Kreis-Kmtsblatt * Myemeiner amtlicherKozeLger für tot Kreis Schtüchtem fcudinnf» »evta-: H Strülftid Söhne* Sefthäfi^'^LhlchofstLS * sevnß«:tlw.l»9* postjche-!^§«»rtzfw-tLSl.SSS» Nr. 77 (I. Blatt)Donnerstag, den 27. Juni 1929 81. Iahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
Landratsamt.
I.-Nr. 5002. Der Landwirt Heinrich Druschel zu Hin- terststnau ist zum Schlachtvieh- und Fleischbeschauer sowie zum Trichinenschauer für die Gemeinden Hintersteinau und Reinhards bestellt worden.
Schlächtern, den 21. Juni 1929.
Der Landrat: Dr. Müller.
T.-Nr. 1313. Vom 24. 6. bis zum 84. 7. 1929 bin ich beurlaubt. In eiligen Fällen werde ich vertreten vom Herrn Kreisarzt in Fulda, Lindenstraße 4. Mein nächster Sprechtag in Gelnhausen findet am Freitag, den 26. 7. 1929, vormittags von 9 Uhr ab, im Landratöamt zu Gelnhausen statt, in Schlüchtern am Dienstag, den 30. 7. 1929, vormittags von 9 Uhr ab im Kreishaus zu Schlüchtern.
Gelnhausen, den 22. 6. 1929.
Der Kreisarzt.
Stadt
Dem ist durch
Schlüchtern.
Bekanntmachung
Gau 8 Heffen-Nassau der Concordia in Eichenzell den Herrn Regierungspräsidenten die Genehmigung
erteilt worden, am Sonntag, den 7. Juli d. Js. eine Zuver- lässigkeitsfahrt mit Fahrrädern auf der Strecke Wächtersbach (Kinzigbrücke), Aufenau, Salmünster, Schlächtern, Flieden, Rommers, Neuhof, Flieden, Schlächtern, Salmünster, Aufenau, Wächteröbach (Kinzigbrücke) zu veranstalten.
Dies wird hiermit veröffentlicht mit dem Hinzufügen, daß dem Unternehmen keine Schwierigkeiten bereitet werden dürfen.
Die Straßen sind möglichst frei zu halten.
Schlächtern, den 21. Juni 1929.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Verkauf eines Zuchtebers betr.
^^f
Am Freitag, den 28. d. Mts. nachmittags 2 Uhr wird im Hofe des städtischen Anwesens Fuldaerstraße Nr. 47 ein zur Zucht nicht mehr geeigneter Eber öffentlich verkauft.
Schlüchtern, den 26. Juni 1929.
Der Magistrat: Fenner.
Stadt Steinau.
Bekanntmachung.
Zur Aufstellung von Spielbuben, Zucker- und sonstigen Verkaufsständen gelegentlich des Sängerfeftes am 29., 30. Juni und 1. Juli d. Js. außerhalb des Festplatzes, sei es auch auf dem öffentlichen Zufahrtsweg oder auf privat- grundstücken, kann eine polizeiliche Genehmigung nicht erteilt werden.
Steinau,
den 14. Juni 1929.
Die Polizeiverwaltung J. D.: Weitzel.
Es ist
festgestellt worden, d^ß in der Badeanstalt an
der Kinzig schon wiederholt Diebstähle vorgekommen sind. Der Polizeibeamte ist damit beauftragt den Täter festzustel- ün. Gleichzeitig machen wir die Badegäste darauf aufmerksam für die Ergreifung des Täters mit besorgt zu sein.
Steinau, den 24. Juni 1929.
Die Polizeiverwaltung: Dr. Kraft.
Furlwänsler auf der ISO - Fahrfeier des Deutschen Natlonal-ÄheaterS.
Mannheim, 25. Juni. Die Veranstaltungen zur ^5o. Jahresfeier des Deutschen National-Theaters erreichten heute abend ihren künstlerischen Höhepunkt in der von dem neuen Ehrenbürger Mannheims Dr. Wilhelm Furtwängler mit überwältigender Größe und Schönheit geleiteten Aufführung von Beethovens „Fidelio". Das bis auf den letzten Stehplatz besuchte Haus dankte nach der großen Leonoren-Ouverture am Schluß der Vorstellung dem Dirigenten und den mitwirkenden Künstlern in wahren Stürmen der Begeisterung.
Ein Flieger wirft Bomben auf Kameraden.
Ein Flieger der mexikanischen Bundestruppen entdeckte dei einem Erkundigungvflug in der Nähe von Sarranca ""e Truppenabteilung, die sich verschanzt hatte. In der Annahme, daß es Aufständische seien, warf der Flieger Bomben ab. In Wirklichkeit handelte es sich um Bundeö- "uppen, von denen durch die Fliegerbomben ein Offizier und ^ Mann getötet und 15 Mann verletzt wurden.
Verbot von Kundgebungen ;um 28. Juni.
K 0 blenz, 26. Juni. Die Rheinlandkommission hat mle Kundgebungen anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr Tages der Unterzeichnung des Versailler Vertrages verboten.
MacDonald lädt nach London ein
In der Frage der Wahl des Konferenzortes für die diplomatischen Verhandlungen der Regierungen ist nunmehr ein Schritt erfolgt, der geeignet sein dürfte, eine Entscheidung hierüber herbei,zuführen. Bekanntlich wurde in englischen Kreisen, namentlich von feiten der Regierung MacDonalds betont, hab London als Konferenzort am geeignetsten erscheine, nachdem die Sachverständigen in Paris getagt haben. Eine Initiative in diesem Sinne war aber bisher nicht erfolgt. Nunmehr kommt aus London die Nachricht, daß die englische Regierung in Berlin und Paris habe mitkeilen lasten, daß sie entscheidendes Gewicht darauf lege, die große politische Konferenz über die Liquidierung des Krieges auf der Grundlage des Pariser Sachverständigenplanes nach London einzuberufen.
Diese aus London kommende Nachricht wird jetzt auch an zuständiger Stelle in Berlin bestätigt. Man konnte allerdings noch nicht erfahren, ob in dieser Mitteilung die Aufgabe der Konferenz in dem obiaenn Sinne umschrieben worden ist. Sollte das der Fall sein, so würde sich über den Charakter dieser Konferenz eine weitgehende Uebereinstimmung zwischen Berlin und London ergeben. Bekanntlich spricht auch das amtliche deutsche Kommuniaue über die Freitaas- Sitzung des Kabinetts davon, daß die Bereitschaft Deutschlands zur Zunahme des Poung-Blanes nur in Verbindung mit der gesamten Liquidierung aller noch schwebenden Kriegsfragen gegeben sei. Wie sich das Reichskabinett jetzt zu der Londoner Einladung stellen, wann das Reichskabinett sich damit befassen wird, ist noch nicht bekannt. Man wird aber annebmen können, daß Deutschland gegen eine Einberufung der Konferenz nach London keinerlei Einwendungen erheben wird.
Der Vorschlag MacDonalds, die politische Konferenz nach London einzuberufen, wird damit begründet, daß die jetzige englische Regierung erst kurze Zeit im Amte sei, so daß es für sie eine Unmöglichkeit bedeuten würde, in der zur Verfügung stehenden kurzen Zeit eine Konferenz im Auslande vorzubereiten. Vielleicht haben aber auch mehr noch taktische Erwägungen hierfür eine Rolle ge-
finden, dann würde Poincare den Vorsitz dieser Konferenz
als Rangältester zufallen, das man anscheinend auf englischer Seite gern vermieden haben will. Allerdings erscheint es sehr fraulich, ob sich die französische Regierung mit dem Vorschlag MacDonalds einverstanden erklären wird, denn die Erörterungen über diese Frage in der franmn'-b-n Presse läßt deutlich erkennen,, daß man lieber die Wahl einer Stadt in der Schweiz nach dem Beispiel von Locarno hätte. So schreibt z B. der „Matin", es sei wahrscheinlich, daß die Mehrheit der interessierten Mächte versuchen wird, MacDonald von der Notwendigkeit zu überzeugen, die Verhandlungen in ein r Atmosphäre abzuhalten, die nicht die Gefahr politischer Ansteckung im Gefolge habe.
Fmmer wieder Landesverrat zugunsten Polens.
Leipzig. 25. Juni. Zwei frühere Reichswehrsoldaten Maklern und K r u p p a aus Hindenburg in Ober fchlefien. standen am Dienstag unter der Anklage der versuchten Spionage vor dem Reichsgericht in Leipzig. Maltern war zunächst nach feiner Entlastung aus der Reichswehr im Jahre 1927 in Saarbrücken mit dem französischen Nachrichtendienst in Verbindung getreten. Im April 1928 ging er gemeinsam mit Kruppa zu den Polen, um sich ausfragen zu lassen, hier haben sie verschiedene Einzelheiten über die Reichswehr angegeben, Bataillonsbefehle übermittelt usw. Da es sich hierbei jedoch nicht um geheimzuhaltende Nachrichten handelt, nahm der Strafsenat des Reichsgerichts nur versuchte Spionage an. Die Verhandlung, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt wurde, endete mit einem Urteil, das d r e i Jahre bzw. zwei Jahre Gefängnis ausspricht.
. Bergmannslos.
In einer Grube in Sterkrade (Oberhausen) gerieten mehrere Bergleute in einen nicht mehr benutzten Gang. In diesem sind sie dann anscheinend von dort angesammelten Gasen betäubt worden und ohnmächtig liegen geblieben. Es gelang, einen der Bergleute wieder ins Leben zurück- zurufen, während die drei anderen nur als Leichen geborgen werden konnten.
— Zur Ehrung des bei der Nobile-Expedition zu Tode gekommenen schwedischen Gelebrten Malmgreen beschloß die italienische Regierung der Mutter des Gelehrten eine jährliche Pension von 2000 schwedischen Kronen auszusetzen. Das heldenmütige Verhalten dieses Gelehrten dürfte noch allen in Erinnerung sein.
— Der sozialdemokratische Parteisekretär WeyerS wurde, wie der „Vorwärts" meldet, mitten in einem Vortrage in Orsey (Kreis Mors) von einem Herzschlage getroffen. Wenige Augenblicke danach war er tot.
— Nach der amtlichen Statistik zählte Italien Ende 1928 eine Bevölkerung von 41173 000 Einwohnern, nahezu eine halbe Million mehr als im Vorjahre. Diese starke Bevölkerungszunahme erklärt sich zum Teil aus der streng durchgeführten Auswande- rungsbeschränkung.
Erfreuliche Einigkeit.
Die außenpolitische Reichstagsdebatte ist abgeschlosien. Der Reichstag hat Den Etat des Auswärtigen Amtes, der Kriegslasten und der besetzten Gebiete in der Ausschußfassung angenommen und damit auch die zweite Lesung des gesamten Etats zu Ende geführt.
Im Mittelpunkt der sehr ausgedehnten Diskussionen über die deutsche Außenpolitik stand natürlich die Frage der Pariser Sachverständigenvorschläge für die Reparationen. Gegenüber diesem für die deutsche Außenpolitik zurzeit wichtigstem Thema trat alles andere mehr oder minder tn den Hintergrund. Was ist das politische Er- gebnis der Debatte?
Zunächst die Tatsache, daß alle Parteien — wie überhaupt alle beteiligten Stellen — schwere Bedenken gegenüber dem neuen Reparationsplane haben. Auch die Regierung hat sie. Und nicht zuletzt die Regierungsparteien — von den Oppositionsparteien ganz zu schweigen. Die Bedenken beruhen in erster Linie auf der Erwägung, daß auch die neue Regelung Deutschland außerordentlich schwere Opfer auferlegt, Opfer, von denen kein Mensch weiß, ob sie tatsächlich gebracht werden 'können. Das zweite Bedenken richtet sich gegen die lange Dauer der in dem Pariser Plan vorgesehenen Tributverpflich- tungen Deutschlands. Sie sollen bekanntlich noch fast daS ganze Jahrhundert hindurch dauern und damit drei Generationen belasten.
Diese Bedenken wurden von Rednern aller Parteien zum Ausdruck gebracht. Es ist begreiflich, daß Deutschland bei dieser Sachlage nicht etwa — wie Die französische Regierung das getan hat — den neuen Äsung-Plan einfach an» nehmen kann, sondern daß es ihn lediglich als geeignete Grundlage für die Beratungen einer Konferenz der beteiligten Regierungen zu betrachten in der Lage ist. So hat schon der Beschluß oes Reichskabinetts gelautet, und so hat es Außenminister Dr. Stresemann im Reichstag wiederum ausdrücklich erklärt. Aber die deutsche Reichsregierung mußte an ihre Zusage noch eine weitere Bedingung knüpfen und sie hat dabei die Zustimmung aller Parteien des Deutschen Reichstages gefunden: die endgültige Annahme des Doung-Planes kann nur ' WWRWLrsbtgen, wenn mit dem Beginn der neuen Regelung auch die Räumung der noch besetzten deutschen Gebiete erfolgt.
Dann aber hat der deutsche Außenminister im Reichstag, wiederum unter Zustimmung aller Parteien, seine frühere Erklärung wiederholt, daß für Deutschland die Bildung einer internationalen Kontrollkommission für das Rheinland, die über das Jahr 1935 hinaus im Amte bleiben soll, unannehmbar ist. Diese Erklärung ist sehr wichtig. Denn Frankreich hat wiederholt erklärt, daß es auf die Bildung einer solchen Kontrollkommission großen Wert legt. Wenn diese Kommission nur bis zum Jahre 1935, also bis zu dem im Versailler Vertrag vorgesehenen Räumungstermin, dauern soll, wird man sich schließlich damit abfinden müßen. Lieber noch eine Kommission, als die ganze Besatzung! Daß aber eine solche ausländische Kontrolle über deutsches Gebiet von unbegrenzter Dauer sein, daß sie also noch im Amte bleiben soll, wenn der letzte feindliche Soldat auch nach dem Versailler Vertrag längst den deutschen Boden Verlassen hätte — einer solchen Zumutung kann sich keine deutsche Regierung beugen! ; Weder der Versailler Vertrag noch die Locarno-Verträge geben eine Handhabe für ein folchÄ Verlangen. Sollten die Franzosen darauf bestehen, so würden die ganzen Räurnungsver- Handlungen, aber auch die ganzen Verhandlungen über die Pariser Sachverständigenvorschläge scheitern. Das hat Stresemann im Reichstag offen ausgesprochen, und er fand Damit, wie erwähnt, die Zustimmung aller Parteien.
Der Reichsaußenminister hat, als er im Verlauf der Reichstagsaussprache zum zweitenmal das Wort ergriff, a. 1 keinen Zweifel darüber gelassen, daß auch die Saarfrage, ebenso wie die Räumungsfrowe, zur „Liquidierung der Kriegsfolgen" gehört, von der die Reichsregierung ihre Zustimmung zum Doung-Plan abhängig machen müsse., „Kein Franzose wird sich unklar sein über den Ausgang einer Volksabstimmung im Saargebiet. Die Bevölkerung dort war deutsch, t st deutsch und wird deutschbleibe n." So sagte der Außenminister wörtlich unter lebhaftem Beifall. Man wird auch diese Aeußerung überall in Deutschland begrüßen. Von dem vielen Unrecht, das der Versailler Vertrag Deutschland zuge- fügt hat, ist die Behandlung des Saargebietes besonders schlimm. Es ist höchste Zeit, daß dieses Unrecht wieder gut- gemacht wird!
Das wichtigste Ergebnis der außenpolitischen Debatte deS Reichstages scheint uns zu sein, daß über alle Meinungsverschiedenheiten zwischen den Parteien hinaus das deutsche Volk mit seiner Regierung erfreulicherweise einig ist in der Forderung: Zustimmung zu dem Pariser Reparationsplan nur, wenn bedingungslos und ohne Kontrollkommission, dre über 1935 hinaus dauert, geräumt wird. So sehr man sich im Reichstag über Einzelheiten stritt, so einig war man in d i e - ser Auffassung. Und diese Einigkeit wird, so möchten wir glauben, auch im Ausland ihre Wirkung nicht verfehlen. -
— Der deutsche Kreuzer „Emden" ist in Auckland (Neuseeland) eingetroffeu. Er zeigte neben der deutschen auch die englisch« Flagge. Er wurden die üblichen Salute gefeuert und Höflichkeitsbesuche ausgetauscht.
— Der sächsische Landtag hat den bisherigen LolksbildungS- mmister Dr. Sänget zum Ministerpräsidenten gewählt.