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Är. 57

(1. Blatt)

Samstag, den 11. Mai 1989

81. Kahrg

Amtliche Bekanntmachungen

K r e i 's a u s s ch « ß.

I.-Nr. 1794 K. A. Der Herr Landwirtschaftsrat Müller führt wiederholt bei mir Beschwerde darüber, daß ihm die Herren Bürgermeister des Kreises die Anzeigen über Veränderungen im Gemeindezuchtviehbestande Bullen und Ziegenböcke z. T. gar nicht oder unregelmäßig mach­ten. Da eine geordnete Buchführung bei den Zuchtge­nossenschaften nur möglich ist, wenn alle An- und Abgänge von Gemeindezuchttieren sofort gemeldet werden, ersuche ich die Herren Bürgermeister des Kreises erneut, die ver° änderungsanzeigen künftig pünktlich und regelmäßig zu erstatten.

SchlÜchtern, den 7. Mai 1929.

Der Landrat: Dr. Müller.

Stadt Stein au.

Bekanntmachung

In letzter Zeit wird in hiesiger Gemarkung von bis jetzt noch unbekannten Tätern grober Unfug verübt und gefrevelt. So sind auf dem Wege zur Teufelshöhle einige Bäume angeschnitten und bei der Höhle Holz entwendet worden.

Auf dem Wolf'schen Bauplatz sind Pfähle und in hiesi­ger Stadt Bekanntmachungstafeln auögerissen und fortge- worfen worden.

Zweckdienliche Angaben, die zur Ermittlung der Täter geeignet, sind an die unterzeichnete Behörde zu machen; es wird eine Belohnung in Aussicht gestellt.

Gegen die Täter wird mit den zulässigen Höchststrafen vorgegangen.

Steinau, den 7. Mai 1929.

Die Polizeiverwaltung. Dr. Kraft.

Stadt SchlÜchtern.

Bekanntmachung. .^

Die auf dem Rat^austurm eingebaute Seuermelde-An­lage wird am Sonntag, den 1 2. d. Mts., nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr zu Prüfungszwecken kurze Zeit in Betrieb gesetzt.

SchlÜchtern, den 7. Mai 1929.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Schweres Flugzeugunglück bei Kassel.

Drei Tote.

Kassel, 9. 5. Das auf dem Aug von Prag nach Rotterbam befindliche Flugzeug der Tschechoslowakischen Luftverkehrsgesellschaft mußte heute zwischen 1 und 2 Uhr bei Literhagen, etwa 20 Ulm. südöstlich von Kassel, eine Zwischenlandung vornehmen. Dabei wurde die Maschine zerstört. Der Kaufmann Franz Peters aus Münster, der 5ührer des Flugzeuges Leitkev-Prag und der Bordmon- teur Holik-Prag kamen ums Leben.

Wie wir von Augenzeugen des Flugzeugunglücks bei Titerhagen hören, ist das abgestürzte Flugzeug der Tsche- choslowakischen Luftverkehrsgesellschaft kurz vor Eiterha­gen in einer dunklen Wolke anscheinend in eine Böe gera- und dann abgetrudelt. Die eine Tragfläche hob sich Pch und dann sauste der Apparat mit der Spitze senkrecht n^ unten in einen Buchenwald hinein, wo es total zer­trümmert aufgefunden wurde. Die drei Insassen hatten furchtbare Verstümmlungen davongetragen. Die Leichen wurden heute abend von der Kasseler Polizei nach Kassel ubergeführt.

Reichswehrofftztere studieren die amerikanische Rrmeeausbilbung.

Washington, 9. 5. (WB) Zwei deutsche Neichswehr- Ntziere, die Hauptleute Warlimont vom 6. preuß. Art- uegt. und Speibel vom 13. württ. Inf. Regt, wurden heute

einen Vertreter der deutschen Botschaft im Kriegs- amt vorgestellt. Sie werden der amerikanischen Armee ^geteilt, um in hiesigen Spezialschulen des Landheeres die amerikanische Ausbildung zu studieren.

Don der Dariser Konferenz.

ön der englischen Kabinettssitzung am Donnerstag vor- utag wurden die Ueparationsoorschläge Dwen Poungs erörtert.. Schatzkanzler Churchill erklärte am Nach- mag im Unterhause, die Regierung würde unter keinen Wänden die gestern angekündigten Neparationsvorschläge annehmen.

6m Donnerstag nachmittag hatte Dr. Schacht mit Gwen . Houng eine Unterredung. Wie die Havasagentur zu Wn glaubt, handelte es sich hierbei um die Bedingungen, denen Deutschland die von dem Plan poungs vorge« lsenen Annuitäten zu zahlen hätte.

preußischer Hausbesitzertag. etäffnnnß per Tagung in Goslar.

Am Himmelfahrtstag trat in Goslar der dies­jährige ordentliche Verbandstag des preußischen Lan­desverbandes der Haus- und Grundbesitzervereine e. V. zusammen. Die Tagung wird bis zum 12. Mai dauern. Die geschlossene Tagung sieht u. a. sechs Vorträge über aktuelle Einzelsragen vor und zwar:

1* »Städtebaugesetzentwurf in neuer Fassung". Ref. Architekt Höemann-Köln.

2. »Zur Bürgersteigunterhaltungspflicht der An­lieger". Ref. Dr. Stoßberg-Gelsenkirchen.

3. »Die Abgeltung von Nebenleistungen in der Miete". Ref. Dr. Düppe-Essen.

4. »Rechtsgrundlagen für Lockerungsmaßnahmen der Gmneinöen". Ref. Dr. Eichhorn-Berlm.

5. »Zur Steuerbasis der Hauszinssteuer" Ref. Dr. Hesberg-Köln.

6. »Baupolizei und Wohnungsinspektionen". Ref. Justiz-Kassendirektor Mentz-Berlin, M.d.L.

Stresemann über die sächsischen Wahlen.

Leipzig, 10. Mai. In den »Leipziger Neuesten Nachrichten" schreibt Dr. Stresemann: »Es ist für mich gar kein Zweifel, daß die Entwicklung in Sachsen un­heilvoll ist, wenn es nicht gelingt, die Führung und Mitwirkung der bürgerlichen Schichten in der nächsten sächsischen Regierung sicherzustellen. Sei man sich klar darüber in bürgerlichen Kreisen, daß es eine Herrschaft von Schichten nicht mehr geben kaun, sondern nur die Herrschaft einer solchen Auffassung, die so wenig ein­seitig den Arbeitgeberstandpunkt wie die einseitigen Arbeitnehmerinteressen vertritt. Jede Partei muß ein volles Verständnis haben für den Kampf, den Arbei­terschaft und Angestellte für ihre berechtigten Inter­essen führen.

Der Ahrensböker Sparkastenskandal.

Bad Schmartan, 10. Mai. Im Ahrensböker Prozeß wurde der Rendant Prieß wegen fortgesetzter Untreue und Blankettfälschung zu drei Jahren Gefängnis ver­urteilt.

Kommunistische Zwischenfälle in Hamburg.

Hamburg, 10. Mai. Die Kommunisten brachten in der Sitzung der Bürgerschaft das Verbot des Rot- Frontkämpferbundes zur Sprache. Der Senat ließ mitteilen, daß er eine Aufhebung des Verbots ablehne. In sehr stürmischer Aussprache versuchten die Kommu­nisten ihre Haltung bei den Berliner Vorgängen zu rechtfertigen. Vier Kommunisten wurden wegen dauernder Störungen der Verhandlungen und wieder­holter Verstöße gegen die Geschäfsordnung des Hauses ausgeschlossen.

Der Völkerbund lehnt die Veröffentlichung der Minderheitendenkschriften ab.

Genf, 10. Mai. Nach der Veröffentlichung der Denkschriften einiger Regierungen zur Minderheiten­frage hat Dr. Stresemann dem Generalsekretär mit* geteilt, daß die deutsche Regierung eine sofortige Veröffentlichung sämtlicher im Völkerbundsrat ein­gereichten Denkschriften in der Minderheitenfrage für notwendig halte. Der Dreierausschutz hat nun den deutsche« Antrag mit dem Hinweis abgelehnt, datz die Denkschriften der Regierungen ausschließlich für das Ratskomitee bestimmt seien; jedoch hat der Dreier­ausschutz ausdrücklich festgestellt, datz einer Veröffent­lichung der Denkschrift der deutschen Regierung «nn- «ehr keinerlei Bedenken entgegenständen.

Ein neuer Höhenrveltrökord.

Washington, 10. Mai. Der amerikanische Flie- gerleutnant Apollo Soucek hat einen neuen Höhen- rekord ausgestellt. Er erreichte mit seinem Flugzeug in 45 Minuten die Höhe von 12 000 Metern, wobei das Barometer eine Kälte von 60 Grad Fahrenheit unter Null anzeigte. Da aber die registrierten Ver- mefsungen noch nicht amtlich überprüft sind, kann der Rekord vorläufig noch nicht anerkannt werden.

Bei Krampnitz in der Nähe von Potsdam stürzte gestern ein mit 15 Personen besetztes Lastauto in voller Fahrt um. Die Insassen stürzten auf die Straße; drei Personen wurden schwer, mehrere leicht verletzt.

Bei einem Brande in der Gemeinde Megyaso bei Szerenes (Komitat Lemplen) wurden 58 Wohnhäuser ein­geäschert. Zwei Personen erlitten schwere Kauchvergiftun- gen, zwei wurden schwer verletzt.

Die Meldungen, daß Eugen Meyer, zum Nachfolger des amerikanischen Botschafters Shurman in Berlin auser­sehen sei, werden vom Staatsdepartement als unbegründet bezeichnet.

Im Unterspreewald wurden am himmelfahrtstage zwei Personen, die in einem Heuschober Unterschlupf gs sucht hatten, vom Blitz erschlagen. Line andere Person erlitt lebensgefährliche Verbrennungen.

Trübe Aussichten in Genf.

Wird das Abrüstuugsproblem wirklich gelöst?

Der Verein der ausländischen Presse veranstaltete in Berlin sein diesjähriges Bankett. Erschienen waren u. a. Reichsaußenminister Dr. Stresemann, Reichs­wehrminister Groener, Reichsjustizminister v. Guerard, Reichsernährungsminister Dietrich, sämtliche in Ber­lin anwesenden diplomatischen Vertreter ausländischer Mächte und Vertreter des deutschen Handels und der Industrie. Nach einer feinsinnigen Ansprache des päpstlichen Nuntius Pacelli sprach der deutsche Reichs­außenminister.

Nach einleitenden Worten kam Dr. Stresemannn auf das Thema: Reparationen zu sprechen und betonte, daß er zu den augenblicklichen Pariser Verhandlungen nicht Stellung nehmen könne. Der Dawesplan habe zweifellos zur Konsolidierung der Verhältnisse in ganz Europa beigetragen und diejenigen Erfahrun­gen gezeigt, die zur Einberufung der Pariser Sach­verständigen geführt hätten. Er hoffe, daß die Einsicht in die auf dem Spiele stehenden gemeinsamen Inter­essen zu einem ersprießlichen Ergebnis führen werde. Mit der Regelung der Reparationsfrage ergebe sich dann auch die der politischen, die noch als Ueberbleibsel aus dem Kriege in die Gegenwart hineinragten.

Dr. Stresemann kam sodann auf die Genfer Abrüstnngsverhandlnuge» z« spreche« und stellte mit aller Deutlichkeit fest, daß seine Hoffnung sich nicht erfüllt habe, daß die letzte Sitzung einer hinreichend geklärte« Lage gegenüberstehe. In der sachlichen Beratung habe sich eine Perspektive eröffnet, die ein Versagen der Grundidee der allgemeine« Abrüstung befürchte« lasse.

Wenn sich auch Deutschland stets mit einer etappen­weise« Lösung des Abrüstungsproblems einverstanden erklärt habe, so müsse selbstverständlich schon die erste Etappe in einer fühlbaren Herabsetzung des gegen­wärtigen Rüstungsstandes zu Master, zu Lande und ^hchr,Lnft bestehen. Andernfalls handele es^ um eine Scheinlösung,

die, wie er befürchte, durch die letzten Genfer Beschlüsse in bedenklicher Weise nähergerückt zu sein scheine. Die weniger negative Haltung zu dem Gedanken der Marineabrüstung dürfe nicht auf Kosten der Land­abrüstung geschehen, wenn die Vertreter der Regie­rungen ihren Standpunkt nicht änderten, müßte« sie allein die Verantwortung für eine Entwicklung tragen, der er seinerseits nur mit ernster Sorge eutgegensehen könne.

Anweisung an die Arbeitsämter.

Vereinheitlichn«- der Berwaltnngsmaßnahmen.

In einem Erlaß des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung wird u. a. besonders darauf hingewiesen, daß Scheinarbeitsverhältnisse niemals die in dem Gesetz vorgesehene Astwartschaftszeit erfüllen können. Eine etwa irrtümlich bewilligte Unterstützung ist sofort zu entziehen und zurückzufordern, wenn nachträglich eine Scheinbeschäftigung festgestellt wird. Die verschärfte Nachprüfung soll sich auf die Schwarzarbeit beziehen. Die Arbeitsämter sollen dabei mit den Krankenkassen zusammenwirken.

Die Saisonarbeitslofen sollen nicht nur von der Fachabteilung, sondern auch von der Allgemei­nen Abteilung des Arbeitsamts getrennt werden. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß jeder Arbeits­lose, auch der Facharbeiter, sich ein gewisses Maß von Abweichung gegenüber seiner Facharbett gefallen lasten muß.

Den Arbeitgebern gegenüber sollen die Arbeitsämter auf größere Genauigkeit und Zuver- lästigkeit in den Angaben über die Entlafsungsgründe dringen. In dem Erlaß heißt es, daß eine Frau, die durch ihre häuslichen Pflichten den überwiegenden Teil des Arbeitstages in Anspruch genommen wird, im allgemeinen dem Arbeitsmarkt nicht zur Ver­fügung steht.

Es müsse weiter erreicht werden, daß auch die Wohlfahrtspflege ihre Unterstützungen an Arbeits­fähige in allen Fällen davon abhängig macht, daß diese Arbeitslosen sich regelmäßig beim Arbeitsamt um Arbeit bemühen. Das Amt ist verpflichtet, sich dieser Arbeitslosen mit allem Nachdruck anzunehmen und durch Arbeitsangebote ihre Arbeitswilligkett fort- g^etzt zu prüfen.

Heide- und Waldbrände in Schlesien.

Saga», 10. Mai. Auf dem Truppenübungsplatz Neuhammer am Queis entstand ein großer Heide­brund, der auch auf den Hochwald Übergriff. Da daS Feuer einen bedrohlichen Umfang annahm, wurde zu den Löscharbeiten Reichswehr herangezogen. Der Brand hat eine Ausdehnung von etwa 1000 Morgen. An verschiedenen Stellen ist er auf die Klitschdorfer Forsten übergesprungen.