Kreis-Amtsblatt * MyemeLner mnUicherKazeigev für övr Kreis Schlüchtem
Nr. 63
(1 Blatt)
Samstag, den 25. Mai 1929
81. Jahrs
Amtliche Bekanntmachungen
Ttadt Schlüchtern.
Warnung an die Hundehalter.
Es liegt Veranlassung vor, die Hundehalter wiederholt auf das verbot betr. das Umherlaufenlassen von Hunden in den hiesigen Iagdrevieren kftzuweisen. Die Klagen, daß wildernde Hunde Schaden unter dem wildbestand (namentlich unter den Iunghasen) anrichten, mehren sich. Wir bringen daher die nachstehenden Bestimmungen in Erinnerung und werden gegen Ieden. der ihnen Künftig zuwiderhandelt, unnachsichtlich mit strenger Strafe vorgehen.
1. Nach der Bezirkspolizeiverordnung vom 8. November 1873 (Reg. Amtsblatt S. 200) verfällt derjenige, dessen Hund in einem fremden Jagdrevier jagend, suchend ober aussichtslos umherlaufend betroffen wird, in eine Geldstrafe bis zu 30 .%X
Beim Betreten des Waldes sind die Hunde an die Leine zu nehmen. Das Gleiche empfiehlt sich dringend bei Hunden, die mit ins Feld genommen werden.
Das Unterlassen dieser Vorsichtsmaßregel schließt jeglichen Linwand, daß der Hund ohne verschulden des Hundehalters entlaufen fei, aus.
2. Nach § 30 Ziff. 6 des Kurhessischen Gesetzes vom 7. September 1865 (G. S. S. 571) dürfen Hunde, die herren- !os ober deren Eigentümer unbekannt sind, wenn sie in fremden Iagdrevieren betroffen werden, vom Iagdberech- tigten getötet werden.
Die Iagdberechtigten sind angewiesen, entsprechend zu verfahren.
. Schlüchtern, den 22. Mai 1929.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Bekanntmachuirg. ^
Nach Mitteilung der Bahnmeisterei wird am 2 5.
mit der Pflasterung des im Bahneigentum stehenden Teiles der LahnhofsNaße begonnen. Die Fuhrwerks- und insbesondere die Autobesitzer werden ersucht, während der Ausführung der Arbeiten den in Frage kommenden Teil der bahnhofstraße in langsamen Tempo zu befahren.
: Schlüchtern, den 23. Mai 1929.
Die Polizeiverwaltung: Fenner.
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Bekanntmachung.
Am Mittwoch, den 29. Mai 1 929, nachmit- ags 4 Uhr findet eine Uebung der Pflichtfeuerwehr statt und zwar der Mannschaften der i spritze 1,
Hydrantenabteilung 1, Rettungswache und : des klbsperrkommandos.
Schlüchtern, den 23. Mai 1929.
Die Polizeiverwaltung: Der Ortsbrandmeister:
Fenner. Denhard.
^^lg. Ortskrankenkasse Schlüchtern.
Bekanntmachung
3u den wiederholten Bekanntmachungen des Herrn Dr. Tamnitzer in der Schlüchterner Zeitung bringen wir zur allgemeinen Kenntnis für Arbeitgeber und Mitglieder unfe= W Kasse, daß bis auf weiteres als zuständige Kassenärzte |9elten:
§- für den Arztbezirk Schlüchtern I, Herr San. Rat Dr. meb. Stern in Schlüchtern,
u- für den Arztbezirk Schlüchtern II, Herr prakt. Arzt Fömmel in Schlüchtern.
Etwa hierin eintretende Aenderungen werden von unserer ^ase auf schnellstem Wege bekannt gemacht und gelten dann vom Tage der Bekanntmachung ab.
d-hlüchtern, den 21. Mai 1929.
Der Vorstand der Allg. Ortskrankenkasse.
Württembergische Staatshilfe für Zeppelinhallen.
Finanzausschuß des Württembergischen Landtags einer Position im Haushaltsplan des außer-- Dienstes beschlossen, dem Luftschiffbau Zeppelin tMung von Bauhallen einen Staatsbeitrag von zwei zu gewähren. Davon sollen 600 000 Mark sofort werden. Bei dieser Gelegenheit kam Wirtschasts- . Beherleauch auf die letzte Fahrt des „Graf Zepse-- w .öu sprechen und schloß sich namens der Württemberg! scheu ^tchsveglerung an Frankreich für
Vertrauen der württembergischen Regierung in die des Zeppelinluftschisfes sei durch das letzte Miß- Amer Weise erschüttert. Er spreche den Führern und L^nschaften des „Graf Zeppelin" für ihr mutiges und kluges 'laltcn den Dank der Regierung aus.
„Graf Zeppelins" Rückfahrt nach Friedrichshafen.
Eckever auf der Reife nach Cuers.
Entgegen der Mitteilung des Luftschiffbaues Zeppelin wird Dr. Eck«»er doch nach Toulon bezw. Cuers zurückkehren, und zwar Vevanlaßte ihn dazu ein Telegramm, das er von Kapitän Lehmann aus Cuers erhalten habe und das den Wunsch aus- drückte, er möge die Führung von Toulon nach Friedrichshafen selbst überneHuten. Infolgedessen ist Dr. Eckener sofort in Begleitung von Graf Soden im Auto nach Zürich abgereist. Von dort aus wird er die Reise nach Toulou im Schnellzug fortsetzen.
Der Rückfluß des Luftsthiffes von Cuers nach Friedrichs- Hafeu wird stattfinden, wenn Dr. Eckener dort eingetroffen ist und die beendeten Einbauarbeiten der neuen Motoren, sowie die Äitterungsvcrhältnisfe es gestatten.
«Graf Zeppelins" Start in Frankreich.
Toulon, 23. 5. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist heute abend unter der Leitung von Dr. Eckener um 20,25 Uhr auf dem Flugplatz von Toulon Tuers-Pierrefeu zu seinem Kückfluge nach Friedrichshafen aufgestiegen. Die Windverhältnisse sind sehr günstig, so daß das Luftschiff sehr rasch vorankommt. Die Route, die das Schiff nimmt, ergibt sich aus folgenden Stanbortmelbungen: 21,40 Uhr Marseille, 23,30 Uhr Valence, 0,25 Uhr über dem Lac du Bourget, kurz nach 1 Uhr Genf und 1,35 Uhr Lausanne. Man rechnet mit einer Ankunft des „Gras Zeppelin" in Friedrichshafen gegen 6 Uhr morgens.
Der Abschied von EuerS.
Toulon, 23. 5. (WB) Die Startmanöver wurden mit der gleichen Präzision ausgeführt, mit der in der vorigen Woche die Einbringung in die Halle erfolgt war. Die Startmannschaft bestand aus Marine und Infanterie. Noch in der Halle wurden die Motoren angeworfen und wieder
mühelos herausgezogen. Das Herausholen aus der Halle nahm etwa sieben bis acht Minuten in Anspruch. 200 Meter vor der Halle wurde Befehl erteilt, die Seite loszu- lassen, und die Startmannschaft, etwa 100 bis 150 Mann, hielt das Luftschiff an der Gondel fest. Korvettenkapitän hamon, der die Startmanöoer von der Erde aus leitete, stieg daraufhin an Borb. Aisbann wurde der Befehl erteilt loszulassen. Sofort erhob sich das Luftschiff. Die deutschen Passagiere riefen: „Auf Wiedersehen! Danke!" Die französischen Offiziere legten grüßend die Hand an die Mütze, und unter den Anwesenden, die dem Start beiwohnten, begann ein Beifallsklatschen. Es herrschte wirkliche Begeisterung. Der Zeppelin ging darauf höher.. Ballast wurde abgeworfen und das Luftschiff nahm bei Einbruch der Dunkelheit Kurs auf Toulon. In Hellem Mondenschein entfernte sich das Luftschiff, so daß die Bevölkerung es noch eine Zeitlang mit dem Auge verfolgen konnte. In der Nacht begann das heimströmen der unzähligen Autos, die die Personen zurückbeförderten, die der Abfahrt beigewohnt hatten.
Hebet Genf.
Genf, 24. 5. (W6) Line Stunbe früher, als man errechnet hatte, hat das Luftschiff „Graf Zeppelin", das offenbar mit sehr günstigen Winden fährt, heute nacht kurz nach 1 Uhr in etwa 200 Meter Höhe Genf überflogen. Das nächtliche Schauspiel in der mondhellen Nacht hatte trotz der vorgeschrittenen Stunbe noch zahlreiche Schaulustige auf die Straßen gelockt. Das unbekannte, in der Stifte der Nacht weithin vernehmbare Orgeln der Motoren hatte gut fünf Minuten im voraus das Nahen des Luftschiffes ange- kündigt. „Graf Zeppelin" fuhr mit direktem Kurs Lausanne weiter. Der überwältigende Anblick des mit zahlreichen Positionslichtern erkennbar gemachten Luftschiffes dauerte nur wenige Minuten. Die vier Schlußlichter an Backbord und Steuerborbfeite verschwanden schließlich in dem sternklaren Nordhimmel über dem Genfer See.
In Friedrichshafen gelandet!
Friedrichshafen 24. 5. Nachdem der „Graf Zeppelin" gestern abend um 20,25 Uhr in Tuers nach seinem Heimathafen Friedrichshafen gestartet war, ist er hier heute früh um 5,10 Uhr nach einem 8y2 ständigem $lug auf dem Gelände der Werft gelandet.
AmLsuvterschlagung. > A
München, 24. Mai. Wegen Amtsunterschlagung und Ur- fitnbenfälfgnmg wurde der verheiratete Oberforretar bei der Verwaltungsstelle der Münchener Landespolizei, Lehner, zu zwei Jahren vier Monaten Gefängnis, wegen Beihilfe der Kaufmann R. Grünewald zu zehn Monaten Gefängnis ver- urteilt. Lehner hatte nach und nach 40 000 Mark veruntreut und außerdem 30 000 Mark von dem ihm an!) ertränkn Gelde in dem Bankgeschäft Grünewald angelegt, wo es zum Teil verloren ging.
FernschncAzug 0 5 Jranksurl-Verlin entgleist.
3Schwer-, 10Leicht verletzte.
F u l d a, 24. Mai. Am Donnerstagnachmittag 4.16 Uhr entgleiste im Bahnhof Kerzell bei Fulda der FeruschneLzug F. D. 5 der Strecke Frankfurt a. M.—Berlin, der in Frank- furt um 14.41 Uhr abfährt, bei der Durchfahrt durch ei« Ueberholungsgleis. Die Lokomotive, der Packwagen uud zwei Personenwagen fielen um. Drei Wagen blieben auf dem Gleise stehen. Einer Dame wurde der Fuß abgequetscht, der Heizer und der Lokomotivführer wurden schwer, 10 Reisende leicht verletzt.
Zu dem schweren Eisenbahnunfall erfährt Wagners Süd- westdeutscher Nachrichtendienst folgenbe Einzelheiten: An der Unfallstelle herrscht ein wüstes Durcheinander. Die drei entgleisten Personenwagen sind vollständig übereinanderge- schoben und bilden einen Trümmerhaufen. Der als schwerverletzt gemeldeten Dame wurde ein Fuß am Knöchel abgerissen. Es handelt sich um ein Fräulein Susanne Nöthe aus Lerlin-Dahlem. Bei den übrigen zehn Leichtverletzten handelt es sich um sieben Passagiere sowie um den Lokomotivführer, Heizer und Zugführer des Zuges. Der Lokomotivführer Seifert aus Erfurt wurde unter einem Haufen von Kohlen unter seinem Führerstand herausgeschaufelt, er erlitt eine Gehirnerschütterung und Handverletzung. Der Heizer Eckhard aus Erfurt, der schon vorher abgesprungen war, erlitt einen Nervenchock. Als weitere Schwerverletzte gelten: Iakob Saffran, Schmanbeim und ein Herr Braun, leicht verletzt wurden Zugführer Hügel aus Frankfurt a. M. und Schauspieldirektor Dr. Kronacher. Nur dem Umstand, daß der Zug, der nur erster und zweiter Klasse führt, sehr schwach besetzt war, ist es zu verdanken, daß das Unglück keine größeren Ausmaße annahm. Wie verlautet, soll noch werden. Es ist nicht ausgeschlossen wch unter den Trümmern befindet. Die drei Hinteren Wagen, darunter der Speisewagen, blieben auf den Gleisen stehen und wurden später nach Fulda weitergeleitet. Die Fuldaer Sanitätskolonne sowie die Sanitäts- mannschaft der Station Fulda waren rasch zur Stelle, ebenso eilten sofort zahlreiche Aerzte zur Hilfeleistung an die Unfallstelle..
Die amtliche Darstellung der D-Zugentgleifung.
Die Keichsbahndirektion Frankfurt a. M. teilt mit: Im Bahnhof Kerzell bei Fulda wird die Fliedebrücke^zur Zeit umgebaut. Infolge dieser Arbeiten müssen die Züge der Richtung Frankfurt a. M.-Fulda im Bahnhof Kerzell durch das Ueberholungsgleis geleitet werden, das mit einer Ge- schwindigkeit von 45 Klm. durchfahren werden soll. Die Ursache der Entgleisung ist wahrscheinlich darin zu suchen, daß der verunglückte Schnellzug mit unverminderter Geschwindigkeit das Ueberholungsgleis durchfuhr. hierbei entgleiste die Lokomotive, stürzte um und riß den folgenden Packwagen und drei Personenwagen mit sich. Sechs Kei- sende wurden schwerer und sieben leichter verletzt. Die schwerer verletzten wurden dem Krankenhaus in, Fulda zugeführt. Die leichter verletzten setzten ihre Reife fort. Unter den leichter verletzten befindet sich auch der Direktor des Leipziger Schauspielhauses Dr. Kronacher,( der bekanntlich nach Frankfurt als Scbaufpielintenbant berufen ist); er erlitt einen Bluterguß an der Schläfe. Die auf dem Gleis stehen gebliebenen drei Wagen des Schnellzuges wurden nach Eintreffen einer Ersatzlokomotive nach Fulda weitergefahren, von dort setzte der Zug um 18,51 Uhr seine Reife nach Eisenach fort, wo die Keifenden in einen inzwischen zusammengestellten neuen Schnellzug umsteigen müssen." Die Züge der Richtung Fulda-Frankfurt können auf dem richtigen Gleis ohne Störung verkehren.« Der Verkehr in der Kichtung Frankfurt-Fulda muß bis zur Beendigung der Aufräumungsarbeiten zwischen Neuhof und Fulda eingleisig geführt werden. ,
— In Sowjetrußland wurden drei führende Persönlichkeiten, die auch schon unter der Zarenregierung höhere Aemter bekleidet haben, wege niyegenrevolutionärer Umtriebe zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung wurde gleich vollzogen.
—' In Frankreich wurde ein neuer Höhenrekord für Flugzeuge mit 500 Kilogramm Nutzlast ausgestellt. Der Flieger Lemoigne erreichte über dem Flugplatz Villacoub- lay eine Höhe von etwa 9 600 Metern. Der bisherige Kekord wurde von dem deutschen Flieger Schinzinger mit 9 180 Metern gehalten.
— Die französischen Getreidezölle wurden von 55 auf 50 Francs pro Zentner erhöht. Die Erhöhung des Schutzzolles wird mit dem Sinken der Getreidepreise auf dem Weltmärkte, die einen Schutz der französischen Landwirt- schaft gegenüber der ausländischen Konkurrenz notwendig machten, begründet.