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Ät 135 (1. Blatt) Samstag, de« 10. November 1M8

80. Lahrg

Amtliche Bekanntmachungen.

Sandra isamk.

I-Nr. 9598. Ls wird darauf bingeroiefen, daß der Etliche vertrieb der Drucksachen des Landtags, die Samm= lang der Drucksachen und der Sitzungsberichte des Land­tags von Beginn der laufenden 3. Wahlperiode an R. von Debets Verlag, G. Schenk, Berlin W 9, Linkstraße 35, übertragen worden ist. Durch ihn können auch die Druck­sachen aus früheren Wahlperioden des Landtags, der Lan­desversammlung, des früheren Abgeordnetenhauses und des früheren Herrenhauses bezogen werden.

Schlüchtern, den 8. November 1928.

Der Landrat. 3. v.: Schultheis.

Wohnungsbau.

I.-Nr. 10696/10603 S- Die Landesversicherungsanstalt hat zur Förderung des Arbeiterwohnungsbaues für tu­berkulöse Versicherte ihres Bezirks Sondermittel im Betrag von 100 000. MC zur Verfügung gestellt, die in Linzeldarlehen in Höhe bis zu 4 000. MC gegen jähr­lich 6°/o Zinsen und 1 % Abtrag nach Maßgabe ber beste­henden Darlehensbestimmungen vergeben werden sollen. Sie will dadurch über den Nahmen ihrer allgemeinen Dar­lehensbewilligungen hinaus den Bau eines Hauses mit gesunden Wohnungen versicherten ermöglichen, die selbst oder deren nächste Familienangehörigen tuberkulös sind und infolgedessen in der jetzigen unzureichenden Wohnung die Weiterverbreitung der Krankheitskeime auf die noch gesunden Familienangehörigen begünstigen.

Ich mache die Herren Bürgermeister hierauf besonders aufmerksam und ersuche, für entsprechende Bekanntmachung Sorge zu tragen.

Darlehensanträge sind unter Beifügung der laufenden ÄuittungsKarte des Bewerbers uno eures Änlichen deu« - Mes bei mir einzureichen.

Schlüchtern, den 9. November 1928.

Kreiswohlfahrtsamt: Dr. Müller.

Deutschland wird groß als Republik.

Nach einer Meldung von W. T. B. behandelt in den Leipziger Neuesten Nachrichten vom 9. November Reichs- außenminister Dr. Stresemann die Entwicklung, die Deutsch­land seit dem Zusammenbruch genommen hat und spricht N anschließend über die Zukunft Deutschlands folgen­dermaßen aus:Man zitiert in diesen Tagen viel ein Wort oismarcks, der davon sprach, daß Deutschland nach einem unglücklichen Kriege wieder groß werden könnte, dann aber allerdings nur auf dem Boden der Nepublik. Wir Können heute nur davon sprechen, daß die Zeit von 1918 1923 wie ein wüster Traum hinter uns liegt. Wir Essen mit längeren Zeiten rechnen, wenn wir die Aus­wirkung der neuen Zeit sehen wollen. Der große Kanzler alten Reizes hatte eine beinahe visionäre Art, in die Zukunft zu sehen, hoffen wir, daß auch das Wort von der Eäße, zu der das republikanische Deutschland nach dem verlorenen Kriege kommen würde, sich bewahrheiten möge, beien wir uns aber klar darüber, daß weder träumende Resignation noch überschäumende Kraft der Worte uns aqin bringen werden, sondern nur die sachliche, bewußte ^beit eines ganzen Geschlechts.

Einschränkung der Reichsbahnauftrage.

Anläßlich der letzten Sitzung des Verkehrsausschusses des ^ichsverbandes der Deutschen Industrie wurde seitens der erlreter der Neichsbahn zum Ausdruck gebracht, daß mit

auf die schwierige Kapitalbeschaffung für das nächste Iahr eine starke Kürzung des Bauprogramms vor- JWn werden müsse. 3m Sinne dieser Ausführungen liegt wenn jetzt, lauth. T.", bekannt wird, daß jetzt die Hggonbestellungen für das zweite Halbjahr 1929 bis auf « ^anz zurückgestellt und die Waggonaufträge des b?n |oK^ auf das ganze Iahr 1929 gestreckt wer-

> ^ aus Rieti gemeldet wird, ist der weltberühmte '^a^che Bariton Battistini gestorben.

In Deschka (Südslavien) 'ist ein deutscher Kolonist lectjs maskierten Räubern überfallen und ermordet wen. Man vermutet einen politischen Racheakt.

bb Der Gesamtverband deutscher Metallindustrieller hat E'nstellungssperre über alle aus dem Tarifgebiet Nord- wmmenden Arbeiter verhängt.

(C . Neichsverkehrsminister Dr. von Guerard ist in Mün- cfl.getroffen um der Bayerischen Staatsregierung seinen 'Hellen Besuch zu machen. Bei dieser Gelegenheit wurden '^ verkehrswirtschaftliche Fragen erörtert.

^7- 6m 9. November jährt sich zum zehnten Male ^Q9 der Revolution im Iahre 1918.

Sie franzöfische Jinisierltise.

Die Besprechungen Doumergues abgeschlossen. Wird Poin- rare wiederkehren? Andere Kombinationen. Briand, der Zauderer. Die Kammermandate der Autonomisten ungültig

Vor der Betreuung Poinearss mit der Kabinetts­bildung?

Wie aus Paris gemeldet wird, sind die Besprechungen des Präsidenten der Republik, Doumergue, mit den Par­teiführern nunmehr abgeschlossen. In parlamentarischen Kreisen ist man nicht im geringsten Zweifel darüber, daß sich Doumergue erneut an Poincars wenden wird, für defsen Wie­derkehr sich nahezu alle von Doumergue zu Rate gezogenen Persönlichkeiten ausgesprochen haben. Auch wenn Poincarö dem neuen Ruf Folge leisten wird, dürften allerdings bis zur Bildung des neuen Kabinetts noch recht große Schwierigkeiten zu überwinden sein, die in erster Linie auf die Radikal- sozialisten zurückzuführen sind. Während eine Minderheit dieser Partei recht deutlich erklärt hat, daß Poincaro nicht der Mann der Lage sein könne, würde wohl die Mehrheit ein Kabinett der linken Konzentration von den republikanischen Sozialisten bis zu den gemäßigten Parteien unter Poincars begrüßen.

Wenn es den Bemühungen des Staatspräsidenten und Poincares gelingen würde, über diese Schwierigkeiten hinweg- utlommeii. so bleibt immer noch die Frage, ob ein derartiges Kabinett P»:nearö sich weit in das neue Jahr hinüberretten könnte. Die prinzipiellen Streitpunkte, die Poincars und die Laa^mte-en trennen, die Kongregatwnsartrket, die Steuer- senkungsaktion und die Militärkredite stehen drohend im Hintergründe.

Die Haltung Poincarss.

Wie derExcelsior" aus gut unterrichteter Quelle wissen will, wird Poincars das erwartete Angebot zur Neubildung des Kabinetts ab lehnen. Poincars habe die letzten Tage im Finanzministerium damit verbracht, seine Papiere in Ordnung zu bringen und seines Auszug vorzuberetten. Auch der jo^LKAistisch^ Berera». 7 .mn Poincares, MarceL Huttn, stellt imEcho de Par^." st, daß Pouloars Ad-jee. nicht geneigt scheine, dem an ihn gerichteten Appell Folge zu leisten. Poincarä gehe dabei von dem Standpunkt aus, daß er von keiner seiner Programmforderungen abgehen könne. So scheine es sehr schwierig, daß infolge der letzten Zwischen- fälle ein bestimmter Teil seines Programms durchgeführt werden könne.Echo de Paris" will wissen, daß auch Tar- dieu, der von Poincars selbst als sein Nachfolger betrachtet werde, ein Angebot ablehnen werde. Erst wenn Briand scheitern sollte, wird in diplomatischen Pariser Kreisen mit der Möglichkeit gerechnet, daß Poincarä die Neubildung des Kabinetts übernimmt.

Zu den verschiedenen Kombinationen zur Lösung der französischen Regierungskrise wird in der Pariser Presse be­sonders hervorgehoben, daß Poincars in seiner Besprechung, die er mit dem Staatspräsidenten hatte, den Senatspräsidenten Donmer und den Vorsitzenden der Finanzkommission des Senates, Clementel, als geeignete Nachfolger bezeichnete. Da­durch versuche Poincars, wieQuotidien" annimmt, sich einen der beiden Senatsposten zu sichern, falls eine der genannten Persönlichkeit seine Nachfolge antrete. Was die Lösung der Krise durch ein Kabinett Briand-Tardieu betreffe, so würde Tardieu vom Arbeitsministerium in das Finanzmini­sterium übergehen und Pensionsminister Marin endgültig ansfcheiden.Quotidien" nimmt an, daß Briand, wenn etc nach der Weigerung Poincares in das Elysee berufen würde, den Auftrag zur Kabinettsbildung erst ablehnen, aber nach dem Scheitern von zwei oder drei Persönlichkeiten bei einem neuen Appell seine Meinung ändern würde. Diese von ihm öfters befolgte Taktik ist Briand bekanntlich öfter gelungen.

Frankreich und das Elsaß.

Der elsässische Abgeordnete Scltz brächte in der französi­schen Kammer eine Interpellation über die Politik der Regie­rung in der Zweisprachenfrage in Elsatz-Lothringen ein.

Die zur Prüfung der Wahlmandate von Ricklin und RoffS eingesetzte Kommission nahm, nachdem sie die beiden Abgeord­neten angehört hatte, einstimmig den Bericht des Bericht­erstatters Pernot an, der sich für die Ungültigkeit der beiden Mandate ausspricht.

England und die Reparationsfrage.

Eine englische Denkschrift.

Zum Empfang der Botschafter Italiens, Japans und Belgiens durch Schatzkanzler Churchill berichtet der diploma­tische Korrespondent desDaily Telegraph", daß den Bot­schaftern bei dieser Gelegenheit ein Memorandum der Regie­rung übergeben wurde/das die englische Auffassung in der Frage der'Bildung eines neuen Sachverständigenausschusses enthalte.

Das Memorandum stelle nicht etwa eine Antwort auf den am 31. Oktober erfolgten deutschen Schritt dar, sondern nur eine weitere Förderung des alliierten Meinungsaus­tausches, der durch den Rücktritt des französischen Kabinetts natürlich beeinträchtigt worden sei. Die Entwicklung der Ver­handlungen ist aber derartig, daß auch ohne diesen Rücktritt mit einer baldigen Uebereinstimmung unter den Alliierten nicht zu rechnen getvesen wäre.

Abrüstung in der Praxis: neue englische Lust­rüstungspläne.

Das Ergebnis der englischen Luftmanöver wird im nächsten Budget große Auswirkungen haben. Wie der Luft­korrespondent desDaily Telegraph" hört, ist es wahrschein­lich, daß in den Voranschlägen des Luftministeriums die Mit­tel für die Errichtung von mindestens zwei neuen Flugzeug­geschwadern, das eine für die Grafschaft Dork, das andere für den Süden Englands, angefordert werden. Drei weitere Ge­schwader als Minimum werden für die nahe Zukunft eben­falls benötigt.

Diese Pläne stehen in direktem Zusammenhang mit der Wirksamkeit, die die Angriffsgeschwader bei den letzte» Lust­manövern über London erzielen konnten. Im Zusammen­hang mit diesen Luftmanövern war seinerzeit in der englischen Presse eine nachdrückliche Kampagne für die Notwendigkeit der Berstarkung der britischen Luftstreitkräfte gegen Angriffe aus dar Lust geführt worden.

Die Wirlschaftslämpfe an der Ruhr.

Termin vor dem Arbeitsgericht Duisburg schon am

12. November.

Wie aus Duisburg gemeldet wird, ist die Verhandlung vor dem Arbeitsgericht in Duisburg über die Fesistellungs- klage des Ark^itgeberverbandes der Nordwestlichen Gruppe auf Montag, 12. November, vormittags 9 Uhr vorverlegt wor­den. Diese Maßnahme ist offenbar auf Veranlassung des Reichsarbeitsministers erfolgt.

Die Lage im Anssperrungsgebiet.

Die Lage im Aussperrungsgebiet ist nach wie vor ruhig. Kommunistische Kreise entfalten eine lebhafte Propaganda, die zu Versammlungen und Demonstrationszügen auffordert. Die Bezirksleitungen der drei Metallarbeiterverbände haben in­zwischen die Höhe der Unterstützungssumme für eine Woche festgesetzt. Sie beträgt nach Dauer der Mitgliedschaft 20 bis 30 Mark.

- stiUeq-^u oil Cipu-m-urfkrie M Bezirk der Nord» teeren Gruppe, die mit über 40 v. H. .er grannig be­liefert wird, zwingt den Bergbau zu erheblichen Einschränkun­gen. Die Zechen der Bergbaugruppe Dortmund der Verein. Stahlwerke A.-G, haben in diesem Monat schon zwei Feier­schichten eingelegt und werden, da die ungünstige Wirtschafts­lage des Bergbaues das Lagern verbietet, wöchentlich etwa drei Feierschichten einlegen lassen.

Zu dem jetzt veröffentlichten Wortlaut der beim Arbeits­gericht in Duisburg eingereichten Feststellungsklage der Gruppe Nordwest schreibt die sozialdemokratische Presse des Ruhr­gebiets, daß die Rechtslage im Ruhrgebiet klar sei. Die Hand­lungsweise der Arbeitgeber stelle einen glatten Tarifbruch dar. Die Gewerkschaften sowie auch die Gewerkschaftsmitglieder könnten Schadenersatzansprüche geltend machen.

Interpellation im Reichstag.

Die Zentrumsfraktion des Reichstags hat beschlossen, eine Interpellation einzubringen, in der gefragt wird, was die Reichsregierung zu tun gedenkt, um die durch das Vorgehen der Arbeitgeber erschütterte Autorität des staatlichen Schlich­tungswesens und den Arbeitsfrieden wiederherznstellen, und um den der gesamten deutschen Wirtschaft erwachsenden Scha­den abzuwenden. Außerdem hat die Zentrumsfraktion be- schlofsen, drei Anträge in Gesetzesform einzubringen, deren Ziel die Herbeiführung und Sicherung des Wirtschafts- friedens ist.

Die Stadtverwaltung Düsseldorf sagt Festlich­keiten ab.

Düsseldorf, 8. 11. (WB) Aus Anlaß des Ernstes der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage und der Aussper­rung der Metallarbeiter werden sich die. Mitglieder der städtischen Verwaltung in den nächsten Wochen von allen öffentlichen und nach Möglichkeit auch von privaten Fest­lichkeiten fernhalten.

Die Aufwendungen Düsseldorfs für die Unters slützang der Aus espereten.

Düsseldorf, 8. 11. (WB) Nach vorsichtigen Schätzun­gen dürften sich die Mittel der Stadt Düsseldorf für die Unterstützung der ausgesperrten Metallarbeiter pro Woche auf 650 bis 700 000 Mark stellen. 34 000 Arbeiter sind in Düsseldorf ausgesperrt. Mit Einschluß ihrer Familienan- Zehörigen dürfte sich die Zahl auf rund 80 000 bis 85 000 Personen stellen.

Bei der Beratung des Reichshaushaltes für 1929 soll bereits als feststehend gelten, daß das Defizit für 1929 über 600 Millionen Mark beträgt, das man durch neue Steuern auszugleichen gedenkt.

Dem preußischen Landtag ist ein Urantrag der sozial­demokratischen Fraktion zugegangen, in dem das Staats= minjisterium ersucht wird, mit tunlichster Beschleunigung dem Landtage den Entwurf eines Forstkulturgesetzes vor- zulegen.

Bei einer Explosion in einer Schuhfabrik in Lynn (Massachusetts) wurden 14 Personen getötet.

tTitulescu ist mit der Bildung eines rumänischen Ministeriums der nationalen Einheit beauftragt worden.