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Nr. 25
Dienstag, den 28. Februar 1928
80. Zahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
Z.-Nr. 1573. Nach Mitteilung der Regierung, Abteilung für Rirchen- und Schulwesen in Rassel ist der Stellen- beitrag zur Landesschulkasse vom 1. April 1928 an auf monatlich vierhundertfünfzehn Reichsmark für je eine Schulstelleneinheit und das staatliche Beschulungsgeld auf vierReichsmark monatlich für je 1 Rind festgesetzt worden.
Schlüchtern, den 24. Februar 1928.
Der kam. Landrat. 3. D.: Schultheis.
3.«Rr. 1638. Ich weise darauf hin, daß nach § 13 Übsatz 3 der Polizeiverordnung über die äußere Heilighal- tung der Sonn- und Feiertage vom 7. Dezember 1907
Kreisblatt Nr. 2 von 1908 — in der Zeit vom Sonntag Reminiscere — das ist in diesem Jahre der 4. März bis zum ersten Ostertage einschließlich — öffentliche Schaustellungen, Tanzmusiken und ähnliche Lustbarkeiten verboten sind.
Schlüchtern, den 24. Februar 1928. *
Der Kom. Landrat: Dr. Müller.
Kreisausschuß.
Betr. hindenburg-Wohlfahrtsbriefmarken.
I.-Nr. 1245 F. ,
Die Neichsgeschäftsstelle der Deutschen Nothilfe, Berlin hat mitgeteilt, daß der Weitervertrieb der hindenburgwohl- fahrtsbriefmarken und -Postkarten bis Ende März d. 3s. ausgedehnt worden sei.
Da dem Rreiswohlfahrtsamt noch eine beträchtliche Anzahl Postkarten und Markenheftchen zur Verfügung stehen, ersuche ich die Herren Bürgermeister unter Bezug- nul^.tc aus mein Rundschreiben vom 22. Oktober 1927 u ; ? bericht, wieviel Stück und welche Sorten der dortigen Gemeinde noch erwünscht sind. Gleichzeitig bitte ich die Herren Arbeitgeber und die Wirtschaftsvereinigungen nochmals, den Verkauf des Restvorrats nach Kräften unterstützen und etwaigen Bedarf mir baldmöglichst anzeigen zu wollen.
Die Frankierungs-Gültigkeit dauert bis Ende Mai d. 3. Schlüchtern, den 16. Februar 1928.
Der Vorsitzende des Rreiswohlfahrtsamtes.
Industrie und Landwirtfckaft.
Laut „Montagspost" ist zurzeit das Präsidium des Reichs- verbandes bet Deutschen Industrie in Berlin versammelt, um über die Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft zu beraten. Das Blatt nimmt an, daß sich die Industrie für weitgehende öffentliche Unterstützung der Landwirtschaft aussprechen werde. Gb die Industrie auch von sich aus der Landwirtschaft beispringen werde, stehe noch nicht fest.
Explosionskatastrophe auf der Hubertus-Grube.
Köln, 26. 2. Zu der am Samstag erfolgten Explosion auf der Braunkohlengrube hubertus bei Brüggen a. d. (Erst ^ird der „Köln. Volksztg." noch gemeldet, daß die Entstaubungsanlage, in der die Kohlenstaubexplosion erfolgte, ein Bilb grauenhafter Verwüstung bietet. Das furchtbare Ge- W war in einem Umkreis von 10 Kilometern zu hören.
Zahl der Toten hat sich auf drei erhöht, während 30 Mr oder weniger schwer verletzte sich in den Rrankenhäu- m befinden. Die Feuerwehr ist zurückgezogen worden, da
Gefahr weiterer Erplosionen vorliegt. Die Unglücksstelle M in weitem Umkreis abgesperrt. Der Bahnbetrieb von War nach horrem mußte gesperrt werden, weil die Bahn Mekt durch den Fabrikbetrieb fährt und die Geleise mit Nummern überhäuft sind.
3mifd6e«ffln Bei einer StahltzelM-Knndgeb»««.
^Vei einem Umzug, den der Stahlhelm in Röpenick bei Berlin im Anschluß an eine Fahnenweihe veranstaltete, kam es mit linksgerichteten Zuschauern zu einem schweren Zusammenstoß. Die Polizei mußte die kämpfenden Parteien dem Gummiknüppel auseinandertreiben. Mehrere Per= 'onen trugen Verletzungen davon. Etwa zwanzig Personen aus dem Publikum und zwei Stahlhelmleute wurden fest-» genommen und der politischen Abteilung des Berliner Poli- ^Präsidiums zugeführt.
. , Der Tbefpilot Henry Fords, Harry Brooks, der von o^roit nach Miami einen Flug in einem Ford-Flugzeug ^führen wollte, stürzte Samstag in der Dämmerung ’ns Meer und ging sofort unter. Das Flugzeug wurde 'Onntag, eine halbe Meile von der Rüste bei Melbourne Florida) entfernt, festgestellt. Dagegen fehlt von dem Füh- jede Sour, sodaß mit seinem Tode gerechnet werden muß.
Wie aus Jerusalem gemeldet wird, ist in Jerusalem auf den Höhen von Iudäa in den letzten zwei Tagen ^nee gefallen.
Englische Kritik an politis. Eine Denkschrift über die Sicherheitsfrage.
Die weitgeheuven Gegensätze, die sich in Gens schon bei der Aussprache über den Bericht des griechischen Delegierten Politis zur Sicherheitsfrage bemerkbar gemacht haben, kommen auch in einer von der englischen Delegation ausgearbeiteten Denkschrift scharf zum Ausdruck.
Die englische Denkschrift lehnt zunächst die von Politis erwähnten Alternativlösungen zur Ausfüllung der Lücken des Artikels 15 und die damit verbundenen Sanktionsbestimmungen im Namen der englischen Regierung ab, und zwar mit der Begründung, daß mit diesen Lösungen einer der wichtigsten Grundsätze, auf denen der Völkerbundspakt beruht, und der seine Anwendung erleichtert, angetastet würde, nämlich die E t n- stimmigkeitsklausel und die damit gewährleisteten Souveränitätsrechte jedes einzelnen Staates. Desgleichen werden gegen die Vorschläge zur Bestimmung des nichtprovozierten Angriffes bezw. des Angreifers ernste juristische und sachliche Bedenken vorgebracht, wobei hauptsächlich betont wird, daß in der Minderheit befindliche Staaten damit gegen ihre Ueberzeugung zu Sanktionen gezwungen werden könnten.
Ferner werden in der englischen Denkschrift Bedenken gegen den Vorschlag erhoben, daß die Kontra- yenten eines Regionalpaktes eine gemeinsame Aktion gegen einen dritten Staat unternehmen könnten, falls dieser einen der Kontrahenten angreifen sollte. Nach der Auffassung der englischen Regierung sollen Regionalpakte ausschließlich der Aufrechterhaltung des dauernden Friedens zwischen den kontrahierenden Staaten dienen, da sie sonst den Charakter von Defensiv- bünduissen erhalten würden, die selbst, wenn sie dem Geist des Völkerbundspaktes nicht offen zuwiderlaufen, zu einer Zerstückelung Europas in feindliche Lager führen würden. Die Denkschrift betont ausdrücklich, daß die Locarnoverträge nur dann wirksam werden, wenn keiner ihrer Teilnehmer gegen einen seiner Mitkontra- Henten zum Kriege treibt.
In Bezug aus die Borschläge, die eine Verbin- oung zwischen den Regionalverträgen gegenseitiger Hilfeleistung und Einhaltung der Abrüstungsverpflich- tungen herstellen wollen, erklärt die englische Denkschrift, daß eine endgültige Entscheidung so lange zurückgestellt werden müsse, bis der allgemeine Abrüstungsplan sich im letzten Stadium seiner Ausarbeitung befinde. Schließlich werden die Vorschläge, wo» nach dritte Staaten jederzeit Regionalpakten sollen beitreten können und andererseits die Registrierung von Regionalpakten beim Völkerbund durch den Rat prinzipiell soll verweigert werden können, als heikle Fragen berührend bezeichnet, die schon mancherlei Meinungsverschiedenheiten hervorgerufen hätten.
Fürst Radzlwill -Aachsolger Olszewslls? Bevorstehender Wechsel in der Berliner Polnischen Botschaft.
In Warschau verlautet, vatz nach den Sejm- und Senatswahlen am 4. und 11. März der Berliner polnische Gesandte und bevollmächtigte Minister Dr. Dl- szewski seinen Posten verlassen wird. Als aussichtsreichster Kandidat wird Fürst Janusz Radziwill genannt, der im Verlaufe des letzten halben Jahres schon mehrfach in Berlin bei gesellschaftlichen Veranstaltungen der polnischen Gesandtschaft sowohl wie der sonstigen Berliner Diplomatie anwesend war.
Das Londoner Auswärtige Amt bestätigt nicht das Gerücht, daß der gegenwärtige Botschafter Großbritanniens in Madrid, Sir Horace Rumbold, zum Botschafter in Berlin ausersehen sei.
— Nach einer amtlichen Verlautbarung des Marinedepartements hat das Marineluftschiff „Los Angeles" Lake- Hurst in New Jersey Sonntag morgen zu einem Fluge nach Kuba verlassen. Wenn das Wetter es erlaubt, so soll der Flug bis zur Panamakanalzone ausgedehnt werden. Dieser erste Flug eines Luftschiffes nach dem Panamakanal gilt sowohl als Nebungsfahrt wie auch als Beweis für die Verwendung von Luftschiffen zu Handelszwecken.
— In der Nähe von Rönigshütte ereigneten sich am Samstag Abend auf der Rattowitzer Thaussee innerhalb ganz kurzer Zeit an derselben Stelle drei schwere Auto- bzw. Motorradunfälle, wobei insgesamt drei Schwerverletzte und viele Leichtverletzte zu verzeichnen waren.
— Dr. Strefemann hatte am Sonntag wiederum zwei Besprechungen mit dem rumänischen Außenminister Titulescu.
Bei den am Sonntag im Freistaat Braunschweig stattgefundenen Stadtverordneten-, Gemeinde- und Rreis- tagswahlen ist nach dem vorläufigen Ergebnis ein allgemeiner Linksruck zu bemerken.
Sesterreichisch-italienischerKonflitt.
Scharfe Sprache der faszistischen Presse. — Mussolini will auf die Beschwerden wegen Südtirol antworten. — Abberufung des italienischen Gesandten in Wien?
Kein Verständnis für die Südtiroler Nöte!
Wie aus Rom gemeldet wird, nehmen die faszistischen Blätter in scharfen Worten Stellung gegen die Debatte im österreichischen Nationalrat wegen der Unterdrückung des Deutschtums in Südtirol.
„Messagero" schreibt: Wenn die Worte der Schreier im Nationalrat diesmal in der Rede Seipels nicht ein Echo gefunden hätten, und zwar ein Echo, das wohl zu stark auf den Ton der anderen Reden abgestimmt war, so hätte Italien überhaupt nicht geantwortet. Wenn aber das Haupt der österreichischen Regierung in vollem Bewußtsein seines Verantwortungsgefühls sprach, so muß Italien in Anbetracht dieses Verantwortungsgefühls Bundeskanzler Seipel auf einiges Hinweisen. Italien muß jetzt feststellen, daß auch Oesterreich offiziell eine beunruhigende Stellung einnimmt, von der es sich bisher ferngehalten hat. Italien wird niemals Einmischungen in seine Politik dulden.
„Popolo d'Jtalia" führt in einem Leitartikel zunächst die Pressestinlmen an, in denen Seipels Rede als zweideutig be- zeichnet wird. Das Blatt erklärt dann weiter, daß die anderen Sprecher im Nationalrat sich sogar dazu hätten hinreißen lassen, die Südtiroler Frage als eine internationale Frage zu bezeichn neu. Man müsse sofort zu verstehen geben, daß es für Italien eine Südtiroler Frage ebenso wenig, wie eine Frage der Minderheiten gibt.
Bundeskanzler Seipel wisse nur zn gut, wie sich Italien gegenüber der deutschsprachigen Bevölkerung verhalte. Es be- handele sie in der billigsten, gerechtesten und menschlichsten (') Art. Nur einige Faulenzer (!) versuchten, Uneinigkeit zu füen.
Eine Interpellation.
„ . ^>- Er--pp- Met» Abgeordneten ha: ... 9er ktsl mifc'cu Kammer eine Anfrage eingebracht, in der sie den Regierungschef und Außenminister um Mitteilung seiner Auffassung über die „schmähliche Haßkundgebung" ersucht, „die sich im italieni- schen Nationalrat abspielte, und über die von verantwortlichen österreichischen Kreisen betriebene unverschämte Lügen- kampagne gegen die einfache Anwendung italienischer Gesetze in der italienischen Provinz Bozen".
Es wird gefragt, ob es nicht angebracht sei, iu d esen Kundgebungen künftig eine unerträgliche Einmischung eines fremden Staates in die innere italienische Gesetzgebung zu erblicken.
Wie die römischen Blätter melden, wird Mussolini bei dem bevorstehenden Parlamentsbeginn diese Auftage beant. Worten.
Der italienische Gesandte abgereist.
Die „Neue Freie Presse" meldet aus Wien: Der hiesige italienische Gesandte Auritt hat Samstag vormittag einen telegraphischen Auftrag erhalten, unverzüglich nach Rom zurück- zureiseu, wo er vom Ministerpräsidenten Mussolini empfangen wird, um diesem persönlich über die Kundgebungen für die Südtiroler im österreichischen Nationalrat Bericht zu erstatten. Samstag erschien der Gesandte im Auswärttgen Amt, um von seiner Abreise nach Rom Mitteilung zu machen. Von einer Abberufung des Gesandten ist vorläufig keine Rede.
Auch die Tschechoslowakei!
Einer Meldung aus Prag zufolge verfallen Zeitungsauf- Sbe und Meldungen, die auf den 4. März, den sudetendeutfchen olkstrauertag zur Erinnerung an die Erschießung zahlreicher Sudetendeutscher durch tschechische Truppen im Jahre 1919 Bezug haben, der Konfiskation.
Diese scharfe Zensurpraxis ist auf die Weisung des Innenministeriums an die politischen Bezirksverwaltungen zurück- zuführen, Erinnerungen an den 4. März aus den Zeitungen mit allen Mitteln auszumerzen. Sogar eine im Parlament abgegebene Erklärung eines Abgeordneten wurde unterdrückt. Eine Zeitung darf auch nicht mehr ankündigen, daß ein Abgeordneter bei der Marz-Gefallenen-Feier spr'cht oder daß eine Theatervorstellung zu Ehren der März-Toten ftattfinbet
Mussolini läßt sich berichte».
Rom, 27. Februar. Der Wiener Gesandte Auritt ist auf telegraphische Aufforderung hier eingetroffen und wird heute von Mussolini empfangen. Die Berufung nach Rom hat den Zweck, Mussolini persönlich über Die Kundgebung im Wiener Nationalrat über Südtirol Bericht zu erstatten.
— Zu dem italienisch-österreichischen Konflikt erörtern fast alle Wiener Blätter das Verhältnis Italiens zu Oesterreich und stellen grundsätzlich fest, daß Oesterreich mit Italien in gut nachbarlicher Freundschaft leben wolle, aber in der Behandlung der Deutschen Südtirols Rücksicht auf das nationale Empfinden beanspruchen könne.
— In Augsburg ist am Sonntag vormittag das erste von den Bayerischen Flugzeugwerken erbaute Großverkehrs- flugzeug aus unbekannter Ursache abgestürzt und wurde vollständig zerstört. Der Pilot hackmack war sofort tot.