Einzelbild herunterladen
 

Krels-Kmtsbkür * Mtzemeiner mnUicherKazeigerfür 6m Kreis Schlüchtem

t«Limö VevUig.tz.Strürfetd Söhne» Sesthäst^?ohlihofstL6 * svmst«Nr.i»y» pefipheLkrP-imkpwtaL^^

Ar. 105

(1. Blatt)

Gamstag, den 31. August 1929

81. Jahrs.

Amtliche Bekanntmachungen

Landrat'samt.

6, 3,,Hr. 3729 K- 6. Am Sonnabend, den 1 4. $ e p= fernher 1 929 vormittags von 10 Uhr ab findet in Sdjlüdjtern an der Dreschhalle eine

Körung für 3ung = 3iegenbödie statt. 3u dieser sind sämtliche junge Ziegenböcke, deren Anhörung gewünscht wird, vorzuführen.

Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, dafür zu sorgen, daß das gesamte Körfähige Material an 3ung= böthen zur Vorführung gelangt. Es ist erforderlich, daß jede Gemeinde durch den Bürgermeister oder eine andere )ersönlichkeit bei der Körung vertreten ist, damit der erforderliche Bedarf an Iungböcken gleich gedeckt werden bann.

Wie bekannt ist, muß für 80 deckfähige Siegen ein Both, sobald diese Zahl überschritten ist, ein zweiter Bock gehalten werden. Da die Zahlung der Ziegen vor Kurzem tattgefunden hat, sind die Herren Bürgermeister selbst n der sage, zu prüfen, wieviel gekörte Ziegenböcke sie für ihre Gemeinde benötigen.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, wiederholt auf die Regenbockkörung in ortsüblicher Meise in ihren Gemein­ten aufmerksam zu machen.

Zchlüchtern, den 20. August 1929.

Der Landrat: Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Betrifft: Ladenschluß.

(Es wird wiederholt darauf hingewiesen, daß gemäß 9 der Verordnung vom 18. März 1929 R. 5- Bl. S. 15 die offenen Verkaufsstellen an den '^.rk^

Uhr abends bis 7 Uhr morgens geschlossen sein müssen, i; finden in Zukunft unvermutete Kontrollen statt; dabei estgestellte Uebertretungen werden zur Anzeige gebracht inb streng bestraft.

An das Publikum ergeht das dringende Ersuchen, je- m versuch zu unterlassen, die Verkaufsstellen während n nichtoffenen Zeit in Anfprud) zu nehmen. Wer dies Moch tut, bringt die Geschäftsinhaber in Gefahr, be= haft zu werden.

5chlüchtern, den 30. August 1929.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

"' " * /

Bekanntmachung

Feueralarm

Der Feueralarm erfolgt jetzt durch die auf dem Rah IMsturm angebrachte Alarm-Vorrichtung in folgender Weise:

<0 bei Bränden in der Stadt: durch langangezogene Alarmzeichen,

b) bei auswärtigen Bränden:

durch Alarmseidjen mit mehreren kurzen Unterbre­chungen.

Sdjlüdjtern, den 30. August 1929.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Dr. Eckener in Washington.

^^ashington, 29. 8. fwB) Dr. Eckener und Dr. teP landeten heute um 14 Uhr auf dem Landungsfeld cr lllarineluftstation,, eskortiert von einem zweiten Flug- mit Marineoffizieren. Dr. Eckener wurde vom Adju= Wien des Marineministers und vom Kommandanten der pftation herzlich begrüßt. Er erklärte dem Vertreter es er werde zehn Tage in Amerika bleiben, um i ^bron mit der Goodyear-Zeppelin Company zu ver- Graf Zeppelin" wird am Samstag oder Sonn* Kuh heimfliegen. Dr. Kiep und Dr- Eckener fuhren nach der Begrüßung mit einer Polizeieskorte zum ^aufc' wo Präsident Hoover den Kommandanten Weltrundfluges beglückwünschte. Es folgte sodann der Ä des Marineministers, dem Dr. Eckener für die .gehende Unterstützung des Fluges durch die Metterbe- Be und für die Bereitstellung der Halle und der Mann- seinen Dank aussprach. 3m Staatsdepartement röe Dr. Eckener in Anwesenheit Stimfons von Unter* C^bretär Totton empfangen und begab sich, da er ü °uhe bedürftig war, in die Privatwohnung des deut- Geschäftsträgers, wo er bis morgen früh bleibt, t $e9en 7 Uhr nach New Pork zu fliegen. Die Flugzeuge st. Lakehurft nach Washington und morgen nach New , wurden von der amerikanischen Marineleitung ko= Os jur Verfügung gestellt.

iu? Der Abflug desGraf Zeppelin" wird aller Voraus- 1 H"ch am Samstag um Mitternacht erfolgen.

Die Berliner Dresse zum Haager Ergebnis.

Opptimismus links, Pessimismus rechts.

von den Berliner Blättern nimmt bisher nur ein Teil zu den im Haag getroffenen Abmachungen Stellung.

Unter einer RiesenüberschriftDer Erfolg vom Haag" sagt dervorwärts": Die haager Konferenz schließt mit einem dreifachen Ergebnis. Erstens, der Poungplan tritt vorbehaltlich der Notifizierung durch die Parlamente ab 1. September in Kraft. Zweitens, das besetzte Gebiet wird geräumt. Die Räumung wird Mitte September be­ginnen und spätestens am 30. 3uni nächsten Iahres been­det sein. Drittens, durch die Initiative der Arbeiterregie­rung hat sich das Verhältnis zwischen England und Frank­reich geändert. Die Entente hat zu bestehen aufgehört. Gegenüber diesem dreifachen Ergebnis ist die Bedeutung gewisser Nebenfragen, über die großer Lärm gewesen ist, nahezu gleich Null. Was die haager Konferenz, so schließt das Blatt seinen Artikel, an Verworrenheiten und Uner- freulichkeiten im einzelnen gebracht hat, wird man bald vergessen. Ihr Ergebnis eröffnet einen neuen Abschnitt der europäischen Geschichte.

DieGermania" schreibt: wir lieben den Poungplan nicht. Aber wir ziehen ihn als das kleinere Uebel vor und als das Mittel, Deutschlands territoriale und finanzielle Souveränität wiederherzustellen und dadurch auf dem Wege zur Konsolidierung Europas und zur Wiederherstel­lung der Gleichberechtigung Deutschlands einen großen Schritt vorwärts zu tun. In diesem Sinne und mit diesem Vorbehalt begrüßen wir das haager Ergebnis als einen opferreichen, entsagungsvollen, aber positiven Schritt zum Frieden.

DasB. T." verzeichnet die Befreiung des Rheinlandes von den fremden Truppen und von dem Gespenst einer ausländischen Kontrollkommission als ein erfreuliches Er- vbnfs. Das whtfdmftlifcfinun^ile Resultat her Kon­ferenz und das Ergebnis der ersten Besprechungen über die Befreiung des Saargebietes dürften jedoch nach An­sicht des Blattes noch Anlaß zu deutlicher Kritik geben. Trotzdem, so fährt das Blatt fort, besteht aller Anlaß, das, was hier erreicht worden ist, als Erfolg anzuerken- nen. Zum Schluß zollt die Zeitung der Leistung des deut­schen Außenministers hohe Anerkennung. Dr. Strefemann Hat seine geschwächten körperlichen Kräfte mit einer so beispiellosen Energie und einem so vorbildlichen Führer­willen in den Dienst der deutschen Sache gestellt, daß nie­mand ihm die aufrichtige Bewunderung versagen kann. Ein Volk, in dem menschliche Leistungen etwas gelten, muß die politischen Taten eines solchen Mannes doppelt und dreifach prüfen, ehe es urteilt. Strefemann hat eine treten teuerer bezahlen, als es bei geschickterer Verhand- für die Aufopferung, mit der er hier gearbeitet hat.

DieD. A. Z." erklärt unter der UeberschriftDeutsch­land gibt nach!": wir haben den Poungplan mit seiner Belastung für zwei Generationen und seiner Entlastung für die nächsten paar Iahre. Wir müssen sein Inkraft­treten teuerer bezahlen, als es bei geschichterer verhand- lungstaktik und ohne die Vorbelastung durch die deutsche Demarche nötig gewesen wäre.

DerLok.-Anz." sagt ähnlicher: Man hat in einer Weise nachgegeben, die man vor vier Tagen noch öffentlich als unmöglich bezeichnet hat, und hat dafür einen fran­zösischen Räumungstermin bekommen, der kaum anders hätte ausfallen können, wenn man überhaupt nicht ver­handelt hätte, weil ja schließlich die Engländer unter allen Umständen aus dem Rheinland gehen wollten und die Belgier zu dem gleichen versprechen bewegt hatten. Die deutsche Delegation hat vermieden, daß der Poungplan in Scherben geht. aber sonst hat sie nichts vermieden.

DieDeutsche Tageszeitung" nennt den Räumungster­min vom Iuni nächsten Iahres eine neue Herausforderung Deutschlands und sagt: Ietzt bezahlen wir von neuem für einen erst nach vielen Monaten in Aussicht gestellten Ab­zug der Franzosen, und wir stimmen auch der ewigen Einse­tzung derVergleichskommission" zu. Die Locarnokom- missionen erhalten jetzt ausdrücklich eine bestimmte Auf­gabe: Ueberwachung des Rheinlandes zurückgewiesen. Zu­gleich wird ihre Kompetenz auf die gesamte entmilitari­sierte Zone, also auch auf die längst geräumte Kölner Zone und aus das entmilitarisierte Gebiet rechts des Rheins ausgedehnt.

Bei den Unruhen in Palästina wurden nach dem amtlichen englischen Bericht insgesamt getötet: 52 Moham­medaner, 6 Thristen und 96 Iuden. verwundet liegen im Hospital: 103 Mohammedaner, 9 Thristen, 161 Iuden. Die Lage ist augenblicklich ruhig.

' Bei dem Hochwasser des Indus und seiner Reben* slüsse sind nach oberflächlichen Schätzungen 300 Menschen ums Leben gekommen. Zahlreiche Dörfer wurden wegge­schwemmt und die Ernte vernichtet.

Ergebnis der Woche

fit. fit. Wenn diese Zeilen in der Oeffentlichkeit er­scheinen, werden die Deutschen wissen, woran sie sind mit den Reparationszahlungen. Es war schon kein schönes Schauspiel mehr, das da im Haag von den Vertretern der größten Nationen der Welt geboten wurde. Es war ein peinliches Schauspiel. Besonders peinlich für jeden, dem es heilige Menschenpflicht scheint, aus der internationalen Politik die Gewaltanwendung auszuschalten und alle Strei­tigkeiten auf dem Wege von Verhandlungen zu erledigen. Wenn das so aussieht, wie jetzt im Haag, dann wird eines Tages doch solches Verhandeln mit einem bösen Schrecken enden, den nachher wiederum die Völ­ker zu tragen haben werden. Weil die eigent­lichen Verursacher solch böser Störungen meist ano­nym irgendwo sitzen und in Gemütsruhe abwarten, wie sich die Völker um' irgendwelcher unfaßbarer Dinge willen gegenseitig die Schädel eingeschlagen haben. Dann wird festgestellt, das das unterlegene Volk den anderen Triout zahlen muß und kann sich abrackern, bis es im Schweiße seines Angesichts die Zahlungen beigebracht hat. So wird es später sein, so ist es heute, wo das deutsche Volk eben ) zahlen muß. Es will auch zahlen. Die ganzen Ver­handlungen in Paris und im Haag gehen ja doch darum, festzustellen, was das deutsche Volk zahlen kann. Mit welchem Ergebnis die Haager Konferenz auch endigen mag, eins ist heute schon sicher: die klare schöne Absicht, daß festgestellt werde, was das deutsche Volk zahlen kann, ist nicht erreicht. Ist schon in Paris nicht erreicht worden. Immer noch haben politische Faktoren mit hinein­geredet. Wunschpolitik wurde getrieben . . . und da nun einmal Deutschland der unterlegene Teil ist, bleibt ihm vorläufig nichts anderes übrig, als Ja und Amen zu sagen.

*

Bleibt heute wirklich kein anderer Ausweg? Ganz gewiß nicht! Wer sich vermessen wollte, eine andere Politik zu treiben, könnte nur einen gewaltigen Schrecken der das deutsche Volk bringen. Niemand könnte ein an= M»cs Resumt erreichen. Aber darüber seien wir uns klar, dieEndlösungist auch der Poungplan in seiner heutigen Gestalt nicht. Wir sind höchstens einen Schritt näher zu unserem Ziel, vernünftiger Regelung des Reparationsproblems, gekommen. In einigen Jahren wird sich eine Konferenz mit denselben Fragen beschäftigen, die jetzt im Haag zur Debatte standen. Nicht um Deutsch­lands willen wird verhandelt werden müssen, sondern um der anderen willen, denn auch ihnen wird es klar gewor­den sein, daß der Poungplan böse Schlangen in den fried­lichen Garten der internationalen Wirtschaft legt.

*

Aber wie dem auch sei. Das Reparationsproblem wird aus dem Kreise der internationalen Politik nicht verschwin­den. Es ist für eine Weile in den Hintergrund gerückt genau wie kurz nach dem Dawesplan. Es wird aber wieder hervortreten und feine Lösung verlangen. Was uns Deut­sche gleichzeitig damit am meisten interessiert, ist die Erle­digung der Frage der besetzten Gebiete und des Saargebiets. Verschwindet endlich dieser letzte Schreck des Krieges?

Die Vorbereitungen zur Septembertagung des Völkerbundes gingen diesmal im Toben um die Haager Probleme unter. Es hatte schon den Anschein, als sollte diese Septembertagung nur eine Fortsetzung der Haager Konsereenz werden. Das scheint im Augenblick im eigentlichen Sinne vermieden. Aber doch wird die Genfer Tagung die Fortsetzung der Haager bringen. Notwendiger­weise. Denn eine ganz neue Situation der internationalen Politik ist gefdmffen. Schwere Hindernisse für eine wirk­liche Völkerbundsarbeit werden zwar nicht gänzlich aus dem Wege geräumt sein, aber sie werden doch so erheblich abgetragen, daß ihr Bestehen nur noch peinlich werden den werden kann, der sich nicht zu einem endgültigen Wegräumen verstehen kann. Leider macht sich Frankreich immer wieder zum Träger rein machtpolitischer Gedanken. Noch versteht es durch seine geradezu glänzende Propagandaorganisation, dieAlliance Francaise , die in allen Staaten der Welt für Frankreich wirbt, sich als die Hüterin der höchsten Kultur anzupreisen. Dadurch erreicht es, daß die Völker sich keine sonder­lichen Gedanken über Frankreichs gewaltige Kriegsma­schinen machen. Mit der Zeit aber muß auch den voreinge­nommensten Frankreichfreunden beifallen, daß die Fran­zosen nicht nur künstliche Blumen und liebliche Bijoute­rien herstellen und ausführen. Gerade Frankreichs Be- satzungsregime im Rheinland hat schon bewirkt, daß man­cher für Frankreich begeisterte Kopf kühler geworden ist. Wenn Frankreich jetzt die Rheinlandbesatzung aufgibt, dann muß es endlich zur Revision seiner Politik tn Mitteleuropa schreiten. Es muß endlich aufhoren, die jungen europäischen Staaten nur zu Gliedern seiner Militärpolitik zu machen. Denn sonst kann sich Mitteleuropa nicht friedlich im Rahmen seiner natürlichen Gegebenheiten entwickeln.

Krieg? Ja, in Europa sollen wir möglichst 'ald den Krieg als schlechtes Geschäft aus den Berechnungen herauslassen Es gibt so genug des Mordens und Folterns. In den Randgebieten der Zivilisation, dort, wo noch die Interessen einzelner Völker nicht schiedlich, frtebha) abge-