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M 121 (1. Blatt)

Dienstag, den 8. Oktober 1928

80. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

I.-Nr. 8507. 3m Interesse der Kreisbevölkerung wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß die Sprech- Mden des Landratsamts auf Dienstag und Freitag, vor­mittags von 9 bis 12 Uhr, festgesetzt sind. Den Kreisem- gesessenen wird in ihrem eigenen Interesse empfohlen, die Sprechstunden einzuhalten, da sie zu anderer Zeit nicht darauf rechnen können, daß sich die gewünschte Rücksprache möglichen läßt.

Zchlüchtern, den 2. Oktober 1928.

Der Landrat: Dr. Müller.

I.-Nr. 8517. Die Grtspolizeibehörden werden ersucht, die Litern der im Iahre 1926 geborenen und noch nicht geimpften Kinder, nochmals darauf aufmerksam zu machen, lag alle Kinder vor dem Abläufe des auf das Geburtsjahr olgenden Kalenderjahres geimpft werden müssen.

Alljährlich wird die Unterlassung der Impfung einer mmer größeren Anzahl Kinder damit entschuldigt, daß »e Kinder zur Zeit der Impfung krank gewesen seien- chne daß ärztliche Zeugnisse darüber vorgelegt werden lönnen. Solche mündlichen Entschuldigungen sind aber nach «r gesetzlichen Bestimmungen kein ausreichender Grund iir die Unterlassung der Impfung und es müssen deshalb n Zpkunft in allen solchen Fällen die Straf Dorf fristen ks Jmpfgefe^es zur Anwendung kommen.

ächlüchtern, den 2. Oktober 1928.

Der Landrat: Dr. Müller.

f 2.-Rr. 8579. Die staatliche Stelle für Naturdenkmal- pflege in Preußen hat als Abteilung V des von ihr heraus­gegebenenAtlas der geschützten Pflanzen und Tiere Mit- eleuropas" einen BandDie heimischen Singvögel I (Ha= ^artige, Pirol, Stare, Finkenvögel)" erscheinen lassen, 11 dem die geschützten Tiere durch farbige Abbildungen und allgemeinverständliche Beschreibungen behandelt werden. Im Buchhandel kostet ein einzelnes Stück 5. 9MC, bei grö= Mer Bestellung 4,25 M.

, Bedarfsanmeldungen sind bis zum 1. November d. Is. hierher einzusenden.

schlüchtern, den 4. Oktober 1928.

Der Landrat. I. v.: Schultheis.

.-Nr. 8590. Auf Antrag der zuständigen Forstverwal- ungrbehörde habe ich die Mitwirkung bei der Ausübung w öagdpolizei dem Förster Schumann zu Gundhelm in den Gemarkungen Gundhelm, Hütten, Gberzell, Sterbfritz, Wei- cherrbach und des früheren Gutsbezirks Ramholz, Kreis 'chlüchtern, sowie in den Gemarkungen Lichenried und ^itsteinbach, Kreis Fulda, übertragen.

Schlüchtern, den 4. Oktober 1928.

Der Landrat. I. v.: Schultheis.

K r e i s a « s s ch u ß.

Dritter Kurhesfischer Landgemeindetag.

I.-Nr. 4297 K. R. Am Dienstag, den 1 6. GK- oder d. Is. 11 Uhr findet in der neuen Turnhalle in !e r s f e I ö, Rugust-Gottliebstraße, der 3. kurhessische '"udgemeinde tag statt, ckozu die Vertreter der Land- MMemden eingeladen werden.

Tagesordnung:

' Eröffnungsrede. (Ehrenvorsitzender der Bezirksabteilung, * 9frr Bürgermeister i. R. Führer, Harleshausen).

' ye §inanzreform. (Herr Landrat a. D. Dr. Dr. Gereke, , Berlin, M. d. R. W. R.)

' Eingemeindungsfragen und Auswirkung der Auflösung 0er Gutsbezirke. (Herr Ministerialrat a. D. Schellen, Berlin).

oie Landgemeinden in der Verwaltungsreform. (Dor= Sender Herr Bürgermeister Bickel, Ihringshausen).

Mlußwort. (Vorsitzender, Herr Bürgermeister Wissner, Rappel). »

^^chließend hieran ist eine Aussprache und Vertreter- j n9 *n Aussicht genommen.

jj Hinblick auf die Bedeutung der Tagesordnung für ^.oudgemeinden ist die Teilnahme den Vertretern der ^ an diesem Landgemeindetag dringend zu em=

schlüchtern, den 5. Oktober 1928.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller, tlkl ^^' 4467 U. A. Die Gemeindevorstände in Ahl, ,/^ach, Breitenbach, Breunings, Lckardroth, Elm, He- ^ntersteinau, Hohenzell, Iossa, Kressenbach, Mar- f Vcuftall, Niederzell, Romsthal, Sarrob, Seidenroth, ^ Jf1^ Uttrichshausen, Vollmerz, Weichersbach, Weiperz "Untersbach werden hiermit an die Erledigung der dies­

seitigen Verfügung vom 7. August d. 3s. I.-Nr. 3376 K. A. betr. Neufestsetzung der Entschädigungen der ehren­amtlich tätigen Gemeindebeamten erinnert.

Schlüchtern, den 6. Oktober 1928.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Stadt Schlüchtern.

Gerwerbliche Berufsschule EchlSchtsrn.

Der Unterricht an der gewerblichen Berufsschule be­ginnt für alle Sd)üler am Donnerstag, den 11. Oktober 1928 um 18 (6) Uhr.

Schlüchtern, den 6. Oktober 1928.

Der Vorstand: Gaenßlen.

Ruhiger Verlauf der Wiener Demonstrationen.

Am Sonntag fanden in Wiener-Neustadt die Demonstra­tionen der heimwehren einerseits und der Sozialdemokraten andererseits statt. Die heimwehren waren mit einem Auf­gebot von 19 400 Mann erschienen, während die Lozialdemo- kraten 35 000 Anhänger nach Wiener-Neustadt gebracht hatten. Die Demonstrationen fanden getrennt in verschie­denen Stabtteilen statt. Zu Zusammenstößen ist es nirgends gekommen. Einige Kommunisten, die nach Wiener-Neustadt zu gelangen suchten, um, wie man annimmt, die Ruhe und Ordnung zu stören, wurden bereits unterwegs verhaftet und wieder nach Wien abgeschoben.

(::) Die Berliner Tagung des Vereins Deutscher Zeitungs­verleger hat als Ort der nächsten Jahresversammlung Heidel­berg gewählt.

(::) Die Einberufung des Reichstags wird voraussichtlich erst Mitte November erfolgen. Präsident Löbe hat den 12. November als Tag des Wiederzusammentritts in Aussicht genommen.

Dem sozialistischenRobotnik" zufolge hat der Streik der Textilarbeiter fast alle Textilfabriken in Polen ersaßt. Sämtliche FabrÄim iu Lodz, Pabjanice, Tamatzew, ^onstrLchUüw. und anderen Orten haben ihre Betriebe einstellen müssen.

In England hat in der Nacht vom Samstag zum Sonn­tag die Sommerzeit ihr Ende gefunden. Um Z Uhr nachts wurden die Uhren auf 2 Uhr zuriickgestellt.

Von der Schlüsselkarspitze im Wetterstein ist der bekannte Jnnsbrucker Bergsteiger und Skiläufer Paul Ehlert tödlich abgestürzt.

In Szegedin (Ungarn) sind mehr als 60 Thphussälle vor­gekommen. Mit einer weiteren Ausbreitung der Epidemie wird gerechnet.

Wie aus Buenos-Aires gemeldet wird, fand die Polizei bei einer Haussuchung in einem Anarchistenunterschlupf eine große Bombe. Im Zusammenhang damit wurden vier Personen ver­haftet.

Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich Samstag in später Abendstunde in Berlin. Ein privatkraftwagen, der einem Betrunkenen ausweichen wollte, fuhr mit voller Wucht auf den Bürgersteig und riß dabei mehrere Bäume um, wobei das Auto zertrümmert wurde. Fünf Personen wurden bei dem Unglück schwer verletzt.

In dem Vorort Dhra bei Danzig ereignete sich in der Nacht vom -Sonnabend zum Sonntag an einem Eisen­bahnübergang ein furchtbares Unglück. In dem Augen­blick, als eine Autodroschke die Bahngleise überqueren wollte, kam ein Güterzug heran und zertrümmerte den Kraftwagen vollständig. Zwei Personen wurden auf der Stelle getötet, zwei weitere kamen mit leichteren Ver­letzungen davon.

Nach dem Genuß verabreichter Speisen im Dresdener Ratsweinkeller erkrankten ungefähr 30 bis 40 Personen unter Vergiftungserscheinungen. Die Erkrankungen sind aus einen als Bazillenträger ermittelten Küchenangestellten im Ratsweinkeller zurückzuführen. Bisher ist eine Person gestorben.

In Berlin fuhr der Triebwagen eines Straßenbahn- zuges mit großer Heftigkeit auf den Anhänger eines anderen Straßenbahnzuges auf, so daß in dem Anhänger sämtliche Glasscheiben zersprangen und die eine Seitenwand einge­drückt wurde, von den Insassen erlitten fünf Personen leichtere Verletzungen, zwei einen Nervenchok und eine achte einen Unterschenkelbruch.

In Berlin überfuhr ein Autobus an einer Straßen­ecke ein Ehepaar, das den Fahrdamm überschreiten wollte. Die Eheleute, deren Personalien noch nicht sestgestellt wer­den konnten, waren sofort tot.

Auf den Wiesen von Lippershofen (Eichstätt) wurde an einem Baume hängend die Leiche einer Dienstmagd aus Lippershofen aufgefunbem Die Untersuchung ergab, daß an dem 25 Iahre' alten Mädchen ein Mord verübt wurde. Unter dem verdacht der Tat wurde der 35 jährige Lieb­haber des Mädchens verhaftet. Er hat die Tat eingestanden.

In einem Laden einer belebten Straße in Sauban wurde der etwa 70 Iahre alte Hieronimus Hannak er­mordet aufgefunden. Ihm war die Schädeldecke _ einge­schlagen worden. Der Mörder hatte die Ladenkasse ent­wendet. vorläufig fehlt von dem Mörder jede Spur.

Eröffnung der Lustfahrtausstellung.

Stet Ansprache des Reichsverkehrsministers« Die B«- deutttttg der Ausstellung, Ei« R««dgang durch die

Am Sonntag öffnete die Internationale Lust- fahrtausstellung dieJla" in den Berliner Ausstellungshallen am Kaiserdamm ihre Pforten. Es handelt sich um eine gewaltige Heeresschau der Flug­zeugindustrie. Die Junkerswerke zeigen den riesigen Her- mann-Köhl-Typ mit einem Restaurationsbetrieb an Bord, die Dornierwerke einen Superwal, Albatros einenSchlafwagen der Lüfte" und Rohrbach erprobte kräftige Maschinen. Ueberaus zahlreich sind aber auch die kleinen 20 PS. Sportflugzeuge vertre­ten, deren Anschaffungspreis dem eines mittleren Autos entspricht. Nach der Zahl der ausgestellten Kleinflug­zeuge scheine« wir mit Riesenschritten der Zeit des Privatflugsports entgegenzugehen. Leistungsfähig sind auch diese Kleinflugzeuge mit neckischen Namen rote Sausewind",Habicht" undGrasmücke". Man er­innert sich an den mit einem 20 PS. Klemm-Taimler- Flugzeug ausgeführten Flug von Berlin nach Teheran.

Eine besondere Halle hat das Ausland erhal­ten. Die Franzosen zeigen einenNungesser unu Coli" genannten Apparat, mit dem Costes und Le Brix ihren Flug um die Welt gemacht haben. Die Russen haben einFlugzeug" auf Kufen geschickt, einen von einem Propeller getriebenen Schlitten, mit dem man über die weiten russischen Steppendahinfliegen" soll.

Die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt gibt tiefe Einblicke in das Gebiet der Luftfahrtforschung, und die Lufthansa bemüht sich um die Darstellung der Luftüberwachung, der Ausbildung und der Funkenrele- graphie. In der wissenschaftlichen Abteilung sieht man vorsintflutliche Instrumente, Apparate Gra­des und Wrights und Nachbildungen des Apparates von Lilienthal. Größter Beachtung erfreuen sich auch die ausgestellten Luftschiffmodelle.

_ ruf der ,

Reichsverkehrsminister V. Guörard begrüßte in seiner Ansprache zur Eröffnung der Internationalen Luftfahrtausstellung die Gäste und Auesteller und gab dann einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung der Luftfahrt. Der Minister wies darauf hin, daß die Ausstellung für Deutschland ein Wagnis bedeutete, weil Deutschland die Kriegsfolgen auf dem Gebiete der Luftfahrt noch nicht restlos überwunden habe. Das Wagnis sei geglückt! Die Ausstellung zeuge von großen Fortschritte«, sie enthalte keinefliegenden Festungen", stelle dafür aber um so eindrucksvoller die Bedeutung der Luftfahrt für den friedlichen Berkehr dar.

Zum Amtsantritt Dr. StresemanW.

Berlin, 7. Oktober. Wie wir hören, kann nach den letzten Feststellungen der behandelnden Aerzte nunmehr als fast sicher damit gerechnet werden, daß Reichsaußenminister Dr. Strese- mann seine Tätigkeit am 1. November d. I. in Berlin wieder übernehmen wird. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß eine Reihe in Aussicht genommener diplomatischer Ver­änderungen erst nach Rückkehr Dr. Stresemanns nach Berlin entschieden werden solleri. Man geht in der Annahme wohl nicht fthl, daß es sich hierbei insbesondere auch um den Posten des Nachfolgers des verstorbenen Botschafters von Brockdor-ff- Rantzau handelt.

Zentrumstagung in Berlin.

Berlin, 8. Oktbr. Der Reichsparteivorstand des Zentrums trat unter dem Vorsitz des Reichskanzlers a. D. Marx zu einer Sitzung zusammen, die in der Hauptsache der Erörterung innerpolitischer Fragen ge­widmet war. An den Verhandlungen nahmen auch Vertreter aus Preußen, u. a. die Minister Steiger und Hirtsiefer, der Abgeordnete Heß sowie eine Reihe Reihe anderer Mitglieder der preußischen Zentrums- sraktion teil.

Inspektionsreise Groeners in die Grenzmark.

Berlin, 8. Oktbr. Reichswehrminister Groe- ner wird vom 9. bis 12. Oktober eine Reise in die Grenzmark unternehmen, um die dort befindlichen Truppenteile der II. Division zu besuchen und sich über die besonderen Verhältnisse der Grenzmark zu informieren.

19 Kisten Maschinengewehrmnnition gefunden.

Hannover, 8. Oktbr. Halbwegs zwischen Gronau und Barfelde wurden aus dem Despegraben bei nie­drigem Wasserstand 19 Kisten gegürtete Maschinen­gewehrmunition geborgen. Die Herkunft der Munition hat noch nicht ermittelt werden fönnen-

Jtackiens Antwort auf den Flottenpakt.

Rom, 8. Oktbr. Die italienische Regierung hat in London und Paris ihre Antwort auf das englrsch- französische Marineabkommen überreichen lassen.

Kellogg geht nach den Wahlen.

New York, 8. Oktbr. Staatssekretär Kellogg ließ die Presse wissen, daß er nach dem Ablauf der Amts­periode von Coolidge demissionieren werde und mögt den Wunsch habe, in das neue Kabinett wieder ern- zutreten.