Einzelbild herunterladen
 

/

Är. 122 (1. Blatt) Donnerstag, den 11. Oktober 1928 80. Jahrg.

^ ""' -------------------------------- :------------------' ' --- -------------^--------------- ------------------- '> """ g

Amtliche Bekanntmachungen,

andratsamt.

grifft: VolksbegehrenPanzerkreuzerverbot^,

3,=Hr. 8682. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die «16. d. Mts. abends gemäß § 912 der Ueichsstimmord- ,«g (R. G. BL 1924 S. 173) abzuschließende Eintra- mgsliste für das Volksbegehren, sowie die Meldung über i Zahl der in der Gemeinde abLegebenen Untei^christsn pitestens bis zum 17 b. Mts. Mittags 1 2 Uhr ir^ besonderen Boten nicht durch die Post hierher äsenden und dabei etwaige Bedenken,gegen die Gültig­st von Unterschriften mitzuteilen.

wenn keine Unterschriften abgegeben worden sind, I Fehlanzeige zu erstatten.

Den Termin ersuche ich genau einzuhalten. ; Schlüchtern, den 9. Oktober 1928.

Der Landrat: Dr. Müller.

I.-Nr. 8584. Die den Herren Bürgermeistern in den Um Tagen zugehenden Abdrücke der Verordnung zur Änderung der § 36 der Kusführungsbestimmungen R im Schlachtvieh- und Fleischbeschaugesetz ersuche ich an e Fleischbeschauer und Trichinenschauer abzugeben. Der bdruck Kann als Deckblatt für die im Gebrauch befind- he Druckschrift verwendet werden.

Schlüchtern, den 5. Oktober 1928.

Der Dandrat. 3. D.: Schultheis.

3.=Hr. 8734. 3n der Gemeinde Ulmbach ist die Schaf- ude festgestellt worden.

Schlüchtern, den 8. Oktober 1928.

Der tandrat. 3. D.: Zchultheis.

tobt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

1 Autodecke gefunden.

5chlüchtern, den 9. Oktober 1928.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.-

Bekanntmachung.

Freitag, den 1 2. Oktober d. 3s. nachmit- tas 1/24 Uhr vervachtet die Stabt an Drt und Stelle die idiilbe Ohlwiese in mehreren Parzellen auf 6 Jahre. Schlüchtern, den 10. Oktober 1928.

Die polizeiverwaltui^g: Gaenßlen.

(ü)eitere Bekanntmachungen im 2. Blatt.)

UnglLcksfSll» in New York.

Am Dienstag vormittag svielte sich in einem der größten Es New porks ein schreckliches Drama ab. Eine Dame Ne sich aus einem Fenster des 12. Stockwerkes auf le Straße. In einem hinterlassenen Briefe erklärte sie, !n vor 14 Tagen erfolgten Tod ihres Gatten nicht Erleben zu können.

,3n einem anderen Stabtteil stürzten zwei Zimmerleute, ,e auf einem Gerüst in der Höhe des 14. Stockwerkes leiteten, infolge Bruches eines Teiles des Gerüstes vor !n Augen der entsetzten Passanten auf die Strafte. Buch c waren sofort tot.

Schweres BauuuplAck.

Dienstag nachmittag stürzte in Prag der große fünf- ^iqe Neubau eines Geschäftshauses samt dem davor steten Baugerüst aus bisher noch nicht aufgeklärter ^ache ein. Auf dem Bau waren 87 Arbeiter beschäftigt. 5 steht noch nicht fest, wie viele von ihnen sich retten ^aten. Bis 5 Uhr nachmittags waren 16 Verwundete Zehn Tote aus den Trümmern geborgen. Bis 6 abends haben sich weitere sechzehn Arbeiter als qe= gemeldet. Die übrigen liegen noch unter den Trüm- l?rn' Man befürchtet, daß altch zablreiche Fußgänger schüttet worden sind, da im Augenblick des Unglücks ^r Nähe des Neubaues ein lebhafter Verkehr herrschte.

7 Uhr abends konnten aus den Trümmern keine ^eren Leichen geborgen werden.

Znaznfammenstoft im Rheinland.

Auf der Bauotbahuftreche Gießen-Koblenz-Köln stieß am plag nach einer Meldung derVoss. Ztg." bei Duden!- ein von Dillenburg kommender Güterzu^ in voller "^t mit einem Arbeitszug zusammen. Der Zusammen- E war so heftig, daß die meisten Manen beider Züge ^ständig zertrümmert wurden. Das personal konnte durch Absvringen retten. Dabei mürbe iedoch der ^itbinenfübrer des Güterzuges erheblich verletzt. Der s"terialschaden ist bedeutend. Der Unfall ist darauf zu- ^ufü^ren, daß die Strecke durch starken Nebel unüber- ^tbar war.

Sie Aeparationsverhandlungen.

Beginn noch in diesem Jahre.

Wie aus Berlin gemeldet wird, eilen die Nachrichten über die bevorstehende Ernennung der deutschen Sach« verständigen für die Reparationsberatungen mit ben an der Reparationsfrage interessierten Mächten den Tatsachen vor­aus. Entgegen den in einem Teil der Pariser Presse ge­äußerten Vermutungen, daß voraussichtlich jedes Land nur je einen Vertreter entsenden werde, kann heute bereits an­genommen werden, daß Deutschland mehrere Vertreter ent* senden wird. Eine Entscheidung darüber, welche Persönlich­keiten Deutschland vertreten werden, ist noch nicht gefallen.

Mit ziemlicher Sicherheit darf jedoch angenommen wer­den, daß der neubestätigte Reichsbankpräsident Schacht in den Ausschuß entsandt werden wird. Ueber den Zeitpunkt der Verhandlungen läßt sich im Augenblick nur soviel sagen, daß sie aller Wahrscheinlichkeit nach noch in diesem Jahre be» ginnen werden. Was den Verhandlungsort angeht, so ist eine Entscheidung noch nicht gefallen.

Mißglückter Anschlag auf ein Ebert-Teukmal.

München, 10. Oktober. In einem kleinen Erdhaufen bei dem Ebert-Denkmal in Ottobrunn wurden zwei Spreng» Krpseln gefunden, die gelegt waren, um das Denkmal in üw Stift zu sprengen. Sie wurden unschädlich gemacht.

-^ Staatssekretär v. Schubert ist in Baden-Baden ein» getroffen, um dem Außenminister Dr. Stresemann über die zwischen Berlin und Paris schwebenden Verhandlungen Bericht zu erstatten. ^Bekanntlich ist der Besuch der aus Genf zurück­kehrenden deutschen Delegation in Baden-Baden wegen des Gesundheitszustandes des Außenministers unterblieben.

Verschmelzung des Eisenbahn- und des Kraftverkehrsbetriebes.

Mit Ende des Iahres laufen bemLokalanzeiger" zu- f^- die V»rirAge JÄMön "oer r- ^soa^n und oe. 'WU . tzenorganifation der regionale-; Kraftverkehrsunternebn: der Kraftverkehr Deutschland A. G., ab. Der Neichsbahn erscheint eine Vereinheitlichung des gesamten Fernverkehrs erwünscht. Deshalb sind seit längerem Verhandlungen zwi­schen Neichsbahn, Post und den privaten Gesellschaften im Gange, Hinzu kommt die Frage der Unterhaltung der durch den Verkehr mit den schweren Magen überaus $ark benutzten Landstraßen, für deren Instandhaltung der Steu­erzahler aufzukommen hat, während den fiskalischen Ver- Kehrseinrichtungen die Einnahmen aus dem Verkehr bisher entgehen. Im ganzen handelt es sich um eine hervorra­gend wichtige volkswirtschaftliche Angelegenheit, die man durch Lösung der Verträge und Uebernahme in eigene Regie fördern zu können hofft.

Der Unfall der Flieger Winterfeld und Eichler.

Moskau, 9. 10. (MB) Die deutschen Flieger Minter- feld und Eichler berichteten nach ihrem Eintreffen in Nowo- rossiik Einzelheiten über ihren Flugzeugunfall. Dreißig Minuten nach dem Start in Anapa stürzte ein Teil des Propellers ab und der Motor setzte aus. Die Flieger wollten nunmehr auf einer kleinen Fläche in einem Malde landen, eine Tragfläche blieb jedoch an einem Baume hängen und das Flugzeug zerschellte. Die Flieger trugen nur leichte Verletzungen davon. Sie beschlossen, mit einem Dampfer nach Deutschland abzureisen und das Flugzeug mitzunehmen.

In einer unübersichtlichen Kuroe in Nath bei Köln ist ein mit zwei Herren und zwei Kinbern besetztes Motorrad mit Beiwagen mit voller Mucht gegen eine Hausecke ge­fahren. Die Kinber kamen glücklicherweise mit dem Schrek- Ken davon, dagegen erlitten die beiden Herren so schwere Verletzungen, daß sie im Krankenhaus gestorben sind.

Durch eine Massenvergiftung durch heimlich herge­stellter Alkohol sind in New Pork 17 Personen ums Leben gekommen.

Der 20 jährige Student Werner Hinz aus Lübeck, der in München in einem Meinlokal am 14. Februar die Frau eines Münchener Nechtsanwaltes ohne Grund erschossen hatte, wurde vom Münchener Schwurgericht zu vier Iahren Gefängnis verurteilt.

Die Vertreter der Arbeiter des niederschlestschen Steinkohlenreviers faßten am Dienstag abend nach Kennt­nisnahme des Schiedsspruches eine Entschließung, in der die Konferenz den Schiedsspruch ablehnt und die Beleg­schaften aufforbert, einheitlich und geschlossen den Kampf weiterzuführen.

Montag morgen ist mit der Ausstellung des Anker­mastes für denGraf Zeppelin" auf dem Gelände in Staaken begonnen worden. Der Mast soll bis Sonn­tag, den 28. d. Mts., fertig dastehen. Es handelt sich um eine vierbeinige Eisenkonstruktion von 16,5 Meter Höbe, die einen Drehkopf besitzt, über den das Halteseil läuft. Das Luftschiff wird mA der Spitze an bejm Ankerseil befestigt und dann durch eine Handwinde, die zwei Mann bedienen, langsam herangezogen.

Die Idee desReichslandes"

Dr. 8*5 War zu Wchsresum.

Don einem Berliner Mitarbeiter wird uns geschrieben: Der unter Führung des ehemaligen Reichskanzlers Dr. Luther stehende Bund zur Erneuerung des Reiches" ver­öffentlicht soeben in einer ausführlichen Denkschrift die Vor­schläge des Bundes über die künftige Gestaltung des Rei­ches, insbesondere über die Reuformung der staatsrecht­lichen Verhältnisse zwischen Reich und Ländern. Die Reichsreform ist eines der wichtigsten innerpolitischen Probleme, dessen Lösung in den nächsten Jahren zur De­batte steht. Wir zweifeln nicht, daß sich an den Lutherschen Plan, wie er jetzt vorliegt, eine 'ausführliche öffentliche Diskussion anschließen wird, und aus diesem Grunde möch­ten wir unbeschadet unserer eigenen Stellungnahme zu dem ganzen Problem, das Wesentliche der Lutherschen Ge- dankengänge mitzuteilen.

Die Denkschrift enthält zunächst die zehn Leitsätze des Bundes, die bereits vor einiger Zeit vorzeitig veröffent­licht worden sind. In diesen Leitsätzen werden die Gründe angegeben, aus denen sich die Notwendigkeit einer anderen Gestaltung der staatsrechtlichen Verhältnisse zwischen Reich und Ländern ergebe. An die Spitze wird die Be­hauptung gestellt, daß die Hauptsache der von Jahr zu Jahr schärfer hervortretenden Nebelstände die falsche Konstruk­tion des verfassungsrechtlichen Verhältnisses zwischen Reich und Preußen sei, denen heute die enge, ihnen in der Bis- marckschen Verfassung gegebene Verbindung fehle. Mit anderen Worten: Der Dualismus zwischen Preußen und dem Reich ist nach Ansicht Dr. Luthers der Grundfehler, an dq»m unser staats- und verfassungsrechtliches System krankt. Die Beseitigung dieses Dualismus auf dem We­ge eines Großpreußens oder durch Uebernahme leistungs­fähiger kleinerer und mittlerer Länder in die Reichsvcr- waltung oder durch künstliche Aushöhlung der Länderver-

'^'^g hn-3^ neuer RetchsZrfrtz- &>& -Lc "Lnt er ab. Er will einen anderen Weg gehen, den der Verreich- lichung Preußens. Preußen soll alsReichsland" im Reiche aufgehen. Dies soll äußerlich dadurch in Erscheinung treten, daß das Reichsministerium restlos mit dem Preu- ßischen Staatsministerium verschmolzen werden soll und daß die einzelnen preußischen Ministerien in die Reichs­ministerien eingegliedert werden sollen.

In den erwähnten Leitsätzen formuliert Dr. Luther die- se entscheidende These folgendermaßen: Im Wege über­einstimmender Gesetzgebung des Reichs und Preußens wer­den die gesetzgeberischen und zentralen Verwaltungsausga­ben Preußens in der Weise aus das Reich übertragen, daß für dieses künftig als Reichsland zu verwaltende Land Reichspräsident, Reichsregierung und Reichstag an d;e Stelle von Staatsregierung und Landtag treten. In der Be- gründung dieses Satzes beißt es:Es handelt sich um keine Zerschlagung Preußens in einzelne Länder, an die von man­chen maßgebenden Stellen im Jahre 1919 ernstlich gedacht war. Die Staatskraft Preußens soll ungeteilt erhalten werden und nur auf das Reich, auf einen Machtfaktor über- gehen, der ohne Schaden für das Ganze gar feine andere Willensrichtung verfolgen kann, als sein weitaus größtes Land." Diese Idee desReichslandes" ist das Kernstück des Lutherschen Planes. Das Reichsland, d. h. im wesent­lichen das heutige Preußen, vergrößert durch einige klei- ncre norddeutsche Länder, mit deren Beitritt Dr. Luther bestimmt rechnet, soll gleichsam die Hausmacht des Reiches werden. DiesesAufgehen Preußens im Reich" begründet Dr. Luther in erster Linie damit, daß Preußen in seiner Ausdehnung und Vevölkeruugszahl einunmöglicher, gleich­berechtigter Genosse eines deutschen Förderativstaates" sei, womit Dr. Luther doch wohl nicht sagen will, daß sein jetziger Plan, der sich auf demReichsland" aufbaut, et- was mit echtem gefunden Förderalismus zu tun hat.^ In den Leitsätzen heißt es, dann weiter, daß die anderen Länder auf Grund eines Landesgesetzes sich dem Reichsland an­schließen können. Wie schon erwähnt, rechnet der Luthersche Plan damit, daß bei den übrigen norddeutschen Ländern die Geneigtheit besteht, in Gestalt einerProvinz", gleich, berechtigt mit den heutigen preußischen Provinzen, sich dem Reichsland" anzuschließen. Er hält es sogar für möglich, daß Sachsen, ja sogar Baden freiwillig auch den Weg zum Anschluß an die gemeinsame Verwaltung in Fcrm einer eigenen Provinz des Reichslandes finden Mit gutem Grunde bezweifelt aber auch Dr. Luther, daß die übrigen süddeutschen Länder, Bayern und Württemberg, bereit sein werden, ihre heutige staatsrechtlicheStellung aufzugeben und sich gleichfalls in das Reichsland einzugruppieren. Luther selbst stellt fest, daß diese Länder wohl abgerundete Ver- waltungsbezirke darstellen, daß ihre Lebensfähigkeit als selbständige Staaten nicht bezweifelt werden kann.Hier gegen den Willen eines großen Teils der Bevölkerung im Wege der Reichsgeseügcbung einen Druck auszuüben, würde mehr Schaden als Nutzen stiften" . . Der Lutbersche Plan sieht demnach vor, daß diese Länder, im wesentlichen in ihrer heutigen Abgrenzung, in ihrem jetzigen Verhältnis zum Reich bleiben sollen. Wir halten es aber für ausge- schlössen, daß Bayern und Württemberg diese Luthersche Reichsreform mitmachen werden. Denn es ist klar, daß in