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tzels-Kmtsblatt * Myememer amtlicherKazeLtzev für -en, Kreis -Echtem

Nr. 71

(1. Blatt)

Donnerstag, den 13. Hunt 1929

81. Iahrg.

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Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

Z.-Nr. 5037. Die Grtspolizeibehörden des Kreises werden angeroiefen, in Sukunft die von den Tierärzten erstatteten Anzeigen über die Beanstandung oder MinderwertigKeitser- Urung ganzer Tierkörper an den zuständigen Landjäge­reibeamten weiterzugeben, der die Durchführung der ge= offenen Entscheidung zu kontrollieren und die Anzeige mit einem entsprechenden vermerk alsdann an den Kreistier= arzt weiterzuleiten hat.

Schlächtern, den 10. 3unt 1929.

- Der Landrat: Dr. Müller.

3.=Kr. 5092. Die Grtspolizeibehörden und Herren Land- jägereibeamten des Kreises mache ich auf die im Regierungs= Amtsblatt Nr. 23 von 1929 abgedruckte Bezirkspolizeiver­ordnung vom 31. Mai d. 3s., betr. die Versendung von grsenikalien und anderen Giftstoffen, besonders aufmerksam.

Schlächtern, den 10. 3uni 1929.

Der Landrat: Dr. Müller.

3.=Rr. 5118. Die bezirkspolizeiliche Vorschrift vom 20. stpril 1929 (Lchlüchterner Zeitung Kr. 51) betreffend Sperre der Bezirksstraße BrückenauKiffingen wird dahin abge­ändert, daß die genannte Straße ab Montag, den 1 0. Juni 1 9 29 bis auf Weiteres nunmehr von der Abzweigung hinter Römershag bis zur Ortschaft Geroda für den Durchgangsverkehr mit Fahrzeugen al­ler Hrt gesperrt ist.

Die Umleitung erfolgt demgemäß nicht mehr über Ober- leichtersbachHammelburg, sondern über Gberleichtersbach 8chondraGeroda.

Brückenau, den 5. 3uni 1929.

Bezirksamt: 3. v.. gez. Pelikan.

Diadt Schlüchter«.

Aebung der Dstichtfeuerwehr.

Hm Donnerstag, den 1 3. Juni 1 929 nach­mittags 4 Uhr (Hof Fuldaerstr. 47) findet eine Uebung für folgende Mannschaften der Pflichtfeuerwehr statt:

Sprite 2

Hydrantenabteilung 2 und Rettungsmannschaft.

Schlächtern, den 11. Juni 1929.

Die Polizeiverwaltung: Der Ortsbrandmeister: Gaenßlen. Denhard.

Gewerbliche Berufsschule Gchlüchtern.

Das neue Schuljahr beginnt am Montag, den 1 7. 3unt.

Es haben zu erscheinen:

1. die Lehrlinge, welche seither Montags am Zeichen­unterricht teilgenommen haben,,

2. zwecks Anmeldung alle diejengien Lehrlinge, welche Ostern 1929 aus einer Volks- oder höheren Schule entlassen worden sind.

Beginn des Unterrichts: 13 Uhr (1 Uhr nachmittags). Schlächtern, den 12. Iuni 1929.

Der Vorstand der gewerbl. Berufsschule: Gaenßlen.

Das Schicksal der Frankfurter Internatio­nalen Messen entschieden.

Nur noch Fach-Messen und Fach-Ausstellungen.

Frankfurt a. M. Der Magistrat hat sich in seiner Sitzung am Dienstag mit der Frage der künftigen Gestal­tung der Frankfurter Internationalen Messen befaßt. Es wurde einem Beschluß des Aufsichtsrats der Messe-. und ^usstellungs-G. m. b. H. zugestimmt, wonach in diesem ^uhr eine Herbstmesse nicht stattfinden soll und für das ochste Jahr, außer der sonstigen Verwendung des Messe- ^ländes, die Veranstaltung geeigneter Fach-Messen und dach-Uuzstellungen auf Grund besonderer Vorlagen ins gefaßt werden soll. Die Satzungen der Messe- und und Ausstellungs-G. m. b. h. sollen eine Aenderung dahin- geljenb^ erfahren, daß der Aufsichtsrat zu zwei Dritteln uus Mitgliedern der städtischen Körperhaften gebildet wird, ^von je die Hälfte der Magistrat und die Stadtverordneten iwllen. (Eine weitere Aenderung der Satzungen soll den gemeinnützigen Tharakter der Messe- und Ausstellungs- m- b. h. Klar betonen. 3m Interesse wirtschaftlicher Der= Wendung der entbehrlichen Teile der Messebauten soll der festliche Ausbau des Hauses Gffenbach zum Zwecke der Vermietung unter Aufnahme einer entsprechenden Hypothek ourchgeführt werden. Der Magistrat hat der Uebernahme selbstschuldnerischen Bürgschaft für die hypothekenfor- ^ung zugestimmt und wird nunmehr eine Gesamtvorlage an ^e Stadtverordnetenversammlung gelangen lassen.

Strelemanns Kampf um der Minderheiten Recht

Scharfe Gegensätze zwischen Skresemann und Briand.

Madrid, 11. Juni (Eigener Bericht.) In der Dienstag- Sitzung des zur Vorbereitung der Minderheitenfrage ein­gesetzten Ratskomitees kam es zu einer scharfen und grund­sätzlichen Auseinandersetzung zwischen Dr. Stresemann und Briand. Dr Stresemann nahm gleich zu Beginn der Sitzung das Wort, um die Stellung Deutschlands zur Mm- derheitenfrage nochmals in klarer Form darzulegen und zu betonen, daß feiner Ansicht nach im gegenwärtigen Sta­dium der Prüfung des Minderheitenverfahrens vor dem Völkerbundsrat nur die Vertagung der Angelegenheit in Frage käme oder die Verweisung an den Inter­nationalen Gerichtshof zur Jnterpretierung der Schutzbestimmungen und des in dieser Hinsicht vom Völker­bundsrate anzuwendenden Verfahrens. Dabei beleuchtete er die in den bisherigen Verhandlungen des Ratskomitees trotz wiederholten Eingreifens des deutschen Vertreters un­berücksichtigt gebliebenen grundsätzlichen Fragen und stellte erneut die deutschen Anregungen zur Diskussion, die be­kanntlich in der Sicherung der Initiativgarantie des Völ­kerbundes und Einsetzung eines eigenen Organs zur Beob­achtung der Lage der Minderheiten und der Hinzuziehung der bisher ausgeschlossenen mit den beschwerdeführenden stammverwandten Staaten zu dem Dreierkomitee gipfeln. Dr. Stresemann ließ keinen Zweifel darüber, daß von deut­scher Seite auf Erörterung dieser Fragen Wert gelegt wird, daß dagegen der Londoner Bericht in seiner vorge­schlagenen Gestalt für Deutschland unannehmbar sei.

Unmittelbar nach Dr. Stresemann erhob sich Briand, um in einer ziemlich temperamentvollen, teilweise ironisch gefärbten Rede Stresemanns Anregungen und Vorschläge abzulehnen. Er meinte u. a, Stresemann, der erst jetzt in Madrid angelangt sei, hatte offenbar übersetzen, daß schon vor seiner Ankunft sehr wichtige Arbeit geleistet und der Bericht des Dreierausschusses am Sonnabend als Dis- kussionsbasis angenommen worden sei. Damals hätte Deutschland keinen Vertagungsantrag gestellt, heute lehne er, Briand, die Vertagung ab, da die heutige Sitzung be- rufen seu jbje Angelegenheit zu Ende^isühren

dem GDMM7"MS^lngelegenheit dem haag^MWW»- gerichtshof zu unterbreiten, widersprach er. Ausfan^^we- merkt wurde, daß weder der Vertreter der Kleinen Entente noch der polnische Außenminister das Wort ergriffen. Die Auseinandersetzung spielte sich lediglich zwischen Briand und Stresemann ab, konnte aber bis zu Beginn der offi­ziellen Ratstagung um 2 Uhr nicht beendet werden, wes­halb eine neue Sitzung des Ratskomitees auf 6 Uhr nach­mittags anberaumt werden mußte.

Falls nicht das Ratskomitee die Vertagung beschließen sollte, wird es zweifellos der Rat selbst tun, nachdem der neue britische Außenminister Henderson an den Rat das Ersuchen gerichtet hat, die Minderheitenfrage bis zum herbst zu vertagen, weil die neue englische Regie­rung Zeit müsse, sich in das Problem einzuarbeiten. Trotzdem wird der Rat noch eine Minderheitendebatte durchzufechten haben, nachdem der von Stresemann gestellte Dringlichkeitsantrag, die Beschwerden über neue Liquidationen von Grundeigentum Deutscher in Polen auf die Tagesordnung zu letzen, angenommen worden ist. hierbei dürfte es vor allem zu einer Auseinandersetzung zwischen Stresemann und Zaleski kommen, für die der polnische Außenminister durch Presse­interviews und inspirierte Mitteilungen eine für Deutsch­land unfreundliche Atmosphäre zu schaffen sucht.

Ein Polizeibeamter mit Salzsäure begossen.

Berlin, 12. Juni. Zwei Frauen, 44 und 38 Jahre alt, wohnten, wie dieBZ." meldet, zusammen in der Gollnow- straße. Die eine kündigte der anderen, die bei ihr Unter- mieterin war, das Zimmer. Die auf die Straße Gesetzte schlich sich wortlos weg und wartete abends-im Hansflur, bis ihre Feindin zurückkam. Als diese erschien, warf sie auf sie eine Flasche mit Salzsäure, hatte aber schlecht gezielt, denn nur die Kleidungsstücke der Angegriffenen wurden beschädigt. Es wurde ein Polizeibeamter gerufen, der einen vergeblichen Schlichtungsversuch begann. Während der Unterredung holte die Täterin eine zweite Giftflasche aus dem Mantel. Ein gro­ßer Teil der Flüssigkeit traf den Beamten ins linke Auge, so daß er halbblind ins Rettungsspital gebracht werden mußte. Die Attentäterin wurde zur Wache gebracht

Die New Yorker Universität hat den deutschen Botschafter in Washington, v. Prittwitz, zum Ehrendoktor ernannt. Botschaf­ter v. Prittwitz sagte in seiner Dankesrede, die Völker sollten die Grenzen nicht als Schranken, sondern als Brücken betrachten. Das internationale Mißtrauen werde nur verschwinden, wenn ein Krieg unmöglich gemacht und die Rüstungen dementsprechend ein­geschränkt werden.

Bei einer Grubenexplosion in Glenrogers in West-Virginia ^Vereinigte Staaten) wurden vier Bergarbeiter getötet.

Graf Julius Andrassy, her frühere ungarische 3n= nenminifter und letzte Außenminister der österreich-ungari- schen Monarchie ist Dienstag abend 3A 8 Uhr nach einer Rierenoperation in einem Budapester Sanatorium gestorben.

Die Zeitung(EI Universal" in Aguas Lalientes berichtet, daß der Rebellenführer Antonio Bamirez mit 49 Leuten seiner Gefolgschaft bei Geronimo in einem Kampf mit Bundestruppen getötet wurde.

Wor« Versöhnungskommission? Von Richard P o s s e l t.

Im allgemeinen nimmt man in der öffentlichen Mei- nung aller Länder das Pariser Konferenzergebnis als eine Tatsache hin, die Kompromisse erforderte, um das Ziel der Liquidierung eines Produktes Verfailler Geistes zu er­reichen. Völlig ist das bestimmt nicht gelungen. Der Ge­danke der Kriegsliquidierung könnte aber in Ver­bindung mit den Pariser Vereinbarungen eine impulsive Anwendung finden, wenn sich die Gegenseite entschlösse, aus einer angeblich rein finanziell-wirtschaftlich getroffenen Regelung diepolitischenKonsequenzenzu ziehen. Wenn man die Erörterungen in der ausländischen Presse, vor allem auch in der französischen liest, dann möchte man glauben, daß der Wille hierzu vorhanden ist In Deutsch­land hat man aber aus Erfahrungen gelernt. Die Frie­densklänge, die uns von Frankreich herüberschallen, ent­halten einen Mihton, da man Räumung und Kon­trolle in einem Atemzug nennt. Dieser Mißton klingt umso häßlicher, als man versucht, uns einzureden, daß dieser Kontrollausschuß an Stelle der Rheinlandbesatzung in Wirklichkeit einVersöhnungsausschuß" sein solle. Jedenfalls bemüht man sich in Frankreich, das Wort Kontrolle zu vermeiden, es zu umschreiben. Es gelingt nicht immer und vor allem es überzeugt nirgends.

Was soll ein Versöhnungsausschuß? Wen soll er ver­söhnen, worin soll seine Aufgabe bestehen?

Nach langen Kämpfen in Genf im September v. I. kam unter den sechs Mächtevertretern eine Vereinbarung zustande, die nach den damals gemeinsam ausgegebenen Kommunique zum Ziele hatte:die Eröffnung von Ver­handlungen über eine vorzeitige Räumung des Rheinlandes, über eine vollständige und endgültige Rege­lung des Reparationsproblems und über die Einsetzung einer Kommission derFeststellung und Versöhnung". Von diesen drei Punkten ist der mitt­lere im wesentlichen wohl abgeschlossen. Logisch müßte man daher nunmehr über die vorzeitige Räumung des Rhein­landes sich einig werden, da diese Folgerung eigentlich be-

Me»- der Pariser PerAtubarunAeu Liegt Frank­reich spricht aber nur von Räumungsmöglichkeiten, sofern man sich über die Kontrollfrage einigt.

Für Deutschland entsteht die Frage: Was beabsichtigt Frankreich mit einem alsVersöhnungskommission" be­zeichneten Kontrollsystem? Hinter dieser Forderung Frank­reichs steht ein politisches Ziel Frankreichs, das nicht erst im September v. I. in Genf, auch nicht erst während der Verfailler Diktatverhandlungen, nicht erst während der französisch-russischen Verhandlungen über das Kriegsziel der Alliierten, sondern noch wesentlich früher aufgestellt wurde, damals nämlich, als Richelieu die Thefe von unserem abgerundeten Land" aufstellte, auf die sich Briand in feiner vertraulichen Instruktion an den fran­zösischen Botschafter in London, Paul Cambon, im Januar 1917 berief, als er diesem nahelegte, die Forderung Frank­reichs auf die Wiedererlangungeiner verlorenen Erbschaft der französischen Revolution" zu propagieren.

Es ist Frankreichs Drang nach dem Rhein, der im Verlause der Jahrhunderte sich in der verschieden­sten Form, aber immer mit dem gleichen Ziele gezeigt hat. Wen soll diese angebliche Versöhnungskommission ver­söhnen? Denkt Briand etwa daran, sie solle versuchen, die moralischen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Schäden zu beseitigen, die die jahrelange Besatzung in den Rheinlanden angerichtet hat? Daran denkt man in Frank­reich nicht. Man hat vielmehr eine Kommission im Auge, die ähnlich wie die Interalliierte Rheinlandkommission alle Vorgänge politischer, wirtschaftlicher und kultureller Art beobachtet, um jederzeit in der Lage zu sein, festzustellen, ob sie sich mit den politischen Interessen Frankreichs verein­baren. Wege-, Brücken-, Bahnbauten haben na chfranzö- sischer Auffassung im Rheinland nicht kulturesse, nicht wirt­schaftliche, sondern allein militärische Bedeutung. Selbst das Anschlußgeleis eines Industrieunternehmens kann nach französischer Auffassung in der Lage sein, Frankreichs Sicherheit zu berohen.

Für die deutschen Unterhändler wird sich die deshalb zwingende Notwendigkeit ergeben, der Gegen­seite zu erklären, daß für eine solche Kontroll - kommission die heutige politische Lage und das Friedens­verlangen der Völker keine Voraussetzungen mehr bieten; die Schaffung einer Versöhnungs» fommiffion erübrigt sich aber, nachdem man in ßoearno einen Pakt geschlossen hat, der alle Möglichkeiten vorsieht, irgendwelche im Westen aufkommende Streitpunkte aus freundschaftlichem und schiedsgerichtlichem Wege im Geiste der Versöhnung und der Friedenssicherung zu lösen.

DieGverige" zum dritten Male rurückgetehrt.

Reykjavik, 12. 6. (WB) Da der Küster des Flug­zeuges leck geworden ist, ist dieSoerige" abermals kurz nach 18 Uhr hierher zurückgekehrt.

In einem der bei Los Angeles gelegenen Petrole­umfelder sind in der letzten Rächt neun Bohrtürme und 45 000 Fässer Petroleum durch einen Riesenbrand vernich­tet worden, der einen Gesamtschaden von mehr als einer Million Dollars anrichtete.