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Wr 59
(1. Blatt)
Donnerstag, den 16. Mai 1929
81 Zahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
Landratsamt.
I.-Ur. 4180. Seitens der preußischen Geologischen Lan- besanftait zu Berlin werden in diesem Jahre geologische gusnahmearbeiten ausgeführt werden. Mit der Kusfüh- Mg der betreffenden Arbeiten im Kreise Schlüchtern ist Herr Professor Dr. Llanckenhorn beauftragt worden.
' Mit Rücksicht auf die Gemeinnützigkeit dieser Arbeiten und ihre Wichtigkeit für die Interessen der Land- und Forstwirtschaft und der Industrie ist es dringend erwünscht, daß die Drtsbehörden und Kreiseingefeffenen den. Genannten bei seinen Arbeiten unterstützen und ihn namentlich von etwaigen geologischen Funden und Beobachtungen, in Kennt» nis setzen.
Don Seiten der Geologischen Landesanstalt ist der genannte Beamte mit Ausweiskarte versehen worden.
Schlüchtern, den 13. Mai 1929.
Der Landrat. I. D.: Schultheiß
J.-Nr. 4125. Diejenigen Herren Bürgermeister, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 8. v. Mts. — Nr. 2914 — (Schl. Zeitg. Nr. 44), betr. Einsendung der Fchiedsmanns-Verhandlungen, noch im Rückstände sind, werden an deren alsbaldige Erledigung erinnert.
Schlüchtern, den 13. Mai 1929.
Der Landrat. I. V.: Schultheis.
Nr. 1709. Die Schweinepest im Anwesen des Gutsber Ützerg Endres im Reußenbergerhof, Gemeinde Höllericb, gilt räch amtstierärztlicher Feststellung als erloschen. Sämtliche mgeordneten Schutzmaßnahmen werden mit sofortiger Wirksamkeit aufgehoben.
Gemünden, den 8. Mai 1929.
Bezirksamt: gez. Kastner.
Liadl Schlüchtern.
Mahnung zum sparsamsten Wasserverbrauch.
Infolge der anhaltenden Trockenheit ist der Zufluß zu den Hochbehältern der Wasserleitung sehr gering. (Es fließt ständig mehr Wasser ab, als zufließt.
Die Einwohner werden daher im eigensten Interesse zur größten Sparsamkeit beim Wasserverbrauch ermähnt. Insbesondere ist das Sprengen der Gärten aus der Wasserleitung zu unterlassen.
Schlüchtern, den 15. Mai 1929.
Der Magistrat: Oaenßlen.
Wasferlettungsschäben betr.
Da der Wassermangel am städtischen Wasserwerk möglicherweise auf noch vorhandene Rohrbrüche zurückzuführen ist die jedoch nicht ohne weiteres festgestellt werden können, werden die Einwohner ersucht, über verdächtige Geräusche in den Hausleitungen, die wahrnehmbar sind, ohne daß ein Zapfhahn geöffnet ist, alsbald dem Stadtbauamt Mitteilung zu machen.
Schlüchtern, den 15. Mai 1929.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Dabewärter gesucht.
5ür die städtische Badeanstalt werden für die Zeit von We Mai bis Mitte September d. Is.
Badewärter und Badewärterin - möglichst
Meldungen sind mit Angabe der Vergütungsansprüche °>r zum 21. d. Mts. an den Magistrat einzureichen. schlüchtern, den 15. Mai 1929.
____ ________Der Magistrat: Gaenßlen. Stadt Steinau.
B e k a n n t m a ch u n g.
Die Einwohnerschaft wird gebeten, Adressen auswärts wohnender Steinauer und Adressen von Freunden und Gön- Ew Steinaus auf dem Rathaus, Zimmer 3 für Propagan- Wrfe mitzuteilen; besonders Auslandadressen sind erwünscht. Steinau, den 13. Mai 1929.
Der Bürgermeister: Dr. Kraft.
da m ^äftermelbungen zufolge hat Prof. Einstein auf . ^ chm von der Stadt Berlin angebotene Ehrengeschenk 8?lt eines Grundstückes verzichtet und gebeten, alle fallen U^^ Um ^^ Beschaffung eines Ruhesitzes einzu- r~ Der Rotfrontkämpferbund mit seinen sämtlichen n ^rqanifatkmen ist nunmehr auch im Gebiet der freien Jeitaot Bremen verboten worden.
^er .bekannte Filmschauspieler Harry Liedtke ist einer Blinddarmentzündung schwer erkrankt.
Vor dem Aufstieg des „Graf Zeppelin."
Friedrichshafen, 14. 5. (WB) An der Fahrt des „Graf Zeppelin" nach Lakehurst, die bekanntlich bis Mittwochnachmittag verschoben worden ist, werden sich nach der nunmehr feststehenden Passagierliste 18 Fahrgäste beteili- gen; darunter der Rommandant Tlarke von der Flugstation Lakehurst, eine amerikanische Dame und mehrere Pressevertreter.
Im Luftschiffbau und auf den Straßen der Stadt herrschte während des ganzen Tages reges Leben und Treiben. Neben Schulklassen und Wandervereinen belebten das Werstgelände Autos mit Iournalisten, Filmleuten und Passagieren, die die neuesten Nachrichten über den bevorstehenden Start des Luftschiffes in Erfahrung bringen wollten. Auch der bekannte Polarforscher Frithjof Nansen ist heute eingetroffen und hatte mit Dr. Lckener über die Ergebnisse der Berliner Beratungen des Forschungsrates der Aeroaretik über die polarfahrt des „Graf Zeppelin" eine längere Unterredung. An dem Luftschiff selbst wurden allenthalben die letzten Vorbereitungen getroffen. Die Maschinisten über» prüften nochmals die Motors. Betriebsstoff wird eingefüllt und in der Hauptgondel diese und jene Reparatur vorgenommen. Im Laufe des Nachmittags wurde auch der kleine drei Iahre alte Gorilla gebracht. Photographen und Filmleute suchten das aus Kamerun stammende Tier, Susi genannt, mit dem Schiffsrumpf im Hintergrund im Bilde festzuhalten. Die Fracht, die ca. 1 800 Klg. beträgt, soll im Laufe dess Abends an Bord gebracht werden. Nachdem der Aufstieg für die Morgenstunden des Mittwoch abgesagt werden mußte, trat auf dem Werstgelände wieder etwas Ruhe ein. Dem Vernehmen nach sind ungefähr 250 Klg. Post zur Beförderung mit dem Luftschiff vorhanden. i
©tarierst Donnerstag Morgen.
Der Start des „Graf Zeppelin" zu seiner Amerikafahrt GMMwhr endgW^ «M oen- Donnerstagmorgen verloben worden, da die Genehmigung der französischen Regierung zum lieberfliegen französischen Gebietes erst am Dienstagabend 10 Uhr eintraf und daran außerdem die Bedingung geknüpft ist, die Grenze nur in der Zeit zwischen 7 und 9 Uhr vormittags zu passieren.
Weitere Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft.
Der preußische Staatsrat beriet am Dienstag über eine neue Verordnung, die eine weitere Lockerung der Wohnungs- zwangswirtschaft bringt. Die Freiheitsgrenze, die im Woh- nungsmangelgesetz grundsätzlich festgelegt ist, soll mit Wirkung vom 1. Iuli 1929 herabgesetzt werden, während von den Vorschriften des Wohnungsmangelgesetzes Wohnungen in Berlin mit einer Iahresfriedensmiete von 3000 MK. und mehr nach den zur Zeit geltenden Bestimmungen be» freit sind, soll diese Befreiung für Berlin bereits bei einer Miete von 2400 Mark in Zukunft gelten. Für die übrigen |(Drte der Sonderklasse soll die Befreiung eintreten bei 1900 Mark, für die Ortsklasse A bei 1400 Mark, für Ortsklasse B bei 1000 Mark, für Ortsklasse T bei 600 Mark und für Ortsklasse D bei 400 Mark. Als Gemeinden ohne Wohnungsmangel sollen gelten die Gemeinden mit weniger als 8000 Einwohnern, im übrigen die von der Aufsichtsbehörde auf Antrag oder nach Anhörung der zuständigen Gemeindebehörde bezeichneten Gemeinden. Die Verordnung wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen.
— Der r u s s i s^ e Botschafter in Berlin, Krestinfki, hat sich nach Moskau begeben. Man nimmt an, daß die Reise mit dem deutschen Protest bei der Sowjetregierung wegen der bolschewistischen Kundgebungen gegen Deutschland in Moskau und Leningrad sowie mit den Berliner Maiunruhen in Verbindung z« bringen sind.
— Wie aus Moskau berichtet wird, soll auch die italienische Botschaft nach der deutschen und der polnischen Gesandtschaft bei der Sowjetregierung Einspruch gegen die Vorführung von Karri- katuren des Papstes und Mussolinis in den Mai-Demonstrationen erhoben haben.
— Der griechische Staatspräsident Admiral Konduriotis hat dem Ministerpräsidenten Veniselos brieflich mitgeteilt, daß er aus Gekundbeitsrückkickten nicht wieder kür die Präkidentkckakt. die ihm bei der kommenden Wahl sicher war, kandidieren wcrve.
— Das norwegische Parlament lehnte nach längerer Aussprache gegen 55 Stimmen einen Antrag der Arbeiterpartei ab, in dem gefordert wurde, datz Norwegen aus dem Völkerbund austrete.
— Die italienische Kammer hat einstimmig den Gesetzentwurf über die Durchführung der Lateranverträge vom 11. Februar 1929 angenommen.
— Der amerikanische Senat hat die Gesetzesvorlage zur Unterstützung der Farmer angenommen.
— In Themnitz wurde bei einem Wirtshausstreit ein 46 jähriger Hilfsschaffner von einem Bierglas so unglücklich getroffen, daß ihm die Scherben des Glases die Halsschlagader zerschnitten, so daß er an Verblutung starb. Der Täter wurde verhaftet.
Bor dem Abschluss der Pariser Konferenz.
Ueber den Stand der Verhandlungen der Pariser Sa ch v erstä nd ig en-K 0 n fer e nz zur Reparationsfrage wird gemeldet, daß die nächste Vollsitzung voraussichtlich am Mittwoch stattfinden kann. Dieser Ätzung wird der von dem englischen Delegierten S t a m p ausgearbeitete neue Vermittlungsvorschlag vorgelegt werden.
In amerikanischen Kreisen wird die Auffassung vertreten, die Konferenz könnte am Freitag geschlossen werden. Wie der „New Dork Herald" feststellt, unterstützt die amerikanische Abordnung die belgische Forderung aus Zahlung der deutschen Markschulden, ist aber der Auffassung, daß eine Einigung über diese Frage außerhalb der Festsetzung des Zahlungsplanes erfolgen solle.
Einigung über einige deutsche Vorbehalte?
Der Korrespondent eines englischen Blattes hört, daß in die Denkschrift des Unterkomitees Stamp vier deutsche Vorbehalte ausgenommen worden sind. T-er erste sieht ein Moratorium für zwei Jahre vor. Im zweiten Punkt wird die Einstellung der deutschen Zahlungen für einen Teil der deutschen Verpflichtungen niedergelegt, wenn dir Umstände dies notwendig erscheinen lassen sollten.
Punkt 3 sieht die Schaffung einer Schutzklause! für die Revision des bedingten Teiles der deutschen Zahlungen vor, wenn neue Umstände auftreten sollten, die die deutsche Leistungs- und Zahlungsfähigkeit änderten. Im vierten Punkte werden die Mittel erläutert, auf denen die Zahlungen für die letzten 21 Jahreszahlungen der interalliierten Schuldverpflichtungen erfolgen sollen.
Um 50 Millionen Mark deutscher Mehrleistung.
Der Pariser Berichterstatter der Lonlwuer „Times" nimmt nun ebenfalls die Propaganda der französische« Presse für eine Erhöhung der Durchschnittsziffer der deutschen Jahreszahlungen um 50 Millionen auf, die bekanntlich in der Rechnung der Alliierten angeblich fehlen soll. Der Times- wrrrsipon^uwsitzr sich — anscheinend auf Grund einer Rücksprache mit den englischen Sachvefftändigen — für die Annahme einer durchschnittlichen Jahreszahlung ein, die zwischen der Durchschnittszahlung von 2050 Millionen Mark des Noung-Planes und der Durchschnittsjahreszahlung von 2198 Millionen Mark nach den Berechnungen der alliierten Denkschrift liegt.
Der Berichterstatter der „Times" gibt dann eine Darstellung der Sonderverhandlungen zwischen Teuffchland und Belgien in der Angelegenheit der während des Krieges in Belgien ausgegebenen Markbeträge, die als besonders bemerkenswert verzeichnet zu werden verdient. Der Berichterstatter der „Times" behauptet nämlich, Dr. Schacht habe auf die belgischen Vorstellungen erwidert, daß die deutsche Regierung die Frage eines Ausgleichs zu erwägen bereit sei, falls Belgien Eupen und Malmedy an Deutschland zurüktzebe. Damit sei diese Frage auf einen toten Punkt gekommen.
Neue Schwierigkeiten.
Der von dem englischen Delegierten Stamp ausgearbei- tete Bericht wurde, wie eine Pariser Meldung befaßt, am Dienstag den deutschen Sachverständigen von Sir Josuah Stamp zugestellt, um von der Fassung der deutschen Vorbehalte Kenntnis zu nehmen.
Die deutschen Sachverständigen hielten hierauf eine Besprechung ab. Wie verlautet, sind erneut besondere Schwierigkeiten durch die Frage entstanden, wie die Zahlungen vom 37. bis znm 58. Jahre gedeckt werden sollen.
-<-■ Weitere Rotfrontverbote. Das Württemberg:s ch e Innenministerium hat den Rotfrontkämpferbund und die Rote Jungfront mit allen ihren Zweigorganisationen und Einrichtungen aufgelöst und ihr Vermögen zugunsten des Reiches beschlagnahmt und eingezogen. Infolge dieses Verbots hat das Polizeipräsidium in Stuttgart auch das „rote Treffen" Pfingsten 1929 in Stuttgart und alle ihm dienenden öffentliche« und geschlossenen Versammlungen sowie jeden Auf- und Umzug der Kommunistischen Partei für die Zeit vom 17. bis 20. Mai verboten. Auch der Senat der Freien und Hansestadt Lübeck hat den Rotfrontkämpferbund, die Rote Marine und die Rote Front für das Kreisgebiet der Stadt Lübeck verboten.
^ Der Haushaltsausschutz des Reichstages setzte die Einzelberatung des Haushalts des Innenministeriums fort. Dabei wurden die verschiedenen Posten zur Förderung der auf Volkswohlfahtt, insbesondere auf Jugendwohlfahrt gerichteten Bestrebungen zur Förderung des Turn- unb Spottwesens und des Volksgesundheitswesens angenommen. Der Reichsinnenminister erklärte, es sei beabsichtigt, eine Kommission einzu- setzen, die die Maßnahmen zur Bekämpfung des Bevölkerungsrückganges, dem Reich und Länder größte Auftnerkjamkeit zuivendeten, zu beraten habe. Es sei bereits eine vorläufige Liste der Gelehrten, Statistiker, Sachverständigen, Frauen- und Kinderärzte, Natioimlökonomen, Rosie- Hhgieniker usw^ ausgestellt worden. Beim Titel „Gewährung von Beihilfen für Eisenbahnfabtten im Dienste der freiwilligen Krankenpflege" fand eine deutschnationale Entschließung Annahme, in der die Reichsregierung aufgefordert wird, bei der Reichsbahnverwaltung dahin vofftellig zu werden, daß bei geschlossenen Kindertranspotten für die Gestellung sogenannter V-Zugswagen gesorgt wird und daß die Bestimmungen über die zulässige Zahl der Begleitpersonen geändett werden.