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Nr. 93 (I. Blatt) Samstag, den 3. August 1929 81. Iahrg

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Amtliche Bekanntmachungen bandraisttmt.

p o l i z e i v e r o r d n u n g, betreffend den Abwurf von Gegenständen aus Luftfahrzeugen.

Auf Grund der §§ 137, 139 und 140 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (G5. 5.195) und der §§ 6, 12 und 13 der Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 1867 (G5. S. 1529), des § 366 Hr. 10 R. G. B. und der Verordnung über Vermögensstra- fen und Bußen vom 6. Februar 1924 (R(BBL S. 44) wird ur den Umfang der Provinz Hessen-Nassau mit Zustimmung der Provinzialrates folgendes verordnet:

8 i.

Der Abwurf von Gegenständen aus Luftfahrzeugen darf mit Ausnahme von Balaft nur mit Genehmigung des Ober« präsidenten erfolgen.

Als Balaft darf nur feiner trockener Sand oder Wasser abgeworfen werden.

| §2.

Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden, soweit nicht nach allgemeinen Gesetzen höhere Strafen ver­wirkt sind, mit einer Geldstrafe bis zu 150 3Ut oder im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft bestraft.

§3.

vorstehende Polizeiverordnung tritt mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft.

(£. Nr. 753/29.)

Kassel am 19. 7. 1929. Der ©berpräfibent.

I.-Nr. 6678. In dem Landgemeinde-Verlag G. m. b. j. zu Berlin W. 9 Potsdamerstr. 22 a ist ein BuchStein­berg: Die Auflösung der Gutsbezirke, ihre Auswirkungen, osbesondere die Auseinandersetzung" zum Preise von > » M erschienen.

Ich stelle den in Frage kommenden Gemeinden die Veschaffung des Buches anheim.

j Lchlüchtern, den 29. Juli 1929.

Der Landrat: Dr. Müller.

I-M. 6480. Der Herr Ureismedizinalrat wird am Diens« tag, dem H. August d. 3s. von 930 Uhr ab im hiesigen Kreis« Hause Sprechstunden halten.

5chlüchtern, den 30. Juli 1929.

Der Landrat 3. v.: Schultheis.

3Rr. 6759. Unter Hinweis auf die unter Ziffer 428

Reg. Amtsblatts Nr. 30 vom 27. Juli d. 3s. veröf- Eichte viehseuchenpolizeiliche Anordnung über die Her- fellung und den vertrieb bakterienhaltiger Mittel zur 0-rtilgung tierischer Schädlinge ersuche ich die Ortspoli« Mbehörden, mir bestimmt bis zum 1 0. August d.

die in ihren Gemeinden vorhandenen Herstellungs- aad Vertriebsstellen (vergl. §§ 1 und 2 a. a. ©.) mitzu- leikn.

5ehlanzeige nicht erforderlich.

bchlüchtern, den 30. Juli 1929.

, Der Landrat. 3. v.: Schultheis.

IV $t 577 III u. II B 7872. Der Ueichsrat hat durch Verordnung vom 2. 7. 1929 (Bek. v. 9. 7- 1929, UGBl. P 134) die Bestimmungen über die Vergnügungssteuer "er Fassung der Bek. vom 12. 6. 1929 (UGBl. I S. ,p) dahin ergänzt, daß Veranstaltungen, die am 11.

aus Anlaß und zu Ehren des Verfassungstages un- ernommen werden, der Vergnügungssteuer nicht unter« »legen.

Berlin, den 20. 3uli 1929.

Der Minister des Innern und der Finanzminister.

^tadt Schlüchtern.

Ausschreibung.

äußeren Putz arbeiten für den Neubau "r Volksschule für die Stadt Schlächtern sollen ^9eben werden.

ttngebotssormulare, Bedingungen, Zeichnungen pp. lie-

M Stadtbauamt, Schloßgasse Nr. 15, während der ^Munden zur Einsicht offen.

r Angebotsformulare sind bis spätestens Montag, $,n 12. August 1 929, vormittags 1 0 Uhr dem PI b a u a m t verschlossen einzureichen.

Geffnung der Angebote geschieht daselbst zu der gehend festgesetzten Zeit in Gegenwart etwa erschienener

^schlagserteilung bleibt vorbehalten.

Wühlern, den 2. August 1929.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Graf Zeppelins" Amerikafahrt.

Glatter Start. Wieder ein blinder Passagier. Die ge­wohnte Route: über Frankreich nach dem Atlantischen Ozean.

Amerika in Erwartung.

Der Abflug.

_ Das LuftschiffGraf Zeppelin" istamDonnerstag- f r u h 3 Uhr 3 0 Minuten in Friedrichshafen zu seinem Amerikaflug aufgestiegen. Ueber den Start wird ge­meldet: Um 2 Uhr früh ist ganz Friedrichshafen auf den Beinen. Um 2,30 laufen bereits die Motoren zum Anwärmen an. Allmählich treffen auch die Passagiere mit ihren Ange­hörigen sowie zahlreiche Pressevertreter ein. Das Wetter ist fast windstill, bei klarem Sternenhimmel. Kurz vor 3 Uhr kommt auch Dr. Eckener an. Jetzt wird das Westtor weit ge­öffnet, das Schiff wird aus der Halle gebracht. In allen Sprachen wird Abschied genommen. Als letzter besteigt Dr. Eckener das Schiff. Es wird WasserHallast abgegeben. 3,15 Uhr setzt sich das Schiff langsam in Bewegung. Neben dem Lauf­kasten her, an denen das Schiff verstaut ist, verlassen wir die Halle. Jetzt liegt das Luftschiff draußen in der sternenklaren Nacht, von zahlreichen Scheinwerfern beleuchtet

Nun kommt die Sensation des Tages: Plötzlich Kom­mando:Halt!" Alles lauft auf das Luftschiff zu, und schon munkelt man überall:

Blinder Passagier!"

Der blinde Passagier soll sich diesmal einen ganz neuen Weg in das Luftschlsf hinein gesucht haben. Er soll von einem der Laufstege nach oben in das Schiff eingedrungen sein. Ein Werftarbeiter will ihn beobachtet haben. Er erstattete der Schiffsleitung sofort Meldung. Das Luftschiff wurde abge­sucht; da man ihn jedoch nicht gleich entdecken konnte, entschloß man sich zur Weiterfahrt, um die Abfahrt nicht allzu lange zu verzögern. 3,30 Uhr laufen alle Motoren, und einige Mi­nuten darauf hebt sich das Luftschiff unter ungeheurem Jubel in die Höhe.

Das Luftschiff hat in seinen Funksprüchen nach Friedrichs­hafen von dem angeblichen blinden Passagier nichts mitgeteilt. Brett«-ichr handelt es sich daher. muc nur um eine Laum.mug. Die Polizeidirektion Friedrichshafen steht der ganzen Sache ebenfalls skeptisch gegenüber und wird erst weitere Schritte unternehmen, wenn eine bestimmte Meldung des Luftschiffes vorliegt. Die Vermutung, daß es sich bei dem blinden Pas­sagier um einen entlassenen Werkarbeiter handeln könne, hat bisher keine Bestätigung gefunden.

Unterwegs.

Das Luftschiff hat von Friedrich-Hafen aus den gewohn­ten Weg über den Oberrhein, Basel nach Frankreich einge­schlagen. Es hat Donnerstagfrüh 5,45 Uhr Säckinaen, 6 Uhr Basel passiert und 6,05 Uhr begleitet von zwei Flug­zeugen, die ihm von Basel entgegengeflogen waren die französische Grenze überflogen. Vormittags 8 Uhr befand sichGraf Zeppelin" über Baume-Les-Dames am Doubs (30 Kilometer nordöstlich von Besancon).

Beim Luftschiffbau Zeppelin sind folgende Standortmel­dungen von Bord desGraf Zeppelin^ eingegangen:10,30 Uhr Macon. Alles in Ordnung. Schiff läuft gut. Hatten zu­nächst etwas Gegenwind."10,58 Uhr Lyon. Kurs Rhone Abwärts durch Mittehneer Gibraltar." , ;

I . Nach weiteren Meldungen, die im Laufe des Donnerstag­nachmittags einliefen, machte das Luftschiff trotz heftiger Gegepwinde gute Fahrt.

Die Wetterlage.

Das Seeflugreferat der Deutsthen Seewarte in Hamburg teilt mit, daß das Luftschiff unter dem Einfluß des Hochdruck- Sbiets, das auf den Azoren liegt, über der östlichen Hälfte des Mns größtenteils heiteres, schwach windiges Wetter an­treffen wird.

Ueber dem Westen ist dagegen mit einem Drehen des Windes von südlicher auf westliche Richtung zu rechnen. Die Westströmung herrscht dort weit südwärts.' Im Bereiche des Tiefausläufers werden dort ferner Niederschläge aus niedrigen Wolken fallen. Im Raum zwischen den Azoren und Neufund­land wird Nebel auftreten.

Lakehurst in Erwartung.

Wie ein Funkspruch aus New Dort meldet, teilt die ame­rikanische Presse ihren Lesern den Start desGraf Zeppelin" in größter Aufmachung mit. Alle Blätter brachten spalten- lange Berichte über die Startvorbereitungen und den Abflug aus Friedrichshafen.

Im Luftschiffhafen Lakehurst sind alle Vorbereitungen für den Empfang desGraf Zeppelin" getroffen worden. 400 Landungsmannschaften liegen in Bereitschaft. Die Hafenver­waltung hat ferner 400 000 Kubiksatz Wasserstoffgas, 75 000 Kubiksatz Blauaas und eine Million Kubiksatz Ethongas bereit­gestellt. Alle Funkstationen sind angewiesen, dem Zeppelin jede Unterstützung angedeihen zu lassen,

Die letzte Stanbortsmelbung vomGraf Zeppelin" besagt, daß sich das Luftschiff um 23 Uhr über Kap de Gata bei Almeria in Spanien befand.

Nach einem Funkspruch des Zeppelinpassagiers Sie« bei an die Associated Preß in New Park erklärte Dr. Eckener, der blinde Passacsier werde von Amerika mit dem nächsten Dampfer nach Deutschland zurückgeschickt werden, wo er eine strenge Strafe zu gewärtigen habe.

Ergebnis der Woche

Ar. Lr. Die Konferenz der Staaten, die nun endlich am 6. August im Haag zusammenkommen soll, wird einer der berühmten Marksteine der Weltge­schichte werden. Ganz ohne Nebenbedeutung sei dies ge­sagt. Sie wird, wenn sie ihre Aufgabe voll erfüllt, den un= geheuerlichsten Krieg, der je in geschichtlichen Zeiten ge­führt wurde, beenden. Wirklich durch ein Rechtsdokument beenden, so daß die Ergebnisse der großen Auseinanderset­zung, die eben nicht nur während vier Jahren mit Waf­fengewalt, sondern auch noch zehn Jahre lang nach der Waf­fenruhe mit den Mitteln des politischen Druckes ausgefochten wurde, völkerrechtlich festgelegt werden.

Auf Grund dieser Ergebnisse wird sich die Weltpolitik dann weiter entwickeln. Daß die Ergebnisse der Auseinan­dersetzung für das deutsche Volk nichts Erfreuliches haben, damit müssen wir uns abfinden. Aber nicht in Resignation, sondern im Gegenteil: aus der Erkenntnis heraus muß sich uns ein Wille gebären, der stärker als je jeden einzelnen Deutschen beseelen muß, das deutsche Volk wieder auf die Höhe seiner Leistungsfähigkeit zu bringen. Nicht allein aus gesundem Selbsterhaltungstrieb heraus, sondern mehr noch aus dem Bewußtsein heraus, haß nur dann ein Volk dem Ganzen der Menschheit dienen kann, wenn es selbst sucht, das beste zu sein. Das ist edler Wettbewerb um den Preis höchster Kultur. Umso gröber ist die Verantwortung des deutschen Volkes in diesem Le­benskampf, als es unter seiner neuen republikanischen Staatsverfassung sich selbst regiert. Auf jedem einzelnen ruht nun die Verantwortung für die Rolle, die das deutsche Volk in der Staatenfamilie spielt.

Sicher hat das deutsche Volk in den zehn Jahren nach dem Waffengang ein glänzendes Beispiel seines Lebens- und Arbeitswillens gegeben, aber ruhen kann und darf es noch nicht. Wie auch die Konferenz aus- gehen wird, schwere Verpflichtungen wird es auf sich neh­men müssen. Gleichzeitig hat es aber auch das Recht, auf dieser Konferenz zu verlangen, daß ihm die volle B e w e- g u n q s f r e i h e i t zur Arbeit und Leistung gegeben wird.

Wenn auch aller Voraussicht nach die finanzielle Ver­pflichtung des deutschen Volkes gemäß dem Poung-Plan geregelt werden wird, um seine Rechte auf Freiheit wird es schwer ringen müssen. Was nach jeder Vernunft recht werden müßte, bah wenigstens das Gebiet d e r d e u t- fchen Republik von fremder Besatzunq frei ist, damit das deutsche Volk sich nach eigenem Ermessen rüh­ren und bewegen kann, das wird in Frage gestellt von einem Teil der französischen Politiker und leider von einem nicht kleinen und einflußlosen. Wir würden uns selbst scha­den, wollten wir dagegen blind sein. Nichts könnte uns mehr schaden, als uns Illusionen hinzugeben. Wer meinte, bah mit demAusscheidenPoincares aus dem französischen Kabinett die Möglichkeit gegeben gewesen wäre, unter Führung Briands eine Mehrheit zusammenzubrin- gen, die einer völligen Liquidierung aller Kriegsreste in vernünftiger Weife bejahend gegenübersteht, sieht wieder einmal, daß eine Person allein nicht die Politik eines Lan­des bestimmt. Briand konnte nicht anders, als das Kabinett Poincare übernehmen. Unter den Kabinettsmitgliedern sitzen aber einige, die von einer Liauidierung der Kriegs­reste, wie Besetzung des Rheinlandes und Saargebiets, nach dem deutschen Verlangen nichts wissen wollen. Eine Bedenklichkeit ist darum gerechtfertigt, ob es nicht besser gewesen wäre für Deutschland, mit Poin­care Auge in Auge zu sieben, als mit Briand. Hätte sich Poincare von der Unmöglichkeit der französischen These überzeugt, hätte er kraft seiner Persönlichkeit die Opposition seiner Kabinettsmitglieder unmöglich gemacht. Briand ist weicher. Wie er sich gegenüber der Opposition in seinem Kabinett verhalten wird, ist noch nicht abzusehen.

Die verantwortlichen Leiter der beteiligten Regierungen sollten im Haag zusammenkommen. Einer scheidet schon aus, M a c D o n a l d, der Engländer. Nur für kritische Momente hat er sich vorbehalten, persönlich zu erscheinen. Sein Weg­bleiben ist entschuldigt mit den großen Verhandlun­gen, die die neue Arbeiterregierung mitAegypten und Rußland eingeleitet hat. Ferner mit den Vorbereitungen zu feiner Reise nach Washington. Die neue Arbeiterregie­rung macht in Aegypten glatte Bahn. Sie gibt den Aegyp- tern, was den Aegyptern zunächst einmal zusteht: ihre inneren Angelegenheiten selbst zu verwalten, und behält für England, was England unbedingt haben muß, nämlich: die militärische Aufsicht über den Suez-Kanal zur Sicherung >ee Seeweges nach Ostindien. Das ist immer noch weit entfernt von einer Freiheit Aegyptens, aber gegenüber dem heutigen Zustand doch schon einigermaßen menschenwürdig. Bei Rußland handelt es sich um die Wiederaufnahme der diplomatischen Be­ziehungen. Beide Teile haben daran ein großes In­teresse. Die Reise MacDonalds nach Washington wird für England ebenfalls ein Markstein seiner Geschichte werden: denn es will seine alte These aufgeben, daß seine Seemacht st stark sein müsse, wie der zwei anderen stärksten zusam­men. England denkt daran, sich mit Amerika zu einigen, daß sie beide sich eine gleich starke Rüstung zur See geben. Damit würde vorerst das allgemeine Wett­rüsten zur See eingestellt sein. Dem: bei diesen beiden See­mächten lag der Impetus zur Rüstung. Wird damit der Weg frei für die Rüstungsbeschränkung auch zu Lande?