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Kreis-Amtsblatt * Allgemeiner mnLlicherAuzeiger für -en Kreis Schlüchtern

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9tr. 36 (1. Blatt) Samstag, den 24. März 1928

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80. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Stadt Schlüchtern.

Geeignete Arbeiter und Arbeiterinnen aus Schlüchtern, welche sich bei den Kulturarbeiten im Stadtwald beteiligen wollen, werden ersucht, sich bis spätestens Mittwoch, den 28. März d. 3s. bei l)errn Stadtförster Nlotz 3 a melden.

Berücksichtigt werden in erster Linie Arbeiter und Ar= beiterinnen aus Zchlüchtern.

Schlüchtern, den 23. März 1928.

Der Magistrat.

Bekanntmachung.

Auf Grund des § 1 der Polizeiverordnung vom 16. Närz 1927 Schlüchterner Zeitung Nr. 36 vom 24. März i 1927 werden die Besitzer von Bienenstöcken ausgefordert. bis zum 1. April d. 3s. die Zahl der von ihnen gehaltenen Bienenstöcke und Bienenvölker bei der Ortspolizeibehörde anzumelden.

Schlüchtern, den 22. März 1928 .

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Oeffentliche Mahnung

betr. Preußische 5taatssteuern.

Die preußischen Staats [teuern, Grundver­mögens- und Haus Zins st euern für den Monat März 1928 bezw. für Vormonate werden hiermit öffentlich angemahnt.

Da das 5 teuerjahr 1 9 2 7 zu Ende geht, wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Rückstände von ;der mit dem Einzug der Preußischen Staats steuern beauftragten Hebestelle in Schlüchtern (Stadtkasse) unver­züglich beigetrieben werden, da die Ablieferung an den preußischen Staat erfolgen muß.

Anträge und Eingaben heben die Zahlungsverpflich­tung nicht auf, solange Stundungs- oder Fristbescheide nicht ergangen sind.

Schlüchtern, den 19. März 1928.

Der Magistrat. Gaenßlen.

Geffentliche Mahnung.

Diejenigen Zahlungspflichtigen, die ihre A b g a b e n an die Stadt Schlüchtern bei der Stadtkasse noch nicht ent- 1 richtet haben, werden hiermit an die sofortige Zah­lung erinnert und daraus hingewiesen, daß die b|is züm ! Ende des Rechnungsjahres 1927 letzter Termin: PMärz 1928 nicht gezahlten Abgaben alsbald kostenpflichtig beigetrieben werden.

i Mahnungen erfolgen nur öffentlich, nicht durch Be= i händigung von Mahnzetteln.

Schlüchtern, den 19. März 1928.

L Der Magistrat: Gaenßlen.

IeroR®^si6WMiam»8M^t?»iaH^^

A«s dem Reichstag.

Berlin, 22. 3. Die heutige Plenarsitzung des Reichs- tages nimmt in allen drei Lesungen das Gesetz über den Eebietsaustausch zwischen Sachsen und Thüringen sowie das deutsch-spanische Luftverkehrsabkommen ohne Aussprache, dann in zweiter und dritter Lesung die deutsch-französische Vereinbarung über den Warenaustausch zwischen dem Saar« ^diet und dem deutschen Zollgebiet und außerdem ebenfalls n Zweiter und dritter Beratung den deutsch-polnischen Ver­trag über polnische Arbeiter sowie das Zusatzabkommen Zum deutsch-litauischen Handelsvertrag an. Nunmehr folgt mündliche Bericht des parlamentarischen Untersuchungs­ausschusses über die Ursachen des inneren Zusammenbruchs >m Weltkriege. Ohne weitere Aussprache stimmt das Haus

Ausschußentschließung, in der die Ergebnisse der Unter- mchung zusammengefaßt sind, zu. Nachdem noch die zweite t-stung des Haushalts des Reichsministeriums des Innern ^gönnen worden war, vertagte sich das Haus auf Fpeitag

Aus dem Landtag.

, berlin, 22. 3. Ohne Aussprache überweist der Preu- Landtag in seiner heutigen Sitzung die Gesetze über Volks-, Mittel-, Gewerbe- und Handelsschullehrer-Be- lolcung dem Hauptausschuß und geht zur Beratung des tfUrschußantrags über, der zur Behebung der landwirt- ^aftlichen Not die Zusammenfassung einer großen Reihe ou Anträgen eine Fassung vorschlägt, wonach das Staats« "Wisterium im Benehmen mit der Reichsregierung eine gemeine Umschuldung des landwirtschaftlichen Kredits dem Ziel durchzuführen hat, daß größere Personalschul- tunlichst in Realschulden umgewandelt werden zu einem jeglichen Zinsfuß. Die Ausschußanträge werden bestätigt.

nun folgende Beratung des Entwurfs einer neuen ^Ichäftsordnung für Wen Landtag wird unterbrochen, und as ^aus vertagt sich auf Montag 12 Uhr.

Reich und Länder.

Reform, aber kein öder Unitarismus.

Der Staatssekretär der Reichskanzlei, Dr. Pünder, sprach sich in einem Vortrag über das ProblemReich und Länder" aus. Seine Ausführungen verdienen besonderes Interesse, weil er seinerzeit die große Länderkonferenz in Berlin organisierte.

Dr. Pünder wies darauf hin, daß das bestehende staats­rechtliche Verhältnis einer dringenden Reform bedürfe. Dabei brauche das Ziel aber keineswegs ein oder Unitarismus zu sein, im Gegenteil, das historisch Gewordene solle auch in Zukunft bestehen bleiben. Die Reformen, die angestrebt wer­den, müßten sich in gewisser Hinsicht auf dem Grenzgebiet zwischen dem Föderalismus und dem Unitarismus bewegen, allerdings unter der unbedingten Voraussetzung, daß sich die Entwicklung nur auf evolutivem Wege und im Einvernehmen zwischen den Ländern und dem Reiche zu vollziehen hätte.

Staatssekretär Dr. Pünder unterstrich in dieser Hinsicht auch die Bedeutung der Länder^onferenz, die keineswegs zu einem negativem Ergebnis geführt hätte, und schloß, man könnte Wohl annehmen, zumal der Gedanke an eine Ver- fasiungsreform doch in weiten Kreise« Platz gegriffen hätte, daß diese Reform auf dem besten Wege sei.

Das Erdbeben in Mexiko.

Mexiko, 23. März. Das Erdbeben ist das stärkste, das seit Jahren sich in Mexiko ereignet hat. Die Bevölkerung lies zu Tausenden auf die Straßen und die Häuser schwankten be­trächtlich. In Veracruz dauerte das Beben anderthalb Mi­nuten. Die Bestürzung war allgemein. Schaden wurde nicht angerichtet.

NeAL Besuche orieutslischer Staatsoberhäupter.

Die DAS teilt im Zusammenhang mit der (Europareife des Königs Aman Ullah mit, daß voraussichtlich noch in diesem Jahr andere Persönlichkeiten, die an der Spitze orien­talischer Staaten stehen, ebenfalls einen offiziellen Besuch an den Regierungssitzen der größeren europäischen Staaten abstattem'werden. So verlautet, daß bereits im Herbst König Fuad von Aegppten eine (Europareife antritt. Auch der Präsident der türkischen Nepublik, Mustafa Kemal Pascha, sowie Schah Riza Khan von Persien sollen die Absicht haben, noch vor Ende dieses Jahres die wichtigsten Staaten (Europas zu besuchen.

Oberingenieur Goldstein in Berlin.

Der Oberingenieur der A. E. G., Franz Goldstein, der in Rußland als spionageverdächtig verhaftet war, ist gestern Abend gegen 9 Uhr mit dem warschauer Expreß auf dem Bahnhof Zoologischen Garten eingetroffen. Wie das B. T. meldet, ist der Gesundheitszustand des Gberingenieur Gold­stein nicht der beste.

Größten er in GLstrow

3n der Wohnung eines Tischlermeisters brach aus unbe­kannter Ursache Feuer aus, das schnell um sich griff und innerhalb einiger Stunden vier Häuser und eine Bäckerei in Asche legte. 18 Familien sind durch den Brand obdachlos geworden. Fast sämtliches häusliches Mobilar wurde ein Raub der Flammen. Die Familien sind sehr hart betroffen, da sie größtenteils nicht gegen Feuer versichert waren.

28 Per sonen an Milzbrandvergiftung erkrankt.

3n Hirschfeld an der Saale erkrankten nach einer Mel­dung des B. T. in der Lederfabrik Knqd) u. To. A. G. 28 Mann an Milzbrandvergiftung. Die Erkrankungen sind verursacht durch die Bearbeitung chinesischer Häute, die infolge der Wirren in Thina nicht mit der nötigen Sorgfalt für den Export bearbeitet waren.

Gefährliches Spiel.

3n 3Ifenburg im Harz vergnügte sich ein Schüler damit. Streichhölzerköpfe in einen hohlen Schlüssel ju stopfen, die er dann durch Klopfen zur Explosion brächte. Bei einer besonders starken Laduna zerplatzte der Schlüssel und dem Knaben wurden beide Hände zerissen.

Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt z. D., Geh. Legationsrat Edler von Stockhammern ,ift am 20. März im Alter von 58 Jahren gestorben.

Die Londoner Polizei ist einem in großem Maßstab betriebenen Waffenschmuggel nach 3rland auf die Spur ge­kommen.

Einer Berliner Wochenmarkthändlerin ist am Don­nerstag ihr ganzes vermögen in Höhe von 13 000 Mark, das sie dauernd in einer ledernen Tasche bei sich/ fühlet!«, während dem Markt gestohlen worden.

3n einer Sitzung des vorbereitenden Abrüstungs­ausschusses in Genf gab der italienische Delegierte bekannt, daß außer Frankreich, Sowjetrußland und Venezuella nun­mehr auch Italien die Ratifikation des Protokolls über das verbot des Giftgas- und bakteriologischen Krieges vorge­nommen hat.

Ein Bestechungsskandal, an dem hohe Beamte der Reichsbahn beteiligt sind, beschäftigt augenblicklich die Ber­liner Staatsanwaltschaft. Es handelt sich um Bestechungs- gelder in Höhe von 100 000 Mark.

Bon Woche zu Woche.

Von Argus.

Nun geht's mit raschen Schritten auf die Reichs­tagsauflösung zu. Ganz so schmerzlos, wie man hoffte, wird das Notprogramm zwar nicht aufgearbeitet wer­den können, aber schließlich wird's doch geschafft werden. Eine Parteiführerbesprechung ergab den festen Willen dazu bei allen größeren Fraktionen. Im Haushaltsausschuß sind die Hauptschwierigkeiten bereits überwunden: sowohl der agrarpolitische Teil des Programms wie die sozialen Maß­nahmen sind erledigt. Die vielumstrittene Gefrierfleisch- Vorlage hat übrigens das Plenum passiert. Wann wird ge­wählt? Wie wir glauben am 20. Mai. Im Haushalts- ausschuß des Reichstages gab der Reichsfinanzminister ein Bild von dem Stande der Reichsfinanzen: dank der guten Wirtschaftskonjunktur ist er günstig. Es sind erhebliche Ueber- e aus den Steuer- und Zolleinnahmen gegenüber dem gchlag zu erwarten. Aber so fügte Herr Köhler hin­zu wenn man zu einer geordneten Finanzgebarung zurück­kehren will, darf es künftig keine Nachtragsetats vom Aus­maße des diesjährigen mehr geben. Man wird dem zu­stimmen müssen. Ja, noch mehr ist zu fordern: ein Zurück­schrauben des Reichsaufwandes (übrigens auch des Länder­aufwandes!) auf das unbedingt nötige Mindestmaß. Dazu aber bedarf es der tatkräftigen Inangriffnahme des Problems der Verwaltungsreform. Der neuen Reichsregie­rung harrt hier eine ebenso große und bedeutungsvolle wie schwierige Aufgabe. ,

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Es ist für den Geschichtskenner nicht neu, daß der frische Märzenwind die Gemüter revolutioniert. Dieses Jahr lassen die großen Bauernkundgebungen die Öffentlichkeit aufhorchen. Wahrhaftig, die Landwirtschaft hat keine glänzen­den Zeiten. Mit demSegen" der Papiermark ist es längst aus. Zwar sind die alten Schulden weg, aber neue sind an ihre Stelle getreten. ViÄe andere Sorgen, die im Rahmen dieser Betrachtung einzeln nicht aufgezählt werden können, kommen dazu. Trotzdem hat es keinen Zweck, die Fenster - cW. eines Finanzamtes einzuschlagen. Im Gegenteil: es chadet nur. Nur gegenseitiges Sichverstehenwollen kann jelfen. Die deutsche Volkswirtschaft war schon in der Vor­kriegszeit ein äußerst kompliziertes Instrument. Sie ist es jetzt, da die schweren Kriegslasten aus ihr ruhen, erst recht. Wie sollte sie richtig funktionieren, wenn nicht alle ihre Glieder harmonisch zusammenarbeiten? Es ist erfreulich, daß nach den jüngsten Zusammenstößen in Schlesien die Führer der Bauernorganisationen sich bereit erklärt haben, beruhi­gend auf ihre Anhänger einzuwirken. Demonstrieren, um auf die Notlage der Landwirtschaft hinzuweisen, ist gut. Aber jede Demonstration wird um so wirkungsvoller sein, ie würdiger sie verläuft. Man kann aber nicht behaupten, daß polizeiliche Gummiknüppel die Wirkung einer solchen Kund­gebung erhöhten. Und darum nochmals: Besinnung und ruhig, Blut! Aber auch ernster Wille, überall dort zu helfen, wo überhaupt mit staatlichen Maßnahmen geholfen werden kann. Was in demNotprogramm" der Reichsregierung ver­langt wiÄ>, ist ein Anfang dazu.

Die deutsche Republik hat Ordensschmerzen. Vor dem Kriege hatte nur der einzelne unter diesem Uebel zu leiben, jetzt aber der ganze Staat. Da hat nämlich der König von Afghanistan eine ganze Reihe von hohen Ordensauszeich­nungen mitgebracht und sie an hohe Würdenträger des Reiches, Preußens und der Stadt Berlin verliehen. Die Reichsverstaskung verbietet aber allen Deutschen die Annahme toctt ausländischen Orden. Schwieriger Fall.' Ein Teil der also Bedachten entschiÄ» sich für Annahme der Orden als ^Erinnerung". Um ds» Spender nicht zu kränken. Ein anderer LM k-Hnt- aL Um dem Wortlaut der Reichs- Verfassung zu genügen. Was ist das Richtige? Die Frag» wird selbstverständlich! mit deutscher Gründlichkeit m der Presse erörtert und je nach dem Parteistandpunkt be­antwortet. Sollte man nicht, um allen Schwierigkeiten zu ent­gehen, die erwähnte Verfassungsbestimmung beseitigen? Allzu wichtig ist die Sache freilich nicht.

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Eine andere internationale Konferenz tagt augenblicklich in PariS: die Tangerkonferenz. Frankreich, Spanien, England und Italien sind daran beteiligt. Bei seinen Be­strebungen auffriedliche Durchdringung" Nordafrikas stößt Frankreich auf immer neue Konkurrenten: bisher gehörte Italien nicht ddzu, aber jetzt sitzt der Vertr-ter Mussolinis mit am Konferenztisch und verlangt, daß auch Italien in Marokkofragen mitzusprechen hat. In England gab's eine kleine Sensation: eine Art Revolte höherer Marine­offiziere auf einem Schlachtschiff, das vor Malta lag. Bei einer Debatte im englischen Unterhause über die Besetzung des Rheingebietes kam nichts Positives heraus. Nur die Ver­treter der Arbeiterpartei sprachen sich für sofortige Räumung des besetzten deutschen Gebietes aus. Aus Amerika kommen Nachrichten über große Bestechungsaffären mit politischem Hintergründe. Man merkt daran, daß die Präsi- dentcnwahl bevorsteht. Im übrigen: Amerikas gewaltiger Seerüstungsplan ist die beste Illustration zu den ,Kb- rüstungs"-Konferenzen in Genf, aber auch zu dem ameri­kanischen Vorschläge eines Antikriegspaktes.

Die die Ursache der Staudammkatastrophe in Kali« formen untersuchenden Beamten wollen Spuren eines Dqna« mitanschlages gefunden haben.