II
Nr. 91 (1. Blatt)
Dienstag, den 31. Juli 1928
80. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
Abschliestung der Mechnungsbücher für 1927.
J.-Nr. 3235 K. A. Nach jetzt eingegangener Mitteilung des Herrn Regierungs-Präsidenten zu Rassel ist die bisher noch ausstehende Schlußverteilung an Linkommen- und Körperschaftssteuer für 1927 kaum noch zu erwarten. Die Herren Bürgermeister und Gemeinderechner der Landgemeinden veranlasse ich daher, die RbschUeßung der Nechnungsbücher für das Nechnungsjahr 1927, soweit es bisher noch nicht geschehen ist, nunmehr unverzüglich zu bewirken. Bis zum 10. August d. 3s. wollen mir die Herren Bürgermeister der Landgemeinden im Sinne meiner Kreis= blatt-verfügung vom 7. April 1928 — J.-Nr. 1513 K. A. — (Kreisblatt Nr. 47) berichten.
Schlüchtern, den 28. 3uli 1928.
Der Vorsitzende des Nreisausschusses: Dr. Müller.
J.-Nr. 3262 K. A. Nach § 91 der Landgemeindeordnung ist die Gemeinderechnung binnen 6 Wochen nach Schluß des Rechnungsjahres dem Bürgermeister einzurei- chen, von diesem binnen weiteren 6 Wochen der Gemeindevertretung vorzulegen, von letzterer feststellen zu lassen und sodann 14 Tage lang öffentlich auszulegen.
Mit Rücksicht darauf, daß die Unterlagen aus den Gemeinderechnungen für das Rechnungsjahr 1927 zur Rufstellung der bis zum 15. September d. 3s. dem preußischen statistischen Landesamt in Berlin einzureichenden Zinanz- statistik benötigt werden, veranlasse ich die Herren Bürgermeister und Gemeinderechner der Landgemeinden, dafür zu sorgen, daß die Gemeinderechnung für 1927 unverzüglich aufgestellt und in einer Ausfertigung ohne die Beläge bis zum 25. August ö. Is. hier eingeht. Diese Aus= fertigung braucht zunächst nicht von der Gemeindevertretung festgestellt zu sein. Fristverlängerungen können nicht gewährt werben, worauf ich jetzt schon aufmerksam mache.
3m übrigen bestimme ich, daß die durch die Gemeindevertretung festgestellte und ausgelegte Gemeindercch- nung für 1927/28 nebst den dazu gehörigen Belägen bis ZUM 1. Oktober 1928 hier vorzulegen ist. Eine Verlängerung des Termins kann nur aus ganz besonderen Gründen erfolgen.
Schlüchtern, den 28. 3uli 1928.
Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung
Gelegentlich des am 5. August d. 3s. stattfindenden X 3. Weiße!'scheu Stiftungsfestes sollen auch in diesem Jahre Ehrenpreise für Zuchtvieh (Rindvieh, welches im eigenen Stalle geboren oder im Alter bis zu 3 Monaten angekauft oder selbst aufgezogen ist, Zucht- schweine und Ziegen) ausgegeben werden.
Die Besitzer solcher zur Prämierung geeigneter Tiere werden ersucht, dieselben am Donnerstag, den 2. Ru- Stuft 1928 nachmittags 6 Uhr den Preisrichtern um Untertor vorzuführen.
Schlüchtern, den 30. Juli 1928.
Der Magistrat.
Bekanntmachn» g.
Am Mittwoch, den 1. August 1 9 28 na dp Mittags 6 Uhr werden die Lagerplätze in der Dresch- Wle öffentlich verpachtet.
Sd)lüd)tern, den 30. Juli 1928.
Der Magistrat.
Behördliche Formulare I
jeglicher Art liefert aus Borrat und auf
SonderbesteUung
Auchbmckerei A. Glemfelb Göhne Schliichterner geltung (Kreisamtsblatt).
, ~ General Nobile mit seinen Gefährten ist am Sonntag w Kopenhagen eingetroffen und am Sonntag Rbend nach Oeutschland weitergereist.
I
AllSliefemngsbegehr.-Kellogg-paki
Fortdauer der Entrüstung über das französische Verlangen. Eine Aeußerung der zuständigen deutschen Stelle. — Noch keine Entscheidung über Stresemanns Pariser Reise. — Pariser Programm für die Unterzeichnung des Kriegsächtungspakts.
Um die Auslieferungsforderung Frankreichs.
Das Verlangen Frankreichs nach Auslieferung der vier Deutschen wird in der gesamten deutschen Presse weiter erörtert. Die Entrüstung über das französische Ansinnen dauert an. Verschiedene Blätter fordern, daß der deutsche Außen- minister
ablchnt, nach Paris zu kommen, wenn die Franzosen ihre Zumutung aufrechterhalten. Mau kann sagen, daß in der Beurteilung des französischen Auslieferungsbegehrens sich eine nationale Einheits - s r o n t gebildet hat, die alle politischen Richtungen umfaßt.
Gegenüber französischen Presfenlitteilungen wird halb- amtlich festgestellt, daß eine Zusage Dr. Stresemanns, zur Unterzeichnung des Kellogg-Pakts nach Paris zu kommen, noch nicht gegeben wurde. Es sei bisher nur diplomatische Fühlung in dieser Angelegenheit genommen worden.
Verhandlungen mit Frankreich.
Zum Auslieferungsbegehren der Besatzungsbehörden wird von zuständiger Stelle erklärt, daß die Re:chsreglerung verpflichtet sei, dem entsprechenden Artikel des ^Rheinland- abkommens zu entsprechen und die verlangten Persönlichkeiten auszuliefern. Jedoch seien zurzeit Verhandlungen im Gange, um eine gerechtere Beurteilung der Angelegenheit durch die französischen Behörden herbeizuführen. Insbesondere erscheint nach deutscher Auffassung der Vorwurf des schweren Dieb- stahls als unrichtig, da die Tatbestandsmerkmale dieses Verbrechens nicht erfüllt sind. Die drei Persönlichkeiten, deren Auslieferung verlangt wird, hatten bekanntlich die Fahne vom französischen Offizierskasino heruntergerissen.
Im übrigen glaubt man an zuständiger Stelle, die deutsche Bevölkerung daraus aufmerksam machen zu müssen, daß derartiger Unfug auf das dringlichste vermieden werden muß, da die deutsche Bevölkerung in solchen Fällen vor der Auslieferung in Uebereinstimmung mit den bestehenden Verträgen nicht geschützt werden kann.
Guter Wille zur Beilegung.
Zu bem Ersuchen Frankreichs auf Auslieferung der drei Deutschen wird noch bekannt, daß das Ersuchen auf Auslieferung bereits am 25. Mai dieses Jahres gestellt, bei den deutschen Behörden erst am 18. Juni eingetroffen ist.
Von Pariser amtlicher Stelle wird mitgeteilt: Der deutsche Botschafter von Hoesch hatte in Anwesenheit des Außenministers Brinad mit dem Generalsekretär des Außenministers, Berthclot, eine Aussprache über den Zweibrückener Flaggenzwischensall und seine Folgen. Diese Unterhaltung ergab, daß auf beiden Seiten der aufrichtige Wunsch und der gute Wille besteht, die Angelegenheit im geistig wechselseitigen Verständnis zu behandeln.
Englische Gehässigkeit.
Der Berliner Berichterstatter des „Daily Telegraph" weist in einem gehässigen Kommentar zu den Berliner Presse- ftimmeh über das französische Auslieferungsbegehren darauf hin, man müsse sich am Quai d'Orsay bewußt sein, daß Deutschland nur aus dem Grunde den Kollegg-Pakt angenommen habe, um Frankreich in eine schwierige Lage zu bringen. Daher sei nicht zu erwarten, daß die deutsche Drohung tn Paris Eindruck machen werde. Wenn alle Tatsachen bekannt sein würden, werde man wahrscheinlich finden, daß der wegen dieser Angelegenheiten in der Berliner Presse entstandene Sturm beabsichtigt gewesen sei (!!), um Wind in die Segel der deutschen Diplomatie zu blasen, die in ihren Bemühungen um die Zurückziehung der französischen Auslieferungsfordcrun- gen nicht die gewünschten Fortschritte mache.
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Die Unterzeichnung beS Kellogg-Pakts.
Wie aus Paris gemeldet wird, sind für den 27. AugusI, dem Tag, au dem der Kellogg-Pakt in Paris unterzeichnet werden soll, große Feierlichkeiten geplant. Man rechnet mit einem Empfang bei bem Präsidenten der Republik und einem zweiten bei Briand in den Räumen des französischen Auswärtigen Amtes. Zehn Außenminister werden in Paris erwartet, außerdem der italienische Unterstaatssekretär Grandi und der spanische Ministcrvräsideut Primo de Rivera.
Wie aus Washiugtou gemeldet wird, erhielt Staatsjekretür Kellogg von der französischen Regierung die Einladung, Paris am 27. ober 28. August zu besuchen, um persönlich an der Unterzeichnung des Kriegsächtungspaktes teilzunehmeu.
Kellogg wird, wie verlautet, der Einladung tsolgc leisten, falls auch die anderen Signatarmächte durch ihren Autzen- miniftcr in Paris vertreten sein werden. Er hat ubngctts erklärt, daß er es anläßlich der Unterzeichnung des Ärlcgs- ächtungspaktcs in Paris peinlich vermeiden werde, die Repa- rations- oder ähnlichen Fragen auszuwerfen. Er werde sofort nach der Unterzeichnung nach Amerika zurückkehren.
Noch keine Einladung an Stresemann.
Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, hat eine Räch- frage in Karlsbad ergeben, daß Dr. Stresemann bisher noch
kein Schreiben des französischen Außenministers Briand erhalten hat, das ihn zur Unterzeichnung des Kellogg-Paktes nach Paris einlädl. Die deutsch-französische Aussprache, die in der Frage der Unterzeichnung stattgefunden hat, ist somit lediglich auf den üblichen diplomatischen Weg beschränkt gewesen.
Kommunistische Ausschreitungen in Frankreich. '
Zu schweren Ausschreitungen kam es vor dem Gefängnis von Limoges; wegen der Verhaftung eines Arbeiters zogen nach Fabrikschluß mehrere hundert Kommunisten vor das Gefängnis und erbrachen das Gefängnistor. Erst nach Eintreffen der republikanischen Garde und der Gendarmerie konnte die Ordnung wiederhergestellt werden. Das Gefängnis wurde militärisch besetzt. Ein ähnlicher Versuch mißglückte in Trotzes, wo 600 Kommunisten die Leiter dreier kommunistischen Blätter aus dem Gefängnis befreien wollten.
Der deutsche Schritt in Paris.
Was hat Botschafter v. Hoesch erreicht? — Der Eindruck in der Reichshauptstadt.
Wie der Presse mitgeteilt wird, haben die zwischen dem deutschen Botschafter in Paris v. Hoesch und Bertholet geführten Besprechungen über den Zwei- brückener Flaggenzwischenfall einen durchaus harmonischen Verkauf genommen. Der Zwischenfall könne aus Grund dieser Besprechungen als praktisch beigelegt betrachtet werden. Mit Befriedigung könne festgestelki werden, daß Frankreich sich nicht lediglich auf den formal-juristischen Standpunkt gestellt hat, sondern auch die politische Gesamtlage berücksichtigt habe. Trotz des noch glimpflichen Ausganges dieses Zwischenfalles und trotz der ossenkundigen Bemühungen Brianss, die angestrebte Verständigungspolitik nicht zu hintertreiben, müsse bei dieser Gelegenheit nochmals und nachdrücklichst auf die unheilvollen Folgen hingewiesen merken, die sich immer wieder aus der Tatsache der Besetzung der Rheinlande ergeben. Vielleicht werde man 'jetzt auch in Paris einzusehen beginnen, daß die Aufrechterhaltung der Besetzung nicht im Einklang steht mit der in Locarno eingeleiteten Politik, die in wenigen Monaten auf ein dreijähriges Jubiläum zurückblicken könne.
Deffau ehrt die „Vtemen"-Flieger.
Die Begrüßung auf dem Flugplatz. — Die Feier vor dem Rathause. — Kranzniederlegung am Grabe Boelckes.
Die deutschen Ozeanflieger Hauptmann Köhl und Freiherr von Hünefeld haben nunmehr auch der an- haltischen Hauptstadt Dessau einen Besuch abgestattet. Dem Empfang auf dem Flugplatz folgte eine Feier im Kasino der Junkerswerke, bei der Prof. Junkers den Piloten ein Miniatur-Flugzeug überreichte. Minister Weber sprach als Vertreter der Staatsregierung und Direktor Schleitzing überreichte im Namen der Flugzeugwerke den Fliegern zwei Statuetten. Dann traten die Flieger unter dem ,
Geläut sämtlicher Kirchenglocken
die Rundfahrt durch die Stadt an. Sie fuhren zunächst nach dem Ehrenfriedhof, wo sie am Grabe Boelckes Kränze niederlegten. Vom Ehrenfriedhof aus ging die Fahrt nach dem Rathause. Im Sitzungssaal des Gemeinderates überreichte Bürgermeister Hesse dem Professor Junkers den Ehrenbürgerbrief der Stadt. Die Flieger trugen sich in das Goldene Buch ein. Den eindrucksvollsten Teil ver Empfangsfeierlichkeiten bib dctc die Veranstaltung vor dem Rathanse. Eine un- übersehbare Menschenmenge hatte sich angesammelt. Einem prächtig ausgeführten Zapfenstreich folgte der Vorbeimarsch der Vaterländischen Verbände mit Fah- neu und Fackeln vor den Ozeanfliegern.
Wirbelstmmlatastrophe bei Herford,
20 Häuser der Gemeinde Schmeicheln abgedeckt. — Hunderte von Bäumen entwurzelt.
Die bei Herford gelegene Gemeinde Schweicheln an der Strecke Herford—Löhne—Hannoper wurde von einer Windhose heimgesucht, die in Begleitung eines Gewitters hereinbrach. Hunderte von alten Bäumen wurden entwurzelt. Der schwerste Schaden wurde in der Gemeinde selbst angerichtet, wo über 20 Häuser völlig abgedeckt wurden. In verschiedenen Häusern stürzten infolge des zugleich niedergehenden wolkenbruch- artigen Regens die Decken ein, doch wurde niemand verletzt. Auch aus den Feldern wurde großer Schaden angerichtet.
SO. Geburtstag Batockis.
Königsberg, 30. Juli. Der frühere Präsident des Kriegsernährungsamtes v. Batocki feiert morgen seinen 60. Geburtstag. Heute gehört er als Mitglied dem Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbuhn-GeseR- schaft an und ist Vorsitzender des Verbandes Deutscher Landeskulturgenossenschaften.
Seebold kehrt nach Deutschland zurück.
Moskau, 30. Juli. Ingenieur Seebold, dessen Name aus dem Schachty-Prozetz bekannt ist, reiste von Leningrad nach Deutschland ab, nachdem durch Beschluß des Zentralexekutivkomitees die Fortsetzung des gegen ihn eingeleiteten Verfahrens eingestellt worden ist.
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