Kr 12(I. Blatt) Samstag, den 26. Januar 1929 81. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
I.-Nr. 547. Auf Anordnung des Herrn Regierungs- : -präsidenten in Rassel werden die Grtspolizeibehörden des ! Kreises ersucht, vom 1. Februar 1929 an der politischen Abteilung bei dem Polizeipräsidium in Frankfurt a. M. von allen strafbaren Handlungen mit politischem Einschlag ! unverzüglich Anzeige zu erstatten und auf Ersuchen der politischen Abteilung weitere Auskunft zu erteilen, sie auch über alle wichtigen Vorgänge und Beobachtungen politi- / scher Art auf dem laufenden zu halten. In Betracht kommen insbesondere folgende Straftaten:
1. hochverräterische Bestrebungen.
2. Landesverräterische Bestrebungen und verrat mili- tarischer Geheimnisse (vgl. Erl. o. 31. 1. 1907 —T 225).
3. verbrechen und vergehen gegen das Gesetz gegen den verbrecherischen und gemeingefährlichen Gebrauch von - Sprengstoffen.
4. Verstöße gegen das RepZchGes.
5. Waffenfunde.
Abschrift einer solchen Anzeige ist mir unverzüglich einzureichen.
Schlüchtern, den 18. Ianuar 1929.
Der Landrat. Dr. Müller.
Die am 15. Ianuar dr. 3s. fällig gewesene Rate i Hauszinssteuer für den Monat Ianuar, sowie die rückständigen Beträge der Vormonate von Hauszins- und Grund- ! Vermögenssteuer werden hierdurch öffentlich gemahnt.
Es wird um umgehende Einzahlung ersucht.
Steinau, den 22. Ianuar 1929.
Der Magistrat. Dr. Kraft
Kreisausschuß.
Wohnungsbau.
I .-Nr. 536 F. Die Landesversicherungsanstalt hat zur Förderung des Arbeiterwohnungsneubaues für tuberkulöse versicherte ihres Bezirks Sondermittel im Betrage von 100 000 RM. zur Verfügung gestellt, die in Einzeldarlehen in Höhe bis zu 4000 AM. gegen jährlich 6°/o Zinsen und 1% Abtrag nach Maßgabe der bestehenden Varlehensbestimmungen vergeben werden sollen. Sie will dadurch über den Rahmen ihrer allgemeinen Dar- lehensbewilligungen hinaus den Bau eines Hauses mit gesunden Wohnungen versicherten ermöglichen, die selbst oder deren nächste Familienangehörige tuberkulös sind und infolgedessen in der jetzigen unzureichenden Wohnung die Wei- terverbreitung der Rrankheitskeime auf die noch gesunden Familienangehörigen begünstigen.
Ich mache die Herren Bürgermeister hierauf besonders aufmerksam und ersuche, für entsprechende Bekanntmachung Sorge zu tragen.
Darlehensanträge sind unter Beifügung der laufenden Duittungskarte des Bewerbers und eines ärztlichen Zeugnisses bei mir einzureichen.
Schlüchtern, den 22. Ianuar 1929.
Areiswohlfahrtsamt. Dr. Müller.
Allg. Ortskrankenkasse Schlüchtern.
Die alsbaldige Einzahlung der noch rückständigen Beiträge aus den Zahltagen für die Monate Oktober, November und Dezember 1928 wird hiermit in Erinnerung gebracht.
Hebetermine finden statt:
1. In Steinau, am Mittwoch, den 23. Januar 1929, von vormittags 10 bis 4 Uhr nachmittags, in der Eckartschen Gastwirtschaft daselbst.
2. In Sterbfritz, am Mittwoch, den 30. Januar 1929, von nachmittags 3 bis 7 Uhr, in der Böhm'schen Gastwirtschaft daselbst,
3. In Salmünster, am Mittwoch, den 6. Februar 19*29, von vormittags 9 bis 12 Uhr, im Gasthause „Zum Enqel" daselbst.
4. In Soden, ebenfalls am Mittwoch, den 6 Februar 1929, von nachmittags 1'/, bis 4'/, Uhr im Gasthaus? „Zur Hoffnung" Wirtschaft Wolf, daselbst
und zwar wie seither auch für alle den genannten Orten naheliegenden Gemeinden.
An den Hebetermintagen 23/1. und 6/2. 1928 bleibt die K sie in Schlüchtern für E i n - und A u s z a h I u n g e n geschlossen
Rückstände, die nach diesen Ta en noch verbleiben, Men alsdann w gen des Jahresabschlusses unverzüglich zur zwanqsweis n und kosten Pflicht igen Emziehung gelangen.
Die Herrn Bürgermeister bitten wir, dieses im Interesse chrer Gemeindeanaebörigen, wie seither, auch ortsüblich bekanntmachen zu lassen.
Schlüchtern, den 18 Zanuae 1929
Der Vorstand der Allg. Ortskrankenkaste.
Finanzamt.
Oeffentliche Aufforderung zur Abgabe von Steuererklärungen für die Mrühjahrsveranlagung 1929.
Die Steuererklärungen für die Einkommensteuer, Kör= perschaftsteuer und Umsatzsteuer sind in der Zeit vom 11. bis 28. Februar 1929 unter Benutzung der vorgeschriebenen Vordrucke abzugeben. Steuerpflichtige, die zur Abgabe einer Erklärung verpflichtet sind, erhalten vom Finanzamt einen Vordruck zugesandt. Die durch das Einkommensteuergesetz, Rörperschaftsteuergesetz und Umsatzsteuergesetz begründete Verpflichtung, eine Steuererklärung abzugeben, auch wenn ein Vordruck nicht übersandt ist, bleibt unberührt' erforderlichenfalls haben die Pflichtigen Vordrucke vom Finanzamt anzufordern.
Zchlüchtern, im Ianuar 1929.
Das Finanzamt. Zchewe.
Stadt Schlüchtern.
Betr. Rodeln auf den Verkehrs- ftrotzen.
Das Hobeln auf den Verkehrsstraßen, insbesondere auf der Bahnhofsstraße, wird hiermit wegen der damit verbundenen Gefahren verboten.
Die Polizeibeamten sind angewiesen, gegen Uebertre- tungen mit aller Strenge einzuschreiten. Zur Anzeige kommende Uebertretungen werden aus Grund der Ztraßenoer- Kehrsordnung vom 24. Sept. 1926 (Beilage zum Amtsbl. Nr. 40/26) mit Geldstrafe bis zu 150 HUT. oder mit haft bestraft.
Schlüchtern, den 25. Ianuar 1929.
Die Polizeiverwaltung: Gaentzlen.
Bekanntmachung.
Die Stadt hat einen abgängigen Ziegenbock zu verkaufen.
Angebote wollen bis zum 30. d. Hits, abends 6 Uhr an den Magistrat eingereicht werden.
Schlüchtern, den 25. Ianuar 1929.
Der Magistrat: Gaentzlen.
Eisaß-Lothringen.
Herr Poincars befiehlt, daß es kein Elsaß-LothÄngen mehr gibt.
Auf das Protestschreiben des Gemeinderates von Metz gegen den vom Abgeordneten Walher vorgeschlagenen Plan einer regionalen Benvaltung für Elsaß-Lothringen hat Poincare nämlich ein ÄntworMegramm gesandl, in dem er betont, daß die Regierung niemals daran gedacht habe, das Moseldepartement unter eine andere Benvaltung als die der Zentralbehörde in Paris zu stellen. Sie habe auch nicht beabsichtigt, Maßnahmen zu ergreifen, die von den Bewohnern des Mostlgebietes dahin gedeutet werden könnten, daß eine „künstliche" Einheit von Elsaß und Lothringen, wie sie die Deutschen gehabt hätten, wiederhergestellt werden sollte und die Rechte treffen könne, die dieses Departement ebenso wie die anderen Departements genieße.
Dampfer „Hengtschong" mit 51 Personen an Bord gesunken.
Berlin, 25. Januar. Wie das „8-Uhr-Abendblatt" aus Schanghai berichtet, sind 51 Personen, darunter der norwegiche Kapitän des chinesischen, früher deuischen Frachtdampfers „Hengtschong" ertrunken, als dieses Schiff in schwerer Lee in der Nähe der Dangtse-Mündung unterging. Nach zweitägigem Umherirren im Sturm, Schnee und Nebel wurde ein Rettungsboot des Dampfers von einem Regierungskutter ausgenommen. In ihm befanden sich der russische erste Offizier und 19 Überlebende der aus Chinesen bestehenden Besatzung.
Schwerer Eisenbahmnfakl m Rumänien.
40 Personen ««gekommen.
London, 25. Januar. Wie der amtliche englische Funk- e aus Bukarest berichtet, soll ein Personenzug bei Turn»-
_ rele in Rumänien Schneeverwehungen zum Opfer gefallen sein. 40 Personen sollen dabei den Tod gefunden haben.
D Massenhinrichtungen in Guatemala. Eine größere 21h» zahl der Führer der Revolution in Guatemala ist hingerichtet worden. Die Regierungstruppen verfolgen den Teil der Rebellen, der sich bisher nicht ergeben hat.
— Der italienische Dampfer „Florida", dessen Mannschaft von dem Dampfer „American" gerettet wurde, ist aufgegeben worden.
— Jn einer Vorstadt von Leipzig wurden durch Bohr- bruch zwei Häuser vergast. Mehrere Mieter erlitten Vergiftungen. Eine 81 Jahre alte Frau ist bereits gestorben.
— In Amberg (Dberpsalz) wurden durch Großfeuer elf landwirtschaftliche Gebäude eingeäschert,' zahlreiches Vieh
Kam in den Flammen um.
Die Regierungskoalitton im Reich.
Der Sozialdemokratische Pressedienst schreibt zu der Frage der Regierungskoalition im Reich u- a. :
Es ist selbstverständlich, daß die bisherige Form des Regierens, die sog. lockere Bindung, ihre Grenzen hat, und es kann kaum einem Zweifel unterliegen, daß wir uns einem kritischen Moment nähern. Er liegt in der Notwendigkeit, den Etat zu verabschieden und für das Defizit eine Deckung zu finden. Daraus ergibt sich für den Reichskanzler die Notwendigkeit, jetzt, ohne zunächst offizielle Verhandlungen zu eröffnen, mit den leitenden Stellen der einzelnen Parteien Fühlung zu nehmen und das Terrain zu sondieren. Mit diesen Unterhaltungen ist denn auch bereits am Mittwoch begonnen worden.
Sicherlich werden die Sozialdemokraten, Demokraten, Zentrum und Deutsche Volkspartei — die Bayerische Volks- partei nimmt eine Sonderstellung ein — die Frage nach ihrer grundsätzlichen Bereitschaft zu einer koalitionsmäßigen Bindung mit einem Ja beantworten. Nicht ganz so gewiß ist es, ob sie alle auch gewillt sind, auf eine neue Diskussion der sachlichen Voraussetzungen zu verzichten. Aber damit m' d e Schwi rhk i en nofi nicht beseitigt. Sie liegen ;e$t insbesondere auf dem Gebiet der zahlenmäßigen Vertretung der einzelnen Fraktionen im Kabinett.
Mit diesen Schwierigkeiten aber ist es noch nicht genug. Die Volkspartei hält an ihrem Anspruch auf Hinzuziehung zur preußischen Regierung fest. Ihre Parole lautet: Ghne Preußen keine Koalition im Reich, und ob sich nun die preußische Frage so schnell erledigen läßt, wie die Situation im Reich es erfordern würde, ist fraglich.
Man könnte nun auf den Ausweg verfallen, wenn die eigentliche Große Koalition zurzeit nicht zu erreichen ist, einen interfraktionellen Ausschuß auf die Beine zu stellen, der über die jeweilig strittigen Fragen eine Verständigung herbeiführt. Indessen scheint auch diese Lösung keine allge- meme Zusimmung zu pnöen, und wir stehen vor der Frage, wie denn nun eigentlich das Schift über die Klippen der nächsten Zeit, namentlich über die des Etats und der Dek- Kungsgesetze, hinweggebracht werden soll.
Unter allen Umständen, auch wenn eine Bindung zustande kommt, wird eine Verständigung über die Probleme, die uns jetzt auf den Leib rücken, nicht leicht herbeizufüh- ren sein. Aber immerhin wären die Aussichten unendlich viel günstiger, als wenn die Fraktionen aufeinander gar keine Rücksicht zu nehmen brauchten. Das wäre dann die Kri= sis, und die, die es angeht, sollten es sich wohl überlegen, ob sie es auf diesen Ausgang ankommen lassen wollen und wie sie sich die Beendigung der Krisis denken.
Preisverteilung der Internationalen Fliegerliga.
Paris, 24. 1. (WB) Der Hauptaussckuß der Internationalen Fliegerliga hat heute unter dem Vorsitz seines Präsidenten Elifford harmon nach Prüfung der Vorschläge der verschiedenen Rationen die Preisträger der nationalen Trophäen der Liga für das Jahr 1928 festgestellt. Für Deutsch- | land erhielt die Trophäe Hermann Röhl. Die Crophäe für I Luftschiffahrt für 1928 ist Dr. Hugo Eckener zugesprochen worden. Alsdann wurde die Abstimmung über die Auswahl des besten Fliegers der Welt für 1928 vorgenommen, der als solcher die "internationale Elifford-harmon-Trophäe in= ne hat. Mit zwei Stimmen Mehrheit wurde der italienische Preisträger Gberst Arturo Ferrarin für das Jahr 1928 zum besten Flieger der Welt erklärt. Der Ausschuß hat ferner entsprechend verschiedenen Wünschen EhrenmedaiWn den Beobachtern und Passagieren verliehen, die an den Flügen teilgenommen haben, die die Auswahl ihres Führers als Preisträger für 1928 zum Anlaß hatten. So wurden derartige Ehrenmedaillen Freiherrn v. Hünefeld und Major Fitzmaurice verliehen.
Das Grohfeuer in Äonftantinopel.
Konftantinopel, 24. 1. Zu dem Großfeuer im Kon* stantinopeler Stabtteil Tatavla teilt der Polizeibericht mit, daß dem Brande 212 wohn- und 18 Geschäftshäuser zum Dpfer gefallen sind. Der Minister des Innern hat die Bestrafung der Urheber des Brandes angeordnet. Die bei den Löscharbeiten verletzten Feuerwehrleute sollen entschädigt und die von der Brandkatastrophe Betroffenen mit Geld unterstützt werden.
— Der Reichskanzler hat Donnerstag nachmittag die Besprechungen mit den Parteiführern über die parlamentarische Verabschiedung des Etats und die neue Steuervorlage der Regierung ausgenommen.
— Der Aeichsverkehrsminister hat den Informationsaus- schutz des Reichstages zu einer Fortsetzung der Besprechung über die Frage der Betriebssicherheit der Deutschen Reichsbahn zum 25. 1. eingeladen.
— In der französischen Kammer begann die Diskussion über die elf Interpellationen über die Politik der Regierung in Elsatz-Lochringen.