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M. 48 (1. Blatt) Samstag, den 21. April 1928 80. Jahr«.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

Reichs- und La«Ätagswah!sm.

3.=Hr. 3168. Nach dem jetzt ergangenen Runderlatz | des Herrn Ministers des Innern vom 13. d. Mts. > Ic 247 ITC. BI. i. D. S. 390 dürfen Stimm-lWühler)- 5 listen, die beim Volksbegehren und Volksentscheidverfahren über die Fürstenenteignung benutzt worden sind, bei den l Reichstags- und Landtagswahlen am 20. n. Mts. nicht ' wieder verwendet werden.

Sollten bei dem Volksbegehren und Volksentscheidverfah- ren Stimm-(Wähler) Karteien benutzt worden seien, so soll vor deren Auslegung für die kommenden Wahlen dafür . s Sorge getragen werden, daß die Stimmberechtigten, die sich an jenem Verfahren beteiligt haben, nicht mehr erkennhar ! sind, indem auch bei denjenigen Stimmberechtigten, die sich . ? nicht beteiligt haben, in der entsprechenden Spalte der Karteiblätter ein Stimmzeichen nachgetragen wird.

i Der zweite Rbsatz meiner Verfügung vom 11. b. Mts.

Nr. 2954 Sd)lüsterner Zeitung Nr. 45 ist dadurch i überholt.

Die in dem letzten Rbsatz meiner vorgenannten Verfü- j gung zum 22. d. Mts. geforderte Berichterstattung, daß ; die Stimmlisten auslegungsfähig sind, wird hiermit auf den , 26. b. Mts. verlegt. Die bereits erstatteten Berichte gelten ; als nicht erfolgt. Diefer BerIchtstermin ist pünkt- - lich einzuhalten.

Schlüchtern, den 19. April 1928.

Der Kom. Landrat: Dr. Müller.

Reichs- und Landtagswahlen am 20. Mai 1928.

I.-Nr. 3266. Die Herren Bürgermeister und Gutsvor­steher ersuche ich, spätestens am 28. d. Mts. ortsüblich be- bannt zu machen, daß die Stimmliste zu den Reichstags- und Landtagswahlen in der Zeit vom 29. d. Mts. bis ein­schließlich 6. n. Mts. im Geschäftszimmer des Gemeinde- lDuts-)vorstehers öffentlich ausgelegt wird hinter Angabe der Tagesstunden) und daß Einsprüche gegen die Stimmliste bis zum Ablauf der Nuslegungsfrist bei der Gemeindebe­hörde anzubringen sind. (§ 18 Rbsatz 2 R. St. ©. sowie § 13 Rbsatz 2 L. W. O.).

In die Stimmliste sind alle ortsanwesenden Personen ; männlichen und weiblichen Geschlechts aufzunehmen, die am Wahltage Neichsangehörige und 20 Iahre alt sind.

Das Recht zum preußischen Landtag zu wählen, ist ausdrücklich am das Vorhandensein eines Wohnortes (Wohn- - sch oder gewöhnlicher Aufenthalt) in Preußen geknüpft. ! ^ur preußische Staatsbeamte, Arbeiter und Angestellte in preußischen Staatsbetrieben sowie die zu ihrem Haushalt gehörigen Personen sind beim vorliegen der sonstigen Vo­raussetzungen für das' Wahlrecht auch dann zur preußischen : Landtagswahl berechtigt, wenn sie zwar außerhalb des ; preußischen Staatsgebiets, aber nahe der Landesgrenze moh- uen. Sie sind auf Antrag in das Wählerverzeichnis einer benachbarten preußischen Gemeinde eir^utragen.

| Bor der Eintragung jeder einzelnen Person ist deren ; Wahlrecht genau zu prüfen.

,, Die Herren Bürgermeister ersuche ich, mir bestimmt i bis zum 30. d. Mts. anzuzeigen, wieviel Personen in I die Stimmliste ausgenommen worden sind.

U l Schlüchtern, den 18. April 1928.

Der kom. Landrat: Dr. Müller.

I.-Nr. 3279. Ich habe Veranlassung, die Drtspoli- Mbehörden darauf hinzuweisen, daß bei Ausstellung von Bescheinigungen oder bei Beglaubigung von Schriftstücken usw. die etwa hierzu ^erforderlichen Unterlagen vorher genau nachgeprüft werden müssen, werden vorsätzlich ober fahr- iußig unrichtige Bescheinigungen erteilt, so macht sich der verantwortliche Beamte nicht nulr schadenersatzpflichtig, son- Jern ier setzt sich auch gerichtlicher und disziplinarischer Bestrafung aus.

Schlüchtern, den 18. April 1928.

Der kom. Landrat: Dr. Müller.

Staatliche Kreis- und Forstkasse.

Tgb. Nr. 729 II. Wegen Abschlußarbeiten ist die staat- "che Kreis- und Forstkasse an nachfolgenden Tagen des Rech­nungsjahres 1928 für jeden Verkehr geschlossen.

28. 4. 1928 25. 10. 1928

24. 5. 1928 24. 11. 1928

25. 6. 1928 22. 12. 1928

25. 7. 1928 24. 1. 1929

25. 8. 1928 22. 2. 1929

25.

3. i929

bis 121/.

24. 9. 1928 25. 3. 1929 Wagenstunden an den übrigen Wochentagen von 878 bis i272.

Zahlungen können ferner auf das Postscheckkonto Frank­en" a. M. Nr. 6762 oder auf das Konto bei der Kreisspar- °nffe in Schlüchtern geleistet werden.

Schlüchtern, den 17. April 1928. gez. Kartte.

Sitzung des Reichskadmetts.

Die deutsch-Polnischen Verhandlungen. Die Kellogg-Note.

Wie verlautet, hat das Reichskabinett eine Sitzung abge­halten, in der der Führer der deutschen Delegation für die Handelsvertragsverhandlungen mit Polen über seine Wiener Besprechungen mit dem polnischen Delegationsvorsitzenden v. Twardowski berichtete. Außerdem beschäftigte sich das Ka­binett mit der Kellogg-Note zur Antikriegsfrage.

Reichsminister Dr. Stresemann berichtete über die dem Auswärtigen Amt überreichten Dokumente und das Ergebnis ihrer Prüfung. In politischen Kreisen nimmt man an, daß eine Entscheidung nicht getroffen werde, schon deshalb nicht, weil Reichskanzler Dr. Marx augenblicklich von Berlin ab­wesend ist.

Die Achtung des Kriegs.

Der französische Gegenentwurs.

Wie aus Paris gemeldet wird, hat der französische Mini­sterrat zu dem Entwurf eines Gegenentwurfs zu dem ameri­kanischen Antikriegspakt bereits Stellung genommen. Der Entwurf wird nunmehr den diplomatischen Vertretern Frank­reichs in Washington, London, Berlin, Rom und Tokio zwecks Ueberreichung an die interessierten Regierungen übermittelt werden.

DerExcelsior" erklärt, daß die im Ausland verbreitete Nachricht, man fasse eine internationale Konferenz für die Diskussion des geplanten mehrseitigen Antikriegspaktes ins Auge, niemals in den Absichten der interessierten Regierungen gelegen habe und daß Frankreich eine solche Konferenz für un­angebracht und wirkungslos halte.

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Berlin, 20. April. Gestern vormittag sollte in der Ange- ! legenheit des Straßenbahnunglücks auf der Heerstraße eine neue Vernehmung stattfinden, zu der der Führer des verun­glückten Zuges, der Fahrer Redlich, jedoch nicht erschienen war. Er konnte auch in seiner Wohnung nicht erreicht werden. Die Kriminalpolizei stellt Ermittlungen an. Uebrigens laufen bei den die Untersuchung führenden Stellen ganz ungewöhnlich zahlreiche Zuschriften aus dem Publikum ein, die sich alle zu­gunsten des Schaffners Redlich aussprechen.

Des Patzzwang im besetzten Gebiet.

Die Voss. 3tg. melbet: Die Reichsregierung hat den Reichskommissar für die besetzten Gebiete beauftragt, in Verhandlungen mit den Besatzungsbehörden einzutreten, um den Paßzwang im besetzten Gebiet FU beseitigen.

14 Jahre Zuchthaus wegen Tötung eines Försters. Bapreuth, 19. 4. (WB). Heute Abenb wurde das Urteil im Förftermordprozeß gegen den Porzellanarbeiter Hirschmann aus Sosienthal bei Weidenberg im Fichtelge- birge verkündet. Es lautet auf 14 Iahre Zuchthaus und 10 Iahre Ehrverlust wegen Totschlages. Der Staatsanwalt hatte die Todesstrafe beantragt. Es handelt sich um die Er­mordung des Försters Popp bei Untersteinach im Fichtelge- birge, die lange Iahre im Dunkeln gehüllt blieb.

Die Deutschnationalen zur Verfaffungsfrage.

Im Zusammenhang mit ihren Wahlaufrufen veröffent­licht die Deutschnationale Volkspartei eine längere Stellung= nähme zur Verfassungsfrage, in der gefordert wird: Der Reichspräsident soll zugleich preußischer Staatspräfibent sein. Er soll die preußischen Staatsminifter berufen und das Recht haben, die Aemter des Reichskanzlers und des preußi­schen Ministerpräsidenten in eine Hand zu legen.

In den Bleriotwerken in Paris befindet sich gegen­wärtig ein viermotoriges Flugzeug im Bau, mit dem im herbst der Sohn Bleriots die Ueberquerung des Ozeans versuchen will.

Gegen das von dem Reichsinnenminister nachgesuchte verbot des Roten Frontkämpferbundes mehren sich die Einsprüche. Neben Preußen, Hamburg, Lübeck, Bremen, Lachsen, Hessen und Anhalt haben heute auch Braunschweig, Mecklenburg-Lchwerin, und Baden gegen das verbot des Roten Frontkämpferbundes protestiert.

Das in der vergangenen Nacht in Bulgarien fest- gestellte Erdbeben hat die Ortschaft Pragzlp vollständig zerstört. Unter den Trümmern der Häuser sind bereits mehrere Leichen geborgen worden. Durch entstandene Bo­densenkungen^ ist der Eisenbahnverkehr südlich von Philip­popel gestört worden.

An der dänischen Küste bei Roenne ist ein Rettungs­boot angetrieben worden, in dem ein toter Seemann lag. Das Boot trug die RufschriftBob Gslo". Man befürchtet, daß das Schiff mit 12 Mann Besatzung untergegangen ist.

Von Woche M Woche.

Von Argus.

Es Hai wieder einmal etwas wie ein gemeinsames natio­nales Empfinden und Erleben gegeben: die Erwartung, daß der kühne Versuch deutscher Flieger, den Ozean in der^Ost-West-Richtung zu bezwingen, gelingen möge und die Freude darüber, daß dieBremen" die neue Welt tat­sächlich erreichte. Diese Freude war im ganzen deutschen Volke groß und echt. Was will es besagen, daß das Flugzeug das vorgesteckte Ziel nicht ganz erreichen konnte, weil es die Tücken des Wetters erheblich von seinem eigentlichen Kurs abweichen ließ? Es bleibt die Großtat des ersten Fluges von Europa nach Amerika mit einer Flugmaschine, die im Kampfe gegen die Elemente noch wehrloser ist als die berühmte Nuß­schale, mit der man die ersten kleinen Ozeanschiffe- zu ver­gleichen pflegte. Einem deutschen Luftschiff dem Amerika- Zeppelin war das Wagnis schon früget gelungen. Jetzt ist ihm das, deutsche Flugzeug nachgefolgt. Auch 7ms Aus­land hat die glänzende deutsche Leistung anerkannt. Selbst die französische Presse spendete einiges Lob. Nur ein Pariser Boulevardblatt hat der Erfolg der deutschen Flieger geärgert. Da es ihm beim besten Willen nicht möglich war, ihn zu ver­kleinern, erfand es eine Schauermär: Kohl, der Führer der Bremen", der während des Krieges als Fliegerhauptmann in französische Gefangenschaft geraten war, sollte danach natürlich ungewollt die Pläne der deutschen Offensive von 1918 den Franzosen nennten haben. Es ist traurig, daß auch deutsche Zeitungen diese vom blassen Neid diktierte, selbstverständlich frei erfundene Geschichte ihren Lesern vor­gesetzt haben. Lassen wir uns dadurch die Freude an dem Er­folg mutiger deutscher Männer nicht verkleinern!

Der Reichstagswahlkampf kommt allmählich in Fluß. Roch scheint zwar das Interesse für die Wahl nichr sehr groß zu sein, obwohl uns nur ein Monat vom Wahltage trennt. Hoffentlich gelingt es, diese Gleichgültigkeit weitester Kreise unserer Bevölkerung noch zu überwunden. Es hilft alles nichts: wir brauchen ein politisch interessiertes Volk. Es rauh gewillt z- ,^,. .7^u der Natirui,

-.. : ._ es aucy der d re se n Wahlen gebt, klar und unzwei­deutig Stellung zu nehmen. Vielleicht erkennt man dies noch bis zum 20. Mai. Einstweilen erregt einiges ^Aussehen die Aufforderung des Reichsinnenministers an die Länder, den Roten Frontkämpferbund" eine Organisation kommu­nistischer Kriegsteilnehmer zu verbieten. Preußen hat eine dahingehende Anordnung abgelehnt, so daß der Staats- gerichtshof entscheiden muß. Andere Länder darunter Hamburg wollen ebenfalls nicht mitmachen. Somit ein Konflikt in aller Form. Zur formalen Seite der Frage wird der Leipziger Staatsgerichtshof sprechen. Wie dieses Ur­teil aber ausfallen möge, eines jedenfalls scheint uns dringend wünschenswert: daß der Kampf um die Wahl am 20. Mai ein Kampf der Ueberzeugungen oder wenn man will der Weltanschauungen bleibe!

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Auf dem Industrie- und Handelstag zu Berlin hat ein Mitglied des Verwaltungsrates der Deutschen Reichsbahn, Herr v. Siemens, diebeabsichtigteTariferhöhung der Reichsbahn zu begründen versucht. Mit dem Hin­weis auf die finanzielle Lage der ReichsLahngefellschaft, auf das Defizit des Jahres 1927, auf die große Belastung kurrch den Dawes-Plan u. a. m. Alles gut und schön. (Vielleicht and) nicht schön!) Aber wenig einleuchtend, wenn man daran denkt, daß die Eisenbahn auch große volkswirtschaftliche Auf. gaben hat mrd nicht einfach ein kaufmännisches Unternehmen ist, das ein? Rente abwerfen muß. Zu einer Tariferhöhum muß die Rstchsregierung ihre Zuitimmunc geben. Wi hoffen, daß sie dies nicht tut. Weil die Tariferhöhung stglag- lich nur neue Unruhe in das Wirtschaftsleben Preis­erhöhungen und als deren Konsequenz Lohnkämpfe! _ bringen müßte. Wir können dies gegenwärtig und in abseh­barer Zeit wirklich nicht gebrauchen!

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Frankreich wählt diesen Sonntag seine neue Kam­mer. Man kennt bei den Franzosen Parteien im deutschen Sinue das will heißen: Parteien mit festumrissenen Pro­grammen und mit gut ausgebauten Organisationen nicht. Man sümpft daher bei Wahlen weniger um grundsätzliche Dinge als vielmehr um gerade aktuelle Tagesfrägen, oder um Personen. Diesmal geht der Wahlkampf ausschließlich um die Frage: Für oder gegen P 0 i n c a r 6, den Mann, der die französische Währung stabilisierte. Von außen her gesehen rusonderlich vom deutschen Standpunkt aus war diese Fragestellung nicht gerade erwünscht. Eine klare außen­politische Parole hätte uns lieber sein müssen. Vielleicht die Frage: Für oder gegen die Verständigung mit Deutschland. So schwingt sie gewissermaßen nur im Unterton mit. Und wir werden erst an den T a t c n der neuen französischen Kam­mer ermessen können, was Deutschland von ihr zu erwarten hat. Uebrigens wird bei der auch in Frankreich sehr großen Zersplitterung durchschnittlich sieben Kandidaten auf den Wahlkreis die Hauptentscheidung erst in der Stichwahl fallen.

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Der König von Italieu ist einem raffiniert vorberei- teten Bombenanschlag in Mailand glücklich entronnen. Das Attentat hat 20 Personen darunter einigen Kindern, die Spalier standen, das Leben gekostet. Die Täter sind noch nicht