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gtr. 4 (1. Blatt) Dienstag, den 8. Januar 1929 81. Jahrg.
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Amtliche Bekanntmachungen. ;
Landratsamt.
I.-Nr. 3. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Fleischbeschauer und Trichmenschauer und die in der Fleisch- beschau tätigen Tierärzte zu einer dienstlichen Versammlung aus Sonntag, den 13. Januar d. 3s. 15 Uhr (nachmittags 3 Uhr) in das hiesige Ureishaus (Kreis- tagssaal) zu laden.
Zu dieser Versammlung haben die Beschauer die abgeschlossenen Tagebücher, die Beihefte und die Jahre s z u s a m m e n st e l l u n g e n der Ergebnisse der Schlachtvieh- und Fleischbeschau für 1928, sofern sie diese noch nicht eingesandt haben, mitzubringen.
Schlüchtern, den 4. Januar 1929.
Der Landrat: Dr. Müller.
I.-Nr. 1951 V. (Es ist in letzter Zeit wiederholt die Wahrnehmung gemacht worden, daß die von der Landesversicherungsanstalt zu Kassel in die Heilstätten eingewiepnen Kranken an dem hierfür bestimmten Aufnahmetag in der fraglichen Heilstätte nicht eingetroffen sind. Es ist für eine reibungslose Geschäftsabwicklung einer Heilstätte un= bedingt erforderlich, daß die Patienten an dem für die Aufnahme bestimmten Tage in der Heilstätte eintr"ffen.
Ich ersuche daher, die Herren Bürgermeister in solchen Fällen, in denen ein Patient aus irgendwelchen Gründen an dem! bestimmten Tage in der fraglichen Heilstätte nicht eintreffen Kann, diese unter Angabe des späteren Lintrefftages möglichst frühzeitig davon zu benachrichtigen, damit über das freigehaltene Bett anderweit verfügt werden kann.
: Ebenso bedarf es einer möglichst frühzeitigen Mittei- luna an die Heilstätte, falls die Kur aus irgendwelchen Gründen überhaupt nicht angetreten werden nanu.
Schlüchtern, den 3. Januar 1929.
Der Vorsitzende des Versicherungsamts: Dr. Müller.
Stadt Schlüchterm “
Oeffentliche Mahnung.
nl i Die noch rückständigen Gewerbesteuerzahlunaen für 1926/27, Gewerbeertragssteuern für das 1., 2. und 3. Viertel- iabr 1928, Gewerbekavitalsteuer-Vorauszahlungen für dieselbe Zeit, städt. Grundvermögenssteuer-Zuschläge, Holzgelder, Losholz. Schulgelder, Wassergelder, Pachtgelder, Poli- zeistrafen, Mieten, Kanal- und Anerkennungsgebühren, sowie alle anderen Abgaben werden hierdurch angemahnt.
« Ueber alle Abgaben sind Benachrichtigungen zugestellt ■ worden. Die Zahlung hat bei der Stadtkasse Schlüchtern zur Vermeidung der Beitreibung schnellstens zu erfolgen.
8, Anträae und Eingaben halten die Zahlung nicht auf.
Mahnungen erfolgen nur öffentlich, nicht durch Be- Händigung von Mahnzetteln.
Schlüchtern, den 3. Januar 1929.
8 | Der Magistrat: Gaenßlen.
I BorlSufiqes amtliches Endergebnis der Landtagswahlen in Lippe.
Detmold, 7. l., (N)Bl. Das vorläufige amtlicheWahl- ifergebnis der Landtagswahlen in Livpe ist folgendes: So= zialdemokraten 31 300 Stimmen, 9 Sitze (bisher 9), Deutsch- nationale 9 419 Stimmen, 3 Sitze (6), Deutsche Volks- ) I Partei 9 798 Stimmen, 3 Sitze (3), Demokraten 4 457 Stimmen, 1 Sitz (1), Kommunisten 4 939 Stimmen, 1 Sitz (1), Zentrum 2 287, 0 Sitze (0), Volksrechtspartei 3169, 1 bitz (1), Wirtschaftspartei 5 444, 1 Sitz (0), Thristl. nat. Bauern- und Landvolkvartei 6 321, 2 Sitze (0), National- 1 sozialisten 2 708, 0 Sitze (1); ungültige Stimmen 1 364. ।; Die Wahlbeteiligung betrug etwa 70 Prozent.
Der Madchenmord im Srunewald.
D Der rätselhafte Mädchenmord im Grunewald, der sich m der Sylvesternacht ereignet haben muß, ist insofern 1 aufgeklärt, als nach der Obduktion der Leiche feststeht, daß die bisher noch Unbekannte erwürgt worden ist. Es be- 1 steht die Möglichkeit, daß sie in einem Auto ermordet und dann hinausgeworfen wurde. Denkbar allerdings ist auck, daß das verbrechen irgendwo in der Stadt verübt wurde, und daß der Leichnam nach dem Grunewald geschafft wurde. Allem Anschein nach handelt es sich um ein Mädchen, das erst vor kurzer Zeit vom Lande nach Berlin gekommen ist.
Mord an einem Berliner Gastwirt.
M Seit dem 3. Januar wurde der 63 jährige Gastwirt Karl Fröhlich aus Neukölln vermißt. Am Sonnabend wurde seine Leiche am Markgrafendamm im Baumschulenweg aus bem Neuköllner Stichkanal geländet. Es besteht der dringende verdacht, daß Fröhlich einem Raubmord zum Opfer gefallen ist.
Aufklärung der Aundsunkentführung.
Ein Entführer des Sozialvemokrate» Schwarz er- mittelt.
Die Berliner Rundfunk-Köpenickiade, die im Oktober vorigen Jahres allgemeines Aufsehen erregte, scheint jetzt ihrer Aufklärung entgegenzugehen. Einer der Kommunisten, die den „Vorwärts"-Redakteur Wolfgang Schwarz kurz vor seinem beabsichtigten Rundfunk- Vortrag im Auto entführten, ist ermittelt worden. Es handelt sich um den Führer einer Kameradschaft des Rotfrontkämpserbundes, Alfred Scherlinsky aus Berlin.
Scherlinsky hatte Schwarz während einer vollen Stunde auf der abenteuerlichen Autofahrt mit dem Revolver in der Hand in Schach gehalten. Bei seiner Vernehmung auf dem Polizeipräsidium bestritt er seine Beteiligung an der Entführung, wurde aber bei der Gegenüberstellung mit Schwarz von diesem wiedererkannt.
Berichte zweier Justizminister in der „Juristischen Wochenschrift".
Berlin, 7. Januar. Zwei Justizminister haben in der soeben erschienenen ersten Nummer der „Juristischen Wochenschrift" im neuen Jahre das Wort ergriffen. Der Reichsjustizminister sowie der Preußische Justizminister geben einen Ueberblick über die Arbeiten ihres Ressorts, wobei Koch-Weser mehr die Fragen der Gesetzgebung, Schmidt-Lichtenberg mehr die Verwaltung behandelt.
Kroschel—Junge zwei Runden vor dem gesamten Feld.
Berlin, 7. Januar. Im Anschluß an die Spurts der Abendwertung entspannen sich im Berliner Sechs- tage-Rennen mehrere lang andauernde Jagden, die der führenden Mannschaft Kroschel—Junge einen weiteren Rundengewinn einbrachten, so daß sie jetzt mit zwei Runden vor dem genannten Felde liegen. Auch die Mannschaften Kroll—Tietz und Dülberg—Petri machten K^iu ihrer Berlustrunoru wieder gut, fu J)^ sie setzt an zweiter bezw. dritter Stelle rangieren.
Die neue Straßenbrück in Hamburg dem Verkehr «vergeben.
Hamburg, 7. Januar. Hier wurde in Gegenwart von Vertretern der Hamburgischen und preußischen Behörden die neue Straßen-Elbebrücke, die Hamburg mit Harburg verbindet, dem Verkehr übergeben. Durch die neue Brücke hat die alte, 1885 erbaute Brücke eine außerordentliche Entlastung erfahren. Der Neubau besteht aus drei mächtigen Bögen, von denen jeder einzelne fast eine Million Kilogramm wiegt. Die Baukosten beUefen sich auf 3,3 Millionen. Bürgermeister Keterien übernahm die Brücke und sprach in einem Telegramm an ^-.» erpräsident Braun die Hoffnung aus. 043 ev gelingen möge, auch weiterhin gute und feste V^cken zwischen Preußen und Hamburg zu schlagen
Sie neue südslawische Regierung
hat am Sonntag den Eid geleistet. Das Amtsblatt veröffentlicht gleichzeitig den Text eines Gesetzes, wonach die Legislativ- und Exekutivgewalt auf den König übertragen .wird. In einer Proklamation appelliert der König an das Volk, ihn bei seinen Bemühungen um die Organisation des Staates zu unterstützen. Gleichzeitig wird die Aufhebung der Verfassung und die Auflösung des Parlaments bekanntgegeben.
Parker Gilbert hatte am Samstag im Ztaatsdevarte- ment längere Besprechungen mit Kellogg und Unterstaatssekretär Eastle, in denen er die allgemeine Reparationslage schilderte. Auch mit Toolidge und Hoover sind Unterredungen geplant.
— Bei Marseille ist der Reubau einer Flugzeughalle eingestürzt. Drei Arbeiter wurden getötet, fünf verletzt.
— Die Elbeschiffahrt ist infolge Treibeises eingestellt worden.
— In Rübesbeim fand am Sonntag unter starker Beteiligung der Nassauische Zentrumsparteitag statt, auf der eine großangelegte Rebe des neuen Neichsparteivor- sitzenden Prälat Kaas im Vordergrund stand, in der er sich mit innen- und außenpolitischen Fragen beschäftigte.
— Der deutsche Gesandte in Oslo, Dr. Wallroth, ist Sonntag früh in Gslo gestorben.
— Nach einer Pavasmeldung aus Nizza ist Großfürst Nikolaus Sonntag nacht auf seiner Besitzung in Antibes gestorben.
— Dem in Frankreich herrschenden Frost sind in Paris und in der Provinz am Sonntag sieben Personen zum Opfer gefallen. -
— Kälte und Schneefall halten in Spanien an. Zahlreiche Dörfer sind einqeschneit, vom Verkehr abgeschnitten, von Lebensmittelnot bedroht und hungrigen Wolfsrudeln ausgesetzt.
— In der Nähe von Blackvool rannte ein Zug geqe.n den Neubau einer Brücke. Fünf Personen wurden getötet, fünf schwer verletzt.
— Nach dem letzten Nrankheitsbericht ist im Befinden des Königs von England eine Besserung eingetreten.
Süden und Reich.
Las Reichsvertehrsminiftcrium zu Den Wünsche« Badens.
Das Reich^cer.ehrsministerium teilt folgendes mit: Das badische Finanzministerium veröffentlicht eine Dar- pellung über die Frage der deutscherseits zu besetzenden Stellen im Berwaitungsrat der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft. Angesichts der bekannten Darlegungen der Reichsregierung über die VersassungSmäßigkeit und die politische Notwendigkeit ihres Vorgehens erübrigt sich ein erneutes sachliches Eingehen auf die Frage.
Die Darstellung enthält indes einen Bericht über eine am 7. Dezember stattgehabte Besprechung des badischen Staatspräsidenten mit dem Reichsverkehrsminister, der dem tatsächlichen Vorgang nicht entspricht. Dre Besprechung fand am 7. Dezember in Köln bet gelegentlichem Zusammentreffen statt. Der Staatspräsident verlangte, daß als Vertreter der Binnenschiffahrt ein in Mannheim wohnender Herr in den Reichsbahn- Verwaltungsrat von der Reichsregierung berufen werde, daß aber außerdem ein weiterer Vertreter der badischen Staatsregierung ernannt werde.
Der Reichsverkehrsminister wies auf Die Unmöglich teil derart weitgehender Forderungen hin und betonte, daß leider die Benennung des Mannheimer Herrn zu spät erfolgt sei, denn die Verhandlungen über den Vertreter der Binnenschiffahrt seien abgeschlossen. Wäre der Wunsch der basischen Regierung früher bekannt geworden, so würde er selbstverständlich in Erwägung gezogen worden sein. Im übrigen vertrat der Reichsverkehrsminister den bekannten Standpunkt der gesamten Reichsregierung.
Landwirtschaft und DaweSplaa.
Aus einer Rede Hrrgcubergs in Herford i. Wests.
Auf einer deutschnationalen Landwirtschaftstagung ■ in HepLorb beschäftigte. sich Geheimrar Dr. Hugenoerg mit den Wirkungen des Dawesplanes, auf dessen Annahme gerade Kreise der Landwirtschaft seiner Zeit gedrängt hätten. Die Auslandskredite hätten dazu gedient, Reichsschulden in Schulden der deutschen Landwirtschaft zu verwandeln. Die Zollpolitik der fremden Staaten habe uns gehindert, die Daweslasten mit Ausfuhrüberschüssen zu bezahlen. Die ausländischen Kredite hätten für die Landwirtschaft ungeheure und überflüssige Agrarimporte zur Folge gehabt, die mit ihrer Verwüstung des inländischen Marktes auf Absatz und Erzeugung der Landwirtschaft einen schweren Druck ausgeübt hätten.
Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen kritisierte Hugenberg sodann die Feststellungen des Repa- rationsaaenten, Bon einer Erfüllung des Dawesver- träges könne keine Rede fein, da wir nur mit geborgtem ausläudischen Gelde bezahlt hätte». Wenn unsere Verschuldung so fortschreite, gehöre uns in etwa 15 Jahre» nichts mehr von der deutschen Landwirtschaft; was auch auf unsere Währung nicht ohne Rückwirkungen bleiben würde. England und Frankreich hätten DaS längst eingesehen. Deshalb solle der Transferschutz verschwinden und deshalb Die deutsche Landwirtschaft an Stelle des Staates für Die Zahlungen haftbar gemacht werden.
Die Folgen dieser Politik würden schließlich bet eintretender Zahlungsunfähigkeit nur neue Sanktionen sein, was ja gerade durch den Dawesvertrag vermieden werden sollte. Deshalb dürfe dieser Weg unter keinen Umständen eingeschlagen werden. Die Verhandlungen hierüber l .n nur unter den großen vaterländischen Gesichtspunkten geführt und betrachtet werden.
Nachdem der Vortragende dann aus einzelne Forderungen der Landwirtschaft näher eingegangen war, schloß er mit den Worten:
Der Bauer ist ruhig wie eine Eiche, solange er fest in seinem Boden wurzelt. Aber ist wild und unbezähmbar wie ein Tiger, wenn man sich anschickt, ihn zu entwurzeln, wie dieser Staat es will. Lassen Sie uns auf der besprochenen Linie Zusammenwirken, mit alten Kräften Derjenigen, Die um ihre Kinder und ihr Haupt kämpfen. ^—ernsterben ist Bolkssterben; Gesundheit und Kraft des Bauer» ist Gesundheit und Kraft des Volkes.
Deutschlands Goldbestand. — Eine Richtigstellung.
Berlin, 6. Januar. „Daily Telegraph" brächte unter der Ueberschrift „Riesiges Hamstern deutschen Goldes" die Meldung, wonach die Goldbestände Deutschlands doppelt so hoch als vor dem Kriege seien. Hierzu wird von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß Deutschland zur Sicherung seiner Währung eine starke Goldreserve notwendig habe. Das sei eine Selbstverständlichkeit. Im übrigen müsse darauf hingewiesen werden, daß andere Staaten eine erheblich größere Goldreserve besäßen als Deutschland. Der Goldbestand Frankreichs bei. spielsweise sei doppelt so groß als der deutsche Goldbestand. Ueberdies übersetze der „Daily Telegraph" den Umstand, daß sich ein großer Teil des deutschen Goldbestandes vor dem Kriege im Umlauf beim Publikum befunden habe, was heute nicht der Fall sei.