M. 150
(1. Blatt)
Samstag, den 15. Dezember 1928
80. Fahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
Kreisausschuß.
I.-Nr. 5627 K. A. Um Sonntag, den 16. d. Mts. nachmittags 2Va Uhr findet im Hotel Stern zu $6lüd)tern eine Versammlung zwecks Gründung eines Wntierzuchtvereins, welcher zur Förderung der Klein- lierzucht, insbesondere der Nutzgeflügelzucht dienen soll, tatt.
Tagesordnung:
1. Begrüßungsansprache durch den Unterzeichneten.
2. Vertrag des Herrn Dr. Filier aus Buchenau über „Die Förderung der Geflügelzucht".
5. Aussprache über die Gründung einer Lieroerwertungs- genossenschaft für die Kreise Schlüchtern und Geln- Hausen.
Die Geflügelzüchter und übrigen Kleintierzüchter des Kreise; sowie Freunde der Kleintierzucht werden zu dieser Versammlung eingeladen.
Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, auf diese Bekanntmachung in ortsüblicher Weise aufmerksam zu machen.
Schlächtern, den 14. Dezember 1928.
Der Landrat: Dr. Müller.
I.-Nr. 5405 K. A. Nachdem die Standesregister und For- Mlare Ur 1929 hier eingegangen sind, ersuche ich die Herren Standesbeamten des Kreises dieselben umgehend im flreirausschußbiüro hierselbst abholen zu lassen. Bei der Abholung find gleichzeitig die Kosten für die alphabetischen Register einzuzahlen. Dieselben betragen für:
Standesamt: Nüchtern Sdmünfter Bei Laden Stetnau 6m Dundbelm Babeuf) hbUeffteinau BobenjeH Butten
Standesamt:
-.90 Rm.
Neuengronau
2.05 RIH.
1.55
Dberkalbach
-.60
-.70
Gberzell
* - • -
-.90
llnmclhnr
H
-.60
Sonnet)
1.20
-.60
Schwarzenfels
1.05
—.60
Sterbfritz
-.80
-.60
Ulmbach
1.70
1.20
Uttrichshausen
-.60
-.60
vollmerz
-.60
-.70
Wallroth
-.80
2.05
Zuntersbach
-.60
Die Kosten fallen den Gemeinden des betreffenden 5tan- drramtsbezirk zur Last.
Schlüchtern, den 12. Dezember 1928.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
Tevering über seine Verhandlungen.
taut „B. T." erklärte Reichsminifter Seoering in einer Unterredung, daß die jetzigen Besprechungen in Düffeldorf hauptsächlich informatorischen Tharakter hätten, um die gereichten brieflichen Unterlagen beider Parteien durch kme mündliche Aussprache zu ergänzen. Nach der jetzigen Sachlage werde unter allen Umständen ein Schiedsspruch ^allt werden; Entscheidungen werden jedoch nicht in vüs- ^varf, sondern in Berlin erfolgen. Seoering gedenkt am -ennabenb wieder zurückzureißen. Zu den gestrigen Se- '.orechungen teilt das Blatt mit, daß im Gegensatz zu den ^u'^ren Verbandlungen diesmal die Frage des Urbeits- ^kabkommens, das von den Arbeitgebern bekanntlich ge« ^ölgt worden ist, in die Erörterungen einbezogen wurde.
wird der Minister eine Reihe von Werken be« sitzen. Infolgedessen sind die Besprechungen mit den !^"ern der Arbeitgeber auf Sonnabend vormittag verschoben worden.
. ~ Ein in Weh wohnender polnischer Arbeiter hat in "Hfln Man von Geistergestörtheit seine Frau und feine etben Kinder, ferner einen Geschäftsmann und dessen Frau Sorbet und dann Selbstmord begangen.
, Der Enphusepidemie in Lyon sind bis jeßt 80 Per« ^en zum Opfer gefallen. Die Gesamtzahl der angemel- ^ Zölle beträgt jetzt 2308.
a Fum Bundes Präsidenten der Schweiz wählte am Reistag die vereinigte Bundesversammlung (National- iat und Ständern!) mit 178 von 182 gültigen Stimmen R<Wnt9f^ Vizepräsidenten des Bundesrates, Dr.
Auf der Zeche Danbaum in Laer bei Bochum oer- glückten Mittwoch im unterirdischen Betriebe die Berg« .ute Lohmann und Wilde aus Laer. Lobmann ist tot, ' ^ schwer verletzt. . .
- Auf dem Seetzsee bei Brandenburg ereignete sich $Mfsungfluch. Ein Meßschitt, das mit 6 Personen >nnt toatr, stieß gegen ein Ponton und wurde leck. ^ Insassen stürzten ins Wasser, während vier gerettet konnten, sind ein Wasserbauingenieur und ein Ar« °^" ertrunken.
Die Räumungsfrage in Lugano.
Zu der zweiten Unterredung zwischen dem deutschen Außen- minister Stresemann und seinem französischen Kollegen Briand in Lugano bringen die ausführlichen Kommentare der Pariser Presse übereinstimmend zum Ausdruck, daß die Besprechung einen sehr günstigen Eindruck gemacht habe. Im „Echo be Paris" schreibt der bekannte französische Journalist P e r t i n a ^ , der der Unterhaltung entscheidend« Bedeutung beintißt, daß sich die französische These über die räumung merklich gemildert habe.
Rheinland-
Wenn Stresemann ein wenig guten Willen zeige, werde Ende der Woche bekannt gegeben werden, daß die interessierten Regierungen in den im Dezember begonnenen Verhandlungen einen Schritt weiter gekommen seien.
Während Briand in Paris öfters erklärt habe, daß die eigentlichen Besprechungen über die Rheinlandräumuno nicht vor Beendigung der Arbeiten des Sachverständigen-Ausschusses eröffnet Werten konnten, scheine er jetzt zugegeben zu haben, daß, Wenn die Sachverständigen erst einmal zusammengetreten seien, auch die Verhandlungen über die Räumung beginnen könnten. So würden die Verhandlungen über die Reparationen und über die Räumung nicht mehr nacheinander, sondern nebeneinander laufen und die Teutschen könnten ihren Lohn erhalten, sobald das Reparationsabkommen unterzeichnet sei. Pertinax habe den Eindruck, daß das Entgegenkommen Briands geeignet sei, früher oder später eine allgemeine Verständigung zu sichern.
der Feststellungs- und Bersöhnungskommrfsion und der Rhein- landräumung den Gegenstand der Unterhaltung gebUdet hab« und schreibt, es sei offenbar, daß es sich nicht dar»» Handel« könnte, endgültige Entscheidungen zu treffen, sondern darum, für die Zukunft gemeinsam die verschiedenen Möglichkeiten des Kompromisses abzuwägen. Die neue Unterhaltung sei im Geiste vollkommener Freundschaft verlaufen. Der unangenehme Eindruck der letzten Tage sei verwischt. Die Entspannung sei vollständig, und man sei fast wieder zu dem Geist von Locarno zurückgekehrt.
Ter Luganoer Berichterstatter des „Daily ©eralb" berichtet fiter die Besprechung aus Grund einer, wie er sagt, ausgezeichneten Quelle, daß Dr. Stresemann sowohl bon Briand wie Sir Allsten Chamberlain einen Hinweis erhalten habe, daß es an ihm liege, bestimmte Vorschläge für die Rheinland- räumung zu machen, die sich jedoch nicht auf die deutsche Rechts-
I
ausleaung des Artikels 431 stützen dürften. Dr. Stresemann habe diese Vorschläge ausgearbeitet und sie gestern mit Briand , erörtert, aber eine Einigung fei formell nicht zustande gekommen.
Der Reichskanzler fordert Räumung.
Bei einem Empfangs«bcnd des Vereins Berliner Presse hielt Reichskanzler Müller eine große politische Rede. Er sagte darin über die Räumungsfrage u. a.:
So uneinig das deutsch« Volk sonst in seinen politisch«« Auffassungen ist, so einig ist es in tem einen Punkt ter Forderung ter Räumung ter besetzten Gebiete. D«r Ausgangspunkt für diese Forderung ist und bleibt der Rechtsstandpunkt. Die Forderung der Räumung ist aber gleichzeitig ein Politikum allerersten RaugeS. Wir sind dem Völkerbund beige treten. Mit ter Idee ter Gleichberechtigung verträgt sich aber die Fortdauer ter Besetzung nicht. Die Besetzung, die nach tem $er« sailler Vertrag zeitlich begrenzt ist, ist sein Sicherheitspfand. Außerdem ist dir Entwaffnung Deutschlands anerkannt. Die Besetzung ist auch kein Leistungspfand. Nach tem Bersailler Bertrag wird sie im Jahre 1935 auch für die 3. Zone entert. Im Nebligen hat ter Dawesplan bisher funktioniert. Der Rrparationsagcnt bestätigt das von Bericht zu Bericht öffentlich.
Der Reichskanzler erinnerte sodann an die Kundgebungen aus dem besetzten Gebiet, in denen die ReichSregie- rung ersucht toerte, ja feine neuen Lasten zu übernehmen für die Befreiung. Die Bevölkerung ter besetzten Gebiete will ausharren, wenn das notwendig sein sollte. Nicht aus Gründen der inneren Politik, sondern aus denen der äußeren Politik fordern wir die Räumung.
Die vtrenzen im Westen sind durch die LoearnovertrSg« garantiert. Auch daraus muß als Konsequenz gezogen Wetten, daß endlich Rhein und Saar befreit werden. Die Saarbevölkerung ist kerndeutsch. Wenn wir die Befreiung dieser Gebiet« von der Fremdherrschaft fordern, so nicht zuletzt deshalb, weil damit auch die Zwischenfälle auSgefchaltet Werten, die immer wieder dazu beitragen, daß alte Wunden auf. gerissen werden.
Der Reichskanster sprach sodann über die Anschluß- frage. Die Oeswrreicher seien so gut Deutsche, wie die Bretonen Franzosen seien. Der Anschluß fei eine Frage bei SelbstbestimmungsrechtS ter Völker.
Das Pariser Echo.
Die Kanzlerrede wird von den Pariser Blättern ausführlich wiedergegeben und besprochen. Die Kommentar« lauten ungünstig. Es macht sich darin ein Unwille gegen die „unzeitgemäße" Rede Müllers breit.
Bon Argus.
Die Verhandlungen über die Umbildung der Reichsregierung ruhen. Sie werden wcchl auch in die- fern Jahre nicht mehr ausgenommen werden. Mau will in Abwesenheit des Reichsaußenministers die heikle Frage nicht mehr aufgreifen und, da nach seiner Rückkehr aus Lugano die Weihnachtsfeiertag« vor der Türe stehen, bis nach den Ferien damit warten. Das ist gut so. Denn schon verschiedentlich brächte uns die Weihnachtszeit eine Regierungskrise im Reich. Wir haben dieses Jahr keinerlei Sehnsucht nach einer solchen.
Der Völkerbundsrat wäre also glücklich wieder einmal versammelt. Ausnahmsweise in Lugano statt wie üblich in Genf. Wichtiger als die eigentlichen Ratsverhand» lungen sind die Besprechungen der Außenmini. st e r. Brmnd sprach erst mit Stresemann, dann mit Cham. berlain. Hierauf unterhielten sie sich zu dreien. Die zahlreich anwesenden Journalisten spitzen die Ohren. Trotzdem hören sie nichts, da die Unterredungen unter „Ausschluß der Oeffent- lichkeit" in den Hotelgemächern staltfinden. Wenn man nichts Hort, kombiniert man. Wozu ist man denn nach Lugano geschickt worden? So kommt es, daß über diese vertraulichen Aussprachen allerhand berichtet wird, was niemand kontrol- lieren kann. Denn was wirklich geredet wurde, wissen nur die Männer, die die Gespräche geführt haben. Und die sagen nichts. Was man weiß, ist nur das Thema der Unter- Haltung: Räumung, Reparationen, Abrüstung. Es sind die gleichen Fragen, die nun schon seit Jahr und Tag die Poli- lisch« Auseinandersetzung zwischen Deutschland und den Ententemächten — insbesondere Frankreich — beherrschen. Man kann in den zwanglosen Unterhaltungen der Außenminister natürlich keine bindenden Abmachungen über irgend eines Dieser schwierigen Probleme treffen. (Schon weil zu solchen Abmachungen auch noch andere Leute reden wollen, die jetzt nicht in Lugano sind!) Es ist daher auch ganz verkehrt, von diesen Besprechungen bestimmte, ins einzelne gehende Er- gebniste zu erhoffen. Sie können Höchsiens die Atmosphäre für die eigentlichen Verhandlungen reinigen. Was uns brin»
^ami-it treten ChamberlaiuS und Briands stark mit Spannung a«gefüllt worden war.
Ja der Reparai:ci!. frage selbst ist bezüglich der kommenden Verhandlungen inzwischen eine Einiaung unter den Enteuwmächien hmgestell: mosten. Poincare har bann den deutschen Botschafter in Paris zu sich gebeten, um ihm erneut den Ltandpunkr Frankreichs gegenüber der bevorstehenden Sachverftändigenkonferenz auseinanderzusetzen. Der fran# höfische Standpunk ist, wie erwähnt, jetzt auch der StandpunV der übrigen Ententemächte. Man will den deutschen Vorschlag, daß tet bevorstehende Konferenz eine solche unabhängiger wirtschaftlicher Sachverständiger sein soll, anerkennen. Damit ist »i»e der Differenzen zwischen der deutschen und der seit- Herzen französischen Auffassung aus dem Wege geräumt. Aber nur eine^ Ob es auch gelingt, über die weitere Streitfrage, nämlich über Aufgabenkreis und Kompetenz des Sachverstäa- digenausschusses eme Uebereinstimmung zu erzielen, muß ab- gewartet werde«. Einer «der haben die bisherigen Ver- Handtungen «ü> Vu^niu^i^^ te..uW gezeigt: in der RaumungSfrag« sieh: sich Deutschland einer Einheitsfront der Entente
Einheitsfront der Entente gegenüber. Keiner der Entente- traten anerkerm: Deutschlands Auffassung, daß es auf Grund des Bersailler Vertrages «in Recht habe,' die voreilige Räu- mung zu verlangen. So werden die Räumunasverhanbinngen besonders schwierig werden. ' " ' * ***
n
Der ewige polnisch-litauische Konflik hat totster einmal den Bölkerbundsrat beschäftigt. Lange Reden des lttauischen Ministerpräsidenten, Erwiderungen des polnischen Außerrministers, daraus irgend ein Berlegenheitsbeschluß, der nicht Fisch, nicht Fleisch ist . . . man kennt dieses Schauspiel nun zur Genüge.' BiS jetzt ist man damit auch ausgekommen. Aber einmal muß diese Methode schließlich doch versagen. Und wviel ist sicher: In dem Streit zwischen Bolivien und Paraguay wird man sie nicht anwerrden können. Denn dabei handelt eS sich um einen überaus ernsten Konflikt und — wenigstens was Bolivien anlangt — um eine Bevölkerung, die augenscheinlich noch leichter 'geneigt ist, die Flinten und die Kanonen losgehen zu lassen als das in Polen und Litauen der Fall ist. Die beiden südamerikanischen Staaten baten Streit miteinander wegen eines Landstreifens an ihrer gemeinsamen Grenze, auf den beide Länder Anspruch machen. Man hat darüber schon seit Jahren verhandelt, aber jetzt, da man angeblich Petroleumquellen in dem umstrittenen (tiebiet eindeckt hat, ist der Konflikt in ein akutes Stadium getreten. Truppen aus Paraguay anten ein bolivianisches Fort Überfällen. Es hat Tote und Verwundete gegeben. Die bolivianische tRegierung hat daraufhin die diplomatischen Be- Gehungert zu Paraguay abgebrochen und den Gesandten dieses Staates nach Hause geschickt. In Bolivien — es ist der grö- ßere, bester organisierte und daher mächtigere der beiden Staaten — herrscht zurzeit Heller Kriegstauniel. Nun hat der Bölkerbundsrat ein Telegramm an beide Regierungen geschickt, die Difstrettzen friedlich beizulegen. Ob es etwas nutzen wird? Aus jeten Fall bedeutet dieser Konflikt einen Prüfstein für den Völkerbund. Gelingt es ihm nicht, einen Krieg zwischen den beiden südamerikanischen Staaten zu verhüten, so würde daS das Ansehen deS BundeS inxifeltoS außerordentlich schädigen. Denn beide Staaten sind Mitglieder des BundeS, wenn sie auch, wie aus Lugano ge- meltet wird, schon seit einigen Jahren — keine Beiträge mehr bezahlt haben. Man darf der weiteren Entwicklung dieser Sache mit einiger Spannung «lUgegensehen.