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Ast. 127 (1. Blatt) Dienstag, den 23. Oktober 1928 89. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Stadt SchlLchtern.

Betrifft: Biehmarkt am 33. Oktober 1928.

Aus Anlaß des am 23. Oktober d. 3s. Hier stattfindenden Viehmarktes wird daraus hingewiesen, daß nach den Be­stimmungen der Polizeiverordnung vom ?.9. 3anuar 1927 alles Marktvieh, welches am 4. Tage oder einem späteren Tage vor dem Markttag in die Stabt Schlüchtern einge­stellt wird, sofort nach der Einstellung bei der Polizeiver- waltung anzumelden ist. Zur Anmeldung ist sowohl der Händler als der Stallbesitzer verpflichtet. Am Tage vor dem Markt wird alles in der Stabt vorhandene Marktvieh und das in Handels- und Gaststallungen aufgestellte Klauen- vieh amtstierärztlich untersucht. Nach dieser Untersuchung noch eingestelltes Vieh ist sofort nach der Einstellung der Polizeiverwaltung und dem Herrn Veterinärrat Dr. Neich, hier anzumelden. Das mit der Eisenbahn eintreffende Vieh wird beim Ausladen auf der Eisenbahnrampe untersucht.

Am Markttage erfolgt die amtstierärztliche Unter­suchung der voruntersuchten Tiere nochmals vorschriftsmä­ßig einzeln durch Untersuchung der Maulhöhle an den Ein­gängen zum Marktplatz. Der Beginn des Auftriebs nicht voruntersuchter Tiere ist auf 8 Uhr vormittags festgesetzt. 3m übrigen beginnt der Auftrieb morgens um 71/2 Uhr.

Der Marktplatz befindet sich auf der rechten Seite der Hanauerstraße und soweit dieser nicht ausreicht auf dem Platz vor dem Untertor.

Der Auftrieb des Rindviehes auf den Marktplatz darf nur durch die Wassergasse und für das von Uiederzell her zugeführte Vieh von der Hanauerlandstraße aus erfolgen.

Abdruck der Polizeiverordnung ist am Rathaus aus- gehängt.

Schlächtern, den 20. Oktober 1928.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Bekanntmachung.

Geeignete Arbeiter aus der Stadt Schlächtern, welche sich an der Holzhauerei im Stadtwald Schlächtern beteiligen wollen, werden ersucht, sich am Donnerstag, den 25. Okto- &er d. 3s., vormittags 10 Uhr im Uathaus Kanzlei

Abschluß des Arbeitsvertrages einzufinden.

Schlächtern, den 19. Oktober 1928.

Der Magistrat: Gaenßlen.

32 Milliarden Gesamtschuld? W Amerikanische Blätter veröffentlichen längere Berichte aus Paris über die englisch-französische Verständigung zur end­gültigen Festsetzung der Reparationssumme und heben dabei insbesondere hervor, daß Morgan an den Besprechungen ^genommen habe. Die verschiedenen Blätter melden über- emstimmend, daß die vorläufige Totalsumme auf 32 Milli- atöen Mark festgesetzt werden solle.

Keine Aenderung der Rheinlandordonnanzen.

Die in den letzten Monaten von der Ueichsregierung mit der Interalliierten Rheinlandkommission geführten Verhand- ülngen über die Aufhebung und Aenderung der sogenannten Ordonnanzen haben, wie dervorwärts" meldet, zu keinem Ergebnis geführt. Besonders lästig wird in den besetzten Ge- vieten der noch immer bestehende Zwang empfunden, Trans- Portzeng und Pferde jederzeit zur Verfügung der fremden Heeresbehörden zu halten. Alle Versuche, eine Milderung an dieser Beziehung zu erreichen, waren bisher vergeblich. Ebenso weigert sich die Besatzungsbehörde, für Flur- und Mstige Schäden, die der Bevölkerung bei den Uebungen ver Truppenverbände entstehen, angemessene Lntschädigun- M zu zahlen.

Infolge des Hafenarbeiterstreiks in Marseille warten ? .a 7000 Passagiere seit drei bis vier Tagen aus Gelegen- trete ^'^ ^^^ Algier, Tunis oder Kleinasien anzu- , 3" Bei der Einweihung einer der vier geplanten Lisen- agnlienien, die Elsaß-Lothringen enger mit Frankreich ^winden sollen, hat Poincare am Sonntag wieder einmal r e gehalten, in der er besonders die Kriegsereignisse dieser Gegend erwähnte und auf die große Liebe Frank­es zu den wiedergewonnenen Provinzen zu sprechen am. Ex hob die Bedeutung der neugeschaffenen Linie als eue Verbindung mit dem Mutterlande hervor, die be- I nders geeignet sei, zur Beseitigung der Mißverständnisse k^Eagen, die nur dadurch dadurch entstanden seien, daß ' Bewohner diesseits und jenseits der Vogesen noch 0 w^ig kennen gelernt hätten.

p. Bei den weiteren Ausräumungsarbeiten auf der Un- 8 ucksstätte in Vincennes sind im Laufe des Sonntages Niere drei Leichen geborgen worden, sodaß sich die Zahl H Tote erhöht.

Kein Sistum in Pommern.

Eine Erklärung der Preußischen Regierung zur Kon- korvatsfrage.

DerAmtliche Preußische Pressedienst" teilt mit:

Neben zahlreichen anderen Falschmeldungen über den Gegenstand der Besprechungen zwischen der preu­ßischen Staatsregierung und dem apostolischen Stuhl wurde die Nachricht stark verbreitet, daß man darüber verhandelt habe, in Eammin oder sonstwo in Pommern ein Bistum zu errichten. An dieser Nachricht ist kein tvahres Wort. Von einem pommerschen Bistum ist in den Verhandlungen überhaupt keine Rede gewesen.

Parker Gilbert wird Deutschland informieren.

Berlin, 22. Oktober. Wie zu den Verhandlun­gen Parker Gilberts in London und Paris von deut­scher zuständiger Stelle mitgeteilt wird, wird Parker Gilbert nach Abschluß seiner Reise, die ihn bekannt­lich u. a. noch nach Rom führen wird, der deutschen Regierung über das Ergebnis seiner Verhandlungen Bericht erstatten. Erst auf Grund ferner Mitteilun­gen wird es deutscherseits möglich sein, zu den in alliierten Hauptstädten gemachten Vorschlägen in der Reparationsfrage Stellung zu nehmen.

Eine Kirche vor der Einweihung niedergebrannt.

Eckartsberga (Thür.), 22. Oktober. Die hiesige im Jahre 1423 erbaute Kirche sollte am Sonntag nach einer eingehenden Renovierung eingeweiht werden. Am Sonnabend entstand plötzlich aus unbekannter Ursache ein Brand, durch den die Kirche innerhalb von drei Stunden niederbrannte.

Um den Sachverständigenausschutz.

Paris, 22. Oktober. In Paris bestätigt man in unterrichteten Streifen die Mitteilung aus England, daß in den Besprechungen, die in den letzten Tagen zwischen Poineard, Churchill anv Par bert stäti- sanden, über die Zusammenberufung des Sachverstän­digenausschusses keine Beschlüsse gefaßt wurden, da es der deutschen Regierung zukäme, Zeit und Ort der Einberufung zu bestimmen. Man nimmt daher an, daß erst nach Rückkehr Parker Gilberts von Berlin der Ort der Zusammenkunft und die Zusammensetzung des Austausches bekanntgegeben werden.

Ein Staus bild Gustav Adolfs in Amerika.

Stockholm, 22. Oktober. Die amerikanischen Schweden haben beschlossen, aus Anlaß des dreihun- dertjährigen Todestages des Königs Gustav Adolf im Jahre 1932 in Wilmington, wo die Kolonie New- Sweden auf des Königs Anregung angelegt wurde, dem König ein Standbild zu errichten.

Rechtsopposition bei den russischen Kommunisten.

Kowuo, 22. Oktober. Aus Moskau treffen in der letzten Zeit Meldungen über die Bildung einer Rechts- opposition innerhalb der russischen Kommunistischen Partei ein, die gegen den Jndustrialisierungsplan und das Borgehen der Sowjetregierung gegen die Großbauern öffentlich auftreten. Diese Meldungen erhalten ihre Bestätigung durch eine Meldung, nach der die Parteiorganisationen in verschiedenen russi­schen Städten Entschließungen gefaßt haben, in denen eine energische Bekämpfung der in letzter Zeit sich innerhalb der Partei bemerkbar machenden rechtsge­richteten Strömungen gefordert wird.

Eine politische Mordbande in Rußland festgenommen.

Moskau, 22. Oktober. Die G. P. U. hat eine große politische Mordbande in Turkestan liquidiert. Die Bande bestand fünf Jahre und hat mehr als 40 politische Morde begangen. Außerdem hat die Bande die Filialen der Staatsbank und der Eisenbahn be­raubt. Die Mitglieder der Bande wurden teils er­schossen und teils nach Moskau in die Gefangenschaft gebracht, wo ihnen in allernächster Zeit ein großer Prozeß gemacht werden wird. Den noch am Leben verbliebenen 21 Mitgliedern dieser Bande droP die Todesstrafe.

Todessturz zweier Kinder.

New York, 22. Oktober. Vor den Augen der Mutter fielen ihre beiden Kinder von einem im 13. Stock gelegenen Dachgarten eines hiesigen Wolken­kratzers. Die Kinder waren sofort tot. Die hartge­prüfte Frau ist die Tochter des bei der Titanic-Kata­strophe umgekommcnen Millionärs Guggerrheim.

3n der Nacht zum Sonntag ist in Magdeburg ein Reichswehrsoldat mit einer schweren Kopfschußwunde ausge­sunden worden. Gegen 5 Uhr morgens ist er an der schweren Schußwunde verstorben. Zur gleichen Zeit wollte sich seine Geliebte in die Elbe stürzen, Konnte aber von Passanten daran verhindert werden.

Zu einer Meldung über die Verhaftung des mut­maßlichen Mörders der beiden Lehrerinnen im Feldbergge­biet erfahren wir, daß der Festgenommene als Täter nicht in Frage Kommt.

Sie poiittfche Lese Deutschlands.

Koch-Weser zu den Gegenwartsfragen.

Als Auftakt zur politischen Winterarbeit trat der Parteiausschuß der Deutschen Demokratischen Partei in Berlin zusammen. Der Parteiführer Reichsjustiz­minister Koch-Weser nahm das Wort zu einer Dar­stellung der gegenwärtigen politischen Lage.

Das Ergebnis von Genf

ist, so betonte der Redner, daß die Verhandlungen über die Räumung des Rheinlandes und die Reparations- frage ausgenommen werden. Völlig verfehlt ist es, die Locarno-Politik als falsch zu bezeichnen. Sie schützt uns heute politisch vor dem gemalt,amen Zu­griff eines einzelnen unserer früheren Gegner und beseitigt wirtschaftlich durch die Transferklaufel die Furcht vor einer neuen Inflation. Ganz unabhängig davon aber bleibt das bittere Gefühl, daß zehn Jayre nach dem Kriege das Rheinland noch besetzt ist. Hier versündigen sich unsere Gegner an dem Berstän- digungsgedanken.

Unannehmbar sei es, wenn man Deutschland ver- anlassen wolle, bei einem Verteidigungskrieg sich der Wehrpflicht zu entziehen. Daß Deutschland heute irgendwelche kriegerischen Neigungen habe, sei eine ungeheure Unwahrheit. Von einer völligen Befrie­dung der Welt könne man aber leider noch nicht spre­chen. Bei dieser Sachlage könne man die Ablehnung des Ersatzbaues des Panzerkreuzers heute, nach dem Flottenabkommen zwischen Frankreich und England und nach der Gestaltung der auswärtigen Lage nicht mehr damit rechtfertigen, daß wir dem Anslaude das Beispiel friedlicher Gesinnung zu liefern hätten..

Trotzdem aber bleibe er ein Gegner des Panzer­kreuzerbaues, weil er seinen militärischen Wert im Verhältnis zu seinen Kosten nicht anerkennen könne. Auf dem Gebiete der Reichsreform scheine es, als ob die Bestrebungen auf Herbeiführung des dezentrali­sierten Einheitsstaates der Erfüllung näher kämen.

Eine vorherige Festlegung der Parteien auf ein i - ^ RegieritttgspreMam-u .e sich bei allen Koalitionen als unmöglich erwiesen. Das hauptsäch­lichste Ziel muffe der Zusammenhalt der gegenwärti- gen Koalitionsparteien für die Dauer der Wahlperiode sein.

Führerwechsel in der Dentschnationalen Partei.

In geheimer Wahl wurde am Sonnabend in später Abendstunde an Stelle des bisherigen Vor­sitzenden Graf Westarp Geheim rat Hugenberg zum Vorsitzenden der Deutschnationalen Volkspartei gewählt.

Ueber das Ergebnis der Vertretertagung der D.N.V.P. teilte die Pressestelle der Partei mit:

Die Parteivertretung der D.N.V.P. hielt am Sonnabend die zur Neuwahl des Parteivorsitzenden anberaumte Sitzung ab. Der Wahl ging eine pro­grammatische Aussprache vorauf, die von Graf Westarp eröffnet wurde. Nach deren Beendigung wurde die Wahl des Vorsitzenden vorgenommen. Herr Geheimrat Hugenberg, der als einziger zur Wahl stand, wurde gewählt und nahm die Wahl an. Seine Wahl wurde durch lebhaften Beifall der ge- gesamten Versammlung begrüßt.

Herr Geheimrat Hugenberg übernahm den Vorsitz mit einer kurzen Erklärung. Er sagte zu, daß er das ihm übertragene Amt im Sinne der För­derung der Größe, Kraft und Einigkeit der Partei übernehmen werde. Daran knüpfte er herzliche Worte des Dankes an den bisherigen Vorsitzenden, den Grafen Westarp, den die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrte.

Die Wahl des stellvertretenden Vorsitzenden dürfte erst auf einer neuen Vertretertagung erfolgen. Der gegenwärtige Vertretertag der Dentschnationalen Par­tei wurde am Sonntag mit einer Aussprache über die allgemeine politische Lage fortgesetzt. Vor der Wieder­aufnahme der Beratungen fand eine Helfferich- Gedächtnisfeier statt, an der auch die Witwe Dr. Helfferichs teilnahm und auf der der Helfferich-Prets zur Verteilung kam.

Föhrerwechsel im Zentrum?

Nach einer Meldung Berliner Blätter verlautet aus Zen- trumskreisen, daß Reichskanzler a. D. Marx entschlossen sei, das Amt des Vorsitzenden der Zentrumspartei niederzulegen. Er begründe diesen Rücktritt mit Gesundheitsrücksichten. Der offizielle Rücktritt tverde auf dem Zentrumsparteitag erfolgen. Gegenwärtig berate eine kleine Kommission des Zentrums» Vorstandes aber die Nachfolgestaat.

Als Nachfolger nennt man den ehemaligen Relchsarbeüs- minifter Dr. Brauns, der der Kandidat des Katholischen Volksbundes ist, mehr aber noch die Abgeordneten Steger- wald, Esser und 3oos.

Die Delegiertenversammlung der Lodzer ibextilar- beitergewerkschaft hat am Sonntag nach längerer Bera­tung mit überwiegender Stimmenmehrheit einen Beschluß gefaßt, die Streikmaßnahmen aufzuheben und morgen die Arbeit wieder aufzunehmen.