Nr. 57 g Blatt) Samstag, den 12. Mai 1928 80. Iahrg.
Amtliche Bekanntmachungen. Landratsamt.
I.-Nr. 723 D. Bei der am 25. Rpril 1928 vorgenommenen Versichertenwahl der Versicherungsvertreter als Beisitzer des Versicherungsamtes des Kreises Schlächtern sind insgesamt 3202 Stimmen abgegeben worden. Die Gesamtzahl der abgegebenen gültigen Stimmen beträgt 2734. Davon sind zugefallen: der Vorschlagsliste II 1440 Stimmen der Vorschlagsliste III 1294 Stimmen.
(Es sind somit gewählt worden:
a als Versicherungsvertreter:
1. Stoppel, Georg, Steinarbeiter, Vellings,
2. Deuker, Philipp, Arbeiter, Schlächtern,
3. Walther, Scan, Buchdruckermeister, Schlächtern,
4. Betzoldt, Hilmar, Werkmeister, Herolz,
5. Müller, Johannes, Haumeister, Steinau,
6. Kraus, Adam, Heizer, Sterbfritz.
b) als Stellvertreter:
1. Bobn, Max, Steinarbeiter, Steinau,
2. Nöhrig, Heinrich, Wegswärter, Hintersteinau,
3. Kobel, Hans, Elektrotechniker, Sterbfritz,
4. Viehm, Georg, Angestellter, Schlächtern,
5. Weber, Wilhelm, Landwirt, Niederzell,
6. hohmann, Karl, Steinarbeiter, Schlächtern,
7. Latz, Margaret«, Tabakarbeiterin, Steinau,
8. Henrich, Iofef, Zimmermann, Soden,
9. Gaul, Heinrich, Gespannführer, Ahlersbach,
10. Beringer, Taspar, Oberholzhauer, Keuengronau,
11. Möller, Ullrich, Maurer, Elm,
12. Sockel, Alois, Schreiner, Soden. •
Dieses Wahlergebnis wird hierdurch gemäß § 32 der Wahlordnung bekannt gemacht.
Schlächtern, den 8. Mai 1928.
Der Wahlleiter: Dr. Müller, Kom. Landrat.
—Kreisausschuß.
I .-Nr. 2009 K. A. Am Freitag, den 25. Mai 1928.' vormittags 10 Uhr findet im Kreishause hierselbst eine Zitzung des
Kreistages statt.
Schlüchtern, den 5. Mai 1928.
Der kom. Landrat: Dr. Müller.
Preutzischss Katastsramt.
A. 118. In Wahlversammlungen ist wiederholt behauptet worden:
1. Der preußische Grundsteuerwert stützt sich auf den Wehrbeitragswert.
2. Der Wehrbeitragswert ist aus dem Durchschnitt von Kaufpreisen — gemeinen Werten — abgeleitet.
Demgegenüber wird festgestellt:
l. Nach Gesetz vom 14. 2. 1923 — G. 5. S. 29 — ist der Besteuerung zur staatlichen Steuer vom Grundvermögen der Wert zugrunde ‘ zu legen, wie er für die Veranlagung zur Ergänzungssteuer 1917/19 maßgebend war.
2. Der Ergänzungssteuerwert ist nach dem Ertragswert, nicht nach dem gemeinen Wert berechnet worden (siehe Gesetze vom 14. Iuli 1893 / 19. Iuni 1906 und 26. Mai 1909.)
Der Vorsitzende des Grundsteuerausschusses, gez. "Momsen.
Allgemeine Ortskrankenkasse Schlüchtern.
Die alshaldiae Einzahlung der noch rückständigen Bei-i träge aus den Zahltagen für die Monate Januar, Februar und März 1928 wird hiermit in Erinnerung gebracht.
Hebetermine finden statt:
I. In Steinau, am Mittwoch, den 9. Mai 1928, bon vormittags 10 bis 4 Uhr nachmittags, in der Eckardschem Gastwirtschaft daselbst. ' |
2. In Salmünster, am Mittwoch, den 16. Mal !928, von vormittags 9 bis 12 Uhr, im Gasthause „Zum Engel" daselbst.
3. In Soden, ebenfalls am Mittwoch, den 16. Mai 1928, von nachmittags PA, bis 4’/o Uhr im Gasthause „Zur Hoffnung" — Wirtschaft Wolf, daselbst,-
4. In Sterbfritz, am Mittwoch, den 23. Mai 1928, von nachmittags 3 bis 6 Uhr, in der Böhm'schen Gastwirtschaft daselbst, und zwar wie seither auch für alle den genannten Orten naheliegenden Gemeinden.
An den Hebetermintagen 9/5. und 16/5. 1928 bleibt me Kasse in Schlüchtern für Ein- und Auszahlungen geschloffen.
Rückstände, die nach diesen Tagen no^, verbleiben, müssen alsdann unverzüglich $ur zwangsweisen, kosten-i Pflichtigen Einziehung gelangen. l
Die Herrn Bürgermeister bitten wir dieses, im Interesse ihrer Gemeindeangehörigen wie seither ortsüblich bekannt machen zu lassen.
Schlüchtern, den 4. Mai 1928.
Der Vorstand der Allg. Ortskrankenkaffe.
Stadt Schlüchtern.
Elternbeiratswahl der Stadtschule.
Die vorgeschriebene zweite Elternversammlung findet am Mittwoch, den 16. M a i, abends 8 Uhr in der Aula des Klosters statt. Tagesordnung: Be= Kanutgabe der Satzungen und der Wahlordnung; Wahl des Wahlvorstandes.
Alle Väter und Mütter der die Stadtschule besuchenden Kinder werden zur Teilnahme an dieser letzten Versammlung vor der Wahl hierdurch eingeladen. Die Wählerliste liegt vom 6. bis 19'. Mai im Lehrerzimmer der Stadtschule zur Einsicht aus.
Schlüchtern, am 7. Mai 1928.
Der Vektor: Flemmig.
Betrifft: Feueranzünder» und Rauche« im Wald.
In letzter Zeit kommen wieder Nachrichten über Waldbrände, die in den meisten Fällen durch das Anzünden von offenen Feuern, Vauchen und unachtsames Fortwerfen von glimmenden Zigarren, Zigaretten und Streichhölzern, Neste aus der Tabakspfeife usw. entstehen.
Wir nehmen daher Veranlassung auf nachstehende Bestimmungen ausdrücklichst hinzuweisen.
Nach § 40 des Feld- und Forstpolizeigesetzes wird mit Geldstrafe bis zu einhundertfünfzig Reichsmark oder mit haft bis zu 14 Tagen bestraft, wer
1. mit unverwahrtem Feuer oder Licht den Wald oder Moor- oder Heideflächen betritt oder sich denselben in gefahrbringender Weise nähert,
2. in her Sei^ueni^.- ilM^-e*^
oder auf Moor- oder Heidsflächen ohne Erlaubnis des Grundeigentümers oder seines Vertreters raucht,
3. im Walde oder auf Moor- oder Heideflächen brennende oder glimmende Gegenstände fallen läßt, fort- wirft oder unvorsichtig handhabt,
4. abgesehen von den Fällen des § 368 Nr. 6 des Strafgesetzbuches, im Walde oder auf Moor- oder Beide- flächen oder in gefährlicher Nähe derselben im Freien ohne Erlaubnis des Grundeigentümers oder seines Vertreters Feuer anzündet oder das gestattetermaßen angezündete Feuer gehörig zu beaufsichtigen oder auszu- löscken unterläßt.
Nach § 368 Ziffer 6 des Veichsstrafgesetzbuches wird mit Geldstrafe bis zu 150 oder mit haft bis zu 14 Tagen bestraft, wer an gefährlichen Stellen in Wäldern oder Heiden, oder in gefährlicher Nähe von Gebäuden oder feuer- fangenden Sachen Feuer anzündet.
Außerdem ist der Täter oder seine Angehörigen für allen Schaden haftbar, der durch einen Waldbrand ent- steht.
Auf den in der Schlüchterner Zeitung wiederholt veröffentlichten Ministerialerlaß vom 25. Iuli 1924 betr. Belehrung über Feueranlagen beim Abkochen durch Wandergruppen wird noch besonders hingewiesen.
Schlüchtern, den 7. Mai 1928.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
— In London b-gab sich ein hoher Beamter zmn Prinzen Carol und teilte ihm mit, baß er unter polizeilichem Geleit an die Küste geführt würde, wenn er das Land nicht sofort verlasse.
— Wie aus Wilna gemeldet wird, wurde in Stolpce der ehemalige Abgeordnete der weißrussischen Hromada Sobolewski verhaftet und ins Gefängnis gebracht.
— Polnische Zeitungen verbreiten ein bisher unbestätigtes Gerücht, wonach im Zusammenhang mit dem Attentat auf den russischen Handelsrat mehrere russische Emigranten ausgewiesen werden sollen.
— Nach den Berichten über den Saatenstand in Preußen haben sämtliche Fruchtarten ihre» Stand seit Anfang April verbessert und zwar: Weizen, Klee- und Rieselwiesen um 3, Roggen, Gerste, Gemenge aus Getreide und gewöhnliche Wiesen um 2 Punkte.
— Der amerikanische Senat hat das deutsch-amerikanische Schieds- und Schlichtungsabkommen angenommen.
— Das albanische Kabinett ist infolge Meinungsverschiedenheiten zurückgetreten. Es wird jedoch die Vegie- rungsgeschäfte interimistisch weiterführen.
— In Essen ist am Mittwoch früh ein Kriminalbeamter, als er zur Festnahine der Gladbecker Bankräuber schreiten wollte, von einem der Räuber erschossen worden.
— In Gesecke (Westfalen) stürzte die Giebelwand eines Neubaues ein und begrub die Maurer und Zimmerleute iunter den Trümmern. Ein Maurer war sofort tot, einer wurde schwer und mehrere leicht verletzt.
Bon Woche zu Woche.
Von Argus.
Die Wirren in China gewinnen immer größere Ausdehnung. Der Kampf Südchinas gegen den- Herrscher des Nordens Tschang Tso lin ist in den Hintergrund getreten und wird überschattet von den blutigen Auseinandersetzungen zwischen den japanischen und südchinesischen Truppen Tschang Kai schecks. Ueber den Umfang der Kämpfe und die Zahl der Toten und Verwundeten laufen die widersprechendsten Mel- dungen um. Darüber, daß die Lage ernst ist, sann es jedoch keinen Zweifel geben. Es geht nicht nur um das Schicksal des südchinesischen Kampfes gegen Peking, es geht auch um die Stellung der Mächte in China.
Japan beeilt sich, aufs strikste zu versichern, es denke nicht daran, mit seinen nach China entsandten Truppen neue Gebiete zu besetzen oder zu annektieren. Zu einem Zweifel an dieser Erklärung liegt keine Veranlassung vor, aber Japan möchte doch aus den gegenwärtigen Abenteuern neue Sicherungen für seine Position in Schantung heim- bringen, und es ist auf dem besten Wege dazu! Schritt um Schritt erobert Japan die Stellung zurück, die es nach dem Kriege auf Drängen Amerikas und Englands preisgeben mußte und die es nun wieder einnehmen kann, well das Einvernehmen zwischen England und Amerika nicht mehr das beste rst.
Die Ausdehnung des japanischen Einflusses in Schantung wird natürlich in Washington, London und Paris aufmerksam verfolgt. Aller Vkihrscheinlichkeit nach wird ein Wettrennen um neue Einflutzzonen die Folge sein. Die englische Presse plädiert bereits für eine ausgedehnte Festsetzung im IangtsetaI, um den verstärkten japanischen Einfluß in Schantung wieder wett zu machen! Damit würde die Abhängigkeit Chinas vom Auslande und die Unfreiheit des Landes trotz aller Erfolge gegen den vom Auslande unterstützten Generalissimus des Nordens Tschang Tso lin wieder größer werden, so daß alle Opfer vergeblich gebracht worden wären; ein trüber Ausblick für die chine- fischen Nationalisten!
^iel Staub aufgewiroelt hat auch der von dem früheren rumänischen Kronprinzen Carol geplante Staatsstreich, der ihm die Krone wiedergeben sollte. Die Aktion, bei der nicht ersichtlich ist, ob Carol treibende Kraft oder nur der Geschobene war, ist gescheitert. Und zwar gründlich! Man beginnt, Carol nicht mehr ernst zu nehmen. So nimmt es denn nicht wunder, wenn französische Blätter dem rumänischen Prinzen raten, nach Amerika zu gehen und sich als Star von einem Filmunternehmen einstellen zu lassen.
Wenn man auch französische Blätterstimmen zur rumänischen Thronfolgefrage nicht als unparteiisch werten kann, weil Paris weiß, daß mit dem Sturze des jetzigen „liberalen" Regimes in Rumänien die Tage des französischen Einflusses auf Bukarest vorüber sind, so bleibt doch die Tatsache, daß Carols Paktieren mit dvn ungarnfreundlichen Lord Rother- mere Carol in Rumänien viele Sympathien genommen hat. Carol sprach in seinem Aufruf an das rumänische Volk von einer Revision des Friedens von Trianon, der Rumänien große ungarische Gebiete zugesprochen hat. Durch eine Revision des Friedensvertrages ist zwar die von Musso- ®«i gewünschte rumänisch-ungarische Freundschaft zu erkaufen, ttttr will man in Rumänien von einem Verzicht auf die eiu- verleibten Gebiete nichts wissen. Carols Abrücken von Trianon wäre deshalb für seine Thronwerbung äußerst verhängnisvoll.
Kennzeichnend für den Stimmungsumschwuna in Rumänien ist der Verlauf der großen rumänischen Bauerntagung in Karlsburg, die zwar energische Worte gegen die Regierung gefunden hat, jedoch die von Carol gewünschte Kundgebung unterließ.
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Jnnerpolitisch gehört das Interesse den bevorstehenden Reichstagswahlen. Der Wahlkampf ist auf der ganzen Linie im Gange; 31 Parteien bewerben sich um die Mandate. Eine reichlich hohe Zahl! Bedenklich deshalb, weil ein Mosaik von Parteien die Bildung einer festen Mehrheit erschwert. Um die Schaffung einer Dauer versprechenden Regierungs- kvalition wird man aber nicht herum kommen, weil das neue Parlament bedeutsame Aufgaben zu erfüllen hat und deshalb nicht durch fortwährende Regierungskrisen gelähmt werden barf Außenpolitis ch soll die vom Reichstage neu zu bildende Regierung oem Rheinland die Freiheit zurückgeben und die Wirtschaft von der Last unerträglicher Reparationstribute befreien. Auf den übrigen Gebieten gilt es wichtige Gesetze zu verabschieden und die Rechtseinheit mit Deutsch-Oesterreich zu verwirklichen. Möge deshalb eine arbeitsfähige stabile Regierung aus den Wahlen hervor- gehen. Das erheischt aber auch, daß iämtliche Wähler von ihrem Wahlrecht Gebr a u ch machen. Ein anderes Ver- Halten ist mit der Stellung des Bürgers int neuen Staate unvereinbar.
Große Beachtung fand im übrigen noch der A n t 0 n 0 - m i st e n p r 0 ze ß in Colmar und die Vorbereitungen zu dem Prozeß gegen die „Verschwörer" von S ck a ch t Y. In Colmar hat man nun bereits Tag um Tag verhandelt, ohne daß der Generalstaatsanwalt die Anklage auch nur in einem wesent- licben Punkte beweisen konnte! Man diskutiert zwar dies und jenes in Colmar, doch bleibt fraglich, was das alles mit der A n k l a g c zu tun hat. Die Anklageschrift wirft den Autono- misten ein „Komplott geges die Sicherheit des