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Ar. 142 (1* Blatt) Dienstag, den 27. November 1928 80. Aahrg.

Amtliche Bekanntmachungen

LandratsaMi.

Polizeiverordnung

betreffend Abänderung der Polizeiverordnung über die äußere Heilighaltung der Sonn= und Feiertage, vom 7. De­zember 1907 (Amtsblatt S. 379).

Auf Grund der §§ 137 und 139 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (®S. 5. 195), des Gesetzes vom 9. Mai 1892 (®S. S. 107), der §§ 6, 12 und 13 der Verordnung über die Pollizeiverwal- tung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. Sep= tember 1867 (G.S. S. 1529) und des Artikels III der Ver­ordnung über Vermögensstrafen' und Bußen vom 6. Februar 1924 (R(5BI. S. 44) wird vorbehaltlich der Zustimmung des Bezirksausschusses für den Umfang des Negierungs- bezirks Kassel folgende Polizeiverordnung erlassen:

Artikel I.

Der H 13 Absatz 1 und 2 der Polize»verordnung über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage vom 7. Dezember 1907 (Amtsblatt S. 379) erhält folgende Fassung:

An den Vorabenden der drei großen Feste (Weihnachten, Ostern, Pfingsten), des Bußtages und des Totenfestes sowie an den beiden letztgenannten Tagen selbst und in der ganzen Karwoche dürfen weder öffentliche noch private Tanzmusiken, Bälle und ähnliche Lustbarkeiten in öffent­lichen Lokalen veranstaltet werden.

Am Bußtage und am Karfreitage dürfen außerdem auch öffentliche theatralische Vorstellungen, Schaustellungen und sonstige Lustbarkeiten nicht stattfinden. Ausgenommen von diesem verbot ist die Aufführung ernster Musikstücke (Ora­torien usw.), sowie am Bußtag weiter noch die Auffüh- rung allgemein ernster Stücke in Theatern und die Vor­führung von Filmen religiösen oder legendären Inhalts, sowie Lehrfilmen uno die von der Bildstelle des Zxn,.^ instituts für Erziehung und Unterricht in Berlin oder der bayerischen Lichtbildstelle in München für künstlerisch oder volksbildend erklärten Filme mit Ausnahme derjenigen humoristischen Inhalts in Lichtspieltheatern.

Artikel II.

Diese Verordnung tritt sofort in Kraft.

(6 II. 6319/28.)

Kassel am 15. 11. 1928. Der Ueg.-Präsident.

I.-Nr. 10132. Um den Industrie- und Handelskammern Gewähr dafür zu leisten, daß die bei ihnen zur Vorlage gelangenden polizeilichen Führungszeugnisse alle im Straf= Register vermerkten Strafen enthalten, soweit sie nicht nach dem Gesetz vom 9. April 1920 der Auskunftsbeschränkung unterliegen, ersuche ich die Ortspolizeibehörden in den Fäl­len, in denen ein Führerzeugnis zur Vorlage bei einer Industrie-Handelskammer verlangt wird, regelmäßig zu­nächst Auskunft aus dem Strafregifter einzuholen. Va- "ach sind die polizeilichen Listen zu berichtigen. Erst dann ist das Führungszeugnis mit den etwa erforderlichen Straf- vermerken auszustellen.

Tchlüchtern, den 19. November 1928.

Der Landrat. I. v.: Schultheis.

Kreisausfchuß«

Fortbildungskurse für Standesbeamte.

I.-Nr. 5190 K. A. Die Herren Standesbeamten der Landgemeinden mache ich auf die in der Zeitschrift für ^tandesamtswesen Nr. 22 von 1928 abgedruckte verfü- Sung des Herrn Regierungspräsidenten in Kassel vom 10. Uovember 1928 Ia 1153 über die in w ächters - M am 6. Dezember 1928 und 21. Februar 1929 statt* sind enden Fortbildungskurse aufmerksam.

Ich erwarte, daß.sämtliche Herren Standesbeamten an ^Fortbildungskursen teilnehmen. Sofern einer der Stau* erbeamten an der Teilnahme verhindert sein sollte, so ist Stellvertreter zu entsenden. Es steht auch nicht im wenn neben dem Standesbeamten auch der Stan= ^an^En-Stellvertreter an den Kursen teilnimmt.

mies Nähere (wie Neisekosten-Lntschädigung, genaue usw.) ersuche ich aus der angezogenen Negierungsver- stugung zu ersehen. Das amtlipe Handbuch ist mitzubringen. splüptern, den 26. November 1928.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.

^^uwahl von Mitgliedern des Kreisjugendamts, l I.-Nr. 12375 F. Die Wahlperiode des Kreisjugend- i "U§ ist demnächst beendet, so daß dessen Neuwahl vorzuneh- ^ 6ußer dem Vorsitzenden und dem leitenden Fachbeamten sah , gendamts gehören diesem zehn in der Iugendwohl- erfahrene und bewährte Männer und Frauen an.

fer Mitglieder werden vom Kreisausschuß aus- F von Vorschlägen der im Kreise wirkenden freien

Vereinigungen ernannt, welche sich ganz oder vorwiegend mit der Förderung der Iugendwohlfahrt befassen oder sich in den Dienst der Iugend stellen.

Die hiernach in Frage kommenden Vereinigungen werden auf gefordert, binnen einem Monat je vier Mitglieder in Vorschlag zu bringen. Die vorgeschlagenen müssen die Wählbarkeit für Ehrenämter des Kreises besitzen. Ueber die Zulassung der Vereinigungen zur Ausübung des Vor­schlagsrechtes und die Zahl der von ihnen zu stellenden Vertreter bestimmt der Kreisausschuß.

Bei Nichtinnehaltung der angegebenen Frist geht das Vorschlagsrecht verloren.

Auf die im Kreisblatt Nr. 98 vom 16. August d. Is. veröffentlichte Sapung des Jugendamts wird hingewiesen.

Schlüchtern, den 22. November 1928.

Der Vorsitzende des Kreisjugendamts: Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

Stadtschule in Schlüchtern.

Am nächsten Samstag, den 1. Dezember, findet abends 8 Uhr in der A u I a des Klosters ein Elternabend (Be= sprechungsabend) statt. Lingeladen werden zu demselben hierdurch die Eltern der Schüler und Spulerinnen der Grundschule (1.4. Schuljahr).

Tagesordnung:

1. Rektor Flemmig: wie kann das Haus der Spule wirk­sam helfen?

2. Lehrer Hix: häusliche Hilfe bei der Spularbeit der Kleinsten.

3. Freie Aussprache.

Splüptern, am 24. November 1928.

Der Rektor: Flemmig.

Bekanntmachung.

Auf Grund des Artikels I der Verordnung über Sonn= , w^sruhc. im ho^elsgLwerbe oam 5. Februar 1919 (R. G. BL S. 176) und der Ermächtigung des Herrn Negierungs- Präsidenten in Kassel wird die Offenhaltung der Laden­geschäfte wie folgt gestattet:

am Sonntag, den 2. Dezember 1 928 von 13 bis 16 Uhr (14 Uhr nachmittags)

am Sonntag, den 9. Dezember 1 928 von 13 bis 18 Uhr (16 Uhr nachmittags)

am Sonntag, den 1 6. und Sonntag, den 23. Dezember 1 928 von 12 bis 18 Uhr (6 Uhr nach­mittags).

Splüptern, den 22. November 1928.

Die Polizeiverwaltung: J. v.: Fenner.

Hebammen-Tagebücher

SaS Glück RM. 2.50

Rechnungen«- Hebammen

Block 100 Gtck. ru RM. 3.00

zu haben bei H. Gtrinselb Söhne

Gchlüchterner Zeitung.

Nach einer Blättermeldung aus Bochum entstand in Kray zwischen zwei Familien im verlaufe einer Aus­einandersetzung eine Splägerei, bei der nicht weniger als sechs Personen durch Messer- und Heugabelstiche verletzt wurden.

Der Hauptvorstand der deutschen Postgewerkschaften hat in seiner Sitzung vom Sonntag in Düsseldorf beschlossen, den bestehenden Lohntarif zum 31. Dezember 1928 zu kün­digen, da einer steigenden Verelendung des Personals entge­gengetreten werden müßte.

Die Typhusepidemie in Lyon und Umgebung breitet sich immer weiter aus. Mehr als 2 000 Personen sollen erkrankt sein, von denen etwa 800 in den Krankenhäusern Ausnahme gefunden haben. Bis jetzt sind sieben Todesfälle vorgekommen.

Der Sturm an der französischen und spanischen Küste wütet unvermindert fort, viele Schiffe sind gezwungen, in den Flußmündungen Schutz zu suchen, die Ueberseedampfer treffen mit großen Verspätungen ein. Mehrere Schiffe haben Beschädigungen erlitten.

Staatssekretär des Aeußeren Ehamberlain ist am Sonntag von seiner Amerikareife zurückkehrend in London eingetroffen. Er wird seine Tätigkeit im Auswärtigen Amt anfangs kommender Woche wieder ausnehmen.

Aeberall schwere Stürme.

Starkes Gewitter über Essen und Umgebung.

Essen, 26. 11. (WB.) Ein seltenes Naturschauspiel gab es in Essen und Umgebung in den späten Abendstunden den Sonntag. Wolkenbruchartiger Regen war begleitet von einem starken Gewitter. Es herrschte undurchdringliche Dunkelheit, die nur durch lodernde Blitzstrahlen zerris­sen wurde. Die Nuhr schwoll stark an; die nächsten Anwoh­ner mußten noch in den Nachtstunden Vorkehrungen gegen Ueberschwemmungen treffen. Der Sonntag selbst übertraf, was Regenmengen und Sturm angeht, die Vortage bedeu­tend. Mit kurzen Unterbrechungen regnete es durch den ganzen Tag und die ganze Nacht zum Montag. Die Fried- Höfe lagen am Totengedenktag vollkommen verwaist da.

SchulschiffPommern- gesunken.

Das deutsche SchulschiffPommern" befindet sich 25 Meilen westlich von Guernsey in sinkendem Zustand. Meh­rere Schiffe sind ihm zur Hilfe geeilt. 40 Mann der Be­satzung wurden durch ein deutsches Schiff gerettet; die übri­gen 40 Mann harren noch der Rettung.

London, 25. 11. (WB) Nach Meldungen, die kurz nach 11 Uhr nachts hier eintrafen, hat der deutsche Schlepp­dampferHeros" 84 Mann von der Besatzung des deutschen SchulschiffesPommern" gerettet.

Das Sturmwetter in Frankreich.

Paris, 25. 11. (WB) Den heutigen Tag über stand Paris unter dem Zeichen des in ganz Frankreich wütenden Sturmes. Zahlreiche Schornsteine wurden niedergerissen und Dächer abgedeckt. Soweit bis jetzt bekannt, sind durch eine vom Sturm fortgerissene Mauerkrone zwei Personen ziemlich schwer und eine weitere leichter verletzt worden, von der Küste her lauten die Nachrichten weiterhin un­günstig. Der Hafen von Bordeaux ist gleichsam blockiert. PS^N der außerordentlich hohen Seeganges können die Schiffe ihn nicht anlaufen und sind gezwungen, draußen zu kreuzen.

Der aus der Höhe von Guessant in Seenot befindliche DampferAdmiral Tonty", der übrigens ein ehemaliger zum Frachtdampfer umgebauter Passagierdampfer ist, der keine Passagiere an Bord hat, wurde von den Dampfern Macoris" undAquitania" angetroffen. DieMacoris" ist zur Hilfeleistung an Grt und Stelle geblieben, während dieAquitania" ihren weg fortsetzte.

Aus Reims wird gemeldet, daß die Marne und die Aisne und ihre Nebenflüsse infolge eines seit 24 Stun­den niedergehenden wolkenbrupartigen Regens bedenklich angeschwollen und stellenweise bereits über die Ufer ge­treten sind.

In der Nähe von Tap Taxino ist ein mit 12 Mann besetzter Küftendampfer gesunken. Die Besatzung konnte infolge des hohen Seeganges nicht gerettet werden.

Sylt vom Meer überflutet.

Mehrere Orte von jeder Verbindung abgeschnitten.

Das Sturmwetrer der letzten Tage hat auf der jütischen Halbinsel und die angrenzenden Gebiete be­sonders übel gehaust. Bon überallher kommen Hiobs- Posten. So wurde der ^»»**' DampferHeinrich Po- deus" vom Anker gerissen und bei Noordwyk (Holland) an den Strand geworfen. A.: der englischen Küste ist der ftanzösische Dampfer@mil Delmas" gestrandet. 23 Mann der Besatzung wurden vom Rettungsboot in Brighton geborgen. Am schlimmsten wurde aber die Insel Sylt betroffen, die von einer furchtbaren Sturmflut heimgesucht wurde.

Durch einen 100 Meter breiten Flutstrom ist bet Buhne 33 die Halbinsel Ellenbogen von der Mutter­insel getrennt. Gewaltige Wassermassen überfluteten den Bahndamm, der zum Ellenbogen-Leuchtfeuer führt beim alten Rettungshaus und rissen alles mit sich. Eine tiefe Bucht breitet sich bis zum Westleuchtfeuer aus. Die Insassen des Ostleuchtfeuers konnten den Leucht­turm nicht verlassen. Am Hörnumer Bahndamm wur­den fünf Bruchstellen fcstg«. stellt, durch die gewaltige Wassermassen eindringeu, die die Ländercicn und den Süden der Stadt unter Wasser setzen. In Süd-Wester- land ragen die Häuser wie Inseln aus dem Wasser heraus. Neberall ist großer Schaden angerichtet worden.

Die Dörfer Morsn« und Archsum sind durch die Fluten völlig von der Insel abgetrennt. Aus 15 Häu­sern in Morsum nutzten die Bewohner flüchten, da das Wasser in die Häuser drang. Im Orte bildeten sich ab­geschlossene Inseln. Aus Munkmarsch wird berichtet, daß der AusternfischdampferGelbstern" an den Strand geworfen wurde. Die Flut reicht bis zum Hotel Munk­marsch heran. In Wenningstedt sind große Klippab- brüche zu verzeichnen. Ein Eisenbahnzug blieb auf dem Hindenburgdamm stecken, da er nicht gegen den Sturm ankam. Erst nach Eintreffen einer Hilfsmaschine konnte der Zug seine Fahrt mit ganz geringer Geschwindigkeit