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Nr. 21 (1. Blatt) Samstag, den 18. Februar 1928

80. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen. Kreisausschuß.

Durchschnittspreise für Haute

nach dem Bericht des Wirtschaftsverbandes deutscher Ab deckereiunternehmer in Hamburg für Januar 1928.

Roßhäute 220/ Ctm. . . .

R.-M.

34,-

pro Stck.

, 200/219 . . .

//

25,50

// n

, /199 - - -

//

17

// //

Fohlenfelle.......

n

10

u "

Rindhäute..... .

n

,?6

pro Pfd.

Frefferfelle.......

tf

,8o

// //

Kalbfelle .......

*

95

// //

Schaf- und Lammfelle . . .

//

-48

" //

Ziegenfelle, trocken ....

//

3,50

pro Stck.

Zickelfelle, trocken ....

1 in. 414-)

Kassel, den 8. Februar 1928.

n

50

// //

Der

Regierungs-Präsident.

J.-Nr. 796 K. A.

Wird veröffentlicht.

Schlüchtern, den 13. Februar 1928.

Der Vorsitzende des Kreiö-Ausschuffes.

Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

Oeffentliche Mahnung.

An alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat Januar 1928 bezw. für Vormonate zu entrichtenden Staatssteuern, (Grundvermögens- und Hauszinssteuern) städt. Steuern und sonstigen Abgaben laut Aufforderung vom 4. Januar 1928 im Kreisblatt an die Staatssteuerhebestelle und Stadtkaffe Schlüchtern nicht bezahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche Mahnung.

Bei Meidung kostenpflichtiger Einziehung sind sofort zu zahlen:

Staatliche Grundvermögensffeuer, 1 d Staatliche Hauszinssteuer,

Städtische Grundvermögenssteuer-Zuschläge, Gewerbeertrag- und Gewerbekapitalsteuerreste für 1926 Gewerbeertrag- und Gewerbekapitalsteuer-VorauSzahlun- gen für 1927

Holzgelder, Schulgelder, Waffergelder, Polizeistrafen, Städtische und Kreishundesteuer, Pachtgelder, Kanal- und Anerkennungsgebühren, sowie alle angeforderten Abgaben.

Schlüchterp, den 16 Februar 1928.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Städtische Lateinschule Schlächter«.

(Lexta bis Obertertia einschließlich, Lehrplan des Reform« realgymnasiums bezw. der Gberrealschule.)

Die Anmelbungen von Schülern und Schülerinnen für sämtliche Klaffen zu Ostern d. 3s. werden bis zum 3. März von dem Unterzeichneten mündlich oder schriftlich entge­gengenommen. Dabei sind Geburtsschein und Impfschein bezw. Wiederimpfschein, sowie das Abgangszeugnis der bis­her besuchten Schule einzureichen. Das Abgangszeugnis bann auch bei der Aufnahmeprüfung vorgelegt werden. Die Zeit der Aufnahmeprüfung wird noch bekannt ge­geben.

Schlüchtern, den 15. Februar 1928.

Der Leiter der Städtischen Lateinschule: Dr. Senner, Studienrat.

Am Donnerstag Nachmittag stürzten in Newyork drei unbewohnte Gebäude ein bei den für den Bau der Un­tergrundbahn vorgenommenen Ausschachtungen. (Es wird angenommen, daß von 30 im Schacht befindlichen Arbeitern vier getötet worden sind.

,3n Saybusch bei Bielitz wurde vergangene Nächst eine ganze Familie, bestehend aus Vater, Mutter, Sohn und Tochter, von Nachbarn ermordet. Die Täter glaubten eine namhafte Geldsumme vorzufinden, konnten jedoch nur neben Zloty erbeuten. Sie sind verhaftet worden.

In sämtlichen Merken des- Siemens-Konzerns ist Donnerstag eine Bekanntmachung erlassen worden, in °er sämtlichen Arbeitern und Arbeiterinnen zum 22. Febru­ar gemäß des Beschlusses des Gesamtverbandes der Veut- chen Metallindustrie gekündigt wird. Der Konzern beschäf- ugt rund WO 000 Arbeiter.

g. (u) Die Blättermeldung, die Rheinlandkommission habe Zuspruch gegen die Eingemeindungspläne von Frankfurt a. M. 9obcn, trifft, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, in dieser v°rm nicht zu. Dagegen hat die Rheinlandkommission Erkun- liungen eingezogen, wie die Eingemeindungen auf die Unter- der Besatzungstruppen wirken.

, (->) Auf besonderen Wunsch Lord Oxfords wird seine Bei- nicht in der Form eines Staatsbegräbnisses erfolgen. Seine D^fbvrigcn haben das Anerbieten der Regierung, ihn in der °U"änster Abtei beizusetzeL, darrkend abgelehnt.

Um Auflösung und Wahltemiu.

Regierung und Regierungsparteien. Verhandlungen mit der Opposition. Wahlen am 13. Mai?

Arbeitsprogramm für den Reichstag.

Das Reichskabinett beriet in einer, zweistündigen Sitzung die parlamentarische Situation, wie sie sich nach dem Scheitern des Schulgesetzes ergeben hat. Wie im Reichstag verlautet, hat das Kabinett das ArbeitsProgramm aufgestellt, nach dem die noch außenstehenden Arbeiten dem Wunsche des Reichs­präsidenten entsprechend vom Reichstag erledigt werden könnten. Dieses Programm wurde der gemeinsamen Sitzung der Mitglieder des Reichskabinetts und der Parteiführer Vor- gelegt, die im Anschluß an die Kabinettssitzung zu den ange- kündigten Beratungen zusammentraten.

In dieser Sitzung herrschte völlige Einmütigkeit über die Notwendigkeit der Durchführung eines Notprogrammes, das den Haushalt für 1928, den Nachtragsetat für 1927 und wich­tige, damit in Zusammenhang stehende Fragen zum Gegenstand haben soll. Die Einzelheiten dieses Arbeitsprogrammes sollen noch in dieser Woche sestgelegt werden. Die Reichsregierung nimmt wegen der geschäftlichen Behandlung auch mit den übrigen Parteien alsbald Fühlung.

Das Reichskabinett trat am Donnerstag zusammen, so­dann wurde tn einer neuen Besprechung mit. den Partei­führern der Versuch gemacht, das endgültige Arbeitsprogramm festzustellen. Da inzwischen auch mehrere maßgebende Frak­tionen sich mit der Lage beschäftigen und ihre Haltung bestim­men werden, rechnet man in parlamentarischen Kreisen damit, daß sehr bald eine Uebersicht über die Möglichkeit der Durch­führung des Arbeitsprogramms gegeben ist.

Von wesentlicher Bedeutung ist nach Ansicht unterrichteter Kreise für die Beurteilung dieser ganzen Frage im Augenblick besonders das Problem der Hilfe für die Landwirtschaft, das von deutschnatiormler Seite bei den Besprechungen sehr stark in den Vordergrund gestellt wird.

Reichstagsauflösung 31. März. Wahlen 13. Mai.

Nach der Kab-nettssitzung fmih ein2 läng?'-- Ausfp"och" unter den ehemaligen Koalitionsparteien statt. Beim Zentrum, der Bayerischen Volkspartei und der Deutschen Volkspartei bestand Einmütigkeit darüber, vor der Auflösung des Reichs­tags noch den Etat und den Nachtragsetat zu erledigen.

Als letzter Termin für die Auslösung des Reichstags wurde der 31. März genannt. Wenn üch cracben sollte, vag die in Aussicht genommenen Arbeiten bis dahin nicht erledigt werden könnten, soll beim Reichspräsidenten auf eine Auflösung schon vor dem 31. März hingewirkt werden. Die Deutschnationalen waren im allgemeinen mit diesen Vorschlägen einverstanden, sie stellten jedoch ein umfangreiches Programm über landwirt­schaftliche Fragen auf, das auch noch erledigt werden soll und das nach Ansicht der übrigen Parteien eine weit über den 81. März hinausgehende Arbeit nötig machen würde.

Als frühester Wahltermin wird der 13. Mai genannt.

Verhandlungen mit der Opposition.

Vizekanzler Hergt empfing die Führer der Sozialdemo- kraten, um sie mit dem vorläufigen Arbeitsprogramm offiziell bekanntzumachen. Auch die Sozialdemokraten erklärten, daß sie alles tun würden, um die möglichst schnelle Verabschiedung des Etats zu ermöglichen, da sie den Zeitpunkt der Neuwahlen möglichst frühzeitig wünschen. Im übrigen steht schon jetzt fest, daß die Sozialdemokraten den Etat ablehnen werden.

Die Demokraten erklärten sich gleichfalls mit dem be­schleunigten Arbeitsprogramm einverstanden. Sie erklärten, daß sie das Kabinett als ein Uebergangskabinett ansähen und sprachen die Erwartung aus, daß das Kabinett seine Arbeiten loyal führen werde, und nicht etwa die Zwischenzeit benutzten, um ihre Parteianhänger in wichtige Stellen hineinzubringen.

Außerdem hat die demokratische Fraktion dem Vizekanzler Hergt den dringenden Wunsch übermittelt, dem Arbeits­programm der Regierung auch noch die Schaffung eines Klein- rentnerversorgungsgesetzes einzufügen.

Beim Reichspräsidenten.

Der Reichspräsident empfing den Vizekanzler Dr. Hergt und den Reichsarbeitsminister Dr. Brauns znm Vortrag über die politische Lage.

Auch Preußen will auflösen.

Wie gemeldet wird, haben in Preußen schon vor längerer Zeit interfraktionelle Besprechungen der Regierungsparteien stattgefunden, in denen zum Ausdruck kam, daß für den Fall der Auflösung des Reichstages auch der Preußische Landmg aufgelöst werden soll, um eine gleichzeitige Nerttvahl für beide Parlamente vornehmen zu können.

Gemeindewahlen im Herbst.

Die vierjährige Legislaturperiode der preußischen Ge­meindevertretungen läuft an sich am 4. Mai ab. Wenn aber im Mai Neichstagswahlen und Wahlen zum preußi­schen Landtag stattfinden, so wird die preußische Regierung die Gemeindewahlen auf den Herbst verschieben.

t- Auch in Frankfurt a. M. ist sämtlichen Metallarbei­tern zum 22. Februar gekündigt worden.

Von Woche zu Woche.

Von Argus.

Die Regierungskoalition des Reiches ist sang, und klanglos.aufgelöst worden. Rund ein Jahr war sie im Amte. Und nun machte der interfraktionelle Ausschuß der seit­herigen Regierungsparteien Deutsch nationale, Deutsche Volkspartei, Zentrum, Bayerische Volkspartei am Mitt- woch ganz nüchtern die Feststellung, daß die Koalition nicht mehr weiterbestehe. Nach alledem, was vorgefallen war, kam dieses Ende nicht mehr überraschend. Die letzten Phasen deS Endkampfes und des Krisenzustandes zu schildern, erübrigt sich. Es mag genügen, nochmals daran zu erinnern, daß die Regierungskoalition über dem Schulgesetz zusammenbrach. Und zwar wegen der scharfen Gegensätze in der Simultan- schulfrage. Hierüber war eine Einigung zwischen der Deut- schen Volkspartei und dem Zentrum nicht zu erzielen. Beide erklärten, es handle sich dabei um prinzipiell Fragen, in denen ein Nachgeben ausgeschlossen sei. Die letzte Konsequenz aus der Auflösung der Regierungskoalition wäre natürlich bei Rücktritt des Reichskabinetts gewesen. Man will diese Kon- sequenz nicht ziehen.. Vielmehr soll die Reichsregierung gewissermaßen als reines Geschäftsministerium im Amt« bleiben, bis der Reichstag den Etat verabschiedet und einige dringliche Gesetzesvorlagen erledigt hat. Dann soll der Reichs­tag etwa am 31. März aufgelöst werden. Die Neu­wahlen wären dann im Mai. Man nennt bereits den 13. Mai als Wahltag. Vorläufig ist das aber selbstverständlich nur eine Annahme. Eine endgültige Entscheidung über den Wahl- termin ist noch nicht getroffen und kann erst "getroffen werden, wenn die bisherigen Koalitionsparteien über das, was noch vor der Reichstagsauflösung erledigt werden soll, einig sind. Hierüber gibt es augenblicklich noch Meinungsverschiedenheiten unter ihnen, weil die Deutschnationalen noch auf Verabschie­dung eines umfassenden landwirtschaftlichen Notprogramms drängen. Die Entscheidung wird in den nächsten Tagen fallen. Sicher ist, daß wir spätestens im Mai Reichstagswahlen haben werden.

Auch auf wirtschaftlichem Gebiete gieren Schwie- rigketten auf. Der Gefamtvcrband der Metollindustriellen hat " ' gm, auf nächsten Mittwoch das ist übrigens gerade der Aschermittwoch! sämtliche RMetallarbeiter im ganzen Reiche auszusperren. Ueber 800 000 Arbeiter würden davon betroffen werden. Der Beschluß wurde gefaßt im Zusammen­hang mit dem schweren Lohnkonflikt, der nun schon feit über vier Wochen in der mitteldeutschen Metallindustrie besteht und zum Streik ltzw. zur Aussperrung von 40 000 Metallarbeitern geführt hat. Es wäre zu wünschen, daß es den Bemühungen des Reichsarbeitsministers, der sich der Sache bereits ange­nommen hat, gelingt, die schwere Erschütterung des deutschen Wirtschaftslebens, die eine Durchführung des erwähnten Be­schlusses bedeuten würde, hintanzuhalten.--So steht der Dtummenschanz der Karnevalszeit in auffallendem Kontrast zum Ernst der politischen und wirtschaftlichen Lage!

Der österreichische Bundeskanzler Dr. Sei- Pel hat in Praa, der Hauptstadt der tschechoslowakischen Re­publik, einen Vortrag gehalten und die sühreltden Staats­männer besucht. Ueber den tieferen Zweck dieser Reise ist viel orakelt worden. Man hat wahrscheinlich mehr dahinter ge­sucht, als tatsächlich hinter ihr steckt. Immerhin wird sich Dr. Seipel natürlich nicht ausschließlich über das Wetter mit den tschechoslowakischen Ministern unterhalten haben. Aber es wird Wohl richtig fein, was er selber über seine Reise sagte: daß er kein bestimmtes Einzelziel damit verfolgte, son­dern nur eine persönliche Fühlungnahlne mit dem Staate herstellen wollte, der aus Bestandteilen der früheren öster­reichisch-ungarischen Monarchie zusammengesetzt ist und den heute noch viele wirtschaftliche Fäden mit Oesterreich ver­knüpfen.

In Frankreich kann Herr Poincars auf den Lor- beeren seines Sieges in der Kammer ausruhen. Er hat näch seiner Rede über Wirtschafts- und Währungsfragen eine so stattliche Kammermehrheit auf seine Seite gebracht, wie schon lange nicht mehr. Die französisch« Presse stimmt auch den Ausführungen in seiner großen Straßburger Rede au, so daß er getrost den Neuwahlen entgegensehen kann. Neueroings sind übrigens Bestrebungen im Gange, die französischen 5lammer­wählen, die auf den 22. April sestgelegt waren, in den Mai zu verschieben. Man möchte in Frankreich gern haben, daß die deutschen Reichstagswahlen vor den französischen Wahlen stattfinden.

Der frühere englische Premierminister Asquith ist gestorben. Er war der Führer der Liberalen Partei in deren Glanzzeit, die freilich schon längst entschwunden ist. Beim Ausbruch des Weltkrieges stand er an der Spitze des englischen Kabinetts. In den letzten Jahren ivar es stille geworden von dem Manne, der nun als Sechsundsiebzigiähriger verstorben ist. Im übrigen gab es im englischen Oberhaus wieder ein­mal eine kleine Abrüstungsdebatte aus Anlaß eines Vorstoßes von Lord Cecil. Herausgekommen ist dabei selbstverständi.^ ebenso wenig etwas, wie bei den vorhergegangenen Debatten dieser Art. *

Der amerikanische Senat hat sich endlich an die Beratungen des Gesetzes über die Freigabe der tvährend des Krieges beschlagnahmten ausländischen Vermögen und Gut­haben gemacht/ Auf der panamerikanischen Kon«