Kreis-Amtsblatt * Mtzememev amtlüherKazeLyerftr Kar Kreis -Echtem
Nr. 80
(1. Blatt)
Donnerstag, den 4. Juli 1929
81. Iahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
Kreisausschuß.
Dcr Regierungspräsident. Kassel, den 7. Juni 1929. A. 111 Hb. 5970.
Bei Ausschreibungen von Arbeiten und Lieferungen für solche Wohnungsbauten, für welche Hauszinssteuermittel oder andere öffentliche Mittel bewilligt wurden, ist in letzter Zeit verschiedentlich seitens der Siedlungsgesellschaften und Baugenossenschaften vorgeschrieben worden, daß nur Bauholz einer bestimmten Herkunft zugclassen sei. Von Seiten der einheimischen Industrie ist gegen dieses Verfahren mit Recht Beschwerde geführt und darauf hingewiesen worden, daß durch solche Vorschriften die Industrie und der Waldbesitz in hiesiger Gegend schwer geschädigt werde. Die vielfach verbreitete Auffassung, daß das beispielsweise Harzer Holz dem einheimischen Produkt grundsätzlich überlegen sei, kann diesseits nicht als berechtigt anerkannt werden. Es muß nur bei der Abnahme des Holzes eine scharfe Kontrolle geführt werden, daß gemäß den gestellten Bedingungen einwandfreies Holz von bester Qualität geliefert wird. Falls bei der Ausschreibung der Zimmerarbeiten die „Technischen Vorschriften für Bauleistungen vom Jahre 1926, aufgestellt vom Reichs-Ver- dingungs-Auöschuß" zugrundegelegt werden, wird jeder Bauherr auch ohne die Bedingungen der „genauen Angabe der Herkunft des Holzes" sich eine gute und geeignete Ware sichern können.
Um in Zukunft eine ungerechtfertigte Zurücksetzung unserer einheimischen Holzarten und der sie verarbeitenden Industrie zu verhindern, bestimme ich, daß für alle Bauten, zu deren Errichtung aus öffentlichen Mitteln Zuschüsse bewilligt werden (u. a. Hauszinssteuerhypotheken, Staatsdarlehn, Land- arbeiter-Wohnungsbaudarlehn usw.) Herkunftsbeschränkungen für Bauholz zu unterlassen und, soweit erforderlich, durch sachliche Qualitätsbedingungen gemäß den technischen Vor- schriften der NeichSverdingungsMrdnung zu ersetzen sind.
Ich weise noch besonders darauf hin, daß einheimisches Holz billiger ist als Harzer Material, sodaß bei Verwendung des ersteren die Erstellungskosten der Bauten jedenfalls herabgemindert werden können. Dies würde den einschlägigen Erlassen des Herrn Preußischen Ministers für Volkswohlfahrt durchaus entsprechen, der mir die Unterstützung aller Bestrebungen zur Verminderung der Baukosten wiederholt zur besonderen Pflicht gemacht hat.
Für Schulhauöneubauten, für welche staatliche Mittel zur Verfügung gestellt werden, soll diese Vorschrift ebenfalls Gültigkeit haben.
gez. Geßner I. A.
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' Wird veröffentlicht.
Schlüchtern, den 25. Juni 1929.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
J-Nr. 2 846 K. A. Bei der am 31. Mai 1929 statt- gefundenen Körung wurden folgende Schafböcke der nachstehenden Besitzer angekört:
Die Bibliothek der J. I. Weitzel'schen Stiftung ist vom 17. Juli bis 7. August 1929 geschlossen.
Schlüchtern, den 1. Juli 1929.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Des Besitzers Name Wohnort
Des Tieres Ohr-Nr.
Bemerkungen
Robert Rilffer, Hohenzell Heinrich Beck, Schlüchtern
53
68
Rdam Herbert, Elm Gemeinde Weichersbach
69
54
37
Schäfer Berthold, Oberzell Gemeinde Gundhelm Kraft, Breunings Gemeinde Breidenbach äohs. Stock, Wallroth «g. Leipold, Hintersteinau derselbe derselbe „
70
60
71
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73
41
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75
erneut angekört. Der Bock darf in der Herde von Schlüchtern nicht verwendet werden.
erneut angekört.
Der Bock darf in der) Herde von Weichersbach nicht verwendet werden.
erneut angekört.
derselbe
^tadtgemeinde Salmünster
& Faust, Steinau Alter, Bellings
77
63
65
Abgekört wurden vier Schafböcke. Schlüchtern, den 26. Juni 1929.
erneut angekört.
Der Bock darf in der Herde von Hintersteinau nicht verwendet werden, desgl.
erneut angekört, erneut angekört.
Der Landrat: Dr. Müller.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung
A>n Freitag, den 5. I u l i 1929, v 0 r m i t- 8^ 9^2 U h r, wird auf dem Rathaus — Kanzlei — Schafpferch öffentlich meistbietend verpachtet.
Schlüchtern, den 1. Juli 1929.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Äwmig in Frankreich
Nur aus dem Ausfuhrüberschuß kann ein Land seine Schulden bezahlen.
Paris, 2. Juli. Auf einem vom Comite d'ackion econo- mique et douanniere, einer Organisation der französischem Industrie und des Handels, zu Ehren der ausländischen Presse veranstalteten Bankett hielt der französische Handels- minister Bonnefou eine Rede, in der er sich gegen die amerikanische Zollpolitik wandte. Er erklärte u. a., es sei paradox, wenn man von einem Lande Schuldenzahlungen fordere und auf der anderen Seite ihm durch übertriebene Zölle die Mittel hierzu verweigere. Denn nur aus dem Ausfuhrüberschuß könne ein Land seine Schulden bezahlen. Der Arbeitsminister Loucheur forderte eine wirtschaftliche Organisation Europas, denn nur auf diese Weise könne der wirtschaftlichen Konkurrenz der Vereinigten Staaten begegnet werden.
In Deutschland wird man den Ausführungen des französischen Handelsministers voll und ganz beipflichten und aufs tiefste bedauern, daß in Frankreich erst jetzt, wo es selbst zahlen soll, die Erkenntnis zu dämmern beginnt, daß ein Volk nur dann Schulden bezahlen kann, wenn es nicht mit allen Mitteln auf dem Weltmarkt niedergehalten wird. Den Franzosen widerfährt durch Amerika jetzt das, was sie selbst Deutschland angetan haben. D^r Dawes-Plan erlitt in erster Linie deshalb Schiffbruch, weil er nicht mit den weltwirtschaftlichen Zusammenhängen rechnete, sondern Deutschland Zahlungen auferlegte, die es infolge der Hochschutzzollpolitik der vornials alliierten Mächte nicht aus Exportüberschüssen leisten, sondern aus der Substanz nehmen und durch Ausländsanleihe decken mußte. —
DeuWlW MDU WÄ. M HrMMg
Mtb. Berlin, 2. Juli. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, haben am Montag die deutschen Botschafter i n Paris und London wegen des in die politische Debatte geworfenen Planes einer Dreiteilung der bevorstehenden Reparations- und Räumungskonferenz Schritte unternommen. Die diplomatischen Vertreter Deutschlands haben dem französischen Außenminister Briand und dem englischen Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, Henderson, mitgeteilt, daß der in England aufgetauchte und. neuerlich auch von Frankreich aufgegriffene Plan einer Aufteilung des Konferenzstoffes auf den entschiedenen Widerspruch der Reichsregierung stoße. Ein derartiges Verfahren steht nach deutscher Auffassung vor allem deshalb in Widerspruch zur Auffassung der Reichsregierung, als sie den Y 0 u n g - P I a n als Verhand - l u n g s g r u n d l a g e für die politische Konferenz angenommen hat, auf der im Zusammenhang mit der endgültigen Reparationsregelung die Gesamtliquidation der durch den Krieg aufgeworfenen politischen Probleme erfolgen muß. Die Botschafter in Paris und London haben deshalb auch keinen Zweifel darüber gelassen, das Deutschland k e i- nesfallszunächst den Houng-Plan akzeptieren und dann imSpätjahr er st überdie politischen Auswirkungen, wie die Räumungs- frage beispielsweise, verhandeln kann.
Frankreichs Vorbehalt zum Schuldenadkommen
London, 2. Juli. Der „Daily Telegraph" veröffentlicht eine von Partinax stammende Pariser Information, derzufolge der französische Vorbehalt in der Gesetzesvorlage über die Notifizierung des Mellon-Berenger-Abkommens wahrscheinlich folgenden Wortlaut haben werde: Die Zahlungen werden durch die Internationale Bank aus den Krediten geleistet werden, die die französische Regierung aus dieser Bank zugewiesen erhält. Pertinax fügt hinzu, man werde diese Form wählen, um die Empfindungen der Gläubiger zu schonen.
Ausschreitungen beim Textilarbeiterstreik.
In Bulgarien sind 2000 Textilarbeiter in der Stabs S[ioen in den Ausstand getreten. Bereits .am ersten Tage ist es zu Ausschreitungen gekommen. Unbekannte (Läter warfen eine Bombe in ein Fabrikgebäude, dessen Einrichtung durch die Explosion vollständig zerstört wurde. Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu Zchaden gekommen.
Zeppelinstort zur Wettfahrt am 10. August.
Dr. Eckener erklärte in Berlin einem Vertreter des „Tempo", er hoffe zuversichtlich, etwa am 10. August die Wettfahrt antreten zu können. Landungen seien vorgesehen in Tokio, Kalifornien und Lakehurst.
— Montag nachmittag ertranken in der Warthe bei Louisa (Kr. (Dftbernbcrg) zwei Lchüler der Ichule Vrük- Kendorf (Kr. Landsberg), die unter Aufsicht ihres Lehrers mit ihren Mitschülern dort badeten. Die Leichen konnten bisher noch nicht geborgen werden.
Sie englische Thronrede
erwähnt die Rheinlandräumung.
London, 2. Juli. Unter großer Aufmerksamkeit des dichtbesetzten Oberhauses verlas der Lordkanzler die Thronrede. Sie beginnt mit einem Hinweis auf die fortschreitende Gesundung des Königs, un dann die freundschaftlichen Beziehungen zu den auswärtigen Mächten zu betonen. Der in Paris zustande gekommene einstimmige Bericht der Reparationsfachverständigen werde augenblicklich von der Regierung zwecks Vorbereitung einer Konferenz von Vertretern der in Betracht kommenden Regierungen erwogen. Eine Regelung dieses Problems werde die Besatzungsmächke in den Stand setzen, die Räumung des Rheinlyndes vorzunehmen. Mit dem Botschafter der Vereinigten Staaten hätten über die Frage der Flottenabrüstung Besprechungen begonnen. Demzufolge habe die Regierung die ernste Hoffnung, im Zusammenwirken mit den Regierungen in den Dominions, Indiens und den auswärtigen Mächten eine baldige Verminderung der Rüstungen der ganzen Welt sicherstellen zu können. Die englische Regierung sei der Ansicht, daß die Zeit gekommen sei, um internationale Meinungsverschiedenheiten einer Regelung auf dem Rechtswege zuzuführen. Zu diesem Zweck berate sie gegenwärtig mit den Regierungen der Dominions und Indiens über die Unterzeichnung der Fakultativklausel, die in dem Statut des ständigen internationalen Gerichtshofs enthalten ist. Die englische Regierung prüfe auch die Bedingungen, unter denen diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetregierung ausgenommen werden können und stehe in Gedankenaustausch mit den Regierungen in den Dominions und Indiens über diese Frage.
Auf innerpolitischem Gebiet weist die Thronrede auf die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die notwendige Verbesserung der Transportmittel, die Pläne zur Förderung der darniederliegenden Ausfuhrin- vüfiiten und der überseeischen Auswanderung hin. Die Regierung erwäge die Reorganisation der K 0 h - lenindustrie und deren Arbeitsbedingungen und werde sofort Untersuchungen über die Lage der Eisen-, Stahl- und Baumwollindustrte anstellen. In der Thronrede heißt es ferner, daß die Regierung das gesamte Gebiet der Gesetzgebung mit Bezug auf den Verkauf und die Lieferungen von alkoholischen Getränken untersuchen werde. In Bezug auf das Wahlrecht heißt es schließlich, die Regierung beabsichtige, in eine Prüfung der bei der Wahl gemachten Erfahrungen einzutreten.
Die Thronrede zur Eröffnung des neuen englischen Parlaments bringt kaum Ueberraschungen. Sie ist in ihrer Formulierung und Andeutung der künftigen Regie- rungsarbeit äußerst vorsichtig. Die berührten Probleme finden in der Thronrede keine entschiedene Stel - lungnahme, sondern nur Empfehlungen, Anregungen oder Andeutungen. Auch der Absatz über die Räumung des Rheinlandes hak eine so vorsichtige Formulierung erfahren, daß man fast zu der Auffassung kommt, daß die Stellungnahme des neuen englischen Kabinetts hierzu noch nicht endgültig fest steht. Wichttg allerdings scheint der Hinweis zu sein, daß in der Räu- mungsfrage nur gemeinsam mit den Desahungsmächten gehandelt werden soll. Dadurch werden jene Nachrichten widerrufen, als würde England gegebenenfalls in der Räumungsfrage auch allein vorgehen.
Konstruierte Urteile
gegen deutsche Lehrer in Ost-Oberschlesien.
Gleiwitz, 2. Juli. In der Reihe der gegen zahlreiche Lehrer der deutschen Minderheitsschule in Ost-Oberschlesien angestrengten Disziplinarverfahren fand gestern vor dem Appellationsgericht in Kattowitz der Prozeß gegen den Königshütter Rektor Stephan statt. Das Gericht verurteilte den deutschen Lehrer zu Entfernung aus dem Amt ohne Pensionsanspruch, weil er finanzielle Beihilfen vom Deutschen Lehrerverein in Anspruch genommen habe. Unter derselben Beschuldigung sind bereits vor ihm vier deutsche Lehrer entlassen worden.
Nem Bauerndemonstration in Husum
Husum, 2. Juli. Am Montag nachmittag fand in Husum eine' Versammlung der Landbevölkerung statt, in der gegen die Verurteilung des Landvolkführers Wilhelm Hamkens, der wegen Aufreizung zum Steuerstreik bekanntlich eine Gefängnisstrafe erhielt, protestiert wurde. Hamkens hielt eine Rede gegen den Parlamentarismus. Schließlich bildete sich ein aus rund 300 Landwirten bestehender Zug, der Hamkens ins Gefängnis geleitete. Eine Polizeikette wurde durchbrochen, der Zug marschierte vor das Amtsgericht. Als Hamkens sich in das Gerichtsgebäude degab, stimmte die Menge das Deutschlandlied an und zerstreute sich dann.