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Rr. SS (1. Blatt)
Donnerstag, den 17. Mai 1928
80. Kahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landrat samt.
Reichstags- und Landtagswahlen.
I.-Nr. 4258. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, mir bestimmt bis zum 23. b. Mts. diejenigen Beamten, Angestellten, Arbeiter und deren Angehörige namhaft zu machen, die gemäß § 11 Abf. 2 des Reichswehlgesetzes und § 1 Abf. 2 des Landeswahlgesetzes in die Wählerliste ausgenommen worden sind. (Es handelt sich hierbei um Personen, die nicht in Preußen, aber nahe der Landesgrenze ihren Wohnort haben.
Gleichzeitig mache ich, da für beide Wahlen nur ein Stimmzettelumschlag verwendet wird, noch darauf aufmerksam, daß zur (Eintragung des Vermerks über die erfolgte Stimmabgabe in die Wählerliste (Stimmliste, Stimmbartei) nur eine Spalte und zwar die erste freie Spalte zu verwenden ist, die im Kopf der Wählerliste eine entsprechende Eintragung erhalten muß. Soweit Wählerlisten bereits vorhanden sind, die zwei Spalten mit entsprechendem Kopfvordruck enthalten, ist Äs unbedenklich, den Vordruck einer Spalte zur Benutzung für beide Wahlen handschriftlich herzurichten, oder den vermerk der erfolgten Stimmabgabe so einzutragen, daß er sich über beide Spalten erstreckt.
Ebenso mache ich in Ergänzung meiner Verfügung vom 14. d. Mts. Nr. 4147 — Schlüchterner Zeitung Nr. 58 — noch darauf aufmerksam, daß die Wahlergebnisse nur hierher mitzuteilen sind und daß die Meldungen wie folgt lauten müssen:
Reichstagswahl.
Zahl der abgegebenen Stimmscheine..........;
Zahl der ungültigen Stimmzettel............: 5ozialdemokratische Partei Deutschlands Scheidemann
.........Stimmen; Deutschnationale Volkspartei von Lindeiner-Wildau ........Summen:
u. s. w.
Landtagswahl.
Zahl der abgegebenen Stimmscheine..........;
Zahl der ungültigen Stimmzettel ............; Sozialdemokratische Partei Deutschlands Marckwald
.........Stimmen;
Deutschnationale Volkspartei 3ufti ........... Stimmen; u. s. w.
Den Herrn Bürgermeistern ist je eine Anlage zu Seite 4 der Abstimmungsniederschrift für die Reichstagswähl und 'eine Anlage zu Seite 4 der Wahlniederschrift für die Landtagswahl übersandt worden, die, falls der freie Raum auf der 4. Seite der Niederschrift nicht ausreicht, zu verwenden und den Niederschriften beizufügen sind.
Schlüchtern, den 15. Mai 1928.
Der kom. Landrat: Dr. Müller.
Kreisausschuß.
3,-Hr. 1923 K. A. Dem Arbeiter Konrab Schmidt in Seidenroth ist aus Anlaß seines 25 jährigen Arbeitsjubilä= ums eine Prämie von 25 K^ aus Kreismitteln bewilligt worden.
Schlüchtern, den 12. Mai 1928.
__Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller. Stadt Schlüchtern.
Ausschreibung.
Die Lieferung der Gefen, Herde und Waschkessel für ^ie beiden städtischen Neubauten (Drei- und Vierfamilien- wohnhaus) sollen vergeben werden.
Schriftliche Angebote mit Abbildungen pp. und Angabe der Fabrikate sind in verschlossenen Briefumschlägen mit der Rufschrift „Submission über Gesen pp." bis spätestens Mittwoch, den 23. Mai 1 928, vormittags 1 0 uhr dem Stadtbauamt einzureichen.
Bedingungen pp. können vorher daselbst eingesehen und die Angebotsformulare in Empfang genommen werden.
Ruswahl und Zuschlagserteilung bleibt vorbehalten. Schlüchtern, den 15. Mai 1928.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Bekanntmachung.
Wir machen wiederholt darauf aufmerksam, daß zum ^ufstellen von Verkaufsbuden und dergl. auf dem Acis= Brunnen die vorherige Genehmigung des Magistrats erforderlich ist. Die Genehmigung ist jedesmal einen Tag vorher elnzuholen. Für die Benutzung des Platzes ist eine vorher Zahlbare Gebühr an die Stabthaffe zu entrichten, die je auch der Länge des Verkaufsstandes berechnet wird.
Wer die Genehmigung nicht einholt hat zu gewärtigen, oaf; er vom Platz entfernt wird.
Schlüchtern, den 15. Mai 1928.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Bekanntmachung
Stadtschule in Schlüchtern.
Da der Termin der Elternbeirattzwahlen durch Verfügung des Herrn Ministers auf den 2 4. Juni verschoben worden ist, findet die für heute, Mittwoch, den 16. Mai, an- beraumte Elternversammlung nicht statt.
Schlüchtern, am 15. Mai 1928.
Der Rektor: Flemmig.
Zusammentritt der Reichsregierung.
Berlin, 16. Mai. Das Reichskabinett wird heute nach der Rückkehr des Reichskanzlers zu einer Sitzung zusammentreten, in der in erster Linie eine Stellungnahme zu den Tariferhöhungsanträgen der Reichsbahn gefunden werden soll. Die Blätter vermuten, daß das Kabinett zu einer grundsätzlichen Ablehnung der Anträge der Reichsbahn gelangen wird. Die Reichsbähngesellschaft hat die Möglichkeit, gegen den ablehnenden Beschluß der Reichsregierung beim Reichsbahngericht Ein- spruch zu erheben.
Me heutige Kabinettssitzung wird voraussichtlich eine der letzten der gegenwärtigen Regierung sein. Man rechnet damit, daß etwa am Dienstag nach der Wahl das Kabinett abermals Zusammentritt, um dann den formellen Rücktrittsbeschluß zu saßen.
Mussolinis Gewaltpolitik in Sudtirol.
Innsbruck, 16. Mai. Wie die „Jnnsbrucker Nachrichten" aus Bozen melden, hat der Präfekt mit sofortiger Wirkung eine Reihe deutscher Vereine aufgelöst, die der Erziehung und dem geselligen Zusammenschluß der deutschen Jugend gewidmet waren. Es handelt sich meistens um katholische deutsche Gesellen«, Burschen- und Jugendvereine.
Die „Bremen"-Flieger in St. Louis.
St. Louis, 16. Mai. Die „Breme«"-Flieger sind hier gelandet. Sie wurden von einer großen Menschenmenge stürmisch begrüßt.
Erdbeben in Südamerika und in Japan.
New Aork, 16. Mai. Die Stadt Guayaquil in Ecuador wurde durch ein heftiges Erdbeben erschüttert. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Nach einem bisher nicht bestätigten Funkspruch der Station Manchester (New Hamshire) hat sich in der Gegend von Mishisutamo in Japan ein schweres Erdbeben ereignet, bei dem etwa 100 Personen ums ^ben gekommen sein sollen.
Notlandung eines Verkehrsflugzeuges. — Zwei Leichtverletzte.
Frankfurt a. M., 16. Mai. Das Verkehrsflugzeug D 1069, das auf der Strecke Stuttgart—Hamburg verkehrt, mußte kurz nach seinem Start in Frankfurt wegen Motorstörung bet Frankfurt-Rödelheim eine Notlandung vornehmen. Von den acht Fluggästen erlitten zwei leichte Verletzungen, Schnittwunden und Hautabschürfungen. Das Flugzeug wurde bei der Landung leicht beschädigt.
, -hi Informationsreise von General Heye. Der Chef der Heeresleitung, General Heye, traf, von Berlin kommend, in Kiel ein. In seiner Begleitung befanden sich Divisionskommandeure aus allen Teilen des Reiches. Zweck des Besuches sind Besprechungen informatorischen Charakters, an denen auch verschiedene hohe Marineoffiziere teilnehmen werden. Der Chef der Heeresleitung wird mehrere Tage in Kiel verweilen und sich bann durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Wilhelmshaven begeben»
11. August als Nationalfeiertag?
Wie das „B. T." erfährt, hat die preußische Regierung mit Unterstützung einer Reihe anderer Länder im Reichsrat einen Antrag eingebracht, der verlangt, daß der ii. August als Geburtstag der Weimarer Verfassung zum Nationalfeiertag erklärt wird. Der Antrag dürfte noch in dieser Woche zur Beratung und zur Annahme gelangen, da schon die Zahl der Unterzeichner ihm eine völlig sichere Mehrheit garantieren.
— Staatssekretär v. Schubert wird in den nächsten Tagen die Vertretung Dr. Stresemanns übernehmen.
— 3m Befinden Dr. Stresemanns ist, entgegen in Berlin umlaufenden Gerüchten, keine Verschlimmerung eingetreten.
— Die „Italic" ist am Dienstag mittag um 1.20 Uhr zu ihrem Polarflug aufgestirgen.
— Nach einem Funkspruch der „Italic" von 6 Uhr abends befindet sich das Luftschiff seit einigen Stunden in sehr niedriger Höhe über Packeis.
— Die Hauptstadt von Amazonas in Peru ist durch ein Erdbeben, zerstört worden. Der Sachschaden ist bedeutend. Drei Personen wurden getötet.
— Bei den politischen Zusammenstößen am Sonntag in Berlin wurde auch der Kommandeur der Berliner Schutzpolizei, als er einige Demonstranten festnehmen wollte, verletzt .
— Im Fall Iakubowski ist insofern eine überraschende Wendung eingetreten, als man am Montag vormittag die drei verhafteten aus der Haft entlassen hat. Ueber die Gründe ist noch nichts bekannt.
Der Wirischaftskongreß in Genf.
Eingehende Aussprache im Wirtschaftsrat des Völkerbundes.
Die unerläßliche Sanierung der Landwirtschaft.
Das Programm der Berichterstatter.
Der neugebildete Wirtschaftsrat des Völkerbundes, der dieser Tage in Genf zu seiner ersten Sitzung zusammentrat, setzte im weiteren Verlause seiner Beratungen die Aussprache über die Wirtschaftslage der Gegenwart fort. Frau Freund- i ch - Oesterreich als Vorsitzende des Internationalen Kon- umgenossenschaftsverbandes unterstrich die Interessen der Verbraucher, die in einem besonderen Unterausschuß weiter geprüft werden sollten. Mc. D 0 g a l l behandelte die Wechselbeziehungen zwischen Industrie und Land- wirtschaft und unterstrich, daß
die Mehrzahl aller Arbeitskräfte der Welt immer noch in der Landwirtschaft tätig
ist. Hierauf gab der Leiter der Handelsvertragsabteilung im französischen Wirtschaftsministerium, Serruys, einen optimistisch gehaltenen Ueberblick über die Auswirkungen der Weltwirtschaftskonferenz auf die Wirtschaftsverhandlungen des abgelaufenen Jahres, die seiner Ansicht nach eine fühl- bare Sinnesänderung im Sinne des Abrückens vom wirtschaftlichen Nationalismus gezeigt haben. Das Wirtschaftskomitee erwarte vom Wirtschaftsrat eine Stellungnahme gegen die Kampfzölle und gegen eine unterschiedliche Behandlung der Erezuanisse einzelner Länder. Serruys empfahl für die hauptsächlichsten Erzeugnisse besondere Kollektivvereinbarungen nach dem Muster des Uebereinkommens zur Aufhebung der Ein- und Ausfuhrverbote, eine allgemeine,
planmäßige Demobilisierung der Zölle
und weitgehende Anwendung der Meistbegünstigungsklausel.
Schließlich wies Serruys darauf hin, daß alle landwirtschaftlichen Länder immer dringlicher eine internationale Sanierung der Landwirtschaft verlangen, für die man die Unterstützung des Völkerbundes erwarte. Ohne Berücksichtigung der Wechselbeziehungen zwischen Industrie und Landwirtschaft sei ein europäischer Wiederaufbau nicht möglich.
Das amerikanische Mitglied der Internationalen Handelskammer, Bohden, erklärte, daß er nach anfänglichem Zögern den Optimismus von Serruys bis zu einem gewissen Grade für berechtigt halte. Vizepräsident des Zentralrates der englischen Gewerkschaften P u g h bedauerte, daß die Entschließungen der Weltwirtschaftskonferenz von den Parlamenten und Regierungen nicht genügend durchgearbeitet worden seien.
Die schwierigste Seite des Problems liege weniger in der Neuorganisierung und Vermehrung der Produktion als in einer Verbesserung der Produktenverteilung und Hebung der Kaufkraft der breiten Volksmassen, damit die Waren auch gekauft werden könnten.
Eine Rede des Reichsministers a. D. Hermes.
Deutschlands Bekenntnis zu den Grundsätzen der Weltwirt, schaftskonferenz. — Die Voraussetzungen für die Erfüllung der Reparationszahlungen.
Den ersten Referaten im Wirtschaftsrat des Völkerbundes folgte alsdann eine längere Rede des früheren Reichsministers und jetzigen Chefs der deutschen Delegation für die Handelsvertragsverhandlungen mit Polen Dr. Hermes. Dr. Hermes wies auf die einmütige Zustimmung der deutschen Regierung, des Reichswirtschaftsrates und der deutschen Wirtschaft zu den von der Weltwirtschaftskonferenz im Mai 1927 ausgestellten Grundsätzen hin und fuhr fort:
Mit Serruys stimmen wir darin überein, daß eine der wertvollsten Auswirkungen der Weltwirtschaftskonferenz das Zustandekommen des
deutsch-französischen Handelsvertrages
ist Die einsichtigen Männer der Wirtschaft begrüßen diesen Erfolg rückhaltlos trotz der nicht unbeträchtlichen Opfer, die für diese Verständigung gebracht werden mußten.
Kein "Wirtschaftszweig kaun sich heute mehr der Erkenntnis verschließen, daß die allmähliche Ausgestaltung der Wirtschafts- beziehungen der einzelnen Völker der Erde im Rahmen eines wohlob--'----n-" Handclsvertraasw'ttms ein-s der stärksten und ersten Mittel für die Förderung der Wohlfahrt der einzelnen Staaten und damit des friedlichen Fortschritts der Menschheit überhaupt darstellt. Das bedeutet nicht die Preisgabe lebenswichtiger nationaler Wirtschaftsintereffen, wie ja überhaupt die einzelnen Volkswirtschaften der Länder nicht durch eine überstaatliche Wirtschaftsorganisation ersetzt werde« sollen!
Nach Würdigung der vom Ständigen Wirtschaftskomitee des Völkerbundes geleisteten Vorarbeit behandelte Dr. Hermes
die Aufgaben des Wirtschaftsrates.
Die Weltwirtschaftskonferenz hat, so führte Dr. Hermes dazu mit Nachdruck aus, in ihrem Schlußbericht auf die internationale Bedeutung und das große Ausmaß der aus dem Krieg stammenden Schuldverpflichtungen hingewiesen und den Satz ausgestellt, daß der Ausgleich eines Saldos, den ein Land dem anderen schuldet, nur durch Lieferung von Waren oder durch Leistungen erfolgen kann.
Aus dieser wichtigen These der Weltwirtschaftskonferenz ergibt sich die natürliche Folgerung, darauf hinzuwirken, daß die zusätzlich erzeugten Waren und die zusätzlich angebotenen Leistungen eines Landes auf dem Weltmarkt untergebracht