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M. 103 Dienstag, den 28. August 1928 80. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

Bekanntmachung

wegen Ausführung von walz- und Teerarbeiten an der Hanauer-Vachaer Landstraße wird diese Strafte innerhalb der Ortschaften (Eiters und Neustadt vom 28. August bis ll. September d. 3s. für jeglichen Fuhrwerks- und Kraft= fahrzeugverkehr gesperrt.

Die Umleitung des Verkehrs kann erfolgen:

vom 28. August bis 3. September 1928 über Neuhof VpperzHattenhofKerzell und vom 4. September bis 11, September 1928 über NeuhofGpperzSchweben.

Uebertretungen werden nach den geltenden Beftim* mungen mit Geldstrafe bis zu 150. 31M bestraft.

Zulda, den 21. August 1928.

Der Landrat. 3. v.: Dr. Lorscheider.

Negierungs-Ussessor.

A. VII Nr. 1441 a. Nach Anhörung der hiesigen Hand­werkskammer habe ich zum Zachverständigen für das Elek- Iwinstallateurgewerbe, insoweit dasselbe handwerksmäßig betrieben wird, zur Abgabe von Gutachten in Fällen der Untersagung dieses Gewerbes den Elektroinstallateurmeister Richard Herbold in Kassel, holländische Strafte 13, für die Seit bis zum 31. März 1931 für den ganzen Negierungs- bezirk Kassel ernannt.

Kassel, den 18. August 1928.

Der Regierungspräsident.

Die Vertretung Deutschlands in Genf.

Berlin, 26. August. Wie von maßgebender Seite mit= stellt wird, wird die deutsche Abordnung für den Völker- dundsrat unter Führung Staatssekretärs von Schubert wn Die Aelegation für. die .VälterbuvüLvLMMmluog wird dagegen von Reichskanzler Müller geführt, der von Staatssekretär Pünder begleitet sein wird. Als Delegierte Mren dieser Abordnung an: Staatssekretär von Schubert, Enisterialdirektor Dr. Gaus von der juristischen Abteilung

Auswärtigen Amtes sowie die Abgeordneten Breitscheidt, don Rheinbaben und Dernburg, ferner Graf Bernstorff. AIs Sachverständige gehören der Delegation an Staatssekretär MN Simson und die Abgeordnete Frau Lang-Bumann. Die rutschen Delegierten werden im Laufe des 2. September in eintreffen. Von zuständiger Stelle wird darauf hin- daß der Reichskanzler nicht etwa als Vertreter des -aeichsaußennrinrsters, sondern als Führer der deutschen ^legation sich nach Genf begibt.

Der deutsche Außenhandel im Juli 1928.

Astgust. Der deutsche Außenhandel zeigt im bnn ^rnen Warenverkehr einen Einfuhrüberschuß ;°2,08 Millionen Rm. gegen 215 Millionen Rm. im Vor- einzelnen betragen die Zahlen (in 1000 Rm. reinen Warenverkehr Juli 1182 647, Juni V84'. In der Zeit vom Januar bis Juli 8 384 915: die Ä wl Juli: 914179, im Juni 992 951, in der Zeit bis Juli 6 451664. Einschließlich Gold und -dn, die gleichen Zahlen: Die Einsuhr im Juli Äli /Nim 1156 846, in der Zeit vom Januar bis ^fuhr im Juli 916 780, im Juni tu der Zeit vom Januar bis Juli 6 466 544.

Die amtliche Großhanvelsindexziffer vom 22. August.

br^^rli«, 26. August. Die auf den Stichtag des 22. August GroßhondelsindeMffer des Statistischen Reichs- ht mit 141,5 gegenüber. der Vorwoche (141,7) leicht «"«ckgegauge». . .

" Vizeadmiral a. D. Meyer-waldeck, der Verteidiger Kiautfd;au im Weltkriege, ist an den Folgen eines ^weren Magen- und Herzleidens im Alter von 64 Iahren am Freitag in Bad Kissingen gestorben.

. Aufgrund des Amnestiegesetzes hat der IV. Straf= cn«t beim Neichsgericht insgesamt 61 hochverratsverfah- ten eingestellt.

Bei Ingelheim am Nhein ist ein französisches Mili- >>chugzeug bei einer Notlandung in Flammen ausgegangen, ^ol und Beobachter wurden getötet.

3m Beisein zahlreicher Vertreter der Behörden und ner großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde am Sonn= l S1 oie neue Mainbrücke zwischen Nstsselsheim und Flörs- »n ihrer Bestimmung übergeben.

, I Bei Friedrichsroda ist ein mit 26 Ausflüglern besetz- ,.r nutoomnibus umgestürzt. von den zahlreichen Verletzten 10 Bereits zwei gestorben.

j I Der litauische Ministerpräsident Woldemaras hat Rowno eine große Rede gehalten, die sich hauptsächlich Polen wendete und die baldige Befreiung Wilnas aus nil^en Händen verlangte.

Bei Oppenheim kollidierte ein Nadfahrer mit einem x zwei Personen besetzten Motorrad. Alle drei Fahrer fan- dabei den Tod.

Vor Ser Battunterzeichnung.

Kelloggs Besuch bei Briand.

Staatssekretär Kellogg begab sich in Begleitung des amerikanischen Botschafters Herrick ins französische Außen- ministerium, wo er Briand seinen Antrittsbesuch machte. Nahezu dreiviertel Stunde verblieben die beiden Staats­männer im Zimmer Briands. Briand verabschiedete sich darauf sehr herzlich von Kellogg. Kurze Zeit darauf erwiderte Briand in der amerikanischen Botschaft den Besuch Kelloggs. Um 18 Uhr empfing Briand den japanischen Vertreter für die Paktunterzeichnung, Grafen Uschida.

Starker Polizeischutz für Kellogg.

DieChicago Tribune" bestätigt, daß die Beschleunigung des Sonderzuges des amerikanischen Staatssekretärs und seine Ueberwachung auf der Fahrt von Le Havre nach Paris durch zahlreiche Polizei und Truppen von der französischen Regie­rung angeordnet war, da sie eine Wiederholung der vorjähri­gen kommunistischen Kundgebungen anläßlich des Jahrestages der Hinrichtung von Sacco und Vanzetti befürchtete. Alle Brücken, Straßenübergänge und Stationen auf der Strecke waren überwacht. Auf dem Pariser Bahnhof selbst waren mehrere hundert Polizeibeamte aufgestellt.

Ein Interview mit Kellogg und Mackenzie King.

Der Sonderberichterstatter desMatin", der zusammen mit Kellogg und Mackenzie King im Sonderwagen des Staats­sekretärs die Reise von Le Havre nach Paris mitmachte, gibt die Unterhaltung wieder, die er mit Kellogg führte. Der Jour­nalist beglückwünschte den Staatssekretär zu den Worten, die er in seiner Ansprache an den Bürgermeister von Le Havre ge­braucht hatte:er hoffe, daß der Pakt den Krieg schwieriger machen werde".Ja," erklärte Staatssekretär Kellogg,ich habe diesen Ausdruck absichtlich gebraucht, weil er eine Hoff­nung in sich trägt, die wir das Recht haben zu hegen und die nicht unerfüllbar ist. Ich habe aufrichtig die Ueberzeugung, daß wir durch die Unterzeichnung dieses Pakts die moralischen Kräfte vereinigen werden, die in der Welt gegen den Krieg kämpfeu." Gegenüber "dem Bedauern des Berrreters oes Matin", daß Spanien nicht zu der Paktunterzeichnung zu­gelassen sei, antwortete Kellogg:Glauben Sie mir wohl, daß ich ebenso die Abwesenheit, von der Sie sprechen, bedauere wie diejenige anderer amerikanischer Länder, die durch die Macht mit der großen Nation verwandt sind, auf die Sie anspielten. Aber es sind Notwendigkeiten Praktischen Charakters, die uns bestimmt haben, die Zahl der Erftunterzeichner zu beschränken. Das beste dünkt uns, zuerst diejenigen unterzeichnen zu lassen, unter denen die Einigung vollständig war, und dann die anderen aufzusordern, ihre Unterschrist zu geben."

Der kanadische Ministerpräsident Mackenzie King erklärte dem Journalisten, er habe durch die gleichzeitige Zurucklegung der Reise mit dem amerikanischen Staatssekretär dartun wollen, daß Kanada und die Vereinigten Staaten eins seien :tt dem Werke des Wiederaufbaues des Friedens. Er habe in seiner Provinz Farmer und einfache Leute über den Pakt ge­fragt und die Antwort erhalten:Dies ist eine große Sache, denn nichts ist größer, als am Frieden zu arbeiten. Gehen Sie nach Paris, und Gott segne Sie auf Ihrer Reise!" Zum Schluß erklärte der kanadische Ministerpräsident, daß die Ge­schichte von gestern der Geschichte von morgen beweise, daß eine Nation heute sich nicht mehr den Luxus erlauben könne, alle anderen gegen sich zu haben.

Die Bedeutung der Paktunterzeichnung.

Die gesamte Pariser Presse würdigt aus Anlaß des Ein­treffens der ersten Delegierten für die Paktunterzeichnung in längeren Betrachtungen die Bedeutung dieses Ereignisses.

' ImPetit Parisien" schreibt Jacques Seydonx u. a., Kellogg komme nach Paris, um die Geste zu erneuern, die vor zehn Jahren Wilson gemacht habe. Er komme, um in dem Maße, in dem die Vereinigten Staaten es könnten, sein Land mit den Ländern Europas in diesem Kampfe gegen den Krieg zu verbinden. Er habe Frankreich etwas von jener un­geheuren Hoffnung wiedergegeben, die man Wilson entgegen­gebracht habe und die durch die Abstimmung des Kongresses vernichtet worden sei.

Der ,Mxcelsior" knüpft an das Wort Kelloggs an. Der Pakt, so schreibt das Blatt, solle es den Nationen erschweren, in den Krieg zu ziehen. Der neue Pakt sei jedoch keineswegs eine formelle Verpflichtung Amerikas, den Frieden und die Sicherheit zu garantieren. Er sei vielmehr der Antrieb eines großen Glaubens an eine bessere Zukunft, der Versöhnung und Eintracht unter den Völkern.

Washington bestätigt.

Nach Meldungen aus Washington wird halbamtlich be­stätigt, daß unmittelbar nach der Unterzeichnung des Kcllogg- Paktes in Paris Einladungen an sämtliche übrigen Nationen zur Paktunterzeichnung ergehen werde».

Stresemanns Pariser Aufenthalt.

Horsch empfängt ihn an der Gvenze.

Reichsaußenminister Dr. S t r e s e m a n n traf am Sonntag nachmittag 3 Uhr mit dem Nordexpreß in Paris ein. Botschafter v. Hoesch war ihm bisan die französische Grenze entgegengefahren, um von dort aus die Fahrt bis Paris gemeinsam mit ihm zurim- zulegen. Auf dem Nordbahnhof wurde Dr. Stresemann von den Herren der deutschen Botschaft empfangen.

Um 6 Uhr abends stattete Stresemann Außenminister Briand einen Besuch ab. An dem am Sonntag abend von Staatssekretär Kellogg gegebenen Diner nahm der Reichsaußenminister nicht teil, sondern ließ sich durch den Botschafter vertreten. Für Montag vor­mittag war der Empfang bei Poincara angesetzt.

Am Montag abend wird Stresemann an dem großen Bankett im Außenministerium teilnehmen, zu dem Briand etwa 200 Gäste eingeladen hat. Ein großer diplomatischer Empfang wird sich an das Bankett anschließen. Bei dem Empfang des französischen Staats­präsidenten im Schloß Rambouillet wird Dr. Strese­mann sich ebenso wie bei dem Empfang durch den Pariser Stadtrat am Nachmittag durch Herrn von Hoesch vertreten lassen.

Die Abreise Dr. Stresemanns von Berlin er­folgte am Sonnabend abend um 10 Uhr mit dem Nord­expreß. Zum Abschied hatten sich außer Frau Strese­mann u. a. auf dem Bahnhof eingefunden: der Reichs­kanzler, die Staatssekretäre v. Schubert und Pünder, Ministerialdirektor Zechlin und vom Diplomatischen Korps Nuntius Pacelli und Botschafter de Margerie.

Kellogg Ehrenbürger von Dublin.

London, 27. August. Der Stadtrat von Dublin hat beschlossen, Staatssekretär Kellogg in Anerken­nung seiner Verdienste um die Festigung des Welt­friedens die Ehrenbürgerschaft der Stadt Dublin zu verleihen.

Die pariser Presse feiert in längeren Artikeln die Ankunft Dr. Stresemanns als ein besonderes Ereignis, zu­mal seit 1871 kein Neichsminister mehr offiziell französischen Loden betreten habe.

Ministerpräsident poincare und die übrigen Kabi­nettsmitglieder werden der Unterzeichnung des Kriegräch- tungspaktes am Montag beiwohnen.

Das Flottenablommen.

Der Gegenzug gegen den Kelloga-P

Wie der Londoner Korrespondent desNew Aork World" meldet, besitzt er die Abschrift des Briefes Chamberlains an Briand, der, wenn er cht sein sollte, die Grundlage der englisch-französischer Verständigung enthält. Chamberlains angeblicher Br.ef ist vom 23. Juli datiert.

In dem Bries heißt es, daß sämt'iche Dispositio­nen der einen der beiden Flotten bar ldmiralität der anderen mitgeteilt werden müßten. Dic'e Entente zur See zwischen den beiden Ländern solle dem Welt- frieden dienen und nach gleichen Grundlagen arbeiten, die zur Schaffung des Völkerbundes führten.

Beide Flotten hätten ein vollkommenes Pro­gramm der Zusammenarbeit im Atlantischen und Stil­len Ozean und Mittelländischen Meere auszuarbeiten; außerdem hätten beide Flotten nunmehr die gemein­same Aufgabe, die Seewege und Küsten des Stillen Ozeans und die Küsten von China zum Roten Meer zu schützen. Die Flottensachverständigen beider Länder würden nunmehr ihre Dispositionen treffen, zu denen auch militärische Luftsachverständige hinzugezogen wer­den müßten. Die Lage im nahen und fernen Osten erheische engere und häufigere Fühlungnahme zwischen den beiden Ländern. Falls ein den Weltfrieden be­drohendes Ereignis eintrete, würden zwischen beiden Regierungen Beratungen darüber stattzufinden haben, ob gemeinsame Aktionen ergriffen werden sollten, um Angriffsmatznahmen einer anderen Macht zuvorzukom- men, die nach Meinnng einer der beiden Regierungen den Frieden störe.

Das gemeinsame Abkommen wolle Völkerbund und Prinzipien des Schiedsgerichts sicherstellen. Es sei der einzige Weg zur Kriegsverhinderung. Die Beratungen, die zwischen beiden Regierungen stattgefunden hätten oder stattfinden würden, bedeuteten aber nicht ohne weiteres, daß es England und Frankreich die Verpflich­tung auferlege, dem Partner bewaffnet beizuspringen oder mit ihm in künftiger kriegerischer Auseinander­setzung zusammen zu arbeiten.

Die Leipziser Messe eröffnet.

Leipzig, 27. August. In Antvesenheit zahlreicher Ehre, .sie wurde gestern die Leipziger Herbstnicsse eröffnet, die einen guten Verlauf zu nehmen verspricht. Die am Sonnabend eingelaufenen Messe-Sonderzüge waren erheblich stärker besetzt als im Vorjahre. Die Ausländsbeteiligung an der Herbstmesse ist ebenfalls stärker als zur vorjährigen Herbstmesse. Aus 18 Län­dern sind 560 ausländische Besteller erschienen; be­sonders stark vertreten sind sämtliche europäische Nach- barläuder, ferner aber auch die Balkanstaaten, Amerika und der Orient. Die Erwartungen für das bevor­stehende Meßgeschäft gründen sich vor allem mit auf die Hevbstsaison, das Weihnachtsgeschäft,, den Winter­bedarf und die nächstjährige Bautätigkeit.

Unfall auf einem Skenban.

Aktana, 27. August. Am Sonnabend nachmittag stürzte auf einem Neubau in der Bebel-ANee das wi einem Lichtschacht aufgebaute Malergerüst zusammen. Zwei Maler stürzten in den Schacht. Der eine wurde getötet, der andere schwer verletzt.