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Nr. 76

Dienstag, den 28. Juni 1928

80. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

A. IV. Nr. 1848. Das Preußische Staatsministerium hat am 5. d. Mts. den Namen der Stadtgemeinde Soden im Kreise Schlüchtern in

Bad Soden bei SalMünster" umgeändert.

Kassel, den 14. Juni 1928.

Der Regierungspräsident. gez. Dr. Friedensburg.

Kreisausschutz.

Betr.: BetriebsveranderuKgen in landwirtschaft­lichen Betrieben für das Jahr 1928.

J.-Nr. 2369 L. U. Durch Nachtrag ist Satz 1 Abs. 4 des § 36 oer Satzungen der Hessen-Nassauischen landwirt­schaftlichen Berufsgenossenschaft dahin geändert worden, daß die Betrieböveränderungen bereits bis zum 1. Juli jeden Jahres anzumelden sind. Indem ich hierauf besonders Hin­weise, ersuche ich, alle Betrieböveränderungen biö zu diesem Termin auf dem vorgeschriebenen Formular anzumelden. Später eingehende Anmeldungen können erst vom l. Januar 1929 ab berücksichtigt werden.

Schlüchtern, den 15. Juni 1928.

Der Sektionsvorstand der

Hess. Nass. Landw. Berufsgenossenschaft Sektion Schlüchtern.

Rang.

Wegen Ausführung von Walzarbeiten wird die Provinzial- straßeRuppertenrodUlrichstein* (Ohmstraße) vom 26. Juni 1928 ab bis auf weiteres für jeglichen Verkehr gesperrt.

Umleitung erfolgt über StumpertenrodUnter-Seiberten- rod oder Groß. EichenBobenhausen II.

Die ausgestellten Warnungstafeln sind zu beachten.

Gießen, den 20. Juni 1928. ^

Hess. Provinzialdirektion Oberhessen.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Die Ausgabe des Losholzes erfolgt am Freitag, den 29. Juni 1928. Näheres in der nächsten Nummer der Schlüchterner Zeitung.

Schlüchtern, den 25. Juni 1928.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Vom 24. Juni bis zum 21. Juli 1928 bin ich beurlaubt und aus Gelnhausen abwesend. In eiligen Fällen werde ich während dieser Zeit vertreten durch den Kreisarzt in Hanau a. M., Medizinalrat Dr. Schulze. Mein erster Sprechtag in Schlüchtern nach dieser Zeit findet dann in der üblichen Weise am Dienstag, den 24. Juli 1928, statt.

Gelnhausen, den 21. Juni 1928.

Der Kreisarzt des Kreisarztbezirks Gelnhausen - Schlüchtern. T.-Nr. 1556. Prof. Kersten.

Stabile gerettet?

O. u e b e e, 25. 6. Nach einem hier eingegangenen Funk- spruch ist Nobile durch das schwedische FlugzeugUppland* gerettet und an Bord des schwedischen HilfeschiffesQuest" gebracht worden. Die Gefährten Nobileö will man nach und nach holen.

Die Citta di Milano hat sich nach einer sechs Meilen nördlich von Kingsbay gelegenen Bucht begeben, um besser mit der schwedischen Hilfsexpedition in Fühlung zu bleiben. Ueber den Verbleib derJtalia" und des FlugzeugesLatham* liegen noch keine Nachrichten vor.

Bestätigung der Rettung Nobiles.

Oslo, 25. 6. (W. B.) 2.40 Uhr früh. Die italienische Gesandtschaft teilt mit, daß sie eine Bestätigung der Mel­dung erhalten habe, wonach Nobile gerettet ist. Auch ein zweites Mitglied seiner Gruppe ist gerettet worden. Beide sind verletzt und befinden sich an Bord derCitta di Milano*.

Funkrufe Amundsens?

Kingsbay, 25. Juni. Der russische EisbrecherMa- lhgin", der sich nordöstlich der Bäreninsel befindet, meldet, daß er wiederholt undeutliche Radiohilfsignale aufgefangen habe, die mutmaßlich von Amundsen stam­men. Hieraus ließe sich der Schluß ziehen, daß tue Latham", deren Sender einen Aktionsradius von mit 100 Kilometern hat, in der Nähe der B ü r e n i n s e l eine Notlandung hat vollziehen müssen.

Montag früh werden laut Montagspost die Bäckerei­arbeiter der Großbäckereien Berlins in den Streik treten. Es handelt sich um annähernd 1000 Mann, die ausschließ­lich in den Großbetrieben beschäftigt sind. Sämtliche Klein­betriebe Berlins bleiben von dem Ausstand vorläufig verschont.

poincare stabilisiert den Franken. Wiedereinführung der Goldwährung. Durchpeitschung der Währungsvorlagen im Parlament. 25,52

Franken = 1 Dollar.

Nach 18 monatiger tatsächlicher Stabilität ist die französische Währungseinheit der Franken nun­mehr auch gesetzlich stabilisiert. Frankreich ist zur Gold­währung zurückgekehrt. Die Verabschiedung der Wäh­rungsvorlage vollzog sich programmäßig, kurz und schmerzlos. Zunächst trat der Ministerrat unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik zusammen und stimmte dem von Poincaro vorgelegten Gesetzent­wurf zu, ohne auch nur ein Wort darüber zu verlieren. Zwei Stunden später lagen die Vorlagen bereits der Kammer vor, die sie ebenfalls ohne Debatte der Fi­nanzkommission überwies. In der Finanzkommission gab es eine längere Aussprache, dann versammelte sich die Kammer erneut und nun brauchten die Gesetzent­würfe nur noch im Regierungsblatt veröffentlicht zu werden.

Um Vertrauensbrüche zu verhindern, hatte Poin­care den Stabilisierungskurs bis zur letzten Minute geheim gehalten. Wie erwartet worden war, wurde die Stabilisierung auf der jetzigen Grundlage vorge­nommen. Der neue Franken besteht aus 65,5 Milli­gramm Gold mit einem Feingehalt von 900 pro Mille. Dieser Goldwert entspricht einer Parität des Pfund Sterling von 124,21 und des Dollar von 25,52. Die Bank von Frankreich ist verpflichtet, dem Ueberbringer auf Sicht die Umtauschbarkeit seiner Noten in Gold zu sichern.

In der den Borlagen beigegebenen Begründung wurde ausgeführt, die vorausgegangene lange Periode der Stabilität habe bewiesen, daß der Franken nunmehr gegen jede neue Entwertung gesichert sei. Sie habe gleichzeitig aber gezeigt, daß ein neues Steigen des Kurses das wirtschaftliche und finanzielle Gleichgewicht des Landes schwer gefährden würde. Die jetzt gefun­dene Lösung sei die einzig mögliche; für große Hoff- uuugen- Ueüe Lern. 2LuUfc--ULr^Lraukreich werde _np6; lange unter den Rolgen des Krieges zu leiden haben.

D-Zug FriedriOshasen-Smttgart verunglückt

Der D-Zug 135 FriedrichshafenStuttgart ist bei der Durchfahrt durch die Station Nmmendorf aus bis jetzt unbekannter Ursache entgleist. Die Lokomotive ist umgestürzt. Sämtliche Wagen sind nach »er Entgleisung auf dem Bahndamm zum Stehen gekommen. Getötet wurde niemand. Etwa fünfzehn Reisende sind leicht verletzt worden, ebenso der Lokomotivführer. Die Ver­letzungen des Heizers sind ernstlicher. Der Verkehr mußte durch Umsteigen aufrechterhalten werden. Die Untersuchung des Unfalls ist im Gange.

Das Deutsche Auslandslustitut.

Jahresversammlung in Stuttgart. Reichskanzler a. D. Dr. Luther in den Verwaltungsratvorstand gewählt.

Im Zusammenhang mit der Jahresversammlung des Deutschen Auslandsinstituts in Stuttgart hielt der Verwaltungsrat eine Sitzung ab.

Die Neuwahl des Verwaltungsratsvorstandes er­gab die einstimmige Wahl des Reichskanzlers a. D. Dr. Luther. Generalkonsul Dr. Wanner-Stutt- aart, berichtete sodann über die Ereignisse des abge­laufenen Geschäftsjahres. Er hob hervor, daß sich das Auslandsinstitut in harmonischem Zusammenhang mit den übrigen Deutschtumsverbänden ausgezeichnet wei­ter entwickelt hat. Ministerialrat Tiedje überbrachte Grüße der Regierungen, der Reichstagsabgeordnete Dr. tzoetzsch Glückwünsche des Reichstags. Der Verwal­tungsrat genehmigte dann den vorgelegten Jahresab­schluß. Den Abschluß der Tagung bildete ein Fest­akt im Festsaal des Hauses des Deutschtums, bei dem die Verleihung des Deutschen Ringes und von Ehrenurkunden an hervorragende auslandsdeutsche Führer und Persönlichkeiten erfolgte.

Ein Aufruf der Liberalen Vereinigung.

Die Liberale Vereinigung veröffentlicht einen Aufruf, in dem es u. a. heißt:Die letzten Wah­len haben dem deutschen liberalen Bürgertum eine ernste Lehre erteilt. Verharrt es in seiner Zersplitte­rung, so wird es mehr und mehr aus dem Kreise der politisch maßgebenden Faktoren ausgeschaltet. Wir rufen den deutschen Liberalismus zur Selbstbesinnung und Sammlung aus. Wir verlangen und erwarten von den Parteien, die das Erbe des alten Liberalismus angetreten haben, daß sie alle äußeren und inneren Hemmungen überwinden, alle kleinlichen Bedenken zu­rückstellen und unverzüglich die Schritte tun, die zum Zusammenwirken aller liberalen Kräfte führen."

Sturz eines Automobils in einen Gebirgsbach.

Salzburg, 25. Juni. In der Nähe von Bären­werk im Fuscher Tal stürzte ein mit 5 Personen aus Stuttgart besetztes Auto beim Ausweichen vor einem entgegenkommenden Wagen in die Fuscher Ache. Eine Insassin ertrank. Zwei weitere Damen wurden schwer, ein Insasse leicht verletzt. Der Chauffeur erlitt einen Schlüsselbeinbruch.

Nach dem Scheitern der großen Koalition.

Der erste Akt in den Verhandlungen zur Neubildung der Reichsregierung ist vorüber. Der Abg. Müller-Franken hat dem Reichspräsidenten berichtet, daß die Regierungsbildung auf der Grundlage der Großen Koalition als ge­scheitert angesehen werden müsse. Er schloß daran, wie es in der amtlichen Mitteilung weiter heißt, einen Bericht über seine inzwischen begonnenen Bemühungen um Bildung einer Regierung auf der Grundlage einer kleineren Koali­tion.Der Reichspräsident dankte Herrn Müller für feine Verhandlungen zur Regierungsbildung auf der Grundlage einer kleineren Kaolition fortzusetzen."

Die Große Koalition ist bekanntlich gescheitert, weil man sich über einige Forderungen der Deutschen Volkspartei nicht einigen konnte und weil andererseits die Deutsche Volkspartei einigen Bedingungen der Sozialdemokratie nicht zustimmle. Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei sagt darüber in einer Erklärung, daß auf weiten Gebieten der Außen-, Wirtschafts- und Sozialpolitik die Annäherung und teilweise die Uebereinstimmung der Auffassungen der verschiedenen Parteien gelungen war, daß aber die Sozialdemokratie an einigen Forderungen festhielt, denen die Deutsche Volkspartei nicht zustimmen konnte. Hierher gehört die Feier des 11. August die Einführung eines neuen gesetzlichen Feiertags mit dem Zwange der Arbeitsruhe könne nicht als dringend anerkannt werden. Für die Forderung der Deutschen Volkspartei, im Reich und in Preußen eine gleichartige Regierungskoalil n zu erreichen, seien keine Prestigefragen, sondern allein sachl' ;e Gesichtspunkte maßgebend gewesen. Bekanntlich ist das der Hauptpunkt gewesen, an dem die Verhandlungen schließlich ge­scheitert sind.

Der Abgeordnete Müller bemüht sich nun zunächst um die Bildung der sogenannten Weimarer Koalition. Dies wäre also eine Regierung, bestehend aus Sozia - demokraten, Zentrum "und Demokraten. Da W b^j^^n offenbar an -eine Erweiterung durch Zuziehung der Baye­rischen Volkspartei. Dies gäbe zusammen eine kna e Mehrheit. Ob die Bayerische Volkspartei aber mitma n würde, ist sehr die Frage. Das parteioffiziöse Organ die er Partei, die ,Bayerische Volkspartei-Korrespondenz", schreibt bereits, das WortWeimarer Koalition" habein Barern einen miserablen Klang". Aber auch die beiden anderen Par­teien, die dabei sein müßten, Zentrum und Demokraten haben sich noch nicht grundsätzlich dazu bereit erklärt. Das'Z e n - t r u m hat auf den heutigen Montagabend eine Sitzung seiner Reichstagsfraktion ein berufen und wird vorher noch seinen Reichsparteivorstand über die Angelegenheit hören. Die demokratische Reichstagsfraktion hat der Presse eine Erklärung übergeben, in der es heißt, daß die Fraktion gegen eine andere als die Regierung der Großen Koalition die schwersten Bedenken, vor allem auf dem Gebiete der Schul- und Kulturfragen, habe, zumal dadurch auch der Fortschritt auf dem Wege zum Einheitsstaat, zur Finanzreform und zum .Kleinrentnergesetz erschwert werde. Trotzdem werde sich aber dw demokratische Fraktion aus staatspolitischen und parla­mentarischen Gründen neuen Verhandlungen nicht ver­schließen, sie dringe aber auf eine beschleunigte Fortführung der Besprechung.

Nach diesen Verlautbarungen der in Frage kommenden Parteien ist es also noch durchaus ungewiß, ob es zu einer Regierungsbildung auf der Grundlage der Weimarer Koalition kommen wird. Nach dem jetzigen Stand ist nur die Sozmldemokratie unbedingt dafür, die anderen Partner aber haben dagegen schwere Bedenken. In den Verhandlungen wird übrigens jetzt eine kleine Pause eintreten, da der Äb- georbnetc Müller zunächst die Entschließungen der Zentrums- sraktion abwarten muß, über die man erst am Dienstag früh Näheres erfährt.

Die Enttäuschung über die neue Wendung kommt in allen Blättern der Parteien der Großen Koalition zum Ausdruck. Die volkspckrteilicheTägliche Rundschau" schreibt, die Deutsche Volkspartei habe es an dem ernsten Willen zu einer Verständigung nicht fehlen lassen. Das ZentrumsorganGer­mania" meint, die starre Haltung der Deutschen Volkspartei, aber auch die barsche Art, mit der Ministerpräsident Braun den Schritt der volksparteilichen Landtagsfraktion aufnahm, und die nicht glückliche Haltung der preußischen Fraktionen habe die Lage im Reich wesentlich erschwert. Der Vorwärts erklärt: Die Volkspartei wollte in die Preußenregierung, um dort den Kurs nach rechts zu drehen, und sie wollte im Reiche eine Wendung des Kurses nach links verhindern. Das hieß, den Willen der Wähler, wie er am 20. Mai zum Ausdruck kam, in sein Gegenteil verfälschen. Will man nicht annehmen, daß ihr jedes Augenmaß in politischen Dingen fehlt, so kommt man zum Schluß, daß sie es ab­sichtlich zum Bruch getrieben hat.

Zu der schwierigen Regierungsbildung ist man in ge­wissen parlamentarischen Kreisen der Meinung, daß man bei Scheitern der Bemühungen Müller-Franken damit rechnen müsse, daß die Deutschnationalen, die Völkischen und die Kommunisten die Einberufung des Reichstages fordern und daß dann als einziger Punkt der Tagesordnung dieAuf­lösung des Reichstages" und die Ansehung von Neu­wahlen steht.