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M. 125
(1. Blatt) Donnerstag, den 18. Oktober 1928
80. Aahrg.
Amtliche Bekanntmachnngen
Kreisausschuß.
Ostsiedlung betreffend.
I Die Landgesellschaft „Eigene Scholle" in Frankfurt/Oder auf dem Siedlungsgute Krohnhorst, Kreis Templin.
bäuerliche Stellen von 55—70 Morgen bis zum 1. No- Ipember zu vergeben, desgleichen aus dem Siedlungsgut Neu- Ihöfchen, Kreis Züllichau-Schwiebus 3 bäuerliche Stellen Ion 70—85 Morgen. Liebhaber wollen sich unverzüglich die Landgesellschaft „Eigene Scholle" wenden. Der Kauf= Ipreis für eine Stelle in Krohnhorst bewegt sich zwischen —43 000 3UC HIs Anzahlung sind 8 000 31M erforder- an Hauszinssteuer sind für die einzelnen Stellen 5 000 IM gewährt worden. Außer der Anzahlung benötigt der Ibiedler noch das Geld für die Beschaffung des lebenden und Voten Inventars. Krohnhorst liegt ca. 14 Klm. entfernt Icon der Kreisstadt Templin und 22 Kim. entfernt von her Stabt Prenzlau. Bahnstationen sind in 6 bezw. 31/2 Mm. Entfernung. Der Boden ist überwiegend Weizen- und kleefähig.
1 Die Stellen in Neuhöfchen kommen auf 36—45 000 auch sind 8 000 ^,M Anzahlung erforderlich und ist Inventar von dem Siedler selbst zu beschaffen. Die Siedlung liegt 10 Kim. von der Stadt Schwiebus entfernt. M der Gegend Neuhöfchen ist die katholische Konfession imherrschend, sodaß dort in erster Linie Katholiken ange- ketzt werden sollen.
I Die Deutsche Ansiedlungsbank, Berlin-Halensee ist bereit, küedlungsstellen in ihren Gütern Hofstädt-Dammlang im fllrei? Deutsch-Krone (Grenzmark) abzugeben, sowie solche biederschlesien. Sofort verfügbar ist eine fertige UXrK im Regierungsbezirk Köslin, und einige größere Wirt- Masten mit 150—200 Morgen in der Nähe der Stadt Meusalz/Gder und in der Nähe Berlins. Etwaige Bewerber vollen sich unmittelbar an die Deutsche ßnfieblungsbi venden.
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3.=Hr. 4578 K. A. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, ,fn Landwirten ihrer Gemeinde vorstehendes sofort be- iannt zu geben.
Lchlüchtern, den 15. Oktober 1928.
Der Landrat: Dr. Müller.
Sie Empfangsfeierlichkeiten in New Pork» llew Pork, 16. 10. (WB) Auf die Begrüßungsan- pracke NcKees bei dem Emvfang der Zeppelinbesakung ant- vortete Dr. Eckener in englischer Sprache., Er erklärte, daß ’r 3« Beginn der Fahrt darüber klar gewesen sei, daß v§ Luftschiff schlechtes Wetter haben werde und es eine probe bestehen müsse. Er habe aber trotzdem die unternommen, um den Beweis für die Fahrtüchtigkeit „®jaf Zeppelin" auch bei ungünstigem Wetter zu er- W ungen. Das Wetter sei dann auch schlecht gewesen, und habe einen großen Umweg machen müssen, aber er ^uß das Luftschiff die Probe gut bestanden habe.
I oem Empfang im Rathaus unternahmen die deutschen eine Rundfahrt durch die Stadt. Sodann nahmen sie I Bankett teil, das der stellvertretende Bürger= tver ^cKee Zu ihren Ehren gibt, und nach dem Bankett kei ^^ Gäste der Stadt einer Theatervorstellung L °Ä Inzwischen haben die Straßenreiniger begon- s ungeheuren Papiermassen hinwegzuräumen, die des Einzuges der'Zeppelinbesatzung von den Fen- U't ^®^ern ber Wolkenkratzer auf die Straßen ^'^eselten. Noch immer hängen ungezählte Papier- u>ie Eiszapfen von den hohen Häusern herab "eichen dafür, daß New pork wieder einmal einen MMag erlebt hat.
m Einladung Eoolivg-s an Dr Eckener. Ä^ngton, 16. 10. (WB) Präsident Toolidge hat ,.?ener und andere Herren der Besatzung des „Graf « . für Freitag mittag zum Frühstück im „Weißen ungeladen.
^r Neichslandbnnd fordert Steuererlatz
LQn ei Ueichslandbund hat an den Reichsminister der Fi- eme Eingabe gerichtet, in der es heißt: Gegenüber ltuiiJm Sommer an die Ernte geknüpften bohen Erroar- |in Jn Üt jetzt leider festzustellen, daß die Landwirtschaft Rentabilität und Zahlungsfähigkeit trotz teilweise I reich« Ernteausfalles nicht in der Lage sein wird, die zahl- Len J1 rückständigen Steuerbeträge zu zahlen. Dem besse- f^nin"! ^^^^^'^b steht ein weitaus größerer Preisdruck ge= kr Jr- Diese Lage veranlaßt uns, den Neichsminister »anznw n^'Z^n dringend zu bitten, die Finanzämter erneut kjj^U'nsen, daß die bestehenden Stundungen weiter ver- Lßj/ ^^ unb entsprechend der voraussichtlichen Ren= cbln„ b'Uge des einzelnen Betriebes nunmehr zu Nieder- ‘ beugen der rückständigen Steuern geschritten wird.
Ministerialdirigent Brandenburg über die unliebsamen Vorfälle in Lakehorst.
New Pork, 16. 10. (WB) Bei der Abfahrt Dr. Eckeners im Sonderzug von Lakehurst nach Jersey Tity hatte der Vertreter des WTB Gelegenheit, mit dem Ministerialdirigenten Brandenburg kurz über die auch in der heutigen amerikanischn presse erwähnten unliebsamen Vorgänge nach der gestrigen Landung zu sprechen, an denen die bürokratische Schwerfälligkeit der Zollbeamten und der Gendarmerie schuld war. Bekanntlich haben die ermüdeten hungrigen Passagiere vier Stunden unter recht ärgerlichen Umständen auf die Zollabfertigung warten müssen, und Ministerialdirigent Brandenburg, der eine Prothese trägt, hatte unter dem gewaltsamen Vorgehen der Polizei, die den Vorschriften gemäß die Passagiere vor der Zollabfertigung von jeder Berührung mit der Außenwelt abschließen wollte, besonders zu leiden. Herr Brandenburg erklärte jedoch lachend, daß diese bürokratische Entgleisung im Flughafen Lakehurst seiner Ansicht nach gar nicht ins Gewicht falle gegenüber der überwältigenden Begrüßung durch die überflogenen Großstädte Washington, Baltimore, Philadelphia unb ^Reto vork und gegenüber der außerordentlichen Liebenswürdigkeit der hohen amerikanischen Beamten, z. B. der Unterstaatssekretär Mac Tracken und Warner vom Handelsamt und Marineamt. Er habe gesehen, wie die hohen Beamten und der liebenswürdige gastfreie Kommandant des Flughafens, Kapitän Jackson, sich bemüht hätten, einzugreifen. Die tiefe Dunkelheit auf dem Flugfelde habe sie aber daran gehindert, durchzudringen. Alle verantwortlichen Personen hätten wiederholt ihr Bedauern ausgesprochen. Er betrachte ^ie Lanze leidige Angelegenheit als unerheblich, wenn manchen ungeheuren Jubel der Bevölkerung und den majestätischen Em- vfang durch die Stadt New Pork und die amerikanische Regierung in Betracht ziehe.
Der Vertreter des WTB hatte überhaupt den Eindruck, daß es den Passagieren am liebsten wäre, wenn btefet !uner- hebliche Episode baldmöglichst begraben würde.
Völliger Mitz-rfolg des Vottsb-gehrens.
Das kommunistische Volksbegehren gegen den Bau von Panzerkreuzern aller Art wurde am gestrigen Tage beendet, nachdem die Eintragungslisten 14 Tage lang im ganzen Deutschen Reich öffentlich aüsgelegt waren. Obwohl die endgültigen Ziffern noch nicht vorliegen, kann man fsst- stellen, daß die Kommunisten mit ihrem Volksbegehren einen völligen Mißerfolg erlitten haben.
In Berlin, wo das Eintragungsergebnis ngch verhältnismäßig günstig ist, wurden bis zum Montag Abend 345'786 Stimmen gezählt. Selbst, wenn man annimmt, daß die Eintragungen so zahlreich gewesen sind, daß die 400 000 überschritten wurden, wäre damit nicht mehr als etwa der vierte Teil des Volksbegehrens über die Enteignung der Fürstenvermögen erzielt. Man wird lauft „Voss. Ztg." annehmen dürfen, daß die Kommunisten für ihr Volksbegehren insgesamt nicht mehr als höchstens 2 Millionen Stimmen aufgebracht haben, während sie bei den letzten Reichstagswahlen 4V2 Million Stimmen erzielten.
Der Kanzler will mit dem Zentrum verhandeln.
Nach einer Meldung des Dem. Zeitungsdienstes wird Reichskanzler Hermann Müller in den nächsten Tagen eine Aussprache mit dem Zentrumsführer Stegerwald haben, in der die aktuellen politischen Probleme und darunter auch die Frage der Stabilisierung der Großen Koalition besprochen werden sollen.
— Nach einer Blättermeldung aus Düsseldorf ist im Lohnkonflikt der nordwestdeutschen Eisenindustrie nunmehr die Bestellung eines Schlichters durch das Reichsarbeüs- minifterium erfolgt, und zwar ist das Amt Dr. Jöcken-Koln übertragen worden. Die Parteien werden voraussichtlich schon in aller Kürze zu Verbandlungen geladen werden.
— Die Metallarbeiterverbände der nordwestlichen Gruppe werden die Arbeitszeitregelung zum nächsten vermin kündigen. .
— Reichspräsident v. Hindenburg ist durch den, coo seines Schwiegersohnes, des Landrate? a. D. Dr. phil. v. Brockhusen-Justin, der plötzlich in Reichenhall, wo er Heilung von seinem Leiden suchte, am Herzschlag verschieden ist, in tiefe Trauer versetzt worden.
- Der Schütze Prinz von der dritten Kompagnie des Infanterieregiments 12 in Magdeburg wurde, wie bei „Berliner Lok. Anz." meldet, unter dem verdacht der Spionage verhaftet. Prinz soll während eines Urlaubs mit seinem Bruder von Ludwigshafen aus. nach Mainz gefahren sein und dort dem französischen Spionagebüro Material über die Reichswehr mitgeteilt haben.
— Ein alter Mann starb am Dienstag in Egremonth (Kanada) vor Beendigung eines 40 tägigen Fasten? im Zusammenhang mit einer religiösen Bewegung. Seine Frau, sein Sohn und seine Schwiegertochter wurden in sterbendem Zustande aufgefunden.
Am Ziel.
---------------------------------- 20093 Z/Willkommen, Sieger!"
Die Siegessahrt des „Gras Zeppelin".
xß&berum bat die deutsche Wissenschaft und Technik in der Weltgeltung der Nachkriegszeit einen gewaltigen Sieg errungen. Als über die Vereinigten Staaten die ersten Nachrichten von der Beschädigung der Stabilisierungs- fläche des deutschen Luftriesen nach Deutschland gelangten, mag wohl mancher nicht ohne Sorge um das Schick'al des Schiffes, seiner tapferen Mannschaft und seiner Passagiere gewesen sein. Mit fieberhafter Spannung wurden die am Sonntag zunächst recht spärlich eingehenden Meldungen über den Standort des „Graf Zeppelin" erwartet, und die Spannung wuchs aufs äusserste, als am Montag der silberne Riesenschwan btr Lüfte den letzten Kampf um bi Ansteuerung des amerikanischen Kontinentes zu bestehen hatte.
Nicht ganz so leicht wie sein kleinerer und älterer Zwillingsbruder, der als Z R 3 auf Reparationskonto genau vor vier Jahren den großen Teich überflog, bat es der größere, jüngere Bruder „Graf Zeppelin" gehabt Dafür darf mit einem gewissen Stolz festgestellt werden, daß er unter ungleich schwereren Wetterbedingungen den Kamps gegen die tückischen Elemente siegreich bestanden bat. Gerade die sowohl nach Zeit wie nach Kil vneterzahl imponierende Dauer dieses prachtvollen Flug ', zum erheblichen Teil durch schwere Sturmgebiete, darf wohl den sichersten Beweis bilden, daß für derartige Langstreckenflüge die Zukunft in erster Linie dem Luftschiff gestört. Die verhältnismäßig leichte Beschädigung des Luftschiffes an der linken Stabilisierungsfläche gehört schließlich doch nur zu den Kinderkrankheiten eines so wagemutigen und in jeder Hinsich weltgeschichtlichen Anter-nehmens, wie es die Ueber« querung des Atlantischen Ozeans in der wettertechnisch besonders schwierigen Richtung Ost—West in einem ersten Zeppelinflug mit Passagieren bedeutet. Hierbei muß besonders unterstrichen werden, daß es der ausgezeichneten Mannschaft schon bei dieser ersten Probe aufs Exempel gelang, die Beschädigung während der Fahrt zu beheben unb das erste Passagierluftschiff sicher in den Hafen von Lakehurst zu steuern. Wie wenig ernsthaft die Flugfähigkeit des „Graf Zeppelin" durch die kleine Havarie, die man andererseits gewiß nicht in ihren möglichen Auswirkungen unterschähen darf, dank der ausgezeichneten Navigation und der Zusammenarbeit von Kommandant und Mannschaft beeinträchtigt wurde, beweist ja am besten, daß Dr. Eckener, nach Erreichung des amerikanischen Festlandes nicht direkten Kurs auf Newyork bzw. Lakehurst nahm, sondern sich noch zu dem beträchtlichen Umweg über Washington entschließen konnte.
Es ist indessen nicht ohne Interesse, sich die Gründe zu erklären, auf welche die Beschädigung der Stabilisierungsflüche zurückzuführen sein dürfte. In amerikanischen Sach- verständigenkreiscn glaubt man, daß vermutlich die Stabi- lisierungsflächen dadurch allzustark beansprucht wurden, daß das Schiff in der Höhenlage scharfe Veränderungen habe vornehmen müssen, mit anderen Worten, daß es schnell habe steigen oder heruntergehen müssen. Auf diese Weise entstehe in der Flosse erheblicher Unterdrück und es fei also möglich, daß hierauf das Zerreißen der Bespannung der Stabilisierungsfläche wesentlich zurückzuführen war.