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Nr. 70 (1. Blatt) Dienstag, den 11. Juni 1929 81. Iahrg.

Amtllche Bekanntmachungen

Landratsamt.

I .-Nr. 5103. Der Landweg AltengronauMottgers bis gbzweig nach Zeitlofs wird vom Mittwoch, dem 12. bis Sonnabend, dem 22. Juni d. 3s. für sämtlichen Fährver­kehr gesperrt. Der Verkehr ist über Ueuengronau Sterb- $ zu leiten.

Uebertretungen werden nach der Straßenverkehrsordnung vom 24. September 1926 (Beilage zum Reg. Amtsblatt Kr. 40, 1926) bestraft.

Schlächtern, den 7. Juni 1929.

Der Landrat: Dr. Müller.

I .-Nr. 5068. Der Landwirt und Bürgermeister Emil Schöppner und der Landwirt Nikolaus Iahn, beide in Uerzell, sind als Schiedsmann bezw. Schiedsmannstellver- treter für den Schiedsmannsbezirk Uerzell wiedergewählt und bestätigt worden.

Schlüchtern, den 7. Juni 1929.

Der Landrat: Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

Hebung der Pflichtfeuerwehr.

Hm Donnerstag, den 1 3. Juni 1929 nach­mittags 4 Uhr (fiof Fuldaerftr. 47) findet eine Uebung für folgende Mannschaften der Pflichtfeuerwehr statt:

Spritze 2

Hydrantenabteilung 2 und Rettungsmannschaft.

Schlüchtern, den 11. Juni 1929.

Die Polizeiverwaltung:

Gaenßlen.

Der Ortsbrandmeister: Denhard.

Bekanntmachung

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tags 5 Uhr wird das Gras von den städtischen Grund­stücken verbaust.

Zusammenkunft der Kaufliebhaber an der Oreschhalle. Schlüchtern, den 10. Juni 1929.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Schlechter Stand der Minderheitenfrage.

Die Mehrheit für den Dreierbericht.

In der Minderheitenfrage haben die letzten Ver­handlungen des Ratskomitees eine ungünstige Wendung genommen. Es ergab sich, daß die Mehrheit der Rats- mtglieder mit den in der vorliegenden Fassung völlig ungenügenden Vorschlägen des Dreier-Ausschusses ein- oerftanben ist. Das Gesamtergebnis der Beratungen zur Stunde das, daß gegen Deutschland, Finnland und Kanada die Empfehlungen des Londoner Berichts >uehr oder weniger angenommen sind. Am Dienstag das Ratskomitee nochmals zn einer Sitzung zm fMmentreten, in der das weitere Schicksal des Mim be.^eitenschutzes entschieden werden dürfte.

Ueber die Bedeutung der letzten Sitzung des Rats- lonutees gehen die Meinungen auseinander. Die Ab­ordnungen Frankreichs, Polens und der Kleinen En- ^nte versichern, eine Vertagung der Debatte auf den yerbst könne nun nicht mehr erfolgen, da ja bereits »lieg grundsätzlich entschieden sei. Demgegenüber be- mchnet man in den Kreisen der deutschen Delegation ^e^^uudfragen des Minderheitenschutzes als noch

Sollte das Ratskomitee den Londoner Bericht tat- annehmen, dann wird der Rat das letzte Wort sprechen haben. Da Reichsaußenminister Dr. Strefe- uiann an der Dienstag-Sitzung des Ratskomitees teil- Urnehmen beabsichtigt, ist anzunehmen, daß Dr. Strese- mann bereits im Ratsausschuß das Wort ergreifen

Sprengung eines deutschen Ehrenmals in Riga.

9 «, 10. 6. (WB) In der vergangenen Nacht sprengten .^bekannte Personen auf dem Waldfriedhof den Gedenkstein die deutsche Landeswehr, die an der Befreiung Rigas an den Bolschewisten im Jahre 1919 beteiligt war. Die Versuchung ist eingeleitet.

Feuergesecht mit Schmugglern.

bei Tzenstochau versuchte Samstag nacht eine Bande °n Schmugglern eine größere Menge Tabak auf einem ®n O^ttben gezogenen Karren von Deutschland nach Polen L ^ringen. Die Schmuggler wurden bei dem versuch, e Grenze zu überschreiten, von der Grenzwache überrascht, ierbei entspann sich ein etwa einstündiges Feuergefecht. ? Schmuggler sahen sich gezwungen, unter Zurücklassung j ^ S^rferoerrounbeten sich auf deutsches Gebiet zurück-

Grst Räumung, dann Rallfizlerung!

Ein bemerkenswerter Schritt der rheinischen Gewerk­schaften.

Die sozialdemokratische Partei und die freien Ge­werkschaften im besetzten Gebiet richteten an die Reichs- regierung die Aufforderung, mit der Ratifizierung des Pariser Abkommens solange zu warten, bis die voll­ständige Räumung aller besetzten Gebiete und dre gleichzeitige Regelung der Saarfrage durchgeführt ist. Die Bevölkerung der besetzten Gebiete verlange zehn Jahre nach dem Frieden volle Gleichberechtigung mit den übrigen Teilen des Deutschen Reiches und richte ^ese Forderung an alle Regierungen und Parteien, die an der Unterzeichnung des Pariser Abkommens beteiligt sind.

Belgien rüstet zur Rheinlandräumung.

Brüssel, 10. Juni. Belgien bereitet sich ernst­haft aus die Rheinlandräumung vor. Der Kriegsmini­ster hat den entsprechenden Militärbehörden schriftliche Anweisungen über die Rückbeförderung der belgischen Besatzungstruppen gegeben. Sollte aber Belgien noch nach dem Jahre 1930 (!) an der Besatzung des Rhein­landes teilnehmen, dann solllediglich" ein Reiter­regiment im Rheinland verbleiben.

Räumung ab Juli?

Paris, 9. 6. (Tel.) Zu der Frage der Nheinlandräu­mung schreibt dieThiKago Tribune":Es wird erwartet, daß in Madrid eine Einigung dahin erzielt wird, daß die erste Abberufung der Besatzungstruppen im Juli und eine wei­tergreifende Zurücknahme im August erfolgen wird, mit der Möglichkeit, daß der deutsche Boden am 1. September besatzungsfrei sein wird. Die Ratifizierung des Sachver­ständigenplanes scheint sicher, poincare wird den Poung- Plan seinem Kabinett in der kommenden Woche unterbreiten und erwartet, wie vertraulich erklärt wird, seine einstim­mige Annahme. Der Plan geht dann dem Parlament zu,

großer Mehrheit ratifiziert werden wird."

Wie das Blatt weiter wissen will, beabsichtige Dr. Stre= semann vorzuschlagen. daß Frankreich sich auch aus dem Saarbecken zurückziehe, und auf sein Necht auf die im versailler Vertrag vorgesehene Volksabstimmung im Jahre 1935 verzichte, da selbst die optimistischsten Franzosen zu- gäben, daß eine derartige Abstimmung einstimmig für Deutschland ausfallen würde. Um Frankreich einen An­reiz zum sofortigen verlassen des Saargebietes zu geben, erwarte man von Deutschland, daß es entweder eine Geld­summe oder die frühere Kommerzialisierung eines Teiles der Kriegsentschädigungen anbieten werde.

Paris, 9. 6. (WEB.) stavas berichtet aus Madrid, daß nach einer Meldung dessteraldo" gestern in den Wandelgängen des Völkerbundsrates das Gerücht im Um­lauf gewesen sei, die Außenminister Deutschlands, Eng­lands und Frankreichs beabsichtigen, Ende Juli in Baden- Baden zusammenzutreffen, um die Frage der Nheinland- räumung zu regeln.

Für schnelle Rheinlanbräumuna.

Die französische ZeitungSoir" setzt sich in einem Ar­tikel über die pariser Sachverständigenkonferenz für eine schnelle Nheinlandräumung ein. Das Blatt erklärt, die Reparationsregelunq und die vorzeitige Räumung von Kob­lenz und Mainz bildeten zwei miteinander verbundene Fragen.

Deutschland u. Frankreich sollen sich näher kommen.

Neichsbankpräsident Dr. Schacht hat einer französischen Korrespondenz eine Erklärung abgegeben, in der er für eine enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich auf wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiete eintritt.

Einberufung des Kommunallandtages.

Kassel, den 7. Juni 1929.

Die Landesverwaltung (Landeshauptmann in Hessen) 3« Kassel teilt uns mit:

Der Landesausschutz hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, die Staatsregierung zu bitten, den Kommu- nallandtag auf Freitag, den 14. Juni 1929 16 Uhr in das Ständehaus nach Kassel einzuberufen.

Ein weiteres Hinausschieben der Tagung erschien mit Rücksicht auf die gesamte Lage des Bezirksver­bandes, insbesondere auch aus die Maßnahmen der Landstraßenbanverwaltnna. nnmöglick

Rettungbringenbe vom Tod ereilt.

Als das Lökkener Rettungsboot Sonntag abend außer­halb Lökken (Iütland) vor Anker lag, um die Ankunft einiger Fischerboote zu erwarten, denen es an Land helfen wollte, wurde es von einer plötzlichen Boe überrascht und kenterte. Drei Mann der Rettungsmannschaft ertranken.

Das Saarland will heimkehren!

Bedeutsame Kundgebung der Saarvereine in Münster. Restlose Wiedervereinigung mit Deutschland gefordert.

Die Stadt Münster steht vollkommen unter dem Eindruck der neunten Tagung des Bundes der Saar­vereine. Der Tagung sind viele telegraphische Grüße der Regierungen, der Parlamente, der politischen, wirt­schaftlichen und gewerkschaftlichen Organisationen zuge­gangen. An der Spitze stehen die Begrüßungstele­gramme des Reichspräsidenten, des Reichskanzlers, des Reichsministers für die besetzten Gebiete und des preu­ßischen Innenministers. In dem Telegramm des Reichs­ministers für die besetzten Gebiete Dr. Wirth heißt es u. a.:

Bor 10 Jahren hat der Bersailler Bertrag die Abtrennung des Saargebiets von der deutschen Ver­waltung ausgesprochen und die Saar einem Sonder- schicksal überantwortet, dessen Naturwidrigkeit die Hauptursache der Uebel ist, unter denen die Deutschen an der Saar leiden. Es war aber keine Trennung der Herzen! Unlöslich stehen die Deutschen im Reich und an der Saar zusammen als Glieder eines und des­selben Staatsvolkes. Voll Sehnsucht erwarten sie die Wiedervereinigung zu gemeinsamem staatlichen Sein. Möge auch die Kundgebung des Bundes der Saar- vereine den Volksgenossen an der Saar zeigen, daß wir ihre Leide« und Hoffnungen teilen, aber auch un­ermüdlich mit ihnen arbeiten zum Siege unseres Rechts.«

Den Höhepunkt der Tagung bildete eine Kund­gebung am Sonntag, bei der eine Entschließung ange­nommen wurde, in der die Saarländer ihr Treugelöb- nis zum Reiche wiederholen und unter Zurückweisung der wirtschaftspolitischen Pläne Frankreichs Gerechtig­keit für das Saarland fordern. Zum Schluß der Ent­schließung heißt es dann:Darum macht ein Ende mit dem Saarexperiment des Bersailler Bertrages, das sich in neun Jahren als völlig verfehlt erwiesen hat, durch die ungeschmälerte Rückgabe des Saargebietes an Deutschland«.

Reichsbahn beantragt Tariferhöhung.

Der Verwaltungsrat glaubt, den verbind­lich erklärten Schiedsspruch aus laufen» den Einnahmen nicht erfüllen zu können.

In Ausführung eines Beschlusses des Verwal­tungsrates der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft will Generaldirektor Dr. Dorpmüller im Laufe des heu­tigen Montags an die Reichsregierung herantreten und eine Erhöhung der Eisenbahntarife beantragen. Er will seinen Antrag damit begründen, daß die Reichs­bahn anßerstande ist, die ihr durch den verbindlich erklärten Schiedsspruch erwachsenden neuen Lasten in Höhe von 55 Millionen Mark jährlich zu decken.

Die Entscheidung über den Antrag wird zunächst beim Reichsfinanzminister liegen. Daß eine aber­malige Erhöhung der Tarife unter allen Umständen vermieden werden muß, ist eigentlich eine Selbstver­ständlichkeit.

1930 Schließung der Werkstätten in Glogau «nd Frank­furt.

Berlin, 10. Juni. Wie sich aus der Antwort der Reichsregierung auf eine Entschließung des Reichs­tags ergibt, bleibt die Reichsbahn dabei, die Eisen- bahnausbesserungswerke Frankfurt a. O. und Glogau schließen zu müssen. Die Durchführung der Schlie- Zung soll aber bis 1930 hinausgeschoben werden. Das n den Werkstätten beschäsUgte Personal soll nach Mög­lichkeit in anderen Bahnbetrieben untergebracht werden.

*^ Die Auflösung des Rotfrontkämpferbundes hat die Tatsache ans Licht gebracht, daß dieser Bund in ganz erheb- lichem Maße verschuldet ist: einem Verniögen von rund 10000 Mark stehen etwa 100 000 Mark Schulden gegenüber. Nach der Auflösung des Bundes sind nun die Gläubiger zur Reichsregierung gekommen und haben hier ihre Forderungen geltend gemacht unter der Begründung, daß durch die Beschlagnahme des Bundesvermögens das Reich auch die Schulden mit übernommen habe. Natürlich hat die Reichsverwaltung das Ansinnen, für die Schulden der kom- munistischen Organisation aufzukommen, a b g e I e h n t.

*^ Ueber den preußischen Staatsvertrag mit dem Vatikan wird noch mitgeteilt: Der fertiggestellte Wortlaut des Ber- tragsentwurfes ist den Abgeordneten der Regierungs- und der übrigen Parteien nicht ausgehändigt, sondern nur aus­zugsweise vorgelesen und erläutert worden. Wie verlautet, ist die Schulfrage im Konkordat mit keinem Wort erwähnt, dagegen soll u. a. eine Art AufsichtSrecht der Kirche über die katholischen theologischen Fakultäten, wie es vielerorts prak- lisch schon gehandhabt wirb, endgültig festgelegt werden. Seit längerem befand sich ferner, daß neue Bistümer, nämlich Ber­lin und Aachen, vorgesehen sind, während Paderborn zur Freidiözese erhoben werden soll. Ueber die Stellung der Re- gierungsparteien Sozialdemokraten, Zentrum, Demokra- ten zu dem Konkordat ist noch nichts bekannt. Bon den oppositionellen Parteien läßt die deutschnationale Fraktion erklären, daß sie einem Konkordat nur zustimm«, wenn gleich­zeitig mit ihm entsprechest« ÄhWaLuugen mit der evangeli- irhra XMrrfw hnrlknen *1 -'