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Nr. 64 (1. Blatt) Dienstag, den 28. Mai 1929 81. Iahrg.

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Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

III. F Nr. 811/29 II. von der nachstehenden, in Ge­meinschaft mit dem Herrn preußischen Justizminister getrof­fen Regelung gebe ich hiermit Kenntnis:

Kv. d. Mfv. u. d. 31H. v. 2 4. 4, 1 929 über die Sorge für die Person von Kindern aus zer­rütteten Ehen (Mfv. III $ 81 1/29, 3. M. 1481).

Um dem Vormundschaftsgericht und dem Jugendamts möglichst frühzeitig solche Maßnahmen zu ermöglichen, die ,ie Sorge für die Person von Kindern aus zerrütteten Hen betreffen, bestimmen wir folgendes:

1. Wird die Erteilung eines Zeugnisses zur Erlangung ie$ Armenrechtes für die Erhebung einer Klage auf Schei- mng, Nichtigkeit oder Anfechtung einer Ehe, auf $eft« tellung des Bestehens oder Nichtbestehens einer Ehe, auf Herstellung des ehelichen Lebens oder auf Gewährung von lnterhalt gegen den Ehegatten des Gesuchstellers beantragt, o hat die für die Ausstellung des Armutszeugnisses zustän- nge Behörde in denjenigen Zöllen, in denen noch nicht 16 Jahre alte Kinder des Gesuchstellers aus der Ehe mit seinem ewigen Ehegatten vorhanden sind (Ziff. 1 und 2 des Vor- iru&esZeugnis zur Erlangung des Armenrechts") unver, iglich dem zuständigen Vormundschaftsgericht und dem ugenbamt, in dessen Bezirk die Kinder ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort haben, den Gegenstand des Klagebegehrens Ziff. VI des Vordruckes) sowie Hamen, Alter und Aufent­halt, gegebenenfalls auch Staub oder Beruf der Kinder mitzuteilen. Die Mitteilung hat durch verschlossenen Brief und unter Hinweis auf die Gv. zu geschehen; auch ist auf em an den Gesuchsteller auszuhändigenden Zeugnisse zur Erlangung des Armenrechts am Schlüsse zu bescheinigen: ,Das zur Ausführung der Gv. o. 24. 4. 1929 Mfv. II F 811/29 und IM. I 481 Erforderliche ist Der«

2. Zeblt dieser vermerk, so hat der Krkündsbeämte ieschästsstelle des Amts- oder des Landgerichts, der ein iesuch um Bewilligung des Armenrechts (§ 118 ZPG) 'ür eine der unter 1 genannten Klagen aufnimmt, und eben« o der Urkundsbeamte der Geschäftsstelle des Landgerichts, >em ein schriftliches Gesuch dieser Art vorgelegt wird, die unter 1 bezeichneten Mitteilungen und zwar ebenfalls unverzüglich zu machen und den am Schlüsse von 1 vor­geschriebenen Vermerk auf die Niederschrift des Armen- echtsgesuchs oder auf den das Armenrechtsgesuch enthal­tenden Eingang zu setzen.

3. Um auch diejenigen Zölle zu erfassen, in denen ein Rechtsstreit der unter 1 bezeichneten Art nicht im Armen- echt geführt werden soll, hat der Urkundsbeamte der Ge- Häftsstelle des Landgerichts unverzüglich nach Erreichung her der unter 1 bezeichneten Klagen, die daselbst vorge- schriebenen Mitteilungen insoweit zu machen, als die An­gaben des Klägers ihn dazu instand setzen. Aus der ersten Seite der Klageschrift ist zu vermerken, daß die Mitteilung erfolgt ist. Die Mitteilung unterbleibt, wenn sich ergibt, daß bereits von anderer Seite das Erforderliche veranlaßt worden ist."

Berlin, den 4. Mai 1929.

Der preußische Minister für Volkswohlfahrt.

«

^.-Ur. 4586. vorstehender Ministerialerlaß wird den Herren Bürgermeistern des Kreises zur Beachtung mit­geteilt. I

Tchlüchtern, den 24. Mai 1929.

D er Land rat: Dr. Müller.

bei der Deutschen Verlags-Aktiengesellschaft in Berlin« bchoneberg ist 1928 ein Heimatbuch Hessen-Nassau und Waldeck erschienen, dessen vertrieb die Verlagsbuchhand- von Johann Braun in Eschwege übernommen bat.

hat uns für eine Sammelbestellung einen erheblichen Misnachlaß bewilligt, so daß das Buch statt für den (Ein« Weis von 10 9Mt für 6 9UC zuzüglich der entstehenden ^Mosten abgegeben wird.

~lr .weisen auf das Buch empfehlend hin. Es enthält M einem Geleitwort des Herrn Gberpräsidenten Dr. Wwander aus der Zeder berufener Kenner der Provinz Bei^e von Abhandlungen über die einzelnen Ge- Weile der Provinz sowie den Staub des kulturellen no wissenschaftlichen Lebens. Es eignet sich gut für die und Schulbüchereien. Wir ersuchen die Schulen Jeres Gesckäftsbereichs, etwaige Bestellungen des Werks 'en zuständigen Säjulräten bis zum 1. Juni b. 3s. m^en, welche uns die gesammelten Bestellungen bis

^' ^uni b. 3s. einreichen wollen. Zehlanzeige ist W erforderlich.

am 2, Mai 1929.

Regierung, Abteilung für Kirchen und Schulwesen. Dr. Zriedensburg. Dr. Kuchen.

Wegen Ausführung von Walzarbeiten wird die Pro- vinzialstraßeGrebenhainHartmannshain" vom 27. Mai 1929 ab für jeglichen Verkehr gesperrt.

Umleitung erfolgt über Bermutshain- Völzberg.

Die aufgestellten Warnungstafeln sind zu beachten.

Gießen, den 21. Mai 1929.

Hess. Provinzialdirektion Oberhessen.

Nr. 4581. Die Nummer 10 der ZeitschriftDie Polizei" enthält einen ausführlichen Bericht über denKampf der Polizei gegen die Verunreinigung der Wasserläufe".

Da der Bezugspreis nur,90 3LM beträgt, stelle ick den in Zrage kommenden Gemeinden die Beschaffung dieser Nummer anheim.

Die Bestellung muß bei der Kameradschaft, Verlagsgesell­schaft m. b. H. zu Berlin W. 35, Zlottwellstr. 3 erfolgen.

Schlächtern, den 23. Mai 1929.

Der Landrat: Dr. Müller.

Stadt SchlSHtern.

Bekanntmachung.

Am Mittwoch, den 2 9. Mai 1 929, nachmit­tags 4 Uhr findet eine Uebung der Pflichtfeuerwehr statt und zwar der Mannschaften der

Spritze 1,

Hydrantenabteilung 1, Rettungswache und des Absperrkommandos.

Schlüchtern, den 23. Mai 1929.

Die Polizeiverwaltung: Der Ortsbrandmeister:

Zenner. Denhard.

Auto und Motorrab-AnglückSfälle.

Güterzug auf dem Bahnübergang beim Haltepunkt Ge- velsbergNirgena ein Auto. Der Wagen wurde etwa 60 Meter weit mitgeschleift und vollständig zertrümmert. Der einzige Insasse, ein Dr. Zrankenhaus aus Ouerfurt, wurde getötet. Die Schuld soll den Toten treffen.

In der Nacht zum Sonntag gegen 2 Uhr wurde in Steele ein Motorradfahrer von einem Kraftlieferwagen, der in der Richtung BochumEssen fuhr, überfahren. Der Zührer des Motorrades wurde schwer verletzt. Der Mitfahrer wurde auf der Stelle getötet. Der Zührer des Lieferwagens fuhr, ohne sich um den Vorfall zu kümmern, davon und entkam unerkannt.

Kurz vor Zrankfurt a. G. verunglückte Sonntag früh ein Lastauto, mit dem der Küstriner katholische Gesellen­verein zur Besichtigung des Klosters Neuzelle fahren wollte. Nach den bisherigen Feststellungen wurden drei Personen getötet. Drei Insassen wurden schwer und vier leicht verletzt.

Bei dem internationalen Lückendorf-Bergrennen, das Sonntag in Zittau in Anwesenheit von annähernd 40 000 Zuschauern stattfand, ereignete sich ein furchtbarer Un­glücksfall. In einer Kurve geriet der von dem bekannten Rennfahrer Mahla-Morchenstern gesteuerte Wagen ins Schleudern und fuhr in die Zuschauermenge. Zwei Per­sonen wurden getötet, sechs schwer und acht leicht verletzt. Mahla-Morchenstern wurde schwer, jedoch nicht lebensge­fährlich verletzt.

Erdbeben in der Türkei.

In der Türkei wurden durch ein Erdbeben 1 357 Häuser völlig und 313 zum Teil zerstört. 64 Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben, 72 wurden verwundet. Nicht weniger als 74 Dörfer sind zerstört.

Der einmotorige Ryan-TindeckerZort Worth", der sich nunmehr seit einer Woche mit den Fliegern Reffind und Kelly an Bord in der Luft befindet, hat den im vergange­nen Jahre von dem amerikanischen MilitärflugzeugOue- stion Mark" aufgestellten Dauerflugrekord von 150 Stun­den und 40 Minuten überboten und setzt seinen Zlug fort. Fort Worth" hat Sonntag zum 16. Male von einem Tankflugzeug Brennstoff übernommen.

Auf dem Zlug platz der Junkerswerke in Dessau wurde Sonntag vormittag von dem Zlugzeugführer Willi Neunhofer mit einer Höhe von 12 500 Metern ein neuer Welthöhenrekord für Zlugzeuge ohne Nutzlast ausgestellt. Der bisherige Rekord wurde von einem Amerikaner mit 11 700 Metern gehalten.

Zugzufammeustvtz m Augsburg.

Augsburg, 27. Mai. Im hiesigen Hauptbahnhof fuhr an einer Ueberkreuzung eine Rangiergruppe dem dichtbesetzten Personenzug AugsburgMünchen in die Flanke. Zwei Wagen entgleisten und 18 Reisende wurden verletzt. Eine Frau und ihr SHub mußten ins Krankenhaus gebracht werden, die übrigen konnten mit Notverbänden die Reise fortsetzen.

Vor schweren Entscheidungen in Baris.

Dr. Schacht erklärt: Bis hierher und nicht weiterl

Die deutschen Sachverständigen haben den Gläubiger- abordnungen mitgeteilt, daß es für die Deutschen unmöglich sei, über den Noung-Plan hinauszughen und daß sie eine weitere Erörterung der Höhe der deutschen Jahreszahlen für zwecklos halten. Sie richteten mit dieser Absage gleichzeitig die Aufforderung an die Alliierten, zu den drei Vorbehalten, auf die Deutschland entscheidenden Wert legen müsse, mitJa" oderNein" Stellung zu nehmen. Es handelt sich bei diesen Vorbehalten um die Höhe des transferungeschützten Teils, das Schicksal der Reichsbahn und die sogenannte Ausbringungs- klausel. Auch der Vorsitzende der Konferenz, Owen Doung, hat den Alliierten zu verstehen gegeben, daß er ihre Auslegung des von ihm entworfenen Zahlungsplanes nicht billigen könne, und er hat damit den Standpunkt der deutschen Abordnung gestärkt.

Die Alliierten forderten 52,8 Millionen jährlich mehr

Die deutschen Sachverständigen haben vor einer schweren Entscheidung gestanden. Die Verhandlungen mit den Alli-- ierten, insbesondere eine Aussprache mit dem Franzosen Ques- nay, ergab, daß die Alliierten von ihrer Auslegung des Doung- Planes über die deutschen Zahlungen nicht abgehen wollten.

Auf deutscher Seite mußte man sich daher darüber klar werden, ob man erneut Nachgiebigkeit zeigen und erneut von dem Grundsatz der deutschen Leistungsfähigkeit zugunsten der darüber hinausgehenden politischen Forderungen der Tribut­gläubiger abweichen wollte, oder ob endlich der Augenblick ge­kommen sei, offen zu sagen:Bis hierher und nicht weiter!" Die deutschen Sachverständigen haben das letzte getan.

Die Entwicklung, wie "man sie auf deutscher Seite im Augenblick sieht, stellt sich folgendermaßen dar:

Falls man zu einer Einigung über den Stampschen Schlußbericht kommen sollte, der die "deutschen Vorbehalte nach deutschem Wunsch enthält, so würde man diesen Bericht unter­schreiben, jedoch die Regelung der Höhe der deutschen Jahres­leistungen offen lassen, d. h. den Regierungen zur politischen Klärung überlassen. Sollte dagegen auch über die PvrhehMe MdN'LMWMUJitr editiert sein, so ^urde die .Pvnfercnz mit getr,unten Berichten der Alliierten und der Deutschen ausein- audergohen. Diese Entscheidung der deutschen Sachverständi­gen dürfte von allen Deutschen einmütig begrüßt werden, vor allem wenn man erfährt, daß die neue Gruppierung der deut­schen Jahreszahlungen, die die Alliierten in dem Poung-Plan vorgenommen haben, eine Mehrzahlung von 52,8 Millionen Goldmark im Jahre bedeuten würde. (!)

Die Beurteilung in London.

In einem Pariser Bericht desManchester Guardian" wird die bereits von anderer englischer Seite gemachte Fest­stellung bestätigt, daß nicht der geringste Anhaltspunkt für die Behauptung bestehe, daß der Rücktritt Dr. Voglers auf den Druck gewisser deutscher Jndustriekreise oder auf einen Plan zur Zerstörung der Konferenzarbeiten zurückzuführen sei. Sach­lich werden die weiteren Aussichten der Konferenz auch in diesem Bericht ungünstig beurteilt.

Es wird darauf hingewiesen, daß eine Entscheidung in dem einen oder anderen Sinne in den nächsten zwei oder drei Tagen erwartet werden könne und im Augenblick ein Zusammenbruch die größere Wahrscheinlichkeit für sich habe. Von Seiten bet britischen Gruppe sei für diesen Fall eine Erklärung zu er­warten, in der die brittsche Haltung vor der Welt gerechtfertigt werde.

Deutsch-französische Aussprache.

Die Verhandlungen auf der Sachverständigen- konferenz in Paris kommen nicht vom Fleck. Die Ma­schine läuft leer. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß d - Schwergewicht der Verbandlnnaen zur in privaten Besprechungen zwischen den fran­zösischen Vertretern Morcau und Quesnay einerseits und Dr. Schacht und Kastl andererseits zu sehen ist.

Die vier Herren fanden sich Sonnabend nachmittag zu einer mehrstündigen Aussprache zusammen. Diese Tatsache wird als eine gewisse Entspannung in den Beziehungen zwischen den Deutschen und Franzosen beurteilt, da sich seit vielen Wochen zürn erstenmal Dr. Schacht und Moreau persönlich sehen. Die Unterhaltung galt, wie verlautet, innner der gleichen Frage, ob es nicht doch noch möglich sei, ohne Erhöhung der von Aoung vorgeschlagenen Iahreszahlungen den Verteilungswünschen der Gläubiger entgegen- zukommen.

Eine Aenderung der Lage ist dnrch diese Unter­haltung nicht erfolgt, sie kann vielmehr feit Freitag als völlig unverändert betrachtet werden, da prak­tische Ergebnisse nicht erzielt wnrde».

Geld oder Notifizierung des Berenger-Abkommeus.

Die amerikanische Regierung hat im Kongreß einen Antrag eingebracht, wonach die Regierung ermächtigt werden soll, die Zahlung der 400 Millionen Dollar von feiten Frankreichs, die am 1. August fällig wird, zu stunden, wenn die Franzosen bis zu diesem Datum das Mellon-Berenger-Abkommen ratifizieren.

Der Antrag besteht also auf der pünktlichen Zah­lung der 400 Millionen Dollar durch Frankreich oder der Ratifizierung des Schuldenabkommeus.