Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
I .-Nr. 4028. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich für die Vertilgung des Kohlweißlings, des für die Pflanzen in Gärten und auf Beeten so gefährlichen Schädlinge rechtzeitig Sorge zu tragen. Unter Hinweis auf die von dem hiesigen Magistrat in der Schlüchterner Zeitung — Nr. 54 — veröffentlichte Bekanntmachung vom 3. Mai d. 3s., empfehle ich den Gemeinden, sich diesem Vorgehen anzuschließen.
Schlüchtern, den 16. Mai 1928.
Der kom. Landrat: Dr. Müller.
3 .=Hr. 4201. Meine Verfügung vom 1. April 1925 Nr. 2^28 — Schlüchterner Zeitung Nr. 42 — wird unter d da-
H hin abgeändert, daß an Verwaltungsgebühren für Wander- D gewerbescheine zum Handel mit Vieh nicht mehr allgemein M 8 gm sondern künftig zu erheben sind: J 1. für den Handel mit Ferkeln
2. für den Handel mit Schweinen, Schafen und Kälbern
3. für den Handel mit Rindvieh allein oder in Verbindung mit dem Handel mit Schweinen, Schafen und Kälbern bei mittlerem Umfange:
4. für den Handel mit: wie vor bei großem Umfange
Diese Verordnung tritt sofort in Kraft.
Schlüchtern, den 16. Mai 1928.
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Der Kom. Landrat. 3. v.: Schultheis.
I.-Nr. 4350. Das Schlachten der in eigener Wirtschaft aufgezogenen Tiere und der Verkauf des Fleisches nach Bekanntgabe durch die Ortsschelle überschreiten die Grenzen, kte den nicht gewerblichen Handel mit selbstgewonnenen Erzeugnissen der Landwirtschaft von dem Schlächtereigewerbe trennen, da diese Schlachtungen regelmäßig mit der Rbsicht einer Gewinnerzielung vorgenommen werden und als selbständige Tätigkeit gelten müssen, die mit dem Landwirt- ^schaftsbetrieb nicht verbunden zu sein braucht.
Demnach dürfen solche Schlachtungen nur im Schlachthaus oder auf Grund einer gemäß § 16 der Gewerbeordnung erteilten Genehmigung stattfinden. Zuwiderhandlungen werden nach § 147 der Gewerbeordnung bestraft.
| Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die genaue Be= achtund dieser Vorschriften zu überwachen.
Schlüchtern, den 16. Mai 1928.
Der kom. Landrat: Dr. Müller.
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Kreisausschuß.
. 3m Einvernehmen mit dem Herrn Regierungspräsiden- "E^n in Kassel hat die Landwirtschaftskammer für den Regie- ^^ rungsbezirk Kassel Musterentwürfe für Landarbeiterwoh- n Kungen aufgestellt, die ich den Baulustigen insofern dringend vM empfehlen kann, als bei ihrer Verwendung die Rnerkennung "des Entwurfs ohne weiteres gewährleistet ist.
Die Musterentwürfe liegen auf dem Kreisbauamte zur ■infic^t offen. Sie können bei Wahl eines Entwurfes für
E^ Ausführung von der Landwirtschaftskammer gegen Er- J^Battung der Herstellungs- und Portokosten bezogen werden, lls 1 ^uch für den Neubau von Waldarbeiterwohnungen iuii;®aKe ich die Entwürfe ohne Weiteres für verwendbar und i» empfehle ihre Besichtigung daher auch allen Interessenten, solche Wohnungen zu errichten wünschen.
s schlüchtern, den 15. Mai 1928.
Shamberlams Antwort an Kellogg.
Der Inhalt der britischen Note aus die Vorschläge AUloggs zur Kriegsächtung.
London und Washington veröffentlichen soeben den Wortlaut der britischen Erwiderung auf die Einladung Kelloggs zum Abschluß eines Kriegsächtungspaktes. " .z britische Außenminister Chamberlain nimmt die a .eri- kanischen Vorschläge an und erklärt die Bereitwilligkeit Englands und der Dominions zur Teilnahme an einer Kriegsächtungskonferenz. Im einzelnen enthält die britische Note noch folgende Ausführungen:
Die englische Regierung ist der Ueberzeugung, ooß zwischen dem amerikanischen und dem französischen Entwurf keine tiefgreifenden Verschiedenheiten bestehen. Auch besteht keine tatsächliche Gegensätzlichkeit zwischen den Verpflichtungen aus dem Locarnopakt und dem Völkerbund und den aus den amerikanischen Vorschlägen erfließenden.
Die Völkerbundssahuug und der Locarnopakt gehen etwas weiter als der Verzicht aus den Krieg als politisches Mittel, insofern als sie Strafmaßnahmen für einen Bruch der Verpflichtungen vorsehen. Es ist deshalb nicht undenkbar, Saß die Verpflichtungen aus den bestehenden Verträgen und die aus dem amerikanischen Borschlag sich ergebenden miteinander kollidieren, wenn nicht Einverständnis darüber besteht, daß die Verpflichtungen auf Grund der amerikanischen Borschläge ihre bindende Kraft in bezug auf ein Land verlieren, das sein verpfändetes Wort bricht und den Krieg gegen ein anderes Land eröffnet.
Die englische Stellungnahme hinsichtlich der Völkerbundssatzung und des Locarno-Vertrags ist identisch mit der in der deutschen Note vom 27. April gekennzeichneten deutschen Stellung. Die englische Regierung könnte sich nicht bereit finden, irgendeinem neuen Vertrag zuzustimmen, durch den die Ver- pMchpuugLu, .Lw -.die Grundlage -es europäische» Friedens bilden, geschwächt werden könnten. Großbritannien hat ein so großes staatliches Interesse an der peinlichsten Erfüllung dieser Verpflichtungen, daß die englische Regierung unter Umständen es begünstigen würde, wenn in diesem Sinne der
Artikel 4 des französischen Entwurfs, den amerikanischen Vorschlägen einverleibt würde. Die englische Regierung glaubt annehmen zu können, daß dagegen keine Einwendungen bestehen. Die Wohlfahrt und Nnverletzlichkeit gewisser Gebiete der Welt bildet für den Frieden und die Sicherheit Großbritanniens ein ganz besonderes Lebensinteresse: eine Einmischung in diesen Gebieten kann deshalb nicht geduldet werden. Diese Gebiete gegen einen Angriff zu schützen, stellt für das britische Reich eine Maßnahme der Selbstverteidigung dar. Es darf kein Mißverständnis darüber bestehen, daß die englische Regierung die amerikanischen Vorschläge unter der ausdrücklichen Voraussetzung an- nimmt, daß ihre Handlungsfreiheit in der oben genannten Richtung dadurch nicht beeinträchtigt wird.
Das Staatsdepartement der Vereinigten Staaten betrachtet die britische Note als entgegenkommend und zustimmend. Man glaubt, daß auf dieser Grundlage weitere Verhandlungen ausgebaut werden können. In Paris dagegen ist man über die britische Antwort an Kellogg enttäuscht. England hat, wie Deutschland, dem amerikanischen Entwurf grundsätzlich zugestimmt und damit die französischen Vorschläge unbeachtet gelassen. Damit ist Frankreich in der Kriegsächtungsfrage isoliert, und der französischen Regierung bleibt nichts anderes übrig, als den Rückzug anzutreten. Für ein Kompromiß in der Kriegsächtungsaktion besteht heute keine Aussicht mehr.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
Etadt Schlüchtern.
Städtische Lateinschule Schlüchtern.
. Der Termin für die diesjährigen ordentlichen Neuwah- zum Elternbeirat ist auf Sonntag, den 24. 3uni 1928 in Seit von 10 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags W^esetzt. Zu der in Ziffer 4 der Wahlordnung vorgesehenen ■Oten Elternversammlung lade ich die Eltern der die städti- Lateinschule besuchenden Schüler (innen) auf von - bsug, den 24. Mai 1928, nachmittags 6^4 u 9 r in die Bula des Klosters ein.
Die Liste der wahlberechtigten liegt vom Samstag, ,en 26. Mai bis Freitag, Ken 8. 3uni 1928, im Elternsprech- imtmer der Lateinschule zur öffentlichen Einsicht aus. Ein- sind spätestens i Woche vor der Wahl bei dem Schulleiter anzubringen.
Schlüchtern, den 19. Mai 1928.
^. Dr. Fenner, Studienrat.
,7* Die „Lremen"-Flieger müssen nunmehr ihre Rund- durch die Vereinigten Staaten mit der Eisenbahn fort- W", da das Iunkersflugzeug bei der Landung in Detroit lwr beschädigt wurde.
Blutige ZufammemstStze.
Ein schwerer Zusammenstoß hat sich Sonntag Rbend in Glauchau in Sachsen zugetragen. Einem Fackelzug, den die Sozialdemokratische Partei veranstaltete, stellte sich eine Rnzahl Roter Frontkämpfer entgegen. Bei den Auseinandersetzungen zog Piner der Roten Frontkämpfer einen Dolch und stach den Vorsitzenden der SPD. in Glauchau, Stadtverordneten Paris, nieder. Paris war tätlich in die Brust getroffen worden und sank zusammen.
3n Breslau kam es am Sonntag bei einem kommunistischen Demonstrationsumzug zu einem Zusammenstoß mit Insassen eines Lastautos, das mit.schwarz-weiß-roten Fähnchen geschmückt war. Die Kommunisten schlugen mit ihren Fahnenstangen auf die Insassen des Rutos ein, wobei ein junger Mann am Rüge schwer verletzt wurde.
3m Industriegebiet ist es am Sonntag zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten gekommen. In Barmen wurde ein nationalsozialistisches Werbeauto von Kommunisten scharf beschossen. Zwei Schüsse trafen nicht das Ruto, dafür aber die auf der Straße vor dem elterlichen Hause spielenden Kinder, die schwere Bauchverletzungen erlitten.
Ruch in Halle kam es Sonntag Nacht zu leichteren Zusammenstößen. 3m Silben der Stadt wurde auf einen Rot- frontkämpfer geschossen, jedoch wurde niemand verletzt.
Vorläufige Wahlergebnisse zum Reichstag und Vreusiischen Landtag.
Berlin, 21. 5. (11 Uhr vorm.) Bis zur jetzigen Stunde liegt für die Reichstagswahl das vorläufige Stimmen- und Mandat-Ergebnis vor. Insgesamt wurden 30 592 442 Stimmen abgegeben.
SPD. 9 111 438 St., 152 Mdt. (bisher 131)
Dn. Volkspart. 4 359 586 St, 73 Mdt. (105) Zentrum 3 705 040 St, 62 Mdt. (69) Dt. Volkspartei 2 669 549 St., 44 Mdt. (51) Komm. 3 232 875 St., 54 Mdt. (45) Vemokr. 1 492 899 St, 25 Mdt. (32) Bapr. Volksp. 936 404 St., 16 Mdt. (19) LK. Komm. 80 057 St., — Mdt.
Wirtsch-Partei 1 391 133 St., 23 Mdt. (17) Nat.-Soz. (Hitler) 806 746 St, 12 Mdt. (7) Dt. Bauernpartei 480 613 St, 8 Mdt.
Völk. Nat. Block 264 565 St, — Mdt.
Landbund 199 491 St, 3 Mdt.
Ehr. Nat. Bauernp. 770 100 St, 13 Mdt. Volksrechtspartei 480 978 St, — Mdt. Ev. volksgemeinsch. 51 465 St, — Mdt. . Reichsb. d. Handwerker 6 405 St., — Mdt. U$PD. 20 725 St, — Mdt.
Volksblock d. Gesch. 36 658 St., — Mdt.
Handel und Gewerbe 35 550 St, — Mdt. Mieterschutzp. 70 752 St., — Mdt.
RSPV. 65 246 St, — Mdt.
Ehr. Soz. P. 110 466 St, — Mdt.
Rufw. P. 7 473 St, — Mdt.
Dt. Block d. Gesch. 7 330 St, — Mdt.
Kriegsopfer 6 045 St., — Mdt.
Sächs. Landvolk 127 633 St, 2 Mdt.
Ev. Volksdienst 4 676 St, — Mdt.
Rechts- und Mieterfch. 2164 St, — Mdt. Restparteien 6 071 St, — Mdt.
Berlin, 21. 5. Bis morgens 7 Uhr waren für die Landtagswahlen folgende Stimmen abgegeben: SPD. 4 553 618, Dn. volksp. 2 675,857, Zentrum 2 348 364, Dt. volksp. 1 480 607, Komm. 2 019 001, Demokr. 750 430, LK. Komm. 44 811, Wirtschaftsp. 762 507, Nat.-Soz. (Hitler- beweg.) 419 889, Dt. Hannoveraner 166 869, Nat. Minderheiten 34 231, Restliche Parteien 885 969.
Die Mandate verteilen sich wie folgt: SPD. 114 (bisher 113), Dn. volksp. 67 (109), Zentrum 59 (79), Dt. Volkspartei 37 (44), Komm. 50 (45), Demokr. 19 (32), Wirk schaftspartsi 19 (11), Nat.-Soz. (Hitlerbeweg.) 10 (11), Dt. Hannoveraner 4 (6).
Endgültige Ergebnisse zur Landtagswahl lagen bis zur Mittagsstunde noch nicht vor.
Wahlergebnisse aus den Nachbartreifen.
Fulda-Stadt. Reichstag: SPD. 1849, VNVP 611, Ztr. 6668, VVP. 573, KPD. 660, Dem. 443, L. Komm. 50, wirtsch.-p. 592, Nat.-Soz. 335, völk. Nat. 257, Thristl. Nat. 24, Volkr.-P. 123, Ev. v. 121, Reichsbl. d. G. 7. Dt. Bauern-P. 8, Dtsch. Soz. 10, USP. 40, Infl.-Gesch. 35. Ungültig 186.
Kreis Gelnbausen: SPD. 6164 (4935), DNVP. 2661 (4769), Ztr. 6146 (6 00), VVP. 2230 (2500), KPD. 2791 (2921), Dem. 944 (1118), L. Komm. 122, wirtsch.-P. 247 (247), Nat.-Soz. 210 (422), Dt. Bauern-P. 118, völk. Nat. 318, Tbristl. Hat 1821, Volksr.-P. 104, Ev. V. 77, Dtsck. Soz. 45, USP. 42, Infl.-Gesch. 5, Reichsbl. d. G. N.
Hanau-Stadt: SPD. 5345 (4984), DNVP. 1258 (2605), Ztr. 1723 (1960), VVP. 3170 (3764), KPD. 5330 (4854), Dem. 1682 (2212), L. Komm. 142, wirtsch.-p. 1599 (1220), Nat.-Soz. 232 (440), Dt Bauern-P. 13, Nölk. Nat. 109, Thristl. Hat 24, Volksr.-P. 107, Er. V. 71, , Vtsch. Soz. 29, USP. 40. Infl.-Gesch. 9, Reichsbl. d. G. 9.
Hanau-Land: SPV. 9386 (10 698), VNVP. 4166 $6707), Ztr. 1987 (2954), VVV. 1108 (2010), KPV. 7327 (7313), Dem. 954 (1744), L. Komm. 139, wirtsch.-p. 1265 f730), Nat.-Soz. 205 (400), Dt. Bauern-P. 48, völk. Nat. 22, Thristl. Nat. 874, Volksr.-P. 71, Ev. V. 112, vtsch. Soz. 49, USP. 61, Infl.-Gesch. 7, Reichsblock d. G. 6.
Frankfurta. M. (Wahlergebnis vom 20. Mai 1928.) 1. SPV. 86157 (Ergb. v. 7. 12. 1924: 88 011). 2. VNVP. 23 825 (33 842), 3. Zentrum 25 667 (30 445), 4. VVP. 51 462 (27 270), 5. KPV. 31 416 (16 220), 6. Dem. 22 046 (30 790), 8. Linke Komm. 1 087, 9. Wirtschaftspartei 13 248 (9 722), 10. Nat.-Soz. 12 325 (4 687), 11. Dt. Bauernpartei 131, 12. völk. Nat. 778. 15. Thristl. Hat 984, 16. Voksrechts-Partei 3 619, 17. Evang. Volksgem 2 567, 18. Bändel und Gewerbe 134, 19. USP. 731, 20. Vbl. der Infl.-Gesch. 125, 25. Dt. Reichsbl. d. G. 55.
Wahlergebnis aus dem Kreise Schlüchtern auf Seite 3»