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Nr. 32 (1. Blatt) Donnerstag, den 15. März 1828 80. Aahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

3 .=Kr. 1839. Auf die im Ministerialblatt für die innere Verwaltung von 1928 Nr. 9 Seite 167 veröffentlichten Vorschriften für den Gewerbebetrieb der Personen, die gewerbsmäßig Sehen oder Eigentum fremder Personen be­wachen (Bervachungsgeroerbe) mache ich hierdurch auf­merksam.

Schlächtern, den 8. März 1928.

Der Kom. Landrat. 3. D.: Schultheis.

Kreisausschuß.

Gemeinderechnungsbücher betr.

3 .=Hr. 1232 K. A. Die in Kussicht stehende Aenderung der Bestimmungen der Dienstanweisung für Gemeindevor- stände und Kenner ist vorerst nicht zu erwarten. Es sind daher für das Rechnungsjahr 1928/29 die bisherigen For­mulare für die Nechnungsbücher, Hebelisten und das Auf= sichtsbuch noch einmal unverändert zu verwenden.

Schlächtern, den 12. März 1928.

Der Vorsitzende des Rreisausfchuffes: Dr. Müller.

8m den Deutsch-englischenHandelsverttag

Aeußerungen Chamberlains im Unterhaus.

Im englischen Unterhaus erwiderte der Außenminister Chamberlain auf die Frage eines Abgeordneten, ob Deutschland aus dem jetzigen Handelsvertrag mit England Herauswolle:

Soviel mir bekannt ist, hat die deutsche Regierung bereits davon Mitteilung machen lassen, daß sie die Absicht hat, den Vertrag zu kündigen. Der Abgeordnete fragte daraufhin, ob Chamberlain der Ansicht sei, daß diese Tatsache für den eng­lischen Handel von Bedeutung ist. Chamberlain antwortete: Ich Hesse, daß, wenn ber Vertrag gekündigt werden soll ' , wir über einen anderen Vertrag verhandeln, aber wir mufft: uns eine gewisse Freiheit wahren und uns hinsichtlich unserer eigenen künftigen Maßnahmen nicht von vornherein in unzu­lässiger Weise die Hände binden.

Der Abgeordnete Thorne fragte Chamberlain, ob die in' Genf zusammengeschlossenen Nationen hinsichtlich der Frage des freien Güteraustausches irgendwelche Fortschritte erzielt hätten. Chamberlain antwortete: Nein. Keiner der in Gens Anwesenden hat es sich einfallen lassen, die Idee der Abschaf­fung sämtlicher Zölle als einen praktisch durchführbaren Vor­schlag auszufassen. Sehr wenige Staaten haben so wenige Zölle wie wir.

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Wahlrechtserweiterung in England.

Im Unterhause brächte der Minister des Innern die Gesctzcsvorlage ein, durch die nunmehr auch die Frauen bereits bom 21. Lebensjahr an das aktive Wahlrecht erhalten. Die Vorlage wurde in der ersten Lesung angenommen.

Die Deutschenverhaftungen in Rußland.

Ein Schritt des deutschen Botschafters in Moskau.

Das Auswärtige Amt hatte unmittelbar nach Bekannt­werden der Verhaftungen der deutschen Ingenieure und Mon­teure im Donezgebiet den deutschen Botschafter in Moskau, Grafen Brockdorff-Rantzau, beauftragt, sich mit den maß­gebenden russischen Stellen ins Benehmen zu setzen und sich über die Gründe zur Verhaftung zu informieren.

Tschitscherin hat dem deutschen Botschafter mitgeteilt daß eine eingehende Untersuchung der Angelegenheit eingelertet worden ist. Ein Ergebnis dieser Untersuchung liegt noch nicht vor. Aus Moskau liegen bis jetzt keine weiteren Nachrichten über die Verhaftung der deutschen Ingenieure und Techniker vor. Auch bei der A. E. G. sind bisher keine telegraphischen Auskünfte ihrer in Rußland befindlichen Filialvcrtrctcr ein­getroffen. Im ganzen sind sechs Deutsche verhaftet worden, von denen vier (nicht drei) bei der A. E. G. beschäftigt sind.

Wie noch gemeldet wird, ist in der Angelegenheit auch der deutsche Generalkonsul in Charkow in der Sache tätig. Ein abschließendes Urteil kann noch nicht gefällt werden, und es ist auch unzulässig, wenn von russischer Seite die Dinge so dar. gestellt werden, als ob sie bereits geklärt seien.

Vom Völkerbund.

Konferenz zur Bekämpfung des Mädchenhandels.

Der Völkerbundsausschuß zur Bekämpsmig des Frauen- Und Kinderhandels, in dem Deutschland durch Frau Reichs- wgsabgevrdncte Gertrud Baeumer vertreten ist, hat in Genf seine 7. Tagung begonnen. Auf der Tagesordnung steht außer der Prüfung der laufenden Regierungsberichte und sozialen Maßnahmen zum Schutze der im Auslande für Tanzlokale feigen Mädchen auch die von der letzten Völkerbundsver- MUmlung beschlossene Untersuchung über die Möglichkeit der Allgemeinen Abschaffung der öffentlichen Häuser.

Aus Südtirol.

Neue italienische Zwangsmaßnahmen.

Der Gasthof Gruber im Bozener Boden wurde, wie die Jnnsbrucker Blätter melden, gesperrt, weil dort einige italieni­sche Arbeiter erklärt hatten, daß Mussolini nicht mehr lebend zurückkehren solle, wenn er am 24. Mai an der Enthüllungs­feier des Siegesdenkmals in Bozen teilnehmen würde. Die Kellnerin, die dieses Gespräch mit angehört hatte und auf die Frage, was die Deutschen zu dem Attentat auf Mussolini sagen würden, geantwortet habe, daß ein Anschlag auf Mussolini nur schlimme Folgen haben würde, wurde verhaftet.

DerTiroler Anzeiger" bringt eine Mitteilung der Zei­tungTirolia", nach der der Ministerrat beschlossen habe, 84 Beamte der Etsch-Provinz nach Jnneritalien zu versetzen.

An ihre Stelle sollen im Austausch Staatsbeamte aus Vene- tien und Toscana treten. In den Schulen von Bozen und Meran wurden die deutschsprachigen Lehrbücher eingezogen. Oesterreichische und deutsche Zeitungen seien in den Hotels so gut wie nicht mehr zu finden, da sie meist an der Grenze zurück- gehalten würden.

Frankreich.

Energischer Kampf gegen den Kommunismus.

Im französischen Senat erwiderte der Innenminister auf eine Interpellation, welche Maßnahmen er zum Schutze gegen die kommunistische Revolution zu treffen gedenke, u. a.:

Wenn die Kommunisten Frankreichs, um die Weki- revolution zu erringen, zunächst die französische Republik zev- stören und uns auf dem Wege des Bürgerkrieges zum Frieden führen wollen, wenn sie den Defaitismus predigerr, sich außer­halb der Gesetze stellen und ihren Worten Handlungen folgen lassen, die das nationale Leben betreffen und die Revolution im Heer und in den Kolonien bezwecken, und alles das, um vom Auslande gkommenen Befehlen zu gehorchen, dann darf neun nicht von einem Meinurlgsstreit sprecht

Der Senat nahm schließlich eine vom Senator Chaumet und Genossen eingebrachte Tagesordnung an, mit der der Innenminister sein Einverständnis erklärte und in der der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird, daß sie den Kampf gegen die kommunistischen Umtriebe, besonders die­jenigen unter der Jugend, fortsetzen werde.

Erhöhung der Leistungen der Invalidenversicherung.

Berlin, 13. März. Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstages überwies einen Entwurf der Reichsregierung zur speziellen Vorberatung an einen Unterausschuß, der in der Invalidenversicherung den Steigerungsbetrag für die vor der Inflation zurückgelegten Beitragszeiten im Reichsdurchschnitt um 40 Prozent erhöhen will. Die dadurch entstehende jähr­liche Mehrausgabe von ungefähr 100 Millionen will das Reich aus eigenen Mitteln tragen und von einer Beitrags­erhöhung deshalb abschen, weil sonst die Lohnerhöhungen der letzten Zeit illusorisch würden. Die Invalidenrenten würden in den Städten um monatlich 6 bis 8 Mark erhöht werden. Auch für die Angestelltenversicherung ist ein analoges Vor­gehen geplant.

Ankunft Strefemanns.

Berlin, 14. März. Reichsaußenminister Dr. Stresemann ist heute 15.51 Uhr in Begleitung von Staatssekretär Dr. von Schubert, Ministerialdirigent v. Dircksen und des Reichs­pressechefs Ministerialdirektor Dr. Zechlin, von Genf kom­mend, wieder in Berlin eingetroffen.

Gescheiterte Lohnverhandlungen bei der Reichsbahn.

Berlin, 14. März. Die Verhandlungen der Parteien der Reichsbahn sind, demDeutschen" zufolge, gescheitert. Die Eisenbahnergewerkschaften haben dringende Verhandlung«« mit dem Generaldirektor beantragt.

Der Vertreter der Reichsbahn, stellvertretender Gene­raldirektor Weyrauch, erklärte, die derzeitigen Einnahmen der Reichsbahn seien nicht derartige, daß eine Lohnerhöhung als tragbar bezeichnet werden könne. Zudem sei der Lohn­index im vergleich zum Jahre 1915 außerordentlich gestie­gen. Demgegenüber verlangten die Vertreter der Organi­sationen, daß ihnen Gelegenheit gegeben werde, General­direktor Dorpmüller persönlich auf den Ernst der Situ­ation und auf die eventuellen Folgen der Verweigerung einer Lohnerhöhung aufmerksam zu machen. Vermutlich wird die Hauptverwaltung im Laufe des morgigen Tages den Gewerkschaften auf diese Forderung einen Bescheid zukommen zu lassen.

3n Berlin-Lankwitz wurden ein 29 jähriger Ge­schäftsreisender und seine 28 Jahre alte Frau tot in ihren Betten ausgefunden. Wahrscheinlich liegt Mord und Selbst­mord vor.

Der englische Flieger Hinchcliffe hat Dienstag einen neuen Transozeanflug unternommen.

Reichsminister v. Reudell ist an einer Kopfgrippe krankt.

Vom Verkehrswesen.

Im Reichstag sind in der letzten Woche bei Beratung des Etats die deutschen Eisenbahnangelegenheiten ausführlich erörtert, besonders sind die Saris fragen be­handelt worden. Vor einiger Zeit hieß es, daß die Tarife für

'Personen- und Frachtverkehr erhöht werden sollten, eine Ankilndigung, die wohl geeignet war, Erregung in den Wirt- jchastskreisen Heroorzurufen. Die Geschäftslage ist zur Zeit nicyt so erfreulich, daß die Wirtschaft neue Lasten auf sich nehmen könnte. Eine Tariferhöhung hätte daher notwendig Erhöhung der Warenpreise, insbesondere auch Preiserhöhun­gen für die Exportwaren nach sich gezogen. Nun ist allgemein bewnnt, dass für die prompte Deckung unserer Dawes-Zah- lungsverpflichtungen ein tunlichst hoher Absatz nach dem Aus­land von der größten Wichtigkeit ist. Um diesen Absatz zu er­reichen, ist uns, wie man weiß, auch von dem Reparations­agenten Parker Gilbert empfohlen worden, die Preise so billig wie möglich zu gestalten. Die Steigerung der Eisenbahntarife hatte natürlich das Gegenteil davon veranlaßt, und es ist be­greiflich, daß gegen einen solchen Plan lebhaft protestiert wurde. Ser Reichsverkehrsminister hat sich bemüht, den Sturm zu beschwören: er hat erklärt, die Reichsregierung sei im gegenwärtigen Augenblick gegen eine Tariferhöhung, und er versprach, daß eine Erhöhung nur im äußersten Notfalle eintreten werde. Es muß selbstverständlich gefordert. werden, daß die nötigen Verbesserungen und Sicherheitsmaßnahmen im gesamten Eisenbahnbetrieb nicht unter der Zurückstellung emer^arrferhöhung leiden dürfen.

.. . ^^ Ankündigungen für den neuen Sommerfahrplan sind von der Eisenbahnverwaltung beträchtliche Versprechung gen gemacht worden. Die Züge sollen auf die Vorkriegsfahr-

d°Eer hinaus beschleunigt werden einzelne Schnellzuge bis zu 85 Kilometern in der Stunde!, die An- zahl der Züge soll bedeutend vermehrt und die innere Ein­richtung der Personenwagen soll verbessert werden. Mehrere sogenanntePullmanwagen", kostspielige Salonwagen nach amerikanischem Muster sind gebaut und werden in den Dienst gestellt werden. Sie werden wohl in erster Linie von reichen Ausländern benutzt werden. Denn das Fahren darin iUi.^ nicht billig fein. Das ist kein Schaden, denn wer diese Luxuszüge benützen will, der kann auch dafür bezahlen

Allmählich will die Reichsbahn zum Zweiklassensystem eine Holz- und eine Polsterklasse übergehen. Von heute auf morgen ist das aber selbstverständlich nicht zu machen. Es wird noch geraume Zeit dauern, bis es so weit ist. Zu wünschen Ware, daß die schnellfahrenden Personenzüge, die recht beliebt geworden sind, tunlichst vermehrt werden, denn sie tragen nicht nur zur Belebung des Wirtschaftslebens, sondern auch zur Fordernng des Eisenbahnverkehrs ganz erheblich bei. An- zuerkennen ist, daß die Eisenbahnverwaltung für die Sicher­heit des Verkehrs sich nach Kräften und Möglichkeit einsetzt, so daß die normalen Verhältnisse, wie sie früher bestanden haben, Wohl ungefähr wieder erreicht worden sind. Auch mit der Sauberkeit der Eisenbahnwagen ist es, ebenso wie mit der Pünktlichkeit der Züge, wieder besser geworden.

Zu wünschen ist, daß im Ausland die Vorurteile ausge­schaltet werden, die hier und da immer noch gegen Deutschland bestehen und dazu führen, daß internationale Expreßzüge statt durch Deutschland n m Deutschland herum" geführt wer­den. Unsere Zeit steht im Zeichen des Verkehrs: von dieser Tatsache muß auch der Völkerbund noch mehr, als das bisher geschehen ist, Notiz nehmen. Auch er könnte darauf hinwirken, daß die Verkehrseinrichtungen als Mittel zur Annäherung und zur Freundschaft unter den Ländern betrachtet werden. Noch immer läßt die Kenntnis der Länder und Völker durch Angehörige anderer Staaten viel zu wünschen übrig. Hier starte und sollte der Verkehr helfen.

Dammbruch. Viele hundert Tote.

Los Angeles, 14. März. Nachrichten aus Jmugus zu­folge befürchtet man, daß 75 Personen, die auf dem Gelände einer Elektrizitätsgesellschaft unmittelbar an dem durch das Erdbeben zerstörten Damm wohnten, ums Leben gekommen sind. Berichten aus New Hall zufolge ist eine sechskopsige Familie infolge des Dammbruches umgekommen. Besorgnisse bestehen über das Verbleiben von 21 anderen Familien.

Nach Schätzung des mit der Durchführung der Polizei- Maßnahmen und des Hilfswerkes beauftragten Beamten William Bright find infolge des Dammbruches in Kalifornien 200 bis 500 Menschen ums Leben gekommen.

Eisenbahnunglück 21 Tote.

Colomba, 14. März. Etwa 28 Meilen südlich von Colombo (auf Ceylon) sind zwei Personenzüge zusammen, gestoßen. 21 Reisende wurden getötet. Beide Maschinen und Mus Wagen wurden schwer beschädigt.

Kapitän Lohmann a. D.

Berlin, 14. März. Amtlich wird mitgeteilt: Mit dem 31. 3. 1928 aus dein Marinedienst ausgeschieden: der Kapitän zur See Lohmann (Walter), lommanbiert zur Verfügung des Chefs der Marineleitung.

DieEmden" heimgckchrt.

Berlin, 14. März. Der SchulkreuzerEmden" ist gestern vormittag von seiner 16monatigen Weltreise auf der Schilling- Reede bei Wilhelmshaven eingetroffen und wird nach einer Besichtigung durch den Inspekteur des Bildungswesens Mitt- wvchnächmittag 16 lkhr in Wilhelmshaven einlaufen, wo er etwa vier Tage bleiben wird, um dann nach Mürwik bei Flensburg weiterzufahren.