentrumspartei tragbare Verständigung erzielt werden
■ f° ^^^den die Verhandlungen im Bildungsausschuß Wlbst wieder ausgenommen werden, wo dann auch versucht werden wird, über die 88 9 und 14 der Vorlage eine Verstäm b'gung zu erzielen.
Der Reichspräsident auf der „Grünen Woche".
Berlin, 3. Februar. Gestern besuchte der Reichspräsident " Begleitung des Reichsernährungsministers Schiele und des ^aiors v. Hindenburg die „Grüne Woche". Er wurde in der Men Ausstellungshalle im Rainen der Stadt Berlin von sf^öürgermeifter Dr. Böß, Direktor Dr. Schick vom Aus- Mungg-, Messe- und Fremdenverkehrsamt der Stadt Berlin bom Leiter der „Grünen Woche" v. Hake und den Herren ä ^kkreuth, Prinz Jfenburg, Präsident der Latldwirt- M^Knnmer von Oppen, Abg. Held und zahlreichen anderen grüßt^^u ^^ Land- und Forstwirtschaftsorganisationen be-
Sie Räumunßsfrage.
Zur zweiten Rede Stresemanns. — Neue französische Stimmen. — Die Meinung eines französischen Sozialisten. — Londoner Echo.
Pariser Pressestimmen.
Wie aus Paris gemeldet wird, äußert sich „Petit Parisien" zu der zweiten Reichstagsrede des Reichsaußenministers, dieses Mal habe der Reichsaußenminister erklärt, daß, wenn er die Rheinlandräumung fordere, dies nicht nur deshalb tue, weil er dem deutschen Volke eine Befriedigung geben wolle, sondern auch weil er eine vollkommene Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland erzielen möchte, eine aufrichtige und dauerhafte Annäherung, und daß er diese mit der Besetzung für unvereinbar halte.
Ohne die Aufrichtigkeit Stresemanns in Frage ziehen zu wollen, so fährt das Blatt fort, hätte man das Recht zu sagen, daß diese Erklärung an Bedeutung gewonnen hätte, wenn sie in seiner ersten Rede als Vorwort oder wenigstens als Schlußfolgerung abgegeben worden wäre. Niemand könne sich wundern, daß es erst der nationalistischen Intervention bedurft habe, vielleicht auch der Ueberlegung, damit diese Worte gesprochen wurden.
Ablehnend verhält sich der nationalistische „Gaulois", der die These Stresemanns in die Formel zusammenfassen möchte: „Schwamm über die Folgen des Krieges". Aber eine derartige Großmut könne Frankreich nicht üben. Wir müssen, so fährt das Blatt fort, durchaus den Zinsendienst für die Anleihen für die besetzten Gebiete durchführen, die unser Budget so schwer belasten.
Ein bemerkenswerter Artikel.
Der Führer der französischen Sozialisten, Abgeordneter L4on Blum, veröffentlicht über die Frage der Rheinlandräumung einen Artikel von außerordentlicher Bedeutung. Er geht von dem Gedanken aus, daß er es stets abgelehnt habe, die Räumung des Rheinlandes als Wechselgeld gegen diesen oder jenen finanziellen Vorteil zu bernrai.en. Die militärische Besetzung sei stets als eine Sicherheitsgarantie angesehen worden, aber seit Locarno sei die Rheinlandfrage zum Gegenstand der Verhandlungen und Verständigung geworden. Was Stresemann also verlange, sei, daß man diese Verständigung suche und daß man ohne Zögern hierüber wieder verhandele. Auf die Stellungnahme der Sozialdemokratie in der bekannten Resolution vom November 1926, die in Luxemburg angenommen wurde und auf die sich auch Paul-Boncour jüngst auf dem Sozialistenkongreß berufen hat, eingehend, erklärte der Führer der französischen Sozialisten, diese Resolution setze nicht die Zeit fest, während der unter der Autorität des Völkerbundes die Sonderkontrolle für Deutschland funktionieren solle. Aber es verstehe sich von selbst, daß sie nicht über den Zeitpunkt hinausgehen könne, den der Versailler Vertrag selbst für die Räumung festsetze.
Ueber 1935 hinaus also könne Frankreich nur ein rein kontraktliches und legales Regime ins Auge fassen auf der Grundlage der Gegenseitigkeit und einer allgemeinen Vereinbarung, ^die allen gleiche Rechte und gleiche Pflichten auf» erlege. Stresemann habe an einer Stelle seiner Rede bereits erklärt, sich aus diesen Boden stellen zu wollen. Sollte sich Briand sich dieser Worte nicht bemächtigen? Er wisse besser als jeder andere, daß die Räumung der natürliche Abschluß der von Herriot eingeleiteten und von ihm selbst befolgten Politik sei.
Aus der englischen Presse.
Die „Daily News" schreibt in einem Leitartikel: Wenn auch die französische öffentliche Meinung Dr. Stresemanns erneute Forderung nach sofortiger Räumung des Rheinlandes übernimmt, so gibt es doch keine wirklichen Einwendungen gegen die von ihm vorgebrachten Argumente. Wir glauben nicht, daß die britische Regierung oder irgend ein Teil der britischen öffentlichen Meinung versuchen würde, die Form „internationaler Knechtschaft", die die Anwesenheit einer französischen Armee und des Restes einer britischen Armee unter den gegenwärtigen Umständen bedeutet, zu rechtfertigen. Wenn die Unterzeichner des Locarnopaktes die Absicht hatten, ihre Verpflichtungen einzuhalten, dann ist die Fortdauer der Besetzung eine Beleidigung für den gesunden Menschenverstand und das Gerechtigkeitsgefühl, ferner eine Beleidigung des deutschen Volkes und eine dauernde Gefahr für den Frieden.
Es kann kaum bezweifelt werden, daß die britische Regierung die britischen Truppen bereits morgen mit Freude zu- rückziehen würde. Die französische Regierung hat immer wieder ihren Wunsch nach wahrem Frieden mit Deutschland verkündet. Aber sie wird niemals den friedlichen Geist in der deutschen Nation hervorbringen, wenn sie eine starke militärische Streitmacht nicht nur an der Grenze ihres Nachbarn beläßt, sondern auf dessen Eigentum ansiedelt und den Eindruck entstehen läßt, daß dies bis zum jüngsten Tag so weitergehen soll.
— 3m Senat hielt Außenminister Briand am Donnerstag ein» große außenpolitische Rede, die eine Erwiderung auf die von Reichsminister des Aeußern Dr. Stresemann in seiner kürzlichen Rede vorgebrachten Dorwürfe darstellen sollte. 3m Anschluß an diese Rede Briands hat der Senat mit allen gegen eine Stimme der Regierung poincaree das vertrauen ausgesprochen,
Von Woche zu Woche.
Von Argus.
Berlin hat wieder einmal seinen-S kandal. Ein großes Lombardhaus — auf gut Teutsch: Versatzgeschäft — ist zusammengebrochen. Der Schaden beträgt viele Millionen Mark. , Die Zahl der Hereingefallenen geht in die Tausende. Es sollen Leute mit Namen von Klang darunter sein. Sie haben dem Inhaber des Pfandhauses Geldbeträge zur Verfügung gestellt, mit denen er sein Geschäft betrieb, und die er mit 48 (1!) Prozent zu verzinsen versprach. Wie ist es möglich, daß urteilsfähige Leute auf einen solchen Leim gingen? Offensichtlich hat ihnen die Gewinnsucht völlig den Blick getrübt. Sonst hätten sie sich selber sagen müssen, daß bei einem so hohen Zinsangebot etwas nicht in Ordnung ist. Aber die Sucht, rasch Geld, viel Geld zu verdienen, verführt heutigen Tages zu merkwürdigen Schritten. Daß auch ein Staats- an walt im Zusammenhang mit dieser üblen Affäre verhaftet worden ist, ist besonders bedenklich. Es gibt noch immer betrübliche Nachkriegserscheinungen!
♦
Die große außenpolitische Debatte im Reichstag ist beendet. Der deutsche Außenminister hat in zwei guten, vielbeachteten Reden die Lage und die Richtlinien der deutschen Außenpolitik aufgezeigt. Hinter seiner Politik stehen nicht nur die Regierungsparteien, sondern steht fast der ganze Reichstag. So hatte ein kommunistischer Mißtrauensantrag gegen den Außenminister lediglich demonstrativen Charakter und wurde glatt abgelehnt. Begreiflich, daß an der Stresemann-Rede im Auslande besonders das interessiert, was er über die Räumungsfrage sagte: daß nämlich die Fortdauer der Besatzung nach Locarno sinnlos und die Forderung von Sicherheiten gegenüber dem entwaffneten Deutschland eine Heuchelei sei. Aus dem französischen Senat kam darauf ein nicht gerade wohlklingendes Echo. Mehr Verständnis für den beutüben Standpunkt zeigte die englische Presse. Vorläufig ist damit aber nicht viel anzufangen- Es ist sicher von Bedeutung, wenn wir die durch die Presse »repräsentierte öf fentliche Meinung Errglat ^L ruf unserer Seite haben. Platsche Konsequenzen werden ^ich aber daraus erst dann ergebery wenn es ihr gelingt, die englische Regierung dahin zu beeinflussen, daß sie auf Frankreich in diesem Sinne einwirkt. Bis dahin hat es aber noch gute Weile.
Die inner politische Spannung bauert fort, ^war hat der Reichsparteiausschuß des Zentrums eine kluge und vorsichtig formulierte Entschließung gefaßt, die der Reicks- tagsfraktion für die Verhandlungen mit der Deutschen Volkspartei über den Paragraphen 20 des Schulgesetzes die nötige Bewegungsfreiheit läßt — aber diese Verhandlungen selbst sind außerordentlich schwierig: es geht dabei auf beiden Seiten um grundsätzliche Dinge. Anscheinend macht man sich ;ept bereits darauf gefaßt, daß eine Einigung über die umstrittenen Punkte nicht mehr zustande kommt. Das Zentrum läßt für diesen Fall bereits erklären, daß es dann auf das Zustandekommen eines Reichsschulgesetzes überhaupt keinen Wert m hr legt. Die Vorlage bliebe dann unerledigt, und der neue Reichstag müßte sich dann mit einem neuen Entwurf befassen. Neue Unstimmigkeiten gab es auch aus Anlaß der außenpolitischen Debatte: das Zentrum hat gegen verschiedene Stellen der Rede des deutschnationalen Abgeordneten v. Freytagh-Loring» Hoden protestiert, und es gab hinterher Erklärungen hinüber und herüber, bis man diesen Zwischenfall als erledigt betrachten konnte.
Aus einer Rede des Reichswirtschaftsministers Dr. Cur- interessieren folgende Zahlen: Die gesamten deutschen Ausländsanleihen belaufen sich auf rund 4,5 Milliarden Mark, dazu lammen noch kurzfristige Verpflichtungen von 2 bis 3 Milliarden, das ergibt — abgesehen von den Dawes-Lasten — rund 6 Milliarden Mark. An Zinsen und Annuitäten sind insgesamt 400 Millionen Mark aufzubringen. Darin — so führte Dr. Curtius im HaushaltSausschuß des Reichstages aus — sehe ich keine Gefährdung unserer Währung. Diese Kredite sind im großen und ganzen produktiv verwertet.
*
Immer schwieriger wird die Lage der deutschen Landwirtschaft. Aus allen landwirtschaftlichen Organisationen kommen dringende Hilferufe: Mangel an Betriebskapital, schlechte Preise, dazu die starke steuerliche Belastung — darüber wird überall lebhaft geklagt. Man kann in gewissen Gegenden bereits von einer schweren Krise sprechen. Es ist verständlich, daß bei dieser Sachlage immer wieder darauf hingewiesen wird, wie wünschenswert es wäre, die starke Einfuhr von Agrarprodukten aus dem Ausland einzudämmen. Es ist freilich recht schwer, diese Forderung praktisch durch- zuführen. Zunächst will die Reichsregierung mit 30 Millionen Mark helfen.
*
Die fünf Eisenbahnwagen mit herrenlosen Waffen stehen immer noch an der u n g a r i s ch - ö st e r r e i ch i s ch e n Grenze in Szent Gotthard. Nun haben die Vertreter Rumäniens, Südslawiens und der Tschechoslowakei beim Völkerbund Noten überreicht, in denen gefordert wird, daß der Völkerbund sich der Sache annimmt, b. h. untersucht, ob bic Waffen für Ungarn bestimmt find. Der Völkerbund würde, wenn er diesem Ersuchen nachkommt, zum erstenmal von seinem sogenannten „Jnvestigationsrecht" Gebrauch machen, indem er feststellt, ob eine Macht, die zu den im Weltkrieg unterlegenen gehört, m ehr Waffen besitzt, als sie nach den Verträgen haben darf, Man kann einigermaßen gespannt