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Rt 154
(1. Blatt)
Dienstag, den 25. Dezember 1928
80. Jahrg.
Xmlllche Bekanntmachungen.
»«ndratsamt.
3,=nr. 11057. Die durch meine Verfügung vom 6. Au= jiijt d. 3$. I.-Nr. 6776 - Kreisamtsblatt Nr. 95 - für m Landweg Schlichtern - Hohenzell angeordnete Sperre st Kraftfahrzeuge über 5,5 Tonnen Gesamtgewicht wird mit sofortiger Wirkung hiermit wieder aufgehoben. Schlüchtern, den 20. Dezember 1928.
Der Landrat: Dr. Müller.
Sofern einzelne Gemeinden des Kreises die Erträgnisse in Sammlung für ein Taubstummenheim der Provinz jchen-Nassau noch nicht hierher abgeliesert haben sollten, rfudje ich dies umgehend nachzuholen. (Ueberweisung st das Konto Nr. 264 bei der Kreissparkasse Schlüchtern - Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 12230 - vergl. Imdschreiben vom 18. April 1928 — Nr. 2860 und Kreis« last Nr. 49 von 1928).
Lchlüchtern, den 21. Dezember 1928.
Der Landrat. 3. v.: Schultheis.
Kreisausschuß.
3,-Hr. 5793 K. A. Gemäß § 82 der Kreisordnung und 24 der Geschäftsordnung zum Kreistag wird hiermit der Inhalt der Beschlüsse des Kreistages vom 17. Dezember 928 zur allgemeinen Kenntnis gebracht.
Beschlüsse:
1. Per Kreistag nahm von dem Stand des Krankenhaus« mbaues in Eckardroth Kenntnis und bewilligte die zur Inneneinrichtung nacherbetenen Mittel mit 5500 K^
2. Nachdem bekannt gegeben war, daß auf die früher willigten Darlehen von im Ganzen 653 000 gut nur 86 400 gut für die damals näher bezeichneten Zwecke nfgenommen und verwendet worden sind und somit noch *«^ Verfügung stehen, beschloß der Kreistag >5 llnleihebewilligung zurückzuziehen, jedoch nur soweit, 6er für Altwohnungen ausgeworfene Krebit von 100000 w voll zur Aufnahme und Verwendung gelangt. Da »eitr 20 000 gut für diesen Zweck verwandt sind, werden «3U noch 80 000 9Ut benötigt. Der Krebit gilt daher ' W von 186 600 gut als zurückgezogen.
3- Anstelle des Schöffen 3fft in Niederzell wurde der anbrairt Kaspar Lang und anstelle des Iohann Georg *pp in Schwarze nfels der Bürgermeister Maienschein " bchwarzenfels gewählt. Die übrigen Vertrauensmänner *r Auswahl der Schöffen und Geschworenen wurden für ^ wiedergewählt.
a) Der Kostenanschlag für die laufende Unterhaltung er Landwege im Jahre 1929 würbe auf den Betrag von 3000 gut festgesetzt,
6ie Wetterführung der Pfasterung auf der Bahnhöfen Schlüchtern,
0 bie Wetterführung der Pflasterung auf dem Landweg m boden-Salmünster, t
öie Pflasterung eines Wegestücks auf dem Landweg WHreunings,
\ bre Herstellung einer Gberflächenteerung auf dem °^weg Jossa—Altengronau—Zeitlofs wurde beschlossen. Msichtltch der Pflasterung auf dem Landweg Bad So« ^dalmünster stellte' der Kreistag die Bedingung, daß ^tadt Salmünster statt der bisher zugesagten 750 JUC ? Larzuschuß von 1500 gUt leistet. .
n«xtj Deckung der außerordentlichen Wegetn« Mungskosten (Punkt 4 b—e) wurde beschlossen, eine W bis zu 60 000 gut aufzunehmen und Zinsen und aus laufenden Mitteln zu decken.
Mit Rücksicht darauf, daß nach dem inzwischen be- ?n gewordenen Beschlusse des preußischen Landtages Erhebung der nach den §§ 10 und W des Gesetzt l3 0- 1919 erstmalig am 1. Januar 1929 fälligen ecwerbsteuer auf einen späteren Termin festgelegt > wurde die Beschlußfassung über die Erhebung eines ^ħ zi>^ ueser Steuer zurückgestellt.
?e vorgelegte neue Desinfektionsordnung wurde un« angenommen.
g';.^ vom Kreisausschutz über die Errichtung einer z.g e^e ber Kreissparkasse in Steinau norgetragene Refo« ijQ ®urbe angenommen und der Vertragsentwurf mit
9 "Änderungen genehmigt. . m
^rKreisau*k dem die Kreistagsmitglieber weg. C ^^mmig und Blum mit beratender Stimme beige« t ^^^"' wurde ermächtigt, unter Berücksichtigung L Elstag erörterten Gesichtspunkte über die Betet« nA^s Kreises an der Finanzierung einer von der tLS^ in Frankfurt a. M. in Sterbfritz zu v»?^ Schuhfabrik mit der vorgenannten Firma weiter U ebeln und geeignetenfalls einen v-rtrag abzu- W ^r diesen Fall wurde die Aufnahme und wer- emer Anleihe’ von 100 000 3Ut nach dem Vor
schlag des Kreisausschusses genehmigt. Dem zwischen Kreis« ausschuh und Kreissparkasse Fulda getroffenen Abkommen über die Leistung eines Zinszuschusses wurde zugestimmt.
10. Der Kreisausschuß wurde ermächtigt, einen Kraftwagen zur Beförderung der städtischen Motorspritze zu beschaffen und in Betrieb zu stellen. Die Kosten bis zum Betrage von 6 000 gut wurden bewilligt. Soweit sie nicht durch Beihilfen der Brandversicherungsanstalt gedeckt werden, sollen sie durch Etatsmittel — auf mehrere Iahre verteilt — zur Deckung kommen.
Der Kreischauffeur und der Krankenwärter sollen den Spritzentransportwagen bedienen, letzterer soll noch als Thauffeur ausgebildet werden.
11. 3n das Kreisjugendamt wurden wiedergewählt:
Lehrer Sachs, Altengronau,
Lehrer Romeifer, Steinau,
Bürgermeister Rabke, Bad Soden, Bürgermeister Hagemann, Hütten.
12. In die Hebammenstelle wurden gewählt:
Frau Andreas Ley, Schlüchtern,
Frau Gregor Nuppel, Bad Soben,
Frau K. Jestädt, Salmünster,
Frau Wegmann, Röhrigshof.
Schlüchtern, den 21. 12. 1928.
Der Landrat: Dr. Müller.
I.°Nr. 5712 K. A. Dem Holzbildhauer Josef Wolf ün Bald Sbben bei Salmünster wurde anlätzlich seines 25 jährigen Arbeitsjubiläums bei der Firma Seb. Herbst in Bad Soden eine Prämie von 25 5UI aus Kreismjftteln bewilligt.
Schlüchtern, den 19. Dezember 1928.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
I.,Nx. 5703 K. A. Dem. Arbeiiter Ferdinand Stein M Herolz wurde anläßlich seines 25 jährigen ArkeitsMilä- ums bei der Firma Viktor Wolf hier, eine Prämie von 25 gÜt bewilligt.
Schlüchtern, den 19. Dezember 1928.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
I.-Nr. 13266 F.
Unentgeltliche Sprechtage fHr Sprachgestörte in
der Landestaubstummenanstalt in Homberg
durch den Facharzt für Sprachstörungen, Herrn Dr. med. Hoepsner in Kassel, finden in nächster Zeit wie folgt statt:
Sonnabend, den 5. Januar 1929
, , , 2. Februar ,
„ , w 2. März *
„ , „ 6. April
w r » 4. Mal „
, , , 1. Juni ,
Sprachgestörte, die die Beratung des Facharztes in Anspruch nehmen wollen, werden ersucht, dieses spätestens 3 Wochen vor dem Sprechtag dem Kreiswohlfahrtsamt mitzuteilen unter Angabe von Namen, Wohnort und Geburtstag, ferner zu welchem Sprechtag sie sich in Homberg einfinden werden.
Schlüchtern, den 20. Dezvember 1928.
Kreiswohlfahrtsamt. Dr. Müller.
Politische Weihnachtsruhe.
Das Reichskabinett hat seine Beratungen bis nach Neujahr vertagt.
Laut Montagpost verbringt Neichspräsident Hindenburg die Feiertage in Berlin im Kreise seiner Familie. Ebenso bleiben Neichskanzler Hermann Müller, Neichsaußenmini- ster Dr. Sresemann und die meisten Mitglieder der Re= gierung die Feiertage über in Berlin.
Die politische Ferienruhe wird bis zum Iahrenbeginn dauern, dann will das Kabinett zunächst an die Verabschiedung des Reichsetats für 1929 gehen, der spätestens anfangs Februar vom Reichsrat dem Reichstag zugeleitet werden muß.
— Auf dem italienischen Unterseeboot H. 2 ereignete sich eine schwere Explosion, durch die zwei Unteroffiziere getötet und einer verletzt wurde. Der entstandene Brand konnte gegen Abend gelöscht werden.
— In Konstantinopel sind 14 Personen wegen reaktionärer Bestrebungen auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft verhaftet worden. Auch in Brussa sind Verhaftungen erfolgt. Man spricht von insgesamt 50 Personen.
— In einer Gastwirtschaft in Berlin gerieten die Gäste in Streit mit einer besonders bissigen Bulldogge. Nachdem vier Männer schwere Bißwunden erlitten und die Herbei- gerufene Polizei sich vergeblich bemüht hatte, das Tier mit Gummiknüppeln zu überwältigen, mußte die Bestie erschossen werden.
politische Aeihnachlsgedanken.
Politik und Weihnacht — das will nicht recht zusammenstimmen!
Denn Weihnacht ist F r i e d e. Politik aber ist Kampf. Kampf der Geister. Kampf um Macht, Einfluß und Geltung. Zwischen einzelnen Völkern, oder im eigenen Volk.
Und so wird man immer einen Gegensatz empfinden zwischen dem friedenkündenden Engelsgruß der Heiligen Nacht und der politischen Unrast des Tages . . .
Das deutsche Volk fühlt diesen Gegensatz jetzt besonders schwer. Denn es blickt nun auf einen Leidensweg von 10 Jahren zurück, auf dem es der Kämpfe, der Sorgen und Nöte so viele waren, daß es oftmals schien, es gäbe keine Rettung mehr. Sondern es bliebe nur mehr Verzweiflung übrig und dumpfe Resignation.
Was war das doch für eine Weihnacht vor zehn Jahren! Denkt Ihr noch daran, daß damals der Bau des Deutschen Reiches in seinen Grundfesten wankte, daß niemand wissen konnte, ob Frankreich fein letztes und größtes Kriegsziel: die Zertrümmerung der staatlichen Einheit des deutschen Volkes nicht doch noch erreichen werde? Denkt Ihr noch an die Trostlosigkeit jener ersten Nachkriegsweihnacht, die so gar keine Festesfreude aufkommen lassen wollte, weil Unruhen und Hunger und Grippe im Lande herrschten?
Zehn Jahre sind seitdem vergangen. Viele haben die Not jener Tage wohl schon vergessen. So raschlebig ist unsere Zeit.' Aber wenn man ermessen will, ob es inzwischen vor- wärts gegangen ist, muß man sich wieder daran erinnern. Und dann wird man sagen: jawohl, wir sind voran gekommen. Noch ist nicht alles erreicht, aber wir haben unsere staatliche Einheit erhalten, und auch die Weltpolitik muß wieder mit uns rechnen. Deutschland steht anders und besser da, als in jenen trüben Tagen.
Eines aber brennt auch heute noch wie eine heiß« Wunde: noch immer stehen fremde Truppen tut Rheinland, in Rheinhessen, in der Pfalz unb im badischen Bezirk Kehl! Ihre Bajonette wollen schlecht passen zur Friedensbotschaft der Weihnacht. Wird es gelingen, durch die.bevorstehenden Verhandlungen eine Ab- -Mr^g der Be : uoch bis zum Jahre 1935 bau ein soll, zu erreichen? Das Weihnachtsfest heißt uns hoffen!
Noch eine andere schwere Not: die Kriegseutschä- d ig u ng s z a h lu nge n an die Entente drohen, die deutsche Volkswirtschaft, die sich gerade von dem furchtbare« Aderlaß der Kriegs- und Jnflationsjahre zu erholen begann, M, erdrücken. Wird man eine vernünftige Lösung dieser Frage sinken?' Wird man sie finden wollen? Es wird sich bald zeigen . . .
Auch draußen in der Welt fehlt es nicht an Kämpfen unb Sorgen. Daß es gelungen ist, den drohenden Krieg in Südamerika gewissermaßen im Keime zu ersticken, mag den Glauben an die Kraft der Wechnachtsbotschaft vom Frieden für die Menschen, die guten Willens sind, in uns stärken! Aber da sind noch die Kampfe in Arabien und in A f g h a n i st a n. Immer tvicder bleibt ein Rest menschlicher Unvollkommenheit. Weil ja nicht alle Menschen „guten Willens" sind!
So tönt auch in diesem Jahre wieder der wurrdervoll« Engelsgruß der geweihten Nacht hinunter auf eine kampf- erfüHte Welt. Wer es jemals anders haben will, fange bei sich selber an. Der Geist schafft sich den Körper — schafft sich auch die Welt. Lastet den Weihnachtsgeist der Bruder- und Menschenliebe hinausdringen in die Welt. Und die WÄt wird d^fer werden! Auch die viel gescholtene politische WÄtl
Lastet uns mit diesem Borsatze das schöne WeihnachtSßM degehen. Im frohen Glauben an die guten Geister der Dten- schen und im Menschen. Und in der Zuversicht, die der warme, heimelige Glanz der ChristbaumkeMN in der rauhen Winternacht versinnbildlicht: daß auf dunkle Nacht 'leuchterrder Tag, auf den Kampf der Friede folgt! >
Frohe Weihnächte»!
— Die deutsche Botschaft in Paris hat beim französischen Außenmintsterium gegen die Sprache mehrerer Pariser Blätter, die eine moralische Mitschuld Deutschlands bei dem Attentat auf Fachot zu konstruieren versuchten, Protest eingelegt.
— In Berlin gab es Sonntag nachmittag einen Streit zwischen Kauflustigen und Thristbaumhändlern, weil letztere zu hohe preise forderten. Schließlich fielen Hunderte, wie auf Kommando, über die Tannenbäume her und raubten nicht weniger als 450 Stück.
- — Der dänische Dampfer „Iberia" hat das italienische Segelschiff „Fortunata" auf hoher See ohne Mannschaft angetroffen und nach Hyere geschleppt. Nach dem Schicksal der Mannschaft wird seither geforscht.
Sonntag früh entstand in der Porzellanfabrik Win- terlin in Kirchenlamitz (Dberfranken) ein Großfeuer. Die gesamten Hochofenanlagen, die Maschinenhalle und die Formeranlagen sind zerstört worden. Der angerichtete Schaden ist außerordentlich groß.
— Die Brandkatastrophe in der Schönleinstraße in Berlin hat jetzt ein viertes Todesopfer gefordert. Die 22= jährige Arbeiterin Erna Spielberg, die durch Stichflammen schwere Brandwunden erlitten hatte, ist heute diesen Verletzungen im Urbankrankenhaus erlegen.