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Nr. SS (L Blatt)
Dienstag, den <6. Juli 1929
81. Aahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
ßsiixiiSüHi«
Baumfrevel.
; J.»Rr. 2999 K. st. Die Herren Bürgermeister des Krei« |e$ mache ich auf die Kreisblatt-Verfügung vom 9. Juli 1927 — I.-Nr. 3045 K. st. — (abgedruckt im Kreis« Watt Nr. 85 vom 16. Juli 1927), wonach für die Benennung bezw. (Ermittlung eines Baumfrevlers in jedem Linzelfalle eine Prämie von 20 X^ aus Kreismitteln ge- zahlt wird, aufmerksam und ersuche um erneute Bekannt«
Schlüchtern, den 8. Juli 1929.
Der Landrat. J. D.: Rang.
Die Herren Bürgermeister und Schulverbandsvorsteher mache ich auf die Verordnung über das öffentliche Flaggen vom 29. Juni d. Js. — pr. Gesetzsammlung Nr. 17 — besonders aufmerksam.
Der Landrat. J. v.: Rang.
Kreisausschuß.
Gaartinder.
J.»Hr. 6237 $. Aus Kreisen der unter Kriegs« und llachkriegsfolgen schwer leidenden Bevölkerung des Saargebiets ist man an mich mit der Anfrage herangetreten, ob auch Familien im Kreise Schlüchtern bereit wären, Kinber aus dem Saarland während ihrer Serien für 4 bis 6 Wochen unentgeltlich bei sich aufzunehmen. Durch eine solche Ferienunterbringung der Kinder soll neben deren Erholung zugleich engere Fühlung und Verbindung der freien deutschen Bevölkerung mit dem Saargebiet erzielt werden. Ich begrüße diesen Vorschlag und bin davon überzeugt, daß auch unser Kreis nicht zurückstehen wird, die innere Verbundenheit des Mutterlandes mit dem abge- trennten 'Saargebiet, deren Bewohner nun seit Jahren w^'- den harten Auswirkungen des versailler Vertrages leiden, zu fördern und zu festigen, indem wir den berechtigten Wünschen unserer saarländischen Volksgenossen weitgehendst entgegenkommen.
Alle diejenigen Familien, die zur Aufnahme eines oder mehrerer Kinder bereit und in der Lage sind, werden gebeten, mir dieses unter Angabe der genauen Anschrift durch Vermittlung der Bürgermeisterei umgehend, spätestens bis 1 8. ds Mts. mitzuteilen. Besondere Wünsche betreffs Alter und Geschlecht der aufzunehmen- den Kinder sind bei der Meldung zum Ausdruck zu bringen. Wünschenswert wäre es, wenn mehrere Kinder in einem Grt <Ker gar einer Familie untergebracht werden könnten, da dadurch das Linleben wesentlich erleichtert Erde. ■ 1 Schlüchtern, den 10. Juli 1929.
Kreiswohlfahrtsamt. J. v.: Rang.
J>Rr. 6571 5- Für die Wahl von Hebammen in die lireishebammenstelle gemäß meiner Aufforderung vom 17. Dezember 1928 — Kreisamtsblatt Nr. 153 — ist nur ein 'Wahlvorschlag eingegangen. Nach diesem gelten somit als gewählt:
a) als Mitglieder
1) Hebamme Frau Maria Möller, Elm,
2) Hebamme Frl. Marg. Bernstein, Schlüchtern,
b) als Stellvertreterinnen
1) Hebamme Frau Marie Rudolph, Steinau,
2) Hebamme Frau Anna Wolf, Bad Soden. Schlüchtern, den 10. Juli 1929.
Kreiswohlfahrtsamt.
. J.-Rr. 3158 K. st. Der Kreisvollziehungsbeamte Dorn aus Kreisdiensten ausgeschieden. Amtshandlungen können von ihm nicht mehr vorgenommen werden.
Schlüchtern, den 10. Juli 1929.
_ Der Vorsitzende des Kreisausschusses. J. v.: Rang.
Stadt SMARtern«
ArkanutmaUuns.
5ür das am 4. Juli d. Js. verkaufte Nutz- und Bronn« MZ ist der Zuschlag zu den im Termin abgegebenen Gebote zu den Nachgeboten erteilt worden.
Schlüchtern, den 15. Juli 1929.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Bekanntmach»«»«
Die nachstehend aufgeführten Bauleistungen für den Reu« »au einer Turnhalle und für die Volksschule der Stadt schlüchtern sollen vergeben werden und zwar:
£os 1: Lisenbetonarbeiten der Turnhalle
Los 2: Innenputzarbeiten der Volksschule.
Angebotsformulare, Bedingungen, Zeichnungen pp. lie
gen im Stadtbauamt, Schloßstraße 15, während der Dienst- stunden zur Einsicht offen.
Angebotsformulare können daselbst in Empfang genommen werden. Die Angebote sind bis spätestens Freitag, den 1 9. Juli 19 29, vormittags 1 0 Uhr dem Stadtbauamt geschlossen einzureichen.
Die Deffnung der Angebote geschieht daselbst zu der vorstehend festgesetzten Zeit in Gegenwart etwa erschienener Bewerber.
Zuschlagserteilung bleibt vorbehalten.
Schlüchtern, den 15. Juli 1929.
Der Magistrat: Gaenßlen.
50 Jahre Reichsfinanzmimsterium.
Glückwünsche des Reichspräsidenten und des Reichs- ka«zlcrs.
Am 14. Juli konnte das Reichsfinanzminister tum aus ein öOjähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß richtete der Reichspräsident an den Reichsfinanzminister einen Erlaß, in dem daraus hingewiesen wird, daß sich dieses Ministerium im Laufe der Jahrzehnte zu dem weitaus größten Reichsministerium entwickelt habe, dessen Hoheitsverwaltung zur Zeit über 80 000 Beamte und Angestellte umfasse. Kriegs- und Nachkriegszeit hätten das Reichsfinanzministerium in besonderem Maße vor gewaltige Ausgaben völlig neuer Art gestellt, die von entscheidender Bedeutung für das gesamte politische und vollswirtschaftliche Leben des Reichs gewesen seien und noch sind. Die Einrichtung einer einheitlichen Reichsfinanzverwaltung, die finanzpolitische Bearbeitung der Reparationsftagen, die Wiederherstellung der Währung und die Reform der Reichsfinanzen seien unvergängliche Marksteine auf dem schweren Wege, den dieses Ministerium rm letzten bedeutsamen Jahrzehnt zurückgelegt habe. Der Reichspräsident spricht dem Reichsfinanzministerium und seinen sämtlichen Angehörigen wärmsten Dank und An- erkennun^M
Der Reichskanzler üversandte dem Reichsfinanzminister ein Glückwunschtelegramm, in dem er zugleich im Namen der ReichSregierung sämtlichen Angehörigen des ReichsfinanzminiPteriums und der Reichsfinanzverwaltung Anerkennung und Dank für die geleistete Arbeit aussprücht.
Reichsmlnlster Dietrich über den Mahlzwang.
stuf einer am Sonntag in Oehringen abgehaltenen Veranstaltung der Deutsch-Demokratischen Partei Württembergs hielt Reichsernährungsminister Dietrich eine längere Rebe, in deren Verlauf er laut „Montagspost" die neue Vorschrift verteidigte, daß die deutschen Mühlen mindestens 30 Prozent Inlandsweizen vermahlen müssen. Der Minister erklärte, das habe sich bereits insofern günstig ausgewirkt, als der Weizenpreis sofort nach Ankündigung der Maßnahme in die Höhe gegangen sei. Lr werde übrigens stets darüber wachen, daß diese Vorschrift bei den großen und mittleren Mühlen durchgeführt werde, wenn dann im Winter die Getreidepreise weiter auf der Höhe blieben, werde mancher Bauer, der heute den allemannischen Dick- Kopf des Reichsernährungsministers verwünsche, ihm recht geben.
Das Flugzeug„Anttn Dowler" aufs offene Meer getrieben.
Ottw a, 14. 7. (W8) Nach einer Meldung aus Port Burwell wird das Flugzeug „Untin Bowler" für verloren betrachtet. Als das Lis, in dem das Flugzeug festlag, auf« brach, wurde das Flugzeug ohne Besatzung aufs offene Meer hinausgetrieben.
Schweres Autounglück.
Am Samstagabend ereignete sich bei München ein schweres Autounglück. Das stuto des Fürther Kaufmannes Schicke tanz, das von dessen Ehefrau gesteuert wurde, geriet beim Ueberholen eines Radfahrers zu weit nach links und rannte mit voller Wucht gegen einen Baum. Das stuto stürzte um und begrub sämtliche neun Insassen unter sich. Frau Schicketanz und ihr vierjähriges Kind wurden sofort getötet. Die übrigen sieben Insassen mußten mehr ober weniger schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden.
Verunglückte Transozeanflieger.
Das polnische Flugzeug „Marschall Pilsudski", mit dem die Flieger Idzikowski und Kubala den Ozean 5U überqueren versucht hatten, ist bei einer Notlandung in der Nähe der Insel Graciosa (Azoren) verunglückt. Idzikowski wurde bei dem Unfall getötet, während es gelang, Kubala zu retten.
Die französischen Flieger Lostes und Bellonte, die auf pem Pariser Flugplatz Le Bourget zu einem Transozeanflug aufgestiegen waren, mußten wegen widriger Winde in der Nähe der Azoren kehrt machen, und sind auf dem Flugplatz Villacoublap gelandet.
Eine bedeutsame Erklärung.
Zur Frage der „Feststellungs- und Berföhnuugs- kommission" hat nunmehr auch der Reichsanßenmi- nister Dr. Stresemann das Wort ergriffen. An einer Unterredmeg, die er einem Mitarbeiter der „Frankfurter Zeitung" gewährte, hat er den Gedanken einer Dauertontrolle des Rheinlandes mit aller Entschiedenheit Mriickgewlesen und sich damit dem Standpunkt seines Ministerkollegen Dr. Wirth angeschlossen.
Einleitend betonte Dr. Stresemann, daß bei den Regierungen, die an den politischen Beratungen der bevorstehenden Konferenz beteiligt fein werden, keine Meinungsverschiedenheit Ehr darüber bestehe, daß die seit langem erhobenen deutschen Forderungen nach Befreiung des Rheinlandes von fremder Besatzung nun endlich ihre Erfüllung finden sollen. In diese erfreu« liche Aussicht auf baldige Lösung eines überreifen Problems sei als Schatten die von französischen Blättern verfochtene Idee der FeststellWrgs- und Versöhnungskommission gefallen.
Dr. Stresemann bezeichnete dieses Kontrollorgan als überflüssig, da die SicherheitSfrage durch Locarno gelöst worden sei, und fuhr dann fort:
Wenn der Name Locarno in den folgenden Jahren hier und da manches von feinem ursprünglichen Glanz verloren hat, wenn nicht alle Dlütenträume gereift sind, ja, wenn es sogar vielfach zu bitteren Diskussionen über den Geist von Locarno gekommewist, so ist dabei eins stets unangetastet geblieben, näm^M der Standpunkt, daß von einer Sicherheitsfrage zwischen Deutschland und seinen Nachbarn nicht mehr gesprochen werden kann. Es ist richtig, daß von einzelnen französischen Politikern auch noch in den Jahren nach Locarno gelegentlich Gedanken vertreten worden sind, die sich in ähnlicher Richtung wie die neue Idee der Fest- bewegest. Die deutsche Außenpolitik konnte indes nicht annehmen, daß derartige Gedanken Bestandteil der. amtlichen fron« Mischen Politik wären.
Stresemann bezeichnete es dann als
eine unliebsame Überraschmg,
als auf der letzten Völkerbundstagung von französi- scher Seite der Plan eines neuen Sonderorgans dem Reichskanzler vorgeschlagen wurde. Als sich zeigte, daß damit an die Einrichtung eines zeitlich unbeschränkten Sonderorgans für das Rheinland und die angrenzende 50-Kilometer-Zone gedacht war, hat der Reichskanzler das als unannehmbar bezeichnet und sich lediglich zur Diskussion über eine bis zum Jahre 1935 dauernde Einrichtung dieser Art beveiterklärt. Ueber den französischen Plan gab dann Dr. Stresemann folgende Erläuterungen:
Die französische Regierung möchte vor der Anrufung des Völlerbundsrats ein besonderes Unter« suchungsverfahren einschalten, weil dies ihrer Ansicht nach besser geeignet wäre, Fälle von geringer Bedeutung ohne großes Auffehen aus gütlichem Wege M erlegen. Dieser ganze Ausgangspunkt der französischen Konstruktion ist verkehrt. Wenn Frankreich eine Verletzung der Demilitarisierungsbestimmungen behauptet, ist es keineswegs notwendig, sofort den Völksv^nös- rat zu besassen. Zunächst kommt die Erledigung der Frage auf diplomatischem V^ge in Frage. Sollte das diplomatische Verfahren wirklich nicht zum Ziele führen, so kann die Angelegenheit vor eine Instanz gebracht werden, die an anderer Stelle der Locarnover- träge vorgesehen ist, nämlich vor die Vergleichskommission des deutsch-französischen Schiedsvertrages. Von einer Lücke in den Lo-arnoverträgen kann also keine
Rede stin.
nicht nur angesichts dieser Möglichkeit >«, f™‘ dem» sie ist auch politisch gefährlich. Auch bel po-
«jemand wisse«, zu welchen Zwecke« er« einmal vorhandenes Sonderinstrument für »»s Rhei»lattd ttt der Zukunft gebraucht werden könnte. Bei E.nrtchtnnge«. die für unbeschränkte Zeit geschaffen werven sollen, muß E mit allen Eventualitättm, auch den Mrmm- sten, rechnen, «ud man darf es mrs nicht verutzeln, wenn wir daran denken, daß die S»uderkommiff,on
Der Grundsatz der Gegenseitigkeit, mit dem man uns den Plan schmackhaft machen wolle, erkkarte Dr. Stresemann für illusorisch, weil es in Fraukrerchkeme zu kontrollierenden Objekte gebe. Zum LGlutz erklärte er dann:
Wenn wirklich einmal ein Streit darüber entsteht, ob eine Eisenbahnrampe oder eine änliche Anlage mit den Bestimmunge« des Vertrages von Versailles