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Nr. 85
Dienstag, den 17. Juli 1928
80. Aahrg.
Amtliche Bekanntmachnngen.
Kreisausschuß.
3.=Hr. 3056 K. A. Don den am 23. 3uni d. 3s. vorge- führten Ziegenböcken — Rltböcke — wurden wieder angekört:
5
xb
Otter des Ziegenbockes Monat
Des Besitzers Name und Wohnort
Uör-Nr.
1
15
Gemeinde Bellings
97
2
24
„ Salmünster
94
3
15
„ Neuengronau
92
4
27
„ Schlüchtern
71
5
15
„ Niederzell
108
6
14
„ Elm
122
7
14
„ Kerbersdorf
95
8
15
„ Gundhelm
120
9
14
„ vollmerz
123
10
27
„ Weichersbach
62
11
16
„ Wallroth
127
12
15
„ Hütten
107
13
15
„ Züntersbach
115
14
15
„ Uttrichshausen
100
15
15
„ Sterbfritz jetzt Wolf-Sannerz
128
Die unter lfd. Nr. 7 und 12 aufgeführten Böcke
wurden mit Vorbehalt bis zur Deckperiode angekört.
Der unter lfd. Nr. 10 auf geführte Bock, darf in der eigenen Gemeinde nicht mehr verwandt werden.
Rbgekört wurden folgende Böcke:
1
27
Gemeinde
Marjoß
53
2
27
n
Schlüchtern
65
3
15
st
Romsthal
102
4
15
//
Marborn
110
5
15
Eckardroth
96
6
15
herolz
no
7
14
Ulmbach
109
8
14
Altengronau
114
9
15
//
Altengronau
119
10
14
//
Iossa
118
11
14
Hohenzell
125
12
14
//
Mottgers
113
13
15
//
Schwarzenfels
103
14
27
//
Steinau
82
15
15
ff
Steinau
—
16
14
//
Steinau
131
17
15
//
Hintersteinau
91
18
27
//
Heubach
59
19
15
Johann Wols-Sannerz
121
Sd}lüd}tern, den 10. Juli 1928.
Der Landrat. 3. D.: Rang, Kreisdeputierter.
Stadt Schlüchtern.
Betrifft: Sparsamer Wasserverbrauch.
Der enorme Wasserverbrauch in den letzten Tagen hat dazu geführt, daß der Wasserstand in den Hochbehältern zurückgegangen ist. Die Haushaltungen werden in ihrem eigentsten Interesse ersucht, den verbrauch an Wasser möglichst einzuschränken, insbesondere das Sprengen der Gärten und Straften aus der Wasserleitung zu unterlassen. Bei Nichtbefolgung unserer vorstehenden Bekanntmachung müßte in Erwägung gezogen werden, beim Rnhalten der gegenwärtigen Trockenheit, die Wasserzuleitung an bestimmten Tagesstunden abzustellen.
Schlüchtern, den 16. 3uli 1928.
Der Magistrat: Fenner.
Bekanntmachung
Auf Grund der Beschlüsse des Magistrats vom 2. März 1928 und her Stadtverordnetenversammlung vom 12. März 1928 erhöhen sich für Versicherungs-, Bank-, Kredit- und Warenhausunternehmen, die im Stadtbezirke schlüchtern, ohne in ihm ihren Hauptsitz zu haben, Be- triebsstätten unterhalten, die. stadtseitig allgemein festgesetzten Zuschläge zu den Grundbetrügen der Gewerbeertrags- und der Gewerbekapitalsteuer Kraft dieser Beschlüsse jedes Mal ohne Weiteres um 20 vom hundert der festgesetzten Zuschlagssätze.
Diese Beschlüsse sind mit dem 1. April 1928 in Kraft getreten und gelten bis zu ihrer durch Gesetz oder durch übereinstimmende Beschlüsse der städtischen Körperschaften erfolgenden Rußerkraftsetzung.
Schlüchtern, den 16. 3uli 1928.
Der. Magistrat: Fenner.
B e k a u n t m a ch u n g.
Die Bibliothek der 3. 3. Weitzel'schen Stiftung ist vom 18. Juli bis 8. August 1928 geschlossen.
Schlüchtern, den 16. Juli 1928.
Der Magistrat: Fenner.
Schweres Eisenbahnunglück im Münchner Hauptbahnhof.
10 Tote 25 Verletzte.
München, 16. 7. Gestern Abenb gegen hsd Uhr ereignete sich im Münchener Hauptbahnhof ein schweres Eisenbahnunglück, indem ein Hoiuptzug auf einen Vorzug auffuhr. hierbei wurden 10 Personen getötet und 25 verletzt. Zu dem Unglück berichtet der sofort an die Unfall- stelle geeilte Sonderberichterstatter des Süddeutschen Torre- spondenzbüros, daß der Lokomotivführer des Vorzuges mit dem Zugführer die Ursache des Ziehens der Notbremse feststellen wollte, als der Stammzug 52 841 sich näherte und auf den Vorzug aufstieß, wodurch die beiden letzten Wagen des Vorzuges ineinandergeschoben wurden. Wie es möglich war, daß der Stammzug abgelassen wurde, während der Vorzug noch nicht das nächste Blocksignal erreicht hatte, ist bisher noch nicht aufgeklärt worden. Durch die eindringenden Heizgase aus der Lokomotive des Stammzuges entstand im letzten Abteil I. Klasse des Vorzuges ein Brand, der sich rasch auf die beiden letzten Wagen des Vorzuges ausbreitete und auch auf benachbarte Zuggarnituren Übergriff. Die Bemühungen des bald eingetroffenen Hilfszuges richteten sich darauf, die seitlichen Blechwände der ineinan- dergeschobenen Wagen zu öffnen und die verletzten heraus- zubringen. Besonders aus dem mittleren Teil der beiden beschädigten Wagen wurden Hilferufe hörbar. Es gelang nach 11 Uhr des Feuers soweit Herr zu werden, daß der erste Fahrgast noch lebend aber mit schweren (Quetschungen geborgen werden konnte. Bald danach wurden zwei tödlich verunglückte Reisende aus den Wagentrümmern herausgeholt. An der Bekämpfung des Feuers wurde nach Mitternacht noch immer gearbeitet.
Amundsen am Leben?
Angeblich auf dem Treibeis aufgefunden und an Bord des Eisbrechers Malhgin ausgenommen.
Am Sonntag vormittag wurde in Oslo ein Funk- spruch der Sendestation in Kingsbay (Spitzbergen) aufgefangen, wonach es dem russischen Eisbrecher „Maly- gtn" gelungen sein soll, Roald Amundsen und zwei feiner Begleiter aus dem Treibeis südwestlich von König Karlsland zu entdecken und an Bord zu nehmen. Nähere Meldungen oder eine Bestätigung dieses Gerüchtes stehen noch aus.
Der andere russische Eisbrecher „Krassin" hat nach der Bergung der Malmgreen-Gruppe die Suche nach Der mit der Ballonhülle abgetriebenen Gruppe Alessan- Dvuu ausgenommen. Die Nach suche ist jedoch außer- ordentlich durch den starken Nebel erschwert. Die Blos- lauer Meldung über die vermutliche Ermittlung der Ballongruppe durch den „Krassin" und die Vermutung, daß sich bei ihr auch Amundsen befinde, scheint auf einem Mißverständnis zu beruhen. Das Eis, das in den letzten Tagen leicht war, ist jetzt wieder härter geworden.
-^ Die Amnestievorlage auch im Neichsrat angenommen. Der Reichsrat erteilte der Amnestievorlage seine Genehmigung. Die Vertreter Bayerns, Thüringens und Badens gaben Erklärungen ab, in denen sie betonten, das; sie, obwohl die Amnestie ein Eingreifen in die Justizhoheit der Länder bar stelle, der Vorlage in Anbetrac^ der großen Mehrheit, die sie im Reichstage gefunden habe, ihre Zustimmung nicht versagen wollten. Dieser Auffassung schlössen sich die Vertreter Sachsens, Hessens, Oldenburgs und Bremens an. — Der Reichsrat wird sich mit der vom Reichstag angenommenen Borlage zur Senkung der Lohnsteuer in seiner Vollsitzung am Donnerstag, 19. Juli, beschäftigen. . , ...... „
— In einem Vororte von Chartres stürzte ein französisches Militärflugzeug in einen Garten. Der eine Flügel durchschlng das Dach einer Gartenlaube, in der eine Familie leim Mittagessen saß. Während die Besatzung des Flugzeuges gib östlich da- vonka«' (nur ein Mann wurde verletzt), wurde der in der Laube sitzende Mann getötet und seine Frau und Tochter schwer verletzt.
— 3n Smprna wurden zwei türkische Obersten, als sie auf den Anruf durch die Wachtposten mit ihren Auto= mobilen nicht anhielten, von den Posten erschossen.
— Die Gerüchte von einer Rettung Rmundsens werden dementiert. Ueber seinen Verbleib ist bis zur Stunde noch nichts bekannt.
— Der russische Eisbrecher Malygin, der sich an der Expedition zur Rettung der „Italia"-Mannschaften beteiligt, ist im Life eingeschlossen, so daß er fürs erste für die Rettungsexpedition ausscheidet.
— Smprna wurde Sonntag vormittag von einem Erdbeben heimgesucht. Einzelheiten fehlen noch.
— Der Vermittlungsvorschlag des Oberbürgermeisters von Wien in dem Lohnstreit im Gastwirtsgewerbe ist sowohl von den Arbeitgebern, als auch von den Arbeitnehmern angenommen worden, wodurch ein Kellnerstreik gerade in den Tagen des Sängerbundsfestes vermieden wurde.
Sommerpause.
Nun ist auch der Reichstag in die Sommerferien gegangen. 35 Grad im Schatten zeigte das Thermometer am letzten Sitzungstage, als man sich sehr heftig über die Amnestiefrage stritt. Aber schließlich brächte man auch diese Vorlage unter Dach und Fach und konnte der Hitze (die anderwärts freilich auch zu spüren ist!) entfliehen.
Damit ist der erste — übrigens sehr kurze — Abschnitt der Tätigkeit der neuen Reichsregierung vorüber. Sehr ergiebig ist er gerade nicht gewesen. Die Regierung war mit drei größeren Vorlagen vor das Parlament getreten: Nationalfeiertag (ein Entwurf, der allerdings nicht auf die Initiative des Reichskabinetts, sondern auf "die des Reichsrats zurückgeht), Lohnsteuersenkung und Am - n e st i e v o r la ge. Für die Borlage, den 11. August zum offiziellen Nationalfeiertag mit Arbeitsruhe zu machen, hat sich eine Mehrheit im Reichstag nicht gefunden. Damit sie aber nicht direkt abgelehnt wurde, griff man zu dem Ausweg, sie zunächst dem Rechtsausschuß zu überweisen. Dieses Gremium kam dann überein, vor den Ferien mit der Beratung nicht mehr zu beginnen und die Sache auf den Herbst zu vertagen. Damit ist also für den diesjährigen 11. August eine Regelung nicht getroffen. Wie die Frage weiter behandelt werden wird, bleibt abzuwarten. Da es sich nicht um eine Regierungsvorlage handelt — wenn sich auch der Reichsinnenminister sehr stark bafür einsetzte —, wäre eine Ablehnung des Entwurfs keine Niederlage des Kabinetts. Die Lohn st euer- s e n k u n g , die der neue Reichsfinanzminister Dr. Hilserding verlangte, wurde angenommen. Aber es war eine nur recht schwache Mehrheit. Und auch diese kam lediglich dadurch zustande, daß die Nationalsozialisten für die Vorlage stimmten. Zwei in der Regierung vertretene Parteien: Deutsche Bolks- Partei und Bayerische Volkspartei, begaben sich in die Opposition — eine Tatsache, die wieder einmal zeigte, aus wie schwankender Basis das derzeitige Reichskabinett steht. Materiell bedeutet die jetzt beschlossene Lohnsteuersenkung, zu der übrigens noch der Reichsrat Stellung nehmen muß, für die Steuerzahler nicht sehr viel. Sie werden aber auch diese kleine Entlastung begrüßen, und man kann nur wünschen, daß es . e^ngt, im Herbst auch.die.-iu..ÄuÄLt gekeilte Senkung der l nfommenfteuer für die übrigen zu erreichen, soweit es sich dabei um kleine und mittlere Einkommen handelt. Eine größere Mehrheit fand die A m n e st i e o o r l a g e. Sie ging zurück auf ein Verlangen verschiedener Parteien. Die Kompromißlösung, die man dann im Ausschuß fand, befriedigte zwar — was in derartigen Fällen immer so ist — auf keiner Seite vollständig, aber man nahm sie schließlich doch an, weil mehr nicht zu erzielen war. Besonders erfreulich fi nb mehrere, rasch aufeinander folgende allgemeine Strafnachlässe übrigens nicht. Darin wird man dem Reichsjustizminister Koch zustimmen müssen. Eine Amnestie muß seltene Ausnahme bleiben, sonst gibt es Unruhe in der Rechtspflege, wie im Strafvollzug.
Das Reichskabinett hat sich außerdem mit dem neuen Antrag der Reichsbahn auf Genehmigung einer Tariferhöhung befaßt, aber eine Entscheidung nicht gefaßt Schließlich wurde auch die schwierige Frage der V e r s a s - sungs - und Verwaltungsreform besprochen und dazu beschlossen, die von der Länderkonferenz eingesetzte .Reichsrcsormkommission" auf Ende September einzuberufen.
Und nun ist die politische Sommerpause eingetreten. Man nimmt an, daß der Reichstag erst am 10. November wieder Zusammentritt. Doch ist ein genauer Ternnn noch nicht bestimmt. Im Herbst werden sofort wichtige Entscheidungen fällig. Die Fraktionen müssen an das Reichskabinett fester gebunden werden, was nur durch eine Umbildung^der jetzigen Regierung möglich ist. Ferner soll, um einer Forderung der' Deutschen Volkspartei des Reichs y entsprechen, die preußische Regierung umgebildet werden. Da der Preußische Landtag bereits am 2/ Oktober wieder zusammentreten wird, können gewisse Berlwudlungsergebnisse darüber schon vor- ltegen, wenn sich der Reichstag im November wieder berfam- mdt. Die oben erwähnten Vorgänge bei der Nationalfeiertags- unb der Steuersenkungsvorlage haben gezeigt, wie nötig es ist, das neue Reichskabinett auf wirklich festen Boden zu stellen. Man wird die Sommerpause wohl dazu benutzen, um die Vorverhandlungen darüber zu führen, damit die Regierung in der Lage ist, im Herbst mit positiver Arbeit auf inner-, besonders aber auch a u ß e n politischem Gebiet zu beginnen.
Bier Todesopfer des Eifenbahttuuglücks bei Bar-sur- Stute.
— Paris, 16. Juli. Die Zahl der Todesopfer des Eisenbahnunglücks bei Bar-sur-Aube ist auf vier gestiegen. Die 13 Verwundeten, darunter fünf Amerikaner, ein Schweizer und ein Belgier, befinden sich außerhalb jeder Gefahr.
Havarie der „Augsburg".
London, 16. Juli. Unweit des Hafens von Dover stieß der deutsche Dampfer „Augsburg" mit einem italienischen Schiff zusammen und wurde dabei schwer beschädigt. Der deutsche Kapitän steuerte sofort den Hafen an und kollidierte dabei mit der Hafenmauer. Durch den Anprall wurde der Bug voll eingedrückt.
Die französische Antwort in Washington überreicht.
London, 16. Juli. Nach Meldungen aus Washington hat der französische Geschäftsträger im amerikanischen Staatsdepartement die Antwortnote der französischen Regierung auf die letzten Vorschläge Kelloggs über den Abschluß eines Kriegsächtungsvertrages überreicht.