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Är. 144 (1. Blatt) Samstag, den 1. Dezember 19X8 80. Aahrg.

Amtliche Bekanntmachunge«.

8a»dratsamt.

Z.-Nr. 10462. In der Gemeinde Ulmbach ist die Zchaf- räude wieder erloschen.

Zchlüchtern, den 28. November 1928.

Der Landrat: Dr. Müller.

I.-Nr. 10526. Der Herr Ureismedizinalrat wird am Dienstag, dem 6. November d. 3s. von 9,30 Uhr ab im hiesigen Kreisläufe Sprechstunden halten.

Schlüchtern, den 29. November 1928.

Der Landrat. 3. D.: Schultheis.

Kreisa « sschu ß«

Der Regierungspräsident. Kassel, den 9. November 1928.

A VI W Nr. 3327.

Betrifft.: Hauszinssteuerhqpothekeu für Brandgefchadigte.

3n einem Einzelfall hat der Herr Minister für volks- wohlfahrt sich dahin geäußert, daß nach den bisher beob­achteten Grundsätzen hauszinsstejuerhqpotheken für Neu­bauten, die als Ersatz für abgebrannte Wohnungen errich­tet werden, ein für allemal nicht gewährt werden, da hierdurch der Wohnraum nicht vermehrt werden würde. Er ist deshalb Sache der Hauseigentümer, sich gegen Brand­schaden ausreichend zu versichern.

gez. Unterschrift.

3.«Rr. 3018 B. Wird veröffentlicht.

Schlächtern, den 24. November 1928.

Der Vorsitzende der Kreisausschusses: Dr. Müller.

Stadt Schlächtern.

Tsmml««g vo« Schuhe« und KLeidungsfLÄF»«.

bei der städtischen Armenverwaltung sprechen täglich arme Wanderer vor mit der Bitte um Gewährung von Schuhen, Strümpfen, Hemden und sonstigen Kleidungsstük- ben. Den berechtigten Wünschen kann wegen Mangels ausreichender Mittel nicht in jedem Falle entsprochen wer­den. Um den armen Menschen, die zum größten Teil die Rat der Zeit auf die Landstraße treibt, einigermaßen zu Wen, haben wir im Rathaus eine Sammelstelle für ab- gelegte aber noch einigermaßen brauchbare Schuhe und Kleibungsftü&e eingerichtet.

Hit die Einwohnerschaft ergeht hiermit die Bitte, abge­legte Schuhe und Kleidungsstücke der Sammelstelle über- wehea zu wollen. Die Erfüllung der Wohlfahrtsaufgaben Stadt wird dadurch erleichtert.

Schlächtern, den 29. November 1928.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Bekanntmachung

Betr.: Unfug bei Polterabende«.

Der Gebrauch, an Polterabenden altes Geschirr und der- gmchen vor und gegen das Haus, in welchem die Festlichkeit Itattfinbet, zu werfen, hat in letzter Zeit die Formen gröb- ncher Ausschreitungen angenommen. Dergestalt stellt sich u .^brauch strafrechtlich als grober Unfug und unter umständen auch als Sachbeschädigung dar.

Die Polizeibeamten haben Anweisung, gegen die Unsitte aller Strenge einzuschreiten. Die Täter solcher Rus= lchreitungen haben strenge polizeiliche Bestrafung zu ge« ©artigen.

Da auch vielfach Schulkinder sich an diesem Unfug be- ^ ergeht hiermit an die Eltern das dringende Er- Kinder bei derartigen Anlässen von der Straße

Schlächtern, den 27. November 1928.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Bekanntmachung.

5ür das städtische Zuchtvieh sucht die Stadt 60 Ztr. Futterhafer zu kaufen.

Angebote unter Beifügung einer probe wollen bis zum ' Dezember d. 3s. an den Magistrat eingereicht werden. -Schlächtern, den 28. November 1928.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Kommunisten fordern den Generalstreik.

. Räch einer Meldung derRoten Fahne" aus Essen hat kommunistischeZentrale Kampfleitung" der ausge= ^Men Metallarbeiter ein Schreiben an den Bezirksaus- bes allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbundes Düs- loors gerichtet, in dem der Generalstreik der Arbeiter ?. rheinischen - westfälischen Industriegebietes gefordert

Sprengung einer volkspartsilichsn Versammlung durch Nationalsozialisten.

Frankfurt a. M. Die Deutsche Volkspartei hatte auf Donnerstag Abend im Börsensaal zu einer öffentlichen Ver­sammlung eingeladen, in der Reichstagsabgeordneter Dr. Tremer-Halle über das ThemaDiktatur oder Parlamenta­rismus" sprechen sollte. Der Führer der volksparteilichen Fraktion der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, Landgrebe, begrüßte die zahlreich Erschienenen der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt und erteilte dem Reichstagsabgeordneten Dr. Tremer das Wort. Aber dieser kam nicht weit in seinen Ausführungen. Schon nach einigen Worten wurden verschiedene Zwischenrufe gemacht, die der Redner zuerst beantwortete, dann aber, als sie sich mehrten und in dem beginnenden Lärm unhörbar wurden, völlig ignorierte. Der Versammlungsleiter bemühte sich, die Zwi­schenrufe einzudämmen und gab bekannt, daß in der Aus­sprache genügend Gelegenheit geboten werde, auch gegentei­lige Ansichten zu Wort kommen zu lassen. Aber er wurde vollkommen von den Nationalsozialisten überschrien, wodurch Dr. Tremer gezwungen war, seine Rede zu unterbrechen.

herbeigerufene Schupobeamte versuchten, öfe Hauptstörer ausfindig zu machen und sie zu veranlassen, den Saal zu räumen. Sie wurden mit Iohlen, Pfeifen, Schreien und Bla­sen empfangen und daran gehindert, ihre Absicht durchzu- führen. Erst einer größeren Abteilung gelang es, einige Störet zu entfernen, die aber den Saal durch einen anderen Eingang wieder betraten und unter ihrer Leitung ging das Pfeifenkonzert wieder von neuem los. Dauernde Zwischen­rufe wieWir wollen kein Parlament, wir wollen eine Diktatur" u. a. wurden laut. Schließlich erreichte der Lärm seinen Höhepunkt, indem Schreckschüsse fielen, mit Stinkbomben geworfen und dasHakenkreuzlied" ange­stimmt wurde. Nun griff auch die Polizei energisch zu, nahm einige Verhaftungen vor, machte dabei auch vom Gummi­knüppel Gebrauch. Aber Fie M^imng und Ruhe war u.^» mehr herzustellen und der Saal mußte geräumt werden, vor der Börse hatten sich Hunderte von Menschen einge­funden und auch vor dem Gebäude derFrankfurter Zei­tung" kam es zu Ansammlungen, die aber nicht in Tätlich­keiten ausarteten. Die Ausführungen des Redners, der im wesentlichen sich zum Parlamentarismus bekannte, aber eine gesunde Kritik verlangte, gingen in dem dauernd herrschenden Lärm fast vollkommen verloren. Alle Beifalls­kundgebungen wurden von den Nationalsozialisten sofort durch pfeifen und Lärmschlagen unterdrückt.

Die KoalMonsvssha?rdlr»ngen vertagt.

Zwischen Regierung und Parteien sollten die am Diens­tag eingeleiteten Verhandlungen über die neue Mehrheits- bildung im Reichstage am Donnerstag fortgesetzt werden. Die angesetzte Besprechung ist aber mit Rücksicht auf den Eisenkonflikt den Blättern zufolge abgesagt und auf einen späteren Termin verschoben worden.

Die Ermittlungsaktis« der Reichsregisrung.

Dervorwärts" gibt eine Meldung des Sozialdemokrati­schen Pressedienstes wieder, in der es heißt:

Am Freitag werden die Vertreter der Unternehmer und die Vertreter der Arbeiter in getrennten Verhandlungen Dorrt Reichskanzler Müller gehört werden, ob sie bereit sind, sich an einer Vermittlungsaktion zu beteiligen, die von einer beiden Parteien genehmen, autoritativen Persönlichkeit aus« geht, und ob sie gewillt sind, deren Entscheidung vorbe­haltlos anzunehmen.

Post und verkürzte Arbeitszeit.

Nachdem die Reichsbahngesellschaft erklärt hat, daß eine Kürzung der Arbeitszeit sie zu Tariferhöhungen nötigen würde, teilt lautV. Z." die Reichspostverwaltung mit, daß die Verkürzung der Arbeitszeit die Einstellung von etwa 15 000 neuen Kräften in den Postbetrieb erfordern würde. Dazu wäre ein Kostenaufwand von etwa 50 Millionen erforderlich. Wenn aber die Post eine gewisse Vorbereitungs- zeit für die Umstellung erhalte, glaube man einen Teil dieser Kosten durch Rationalisierungsmaßnahmen einsparen zu können.

Der Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn teilt mit, daß eine Erhöhung der Tarife nicht unmittelbar be- vorstehe, sondern nur für den Eventualfall, daß die 48ftün= dige Arbeitswoche allgemein eingeführt wird.

Durch den Reichsaußen- und den Reichswehrminister ist dem Reichstag der Gesetzentwurf über das Genfer Proto­koll wegen verbot des Gaskrieges zugegangen. Das Genfer Protokoll ist bereits am 17. 3uni 1925 von dem Bevollmäch­tigten des Deutschen Reichs in Genf unterzeichnet worden. Es betrifft das Verbot der Verwendung von erstickenden, giftigen oder ähnlichen Gasen, sowie von bakteriologischen Mitteln im Kriege.

Der kanadische DampferThied Maquilla" befindet sich in Höchster Seenot.

Aeue Vermittlung im Mrlouslill.

Nach dem Scheitern der Düsseldorfer Verhandlungen. Es wird eine neue Verhandlungsbasis gesucht. Die Reichs­regierung greift ein. Einigung für Anfang nächster Woche?

Die Gewerkschaften über die Arbeitszeitfrage.

Die seitherigen Verhandlungen.

Die Einigungsverhandlungen in Düsseldorf, die auf Veranlassung und unter Leitung des Regierungspräsidenten Bergemann stattfinden, sind bisher erfolglos geblieben. Sie sind deshalb am Mittwoch einstweilen vertagt worden, und zwar auf S a m s t a g.

Wie dazu aus Düsseldorf gemeldet wird, hält Regierungs­präsident Bergemann bei der augenblicklichen Hartnäckigkeit beider Seiten eine Fortführung bet Verhandlungen nicht für zweckmäßig. In welcher Form eine andere Verhandlungsbasis gesucht werden soll, ist noch nicht bekannt.

Nach dieser Meldung wären die Versuche t*§ Düsseldorfer Regierungspräsidenten als gescheitert zu betrachten, und man würde sich heim Wiederzusammentritt der Vertreter aus Unternehmer- und Gewerkschaftskrerfen zunächst darüber schlüssig zu werden haben, ob eine neue Grundlage für eigen Einigungsversuch gesucht werden soll.

Eine Aktion der Reichsregierm^.

Wie aus Berlin gemeldet wird, hat sich im Auftrage des preußischen Wohlfahrtsministers Ministerialsrat Wutels- Höfer nach Düsseldorf begeben.

Der BerlinerVorwärts" berichtet, die Reich^regiermrg beabsichtige, im Eisenkonflikt eine neue VerMittlougsaktio« m die Wege zu leiten. Eine Persönlichkeit von möglichst großer, Autorität soll im Auftrage der Reichsregierung den Versuch unternehmen, den Eisenkonflikt beizulegen.

In unterrichteten Kreisen Essens ist man bezüglich einer derartigen Vermittlungsaktion optimistisch. Man hofft auf eine Verständigung für Anfang nächster Woche.

Ei» interministerieller Ausschuß.

In Verfolg des Kabinettsbeschlusses hat sich ein inter- mimfter Ater Ausschuß in das Ruhrgebiet begeben, um die Frage der g. mündlichen Unterstützungen und ihr Verhältnis zu den Löhnen zu prüfen. In dem Ausschuß sind das Reichs- arbeits-, das Reichswirtschafts- und das Reichsfinanz- minifiettum vertreten. Der Ausschuß hat ausschließlich die Aufgabe, in Besprechungen mit den Gemeinden sestzustelleir, inwiefern die Unterstützungsfrage zu klären ist. Er wird also mit etwaigen Vermittlungsverhandlungen nicht besaßt werden.

Wie hierzu noch gemeldet wird, wird sich das Reichs- kabinett zusammen mit den am Eisenstreit beteiligten Parteien erneut mit der Frage beschäftigen, wie eine Beilegung des Streiks in der Eisenindustrie zu ermöglichen ist.

Eine Erklärung der Gewerkschaften.

Im Zusammenhang mit der erneuten Vertagung der Einigungsverhandlnngen beim Düsseldorfer Regierungspräsi­denten ist u. a. die Nachricht verbreitet worden, daß sich die drei Metallarbeiterverbände am Donnerstag in gemeinsamer Sitzung mit der augenblicklichen Lage und auch mit der Frag« der Kündigung des Arbeitszeitabkommens befaßt hätten. Dem­gegenüber wird von Gewerkschaftsseite darauf hingewiesen, daß eine solche gemeinsame Beratung bisher nicht in Aussicht genommen sei und daß sich überdies "sowohl die Geiverkschafts- Vertreter als auch die Arbeitgeber bereits zu Beginn der Eini- gungsverhandlungen mit der Einbeziehung der Arbeitszeit- frage in die Verhandlungen einverstanden erklärt hätten, daß also die Erörterung der Arbeitszeitfrage auch anläßlich des vorgesehenen Kündigungstermins nicht besonders akut sei.

Im übrigen wird erneut betont, daß von alle« au bett Verhandlungen Beteiligten über den Gang der Ver­handlungen Schiveigepflicht übernommen worden sei und daß alle über die amtlichen Mitteilung hinausgehendc« Mitteilungen mehr oder weniger auf Kombination«« beruhe«.

Von anderer Gewerkschaftsseite verlautet, daß sich der BundesauSschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerrschasts- bundes voraussichtlich bereits am Freitag mit der durch die Aussperrung geschaffenen Lage und den möglicherweise zu treffenden Maßnahmen beschäftigen wird. Daran geknüpfte Gerüchte, daß hierbei auch die Frage einer allgemeinen- Wehrbewegung gegen die Forderungen der Arbeitgeber und sogar eines Generalstreiks entschieden werden solle, dürften zumindest den Tatsachen vorauseilen.

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Der Schiedsspruch für Hagen-Schwelm.

Bei den Verhandlungen über die Lohntarifstreftigkeits« im Bezirk des nördlichen Arbeitgeberverbandes in Hagen- Schwelm wurde, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, im Einverständnis beider Parteien ein neues Schlichtungs­verfahren eingeleitet, das einen Schiedsspruch zum Ergebnis hatte, der das bisherige Lohnabkommen ab L 12. 1928 mit der Maßnahme wieder in Kraft setzt, daß sich der Spitzenlich« auf 82 Pfg. erhöht.

Die Arbeitnehmer haben den Schiedsspruch angenommen und eine Verbindlichkeitserklärung beantragt. Die Arbeitgeber haben den Schiedsspruch abgelehnt, jedoch hat der Arbeitgeber