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Schlüchtemer Zeitung

kreLs-BmwbtlM * Ullyememev LmMichwKMLtzev für öar Kreis Schlüchtem

M. 102

(1 Blatt)

Samstag, dem 25. August 1928

80. Iahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

! xggdratsaMt.

J.-Nr. 7138. Das neue Volksschullehrerbesoldungsge- M nebst den einschlägigen Ministerialerlassen und 1 Erläuterungen der schwierigen gesetzlichen Bestimmungen scheint in Rürze in den bekannten Weidmann'schen Ta- [(tenausgaben in Berlin. Bei Abnahme von mindestens 00 Stück preis je 4 31M.

! Den Schulverbänden des Kreises kann ich die Beschaf- ^ng des Buches nur empfehlen und ersuche, etwaige Be= tellungen an mich einzureichen, da ich eine $ammelbe= tellung aufzugeben beabsichtige.

Schlüchtern, den 21. August 1928.

Der Landrat: Dr. Müller.

j I.-Nr. 7168. Diejenigen Vrtspolizeibehörden, die mit ^er Erledigung meiner Verfügung vom 23. Januar 1925 - I-Nr. 89, Schlüchterner Zeitung Nr. 13 von 1925, betr. Bekämpfung der Blutlaus, noch im Nückstande sind, oerben nochmals daran erinnert.

Schlüchtern, den 21. August 1928.

'________________ Der Landrat: Dr. Müller.

Finanzamt.

Öffentliche Auffordernng zur Abgabe von Nmerevklärungeu für die Herbstveranla­gung 1928.

Die Steuererklärungen für die Einkommensteuer, Kör= jerjchaftssteuer und Umsatzsteuer sind von den Steuerpflich- igen, deren Wirtschaftsjahr zwischen dem 1. Januar und !0. Juni 1928 geendet hat, in der Zeit vom 1. bis 15. September 1928 unter Benutzung der vorgeschriebenen Vor- >ru&e abzugeben. Steuerpflichtige, die zur Abgabe einer Erklärung verpflichtet sind, erhalten vom Finanzamt eip^ Erdrück zugesandt. Die durch das Einkommensteuergesetz, llörpersch'aftssteuergesetz und Umsatzsteuergesetz begründete Verpflichtung, eine Steuererklärung abzugeben, auch wenn ein Vordruck nicht übersandt ist, bleibt unberührt; erfor­derlichenfalls haben die Pflichtigen Vordrucke vom Finanz­amt anzufordern.

Schlüchtern, den 22. August 1928.

Das Finanzamt.

Schewe, Regierungsrat.

Städl Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Der nächste Vieh - und Pferdemarkt verbun­den mit Prämierungen von Uühen, Rinbern und ^sen findet am Dienstag, den 4. September '92 8 von vormittags 7 Uhr ab statt.

Kein Markt standgeld!

Schlüchtern, den 22. August 1928.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Nach einer Meldung aus Nizza wurde Mittwoch bmd ein Attentat auf den italienischen Konsul in St. aphael, Marquis di Muro, verübt, indem in seinem ^urgarten ein Schrotschuk abgefeuert wurde, der ihn * nur ,eicht verletzte!

3n der Sitzung des thüringischen Landtages wurde A Donnerstag der Antrag aus Auflösung des Landtages ,nit 27 gegen 26 Stimmen abgelehnt.

" Neichspräsident v. Hindenburg hat sich am Donners- a9 von Dietramszell nach Fall a. d. Isar zur Jagd be- eben.

Der Arbeitgeberverbanb der Herren- und Knaben- ^kiderfabrikanten Deutschlands hat die Aussperrung im an3en Neich mit Wirkung ab 27. August beschlossen.

" Bei den Ueberschwemmungen in der Provinz Zchan- Un9 sind 1 800 Personen ertrunken.

Die Somjetregierung fordert von der finnischen Re= ^rung die Abberufung des finnländischen Militärattaches luoskau.

" Die Neichsregierung gab am Donnerstag Abenb in Wräumen des Zoologischen Gartens einen Empfangs- >/vd zu Ehren der Teilnehmer an der 25. 3nterpalamenta= Nonferenz.

" Blättermelbungen zufolge sollen die französischen . Mover infolge der allgemeinen Trockenheit nicht in der -oire-tDegend, sondern vom 2. bis 9. September in Elsaß- °)ringen in großem Stil abgehalten werden.

,77 3n der Nabinettssitzung am Mittwoch wurde be= ? o>sen, von einer Zwischenlösung in der Nrisenfürsorge ^Zusehen und die Verlängerung der Unterstützungsdauer ,uv39 Wochen mit Wirkung ab 17. September in Kraft u setzen.

Nochmals der Panzerkreuzer a.

Warum die demokratischen Neichsminister dem Bau zuge- stimmt haben.

Ueber die Gründe, die die demokratischen Minister im Reichskabinett zur Zustimmung zum Panzerkreuzerbau ver­anlaßt haben, hat der Demokratische Zeitungsdienst eine Aus­kunft eingeholt. Danach haben die demokratischen Minister ihre Meinung, daß der Bau des Panzerkreuzers politisch un­erwünscht und militärisch unzweckmäßig sei, nicht geändert. Die politische Lage habe aber den Versuch, den vom Reichstag beschlossenen Bau des Panzerkreuzers zu Fall zu bringen, aus­sichtslos gemacht. Die demokratischen Minister hätten also nur dre Möglichkeit gehabt, zum Zeichen des Protestes gegen den Bau von ihrem Amt zurückzutreten und die Koalition zu prcngen. Sie hätten sich dazu nicht entschlossen. Maßgebend nr die Haltung sei die Aufrechterhaltung der Koalition ge­wesen.

Auruhen in Riga.

Das Urteil im Gewerkschaftsprozeß.

Anläßlich der bevorstehenden Verkündigung des endgiil- tigen Gerichtsurteils in Sachen der Schließung der linken Ge­werkschaften ist es in Riga zu ernsten Unruhen gekommen.

Die unabhängigen Sozialdemokraten hatten den General- strerk angesagt, dem jedoch nur etwa 3000 Arbeiter, darunter auch die Hafenarbeiter, Folge leisteten. Am Vormittag ver­sammelten sich in der Urngegend des Gerichtsgebäudes große Arbeitermassen. Gleichzeitig versuchte ein geschlossener Haufen mit roten Fahnen unter Absingung der International durch die polizeilichen Absperrungen zum Gerichtsgebäude vorzu- dringen. Berittene Polizei mußte eingreifen.

Der Innenminister und der Ministerpräsident haben die Bevölkerung aufgefordert, völlige Ruhe zu bewahren. Weitere Versuche zur Unruhestiftung würden im Keime erstickt teerten. Die Regierung habe die Mittel in der Hand, um Herr der Lage zu bleiben. Es handele sich um Wahlmanöver der Links­parteien. Die Schuldigen wurden streng bestraft werden.

Das Gericht hat fürs erste beschlossen, die abschließende Verhandlung über die Auflösung der linken Gewerkschaften auf Anfang September zu vertagen.

Das Aerztekonsilium um Stresemann.

Berlin, 24. August. Der Reichsaußenminister Dr. Stresemann ist heute von seinen Aerzten, Professor Hermann Zondek, Sanitätsrat Gisevius und Dr. Schulmann unter Hinzuziehung von Herrn Professor von Krehl-Heidelberg, V»r Wiederaufnahme seiner beruflichen Tätigkeit untersucht worden. Die Untersuchung hat ergeben, daß der Gesundheits- Mstaud des Mnisters noch nicht derartig ist, daß Rückfälle rmsgeschlofsen waren. Die Aerzte haben daher dem Minister die geplante Teilnahme an den Verhandlungen in Genf wider­raten. Mit der Reise nach Paris konnten sich die Aerzte nur unter der Bedingung einverstanden erklären, daß sich der Minister daselbst größtmögliche Schonung auferlegt.

Schädigung der Rheinlandbevölkerung durch die Manöver der Befatzungstruppen.

Kaiserslautern, 24. August. Die französischen Befatzungs- truppen sind znr Zeit auf dem Marsche von und zu den Ucbungsplätzen und in die Manöver. Die Pfalz durchziehend Verlangen sie von den einzelnen Einwohnern, bei denen sie einquartiert waren, Wohlverhaltenszeugnisse, nachdem die Bürgermeister das zuerst an sie gestellte Ansinnen, die Wohl- Verhaltungszeugnisse für die ganze Gemeinde aufzustellen, abgelehnt haben. Die Ausstellung von Wohlverhaltuugszeug-- nissen bedeutet den Verzicht auf Vergütung der durch die Ein­quartierung angerichteten Schäden.

Lootsunglück in der Elbmündung. Drei Schüler ertrunken?

Cuxhaven, 24. August. Die SegeljachtKleeblatt", in der sich drei 18 Jahre alte Schüler auf der Rückfahrt nach -Ham­burg befanden, wurde von Cuxhavener Schiffern in der Elb­mündung bei der Robbenklappe gesunken aufgcfunten. Das Schicksal der drei Insassen ist ungewiß. Man befürchtet, daß sie ertrunken sind. Eine Untersuchung ist eingeleitet.

Der kanadische Pazific-Expretz übcrfährt einen Kraftwagen.

London, 24. August. Wie aus Quebec gemeldet wird, wurde ein Personenkraftwagen, der infolge eines Motorschadens an einer Bahnüberführung in der Nähe Quebecs ftehengeblieben war, von dem kanadischen Pazific-ExPreßzug glatt überfahren. Sämtliche fünf Insassen des Kraftwagens wurden getötet.

Schweres Erdbeben in Persien.

London, 24. August. Nach einer Meldung aus Teheran wurde die Gegend von Sabacewar, Nischapür und Schirwan Mittwochabend von einem schweren Erdbeben heim­gesucht. Nach den bisherigen Feststellungen sind zehn Menschen­leben zu beklagen. Die Zahl der Verwundeten ist beträchtlich.

Nach einer Neutermeldung soll in den nächsten Tagen von den Franzosen ein größerer Streifen Land, u. a. auch Erbenheim, wo der Flugplatz Wiesbaden-Mainz errichtet werden soll, den englischen Behörden überleben werden. Ferner soll die Grenze der englischen Zone um fünf Kilometer nach Westen verschoben werden.

Wirtschaft und Krisenfürsorge.

Bedenken gegen eine weitere Ausdehnung.

In führenden Wirtschaftskreisen werden ernste finanzielle Bedenken gegen eine weitere erhebliche Ausdehnung der Krisenfürsorge durch Erweiterung der Unterstützungsdauer von 26 auf 39 Wochen erhoben. Eine ausreichende Unter­stützung der Erwerbslosen, die trotz allen Bemühungen Ar- beitsmöglichkeiten nicht fanden, sei naturgemäß notwendig. Anläßlich der Beratung über den letzten Erlaß der Reichs­regierung sei jedoch nicht nur von feiten der Unternehmer, sondern auch der Behörden und des Reichsarbeitsministeriums auf die ernsten wirtschaftlichen, finanziellen und nicht zuletzt auch arbeitsmoralischen Bedenken hingewiesen worden, die gegen eine fortgesetzte Ausdehnung der Krisenfürsorge sprächen. Bei den jetzigen Bestimmungen über die Krisenfürsorge sei es so gut wie sicher, daß der hierfür im Etat vorgesehene Betrag nicht zur Deckung der tatsächlichen Ausgaben ausreichen werde. Des ferneren müsse angesichts der Entwicklung des Arbeitsmarktes schon heute mit höchster Wahrscheinlichkeit da­mit gerechnet werden, daß das Reich auf Grund des Reichs­arbeitslosenversicherungsgesetzes der Reichsanstalt für Arbens- Vermittlung und Arbeitslosenversicherung zinslose Darlehen in zweifellos nicht unerheblichem Umfange gewähren müsse, für die im Etat Mittel nicht vorgesehen sind. Angesichts der recht ungünstigen Lage der Finanzen im ersten Etatsquartal müßten die geschilderten Momente bereits ohne weitere Aus­dehnung der Krisenfürsorge mit nicht unbeträchtlicher Sorge erfüllen. Neben diesen Bedenken werde in führenden Wirt­schaftskreisen auf Grund von in der Tagespresfe erschienenen Mitteilungen auch die Befürchtung ausgesprochen, daß aus Anlaß der bekannten Beschlüsse über den Bau des Panzer­kreuzers weitere sozialpolitische Maßnahmen ergriffen inerten solbm. Da keine authentischen Nachrichten über die Unrichtigkeit ober Richtigkeit solcher Mitteilungen von berufener Seite zu erlangen sind, wird sich die Wirtschaft gegebenenfalls ge­zwungen sehen, eine derartige Verquickung anderer politischer Fragen mit Fragen des weiteren Ausbaues der sozialpolitischen Gesetzgebung als unvereinbar mit den Grundsätzen sachlicher sozialpolitischer Arbeit zu bezeichnen.

Eine wackere Tat eines Lokomotivführers.

In letzter Minute den Zug zum Stehen gebracht.

Der Lokomotivführer des gegen 10 Uhr morgens den Ort Hemelingen bei Bremen Passierenden V-Zuges Hamburg Osnabrück sah plötzlich am Streckenübergang Holzstraße ein Gespann mitten auf dem Geleise stehen. Er gab auf 500 Meter Entfernung sofort Gegendampf, und es gelang ihm, den Schnellzug etwa 20 Meter vor dem Fuhrwerk zum Halten zu bringen. Es handelte sich um zwei aneinandergekoppelte, von Pferden gezogene und zusammen mit etwa 1500 Steinen beladene Lastwagen, vor und hinter denen die Uebergangs- schranken aus nod) nicht aufgeklärter Ursache herabgelassen innren, so daß für Pferde und Wagen jede Bewegungsmöglich- krit unterbunden war.

Der V-Zug konnte nach Oeffnung der Schranken und Weiterfahrt der' Steinwagen mit einer Verzögerung von nur wenigen Minuten seine Fahrt nach Osnabrück fortfctzcn.

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Am den Frankfurter Neubau der -

3.®. Farbenindusirie.

Kein Hochhaus.

In der Verwaltungsratssitzung am Donnerstag der I. G. Farbeiundustrie in Frankfurt a. M. kam es noch zu keiner endgültigen Entscheidung über die Wahl eines von den sechs vorjicgerrden neuen Projekten. Die Entscheidung bedeutet noch nicht die sofortige Aufnahme der Bauarbeilen, da noch Rück- mit dem Architekten, die Einholung der baupolizeilichen migung usw. erforderlich sind.

Es hat den Anschein, als ob 'in Hochhaus im ursprüng­lichen Sinne, das man etwa lüstöckig annahm, nicht mehr in Frage kommt. Uebrigens ist zu betonen, oaß sich an dem Ver­wendungszweck des Hochhauses, welches das Verwaltungs­gebäude" für die nach Frankfurt a. M. zu konzentrierende Zentralverwaltung der Farbenaoteilung des Konzerns werden soll, nichts geändert hat und daß immer wieder auftauchende Kombinattonen, die von todteren Konzentrationen nach Frank­furt a. W. wissen wollen, nicht den Tatsache« «stWechev.

Im Saargebiet wird einhellig der Standpunkt vertreten, daß die Regierungskommission zu einer Stützungsaktion für St. Jngbert verpflichtet sei.

In London wächst die Unzufriedenheit mit dem Schweigen der Regierung auf alle Angriffe in Verbindung mit dem Flotten- abkommen.

In Belgrader Regierungskreisen ist man entschlossen, gegen den Führer der kroatischen Bauernpartei, Dr. Matschek, wegen seines Telegramms an Lobe ei« Strafverfahren einzuleiten