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Nr. 66

(1. Blatt)

Samstag, den 1. Juni 1929

8L Iahrg.

Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

A-Nr. 4646. Zu den dringendsten Aufgaben der Land- Mtschaftswissenschaft gehört gegenwärtig vor allem das Stu­dium der Absatzbedingungen für landwirtschaftliche Produkte der sich hieraus für die Organisation und Verwertung gebenden Folgerungen. Besondere Beachtung verdienen Mbei die Marktverhältnisse für leicht verderbliche Erzeugnis­se wie Milch, Butter, Frischgemüse und bergt.

Die Abteilung für Wirtschaftslehre des Landbaus beim Landwirtschaftlichen Institut der Hess. Landesuniversität in Gießen hat eine größere wissenschaftliche Untersuchung über He ErzeugungS- und Absatzverhältnisse in Hessen und Hessen- Nassau in Angriff genommen. Zur weiteren Fortführung er Untersuchungen ist eine Stichtagserhebung über den Ver- ikehr mit Milch in den einzelnen Gemeinden erforderlich. Diese Erhebung soll am 5. Juni d. Js. stattfinden.

Zu diesem Zwecke werden den Herren Bürgermeistern in sten nächsten Tagen die erforderlichen Formulare zugehen, die nach sorgfältiger Ausfüllung bis zum 10. Juni d. Js. hier­her' zurückzusenden sind.

Unter Hinweis auf die Wichtigkeit dieser im Interesse ler Landwirtschaft stattfindenden Erhebung, ersuche ich die Herren Bürgermeister, die Ermittlungen mit der größten Sorgfalt vorzunehmen.

Schlüchtern, den 28. Mai 1929.

Der Landrat: Dr. Müller.

J.-Nr. 4645. Den ländlichen Fortbildungsschulen des Kreises wird von jetzt ab die von der Reichszentrale für Heimatdienss herausgegebene HalbmonatsschriftDer Heimat- dienste geliefert werden.

Ich ersuche die Herren Lehrer, die Hefte zu sammeln und fc. M den gqrtbilbun^fdu^ qAagL der.. Brle.br rung zu machen.

Schlüchtern, den 27. Mai 1929

Der Landrat: Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

Warnung an die Hundehalter.

Es liegt Veranlassung vor, die Hundehalter wiederholt auf das verbot betr. das Umherlaufenlassen von Hunden in den hiesigen Jagdrevieren hinzuweisen. Die Klagen, daß wildernde Hunde Schaden unter dem Mildbestand (namentlich unter den Iunghasen) anrichten, mehren sich. Mir bringen daher die nachstehenden Bestimmungen in Erinnerung und werden gegen Jeden, der ihnen künftig zuwiderhandelt, unnachsichtlich mit stren­ger Strafe vorgehen.

1. Nach der Bezirkspolizeiverordnung vom 8. November 1873 (Reg. Amtsblatt S. 200) verfällt derjenige, dessen Hund in einem fremden Jagdrevier jagend, suchend oder aufsichtslos umherlaufend betroffen wird, in eine Geld­strafe bis zu 30 M.

Beim Betreten des Maldes sind die Hunde an die Leine zu nehmen. Das Gleiche empfiehlt sich dringend bei Hunden, die mit ins Feld genommen werden.

Das Unterlassen dieser Vorsichtsmaßregel schließt jeglichen Einwand, daß der Hund ohne verschulden des Hundehalters entlaufen sei, aus.

2. Nach § 30 Ziff. 6 des Nurhessischen Gesetzes vom 7. September 1865 (G. $. $. 571) dürfen Hunde, die herren­los ober deren Eigentümer unbekannt sind, wenn sie in fremden Jagdrevieren betroffen werden, vom Jagdberech- t'gten getötet werden.

Die Jagdberechtigten sind angewiesen, entsprechend zu verfahren.

Schlüchtern, den 22. Mai 1929.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Ausschreibung.

Die Glaserarbeiten für den Neubau einer Volksschule vnd eines Sechsfamilienhauses für die Stadt Schlüchtern vergeben werden.

. ^gebotsformulare, Bedingungen, Zeichnungen pp. liegen stadtbauamt, Schloßgasse 15, während der Dienststunden Zur Einsicht offen.

. Die Angebotsformulare sind bis spätestens Montag, Z 0. Juni 1 9 2 9, vormittags 1 0 Uhr de.m lad t bau am t verschlossen einzureichen.

Deffnung der Angebote geschieht daselbst zu der Betoerb^ ^^^^" Seit in Gegenwart etwa erschienener

^uschlagserteilung bleibt vorbehalten.

Schlüchtern, den 30. Mai 1929.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Bekanntmachung.

Der Betrieb der städtischen Badeanstalt wird am

1. Juni d. Js. eröffnet.

Badezeiten:

für männliche für weibliche ,

Personen Personen Famrüenbad

Montag 2-5 Uhr nachm. 5-8 Uhr nachm.

Dienstag 3-8 Uhr nachm.

Mittwoch 5-8 Uhr nachm. 2-5 Uhr nachm.

Donnerstag 2-5 5-8 , Freitag 3-8 Uhr nachm.

Samstag 5-8 Uhr nachm. 2-5 Uhr nachm. Sonntag 7-8 Uhr vorm. 8-9 vorm. 2-8 Uhr nachm.

Mährend der Sommerferien außerdem werktäg­lich für männliche Personen von 79 Uhr vormittags, für weibliche Personen von 911 Uhr vormittags. Schlüchtern, den 30. Mai 1929.

Der Magistrat Gaenßlen.

Die Pariser Konserenr.

Die Botschaft hör ich wohl..."

Auf energisches Drängen des Vorsitzenden der P a r i s e r Reparationskonferenz, des Amerikaners Owen V 0 u n g, wurde zwischen den Sachverständigen nach langem Hin und Her eine Einigung über den Zahlungsplan erzielt. Im Zusammenhang damit wird nun von der in Paris er­scheinenden amerikanischen ZeitungNew York Herald" er­klärt, der Tatsache werde große Bedeutung beigemessen, daß in diesem Abkommen k e i n e Z a h I u n g e n für die R h e i n- andbesetzung nach dem 1. Januar 1930 vorgesehen eien. Das bedeute die völlige Räumung des Rhein- andes bis zu diesem Termin.

Die Klausel für die laufenden Ausgaben für die Rhem- tandbesetzung stelle fessi daß die Hauptzahlungen für diesen Deutschland bis zum 1. Januar 1930 die Ausgaben für alle Truppen zu leisten habe, die bis zu diesem Tage noch nicht aus dem Rheinland abtransportiert werden konnten. Es sei, wie das Blatt erklärt, ein stillschweigendes Abkommen dahin getroffen, daß, wenn die Sachverständigen zu einer endgültigen Einigung kämen und diese in Kraft gesetzt werde, die Alliierten sofort Schritte unternehmen würden, um ihre Truppen aus dem besetzten Gebiet zurückzuziehen. Das Rheinland werde also fünf Jahre vor dem im Versailler Vertrag vor­gesehenen Termin geräumt sein.

Londoner Stimmen zur Räumunsssfrage.

Auch dieTimes" melden aus Paris, daß die gegen­wärtige Einigung der Sachverständigen auf der Voraus­setzung beruhe, daß das Rheinland bis zum 1. September d. J. geräumt werde und daß keine weiteren Vorkehrungen für die Besatzungskosten nach diesem Zeitpunkt notwendig seien.

Soweit die Meldungen amerikanischer und englischer Blätter. Wir registrieren sie, obwohl wir den darin enthal­tenen Optimismus über die baldige Räumung des besetzten Gebiets noch nicht ohne Wetters zu teilen vermögen.Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!" Denn der der Räumung kommt es in erster Linie auf die Fran­zosen an, und wie die Stimmung bei ihnen ist, zeigten nicht nur die neuesten Poincars-Reden, sondern auch folgende P a- riser Meldung:

Gegen die Räumung.

Im Auswärtigen Kammerausschuß, der sich mit einem des Sozialisten Vincent Auriol über die Frage der deutschen Kriegsentschädigung befaßte, wurde auch die Frage der Ratisi^erung des interalliierten Schuldenabkommens ge- erst. Die kurze Aussprache ergab, daß die Nichtratifizierung Anhänger tn den meisten Kammergruppen hat.

., Die Gruppe Marin hat ihre Vertreter im Kammeraus­schutz für auswärtige Angelegenheiten beauftragt, 1. gegen jede vorzeitige Rheinlandräumung zu stimmen, 2. keiner Ratifi- zlerung der Schuldenabkommen mit Amerika und England und keiner Verminderung der durch den Versailler Vertrag versprochenen Kriegsentschädigungssummen zuzustimmen, und 3. sich im Augenblick jeder Kammeraussprache über die deutsche Kriegsentschädigung und die alliierten Schulden zu wider­setzen.

Das ist sicher eine französische Stimme gegen die Räu­mung. Wir fürchten, es werden weitere folgen.

Die Auffassung in Berlin.

Eine amtliche Stellungnahme zu den Pariser Berichten, wonach mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit bis zum 1. Sep­tember oder 1. Januar mit völliger Räumung zu rechnen sei, liegt noch nicht vor. Irgendwelche Mitteilungen amt- licher Natur, die diese Berichte bestätigen, scheinen bisher gleichfalls noch nicht eingegangen zu sein. In Regierungs­kreisen steht man jedoch nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die Rheinlandräumung eine Selbstverständlichkeit sei, nachdem eine endgültige Regelung der Reparationsfrage gefunden worden sein werde. Deutschland könne somit mit Ruhe die weitere Entwicklung der Dinge abwarten. Bis zum 10. Januar 1930 muß die zweite Rheinlandzone be­kanntlich ohnedies geräumt fein.

Angesichts der Entwicklung der Verhältnisse in Paris wird es neuerdings für sicher gehalten, daß der Reichsaußen­minister entgegen ursprünglichen Absichten sich doch nach Madrid zur Völkerbundsratstagung begeben wird, falls die Sachverständigenverhandlungen vorher zu einem end­gültigen Abschluß kommen.

Dies wird nunmehr in Berliner Regierungskreisen für sicher gehalten. In amtlichen Kreisen wird versichert, daß der Rerchsautzenmmister neben den großen politischen Fragen in Madrid vor allem die Minderheitenfrage weiter zu ver­treten beabsichtige

Die Einigung über den Zahlungsplan.

Bezüglich der soeben zustandegekommenen Einigung über den Zahlungsplan gab die deutsche Abordnung folgende Mit­teilung aus:

Die Sachverständigen der Gläubigermächte und die deutschen Sachverständigen haben sich schon seit einiger Zeit bereiterklärt, die amerikanische Ziffer von 2050 Millionen Mark, wie sie vom Vorsitzenden vorgeschlagen ist, auzunehmen, obwohl bezüglich einiger Auslegungsfragen noch Meinungs­verschiedenheiten bestanden. Diese Meinungsverschiedenheiten sind jetzt geklärt und es ist eine Auslegung, die sowohl für die Gläubiger wie für Deutschland annehmbar ist, gefunden wor­den, vorbehaltlich allerdings der Einigung über die unge­klärten Bedingungen, deren Entscheidung noch offensteht." "

Im einzelnen würde Deutschland zu zahlen haben vom 1. April bis 1. September 1929 die Summe von 1200 Mil- lionen Mark, dann bis 31. März n. I. 743 Millionen Mark, vom L April 1930 bis 31. März 1931 den Betrag von 1708 Millionen, dann jedes Jahr etwas mehr bis vom 11. Jahre an die Zweimilliarden-Grenze erreicht sein wird; die Zah­lung vom 1. April 1939 bis 31. März 1940 beträgt 2043 Millionen. Dann steigen die Ziffern langsam weiter an unb. bleiben auf einer ungefähren Höhe von 2,2 bis 2,3 Millionen Mark, so daß die Durchschnittsjahresrate innerhalb der 37 Jahre von 1988,8 Millionen (ohne Dawes-Anleihe) er­reicht ist.

5. Juni Konferetrzfchlutz?

Seite gibt man sich der Hoffnung hin, daß es ohne allzu große Schwierigkeiten gelingen werde, die Alliierten zu deren vorbehaltloser Annahme zu veranlassen. Man rechnet mit einem Konferenzschluß am 5. Juni.

Vorausgesetzt, daß nun in Paris eine Einigung erzielt wird, wird die formale Erledigung der Kriegsentschädigungs- frage jedenfalls so zu erfolgen haben, daß die Sachverstän­digen ihren Bericht an ihre Regierungen richten und daß sich dann in absehbarer Zeit eine politische Konferenz der Regie­rungen anschlietzt. Wo und wann diese Konferenz stattfinden wird, ist natürlich noch ganz ungewiß.

*

Die Prüfung der deutschen Vorbehalte.

Paris, 30. 5. (MB) Ueber den Stand der Beparations- verhandlungen berichtet Havas: Die Delegierten der Gläu­biger-Mächte find heute nachmittag unter dem Vorsitz Gwen D. Poungs Zusammengetreten und haben die Prüfung der deutschen Vorbehalte zum Abschluß gebracht. (Es ist be­schlossen worden, zur Erleichterung der restlosen Verstän­digung noch heute Abend in zwei besonderen Unterausschüs­sen in einen kontradiktorischen Meinungsaustausch mit den deutschen Delegierten einzutreten. Man nimmt an, daß diese Diskussion ziemlich schnell gefördert werden kann, weil zwischen den verschiedenen Delegationen bereits vorher Be­sprechungen stattfanden. Dem Unterausschuß, der die Frage der Eisenbahnobligationen und der Organisierung der inter­nationalen Bank bearbeiten wird, gehören an: Dr. Melchior für Deutschland, Franqui für Belgien, Pirelli für Italien und Moreau für Frankreich, während Dr. Schacht und Dr. KaftI an den Arbeiten des Ausschusses teilnehmen werden, der noch heute die Frage des Aufbringungsmoratoriums behandeln wird. Die deutschen Vorbehalte betreffen die letzten 22 Annuitäten. Die Liquidierungsklausel, die Sach- lieferungen und die übrigen noch nicht geklärten Punkte werden wahrscheinlich erst morgen in Angriff genommen werden. In der Havasmeldung wird zum Schluß behauvtet, daß nach einmütiger Ansicht der Delegierten der Gläubiger­mächte die Frage der belgischen Markforderungen noch vor dem Abschluß eines allgemeinen Abkommens geregelt wer­den müßte.

Sitzung des ReichStabinettS.

Der Neickskanzler und die sozialdemokratischen Mitglie­der des Kabinetts, die am sozialdemokratischen Parteitag in Magdeburg teilnahmen, sind gestern nach Berlin zurück- gekehrt. Für heute ist eine Sitzung des Neichskabinetts an- beraumt, in der lt.Voss. 3tg." u. a. ein Vortrag des Neichsaußenministers Dr. Strefemann über die kommende Ratstagung in Madrid entgegengenommen werden soll. Das Neichskabinett wird vermutlich auch das Problem der Reform der Arbeitslosenversicherung beschäftigen.