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Nr. 106
(1. Blatt)
Dienstag, den 3. September 1929
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81. Jahrs,
Amtliche Bekanntmachungen
Landrats aWt.
"" Z.-Nr. 7728- 3n Ergänzung meiner Verfügung vom 19. September v. 3s- ■— Rr. 10132 — Schlüchterner 3ei= M Nr. 142 — wird bestimmt, daß Auskunft aus Straf= regstem nur dann einzuholen ist, wenn Führungszeugnisse zU Vereidigung von Sachverständigen im Sinne von § 42 flbf 1 Satz 1 des Gesetzes über die Handelskammern
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com 24. Februar 1870/19. August 1897 — Gesetzsamm- lung 1897 S. 355 ff und ferner auch im Sinne der Art. III (§ 103 e Abf. 4) des Gesetzes zur Aenderung der Gewerbeordnung (Handwerksnovelle) vom 11. Februar 1929 - keichs-Gesetzblatt I S. 21 ff — beantragt werden.
s Schlüchtern, den 28. August 1929.
Der Landrat. 3. D.: Schultheis.
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Stadt Schlüchtern.
Ausschreibung.
Die Schreiner arbeiten für den Neubau einer Volksschule für die Stadt Schlächtern sollen vergeben »erben.
Angebotsformulare, Bedingungen, Zeichnungen pp. lie- tn im Stadtbauamt, Schloßgasse Nr. 15, während der ienststunden zur Einsicht offen. Angebotsformulare kön- len daselbst in Empfang genommen werden.
Die Angebote sind bis spätestens Mittwoch, den 1. September 1 9 2 9, vormittags 1 0 Uhr bem ladtbauamt verschlossen einzureichen.
Die (Deffnung der Angebote geschieht daselbst zu der erstehend festgesetzten Zeit in Gegenwart etwa erschie- mer Bewerber.
Zuschlagserteilung bleibt vorbehalten. 5chlüchtern, den 2. September 1929.
Der Magistrat: Gaenßlen.
-tadt Steinau.
Bekanntmachung.
DaS Obst
m den städtischen Bäumen soll gegen Barzahlung verpach- i werden, und zwar am Donnerstag, den 5. $ e p= ember b. Is., beginnend vor m- 7 Vs Uhr an der »markungsgrenze Uhl, Strafte nach Steinau. Steinkaute, »rröder Strafte, Gänsberg und Vogelsbergstraße, Nachmittags 4 Uh r, beginnend Leimenkaute, am lcinklöschen und Strafte von Niederzell nach Steinau, Freitag, den 6. September d. 3s-, beginnend m nachmittags 2 Uhr an dem Frischkorn'schen Sägewerk 'Hofgelände, Alte Strafte und Schiefer.
Die Bedingungen werden im Termin bekannt gegeben. Steinau, den 31. August 1929.
_ Der Magistrat: 3. D.: Weitzel.
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Schafpferch Verpachtung.
per Schafpferch von der städtischen Schafherde soll ^itwoch, den 4. September d. 3s- abends uhr im Rathaüs verpachtet werden.
Steinau, den 31. August 1929.
Der Magistrat: 3. D.: Weitzel-
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In Jerusalem nichts Neues.
^rusalem, 1. 9. (WB.) Reuter. Die Lage ist hier "hierhin ruhig. Militär und Polizei patrouillieren in Straften. Heute morgen verunstalteten 12 Flugzeuge Pen Demonstrationsflug über der Stobt. Jerusalem ge= immer mehr sein normales Aussehen wieder. Der Wäftsoerkehr ist jedoch noch gering. Bisher hat nicht n Miger Mohammedaner oder Araber von Bedeutung Hauptsitz der Regierungsbehörde ausgesucht, um das Bauern wegen der furchtbaren Gkausamkeiten auszu- ^en. Eg ist allerdings die Rebe davon, daß eine Bswe- ^ wit derartigem Ziel im Gange sei. Die Polizei sucht E^lhin nach Massen und nimmt Verhaftungen vor.
?~ In Lodz und Umgebung herrscht eine Baucktyphus- 'anie. Auch in Warschau und Umgebung sind schon ^siche Typhuöfälle festgestellt worden, die alle einen schwe- ^"lauf nehmen.
Todessprung.
. Wetzlar, 1. September. Der 15jährige Handelsschüler M wollte bei W e tzlar beim Baden in die Lahn springen. * Übersoll er, daß Pfähle in den Fluß eingerammt waren, / stlug bei dem Sprung mit großer Wucht mit dein Rücken w einen Pfahl, verlor die Besinnung und ging unter. Nach
Minuten konnte er geborgen werden. Wiederbelebungs- Kche hatten zunächst Erfolg, der Körper blieb aber, da das verletzt war, völlig gelahmt. Nach 24 Stunden quob
^n Leidens ist er im Krankenhaus gestorben.
.GrafZeppelin' auf der Heimfahrt.
Arktisfahrt des „Graf Zeppelin" im April 1930?
New Yorker Meldungen zufolge ist der Gouverneur Parks von Washington benachrichtigt worden, daß das Luftschiff „Graf Zeppelin" im April 1930 zur Durchführung arktischer Forschungen nach Alaska kommt. Fairbanks soll einen Ankermast erhall,'» und als Stützpunkt für diese Tätigkeit dienen, die sich unter Umständen auf zwei Jahre erstrecken isU. Demnächst trifft zur Durchführung der Borbereltnup u Lc-tcn ein Bertreter der Goodhear-Zeppelinwerke in RlEa ein.
Der Start des „Graf Zeppelin" in Lakehurst zur Heimfahrt nach Friedrichshasen, der Sonntag früh deutscher Zeitrechnung erfolgen sollte, erfuhr eine Verzögerung, weil die Bodenwinde das Herausbringen des Luftschiffes erschwerten.
Die Empfangsvorbereitungen in Friedrichshafen sind beendet. Die Behörden haben ein umfangreiches Programm ausgestellt. Nach der Landung wird die Zeppelinbesatzung im Festzug nach dem Ratbou« geführt. Vom Dach der Werft leuchtet in Riesenlettern der Gruß: „Wir gratulieren!"
Während der Sanbung wird der Landungsplatz mit Rücksicht auf die engen Raumverhältnisse und aus die Tag und Nacht fortdauernden Bauarbeiten an der neuen Luftschiffhalle streng abgesperrt werden. Außer den geladenen Gästen und der Kresse haben nur die nächsten Angehörigen der Besatzung Zutritt.
Nach der Heimat gestartet!
„Graf Zeppelin" ist, nachdem der Start wegen widriger Winbe aufgeschoben werden mußte, um 13,18 Uhr MTZ. in Lakehurst aufgestiegen und steuerte direkt ostwärts dem Meere zu. Um 21 Uhr MLZ. befand sich das Luftschiff 38,12 Grad nördlicher Breite und 62,20 Grad westlicher Länge.
Graf Zeppelin voraussichtlich heute nachmittag über den Azoren.
New pork, 2. 9. Auf Grund der bisher von Bord des „Graf Zeppelin" eingegangenen Funkmeldungen nimmt man hier an, daß das Luftschiff die Azoren heute vormittag 10 Uhr New Parker Normalzeit (15 Uhr MTZ.) erreichen und noch vor dem bisher angenommenen Zeitpunkt in Friedrichshafen eintreffen wird.
Fritblof Nansen in Berlin.
Frithjof Nansen ist am Sonntag in Berlin eingetroffen, von wo er nach kurzem Aufenthalt nach Genf zur Teilnahme an der Völkerbundstagung weiterreist. Ueber die geplante Fahrt des „Graf Zeppelin" zum Nordpol befragt, äußerte sich der Forscher, er werde die wissenschaftliche Leitung der polarfahrt übernehmen. Er sei der Meinung, daß ein Flug in die arktischen Gebiete für den so glänzend erprobten „Graf Zeppelin" keineswegs mit größeren Gefahren verbunden sei, als die der kürzlich erfolgte Transasienflug mit sich gebracht habe.
Reichsinnenminister Gevering zu den Haager Verhandlungen.
Duisburg, 1. 9. (WB.) Am Sonntagabend sprach Reichsinnenminister Seuering anläßlich einer Kundgebung des Reichsbanners Schwarzrotgold in der Städtischen Tonhalle zu Duisburg, wobei er ausführlich auf die Ijaager Verhandlungen und den Poungplan einging. 3m Haag sei erreicht worden, was zehn Jahre das Ziel der deutschen Politik gewesen sei. 3n 14 Tagen würden die Engländer mit der Räumung des Rheinlandes beginnen und in acht Monaten werde der letzte Besatzungssoldat rheinischen Boden verlassen haben. Wir werden den Etat des nächsten Jahres um 450 Millionen erleichtern können ober diese Summe der Wirtschaft wieder zuführen. In den folgenden Jahren werde diese Summe auf 600 bis 700 Millionen sich erhöhen. Gewiß brauche man in Deutschland über die haager Konferenz keine Purzelbäume zu schlagen. Die tatsächliche Gleichheit Deutschlands mit den übrigen europäischen Mächten sei auch im Haag nicht herbeigeführt worden, wenn auch eine formelle Gleichheit zustandegekommen sei. Ls gelte Europa zu den vereinigten Staaten von Europa zu- sammenzuschließen, sonst würde man die einzelnen Kräfte Europas vor dem Zerfall nicht bewahren können. Für Deutschland gelte es jetzt bewußt durch den Poungplan hindurch zugehen.
-*-■ Monarchistische Bestrebungen in Polen. Wie aus Tomaschow berichtet wird, fand dort eine Tagung der Monarchisten der Lodzer Wojewodschaft statt. Es wurden einige Entschließungen angenommen, in denen die Tätigkeit des Sejms verurteilt wird. Marschall Pilsudski wird aufgefordert, er möge eine Regentschaft aufrichten und eine neue Verfassung geben. Auch stellte die Tagung allen Ernstes fest, daß das polnische Volk einen König haben wolle, der nur allein das Land aus der gegenwärtigen mißlichen Lage retten könne.
Kinisterrat über die Saager Konferenz Stresemann begibt sich nach Genf. — Das Rheinlan» zur Räumung.
Am Sonntag trafen vom Haag kommend die Reichsminister Dr. Stresemann, Dr. Curtius und Dr. Hilferding, sowie Staatssekretär von Schubert wieder in Berlin ein. Ein Teil der deutschen Abordnung hatte sich vom Haag direkt zur Herbstversammlung des Völkerbundes nach Genf begeben. Reichsminister Dr. Wirth war nach Freiburg gefahren und wohnte dort einer Fraktionssitzung der Zentrumspartei bei.
Am heutigen Montag oder am Dienstag dürste in Berlin eine Kabinettssitzung stattfinden, die sich mst dem Ergebnis der Haager Konferenz befassen wird. Reichsaußenminister Dr. Stresemann wird noch im Laufe des Montags die Weiterreise nach Gens an- treten.
Zwischen dem Minister für die besetzten Gebiete Dr. Wirth und dem rheinischen Oberpräsidenten Dr. Fuchs fand ein Telegrammwechsel statt. Der wesentliche Teil des Telegramms des Oberpräsidenten Dr. Fuchs lautet:
„Namens des besetzten Rheinlandes spreche ich der deutschen Delegation für die Erkämpsung unserer Freiheit herzlichen Dank aus. Sie ist um so wertvoller, als sie ohne Einbuße an nationaler Würde erreicht worden ist. So muß der 29. August ein Merkstein werden auf dem Wege der Befriedung und der Völkerdersöhnung, die recht bald auch die ««natürlichen Schranke« gegen das Saargebiet niederreißen möge. Das schwergeprüfte Rheinland faßte neuen Mut und wird mit Hilfe von Staat und Reich alle Kräfte mobilisieren, um die ihr infolge der Besetzung entstandenen großen Schäden auszugleichen und darüber hinaus an der weiteren Hebung der deutschen Wirtschaft wieder tatkräftigen Anterl zu nehmen."
Weitere Telegramme gingen in Berlin von den Städten Aachen und Düren ein.
SprenMoffattentat aus den Reichstag.
Rur Sachschaden angerichtet. — Die Polizei untersucht.
F,t twt frühen Morgenstunden des Sonntags explodierte in Berlin au der dem Spreeufer gegenüber« liegende» Peichstagsfront eine Höllenmaschine. Durch die Gewat, ^r Explosion wurden zahlreiche Fenster zertrü^mc.^ auch wurse teilweise die Inneneinrichtung der ?ieiMi(^bartert Zimmer beschädigt. Menschen stiw nicht verletzt worden. Bon den Tätern fehlt bisher jede Spur.
Die Polizei, die sofort die Ermittlungen auf- nahm, fand Teile eines Uhrwerks. Der Pförtner, der sich zur Zeit der Explosion in einem Raum unweit der Explosionsstätte befand, sagte aus, er habe kurz nacheinander zwei Detonationen gehört.
In Ergänzung dieser Meldung erfahren wir, daß die Höllenmaschine an einem Fenster im Erdgeschoß niedergelegt worden war. In Mitleidenschaft gezogen wuri>'m insbesondere die drei Fenster des Zei- tungsarchivL, die in tausend Stücke zersplitterten; das Fensterkreu^ wurde herausgeschlagen. Die Ladung der Sprengkapsel scheint jedoch nicht erheblich gewesen zu sein. Jedenfalls haben die in der Nähe des Reichstags in der Unglücksstunde mit Reparaturen beschäftigten Arbeiter nur wenig von der Explosion gemerkt.
Bald nach der Explosion erschienen Polizeivizepräsident Dr. Weift, Regierungsbirektor Windisch und Kriminaldirektor Werner mit den Krimminalkommissaren Dr. Brasch- witz und Mühlfriedel der Abteilung 1 A zur Feststellung des Tatbestandes. Ls wurden zahlreiche Reste der Spreng« stoffladung, insbesondere Teile einer Weckeruhr und von Taschenlampenbatterien, gefunden, die teilweise bis auf die gegenüberliegende Straßenseite geschleudert worden waren. An einem Straßenbahnmast, der in Höhe der Spreng- berbes auf dem Bürgersteig steht, wurde eine sogenannte Klebemarke vorgefunden, die das Hakenkreuz und die Inschrift „Großdeutschland erwache!" trug.
Der von der Polizei sofort hinzugezogene Sachverständige Dr. Richter von der chemisch-technischen Reichsanstalt, der auch bei der Aufklärung der früheren Sprengstoffanschläge in (Oldenburg und Lüneburg als Gutachter tätig gewesen sei hat an O)rt und Stelle eine vorläufige Untersuchung vorgenommen. Er hat zwar bisher noch nicht die Rrt des Sprengstoffes genau feststellen können, doch ist nach seiner gutachtlichen Bekundung die Sprengstoffladung ähnlich wie bei den Unschlägen in Oldenburg und Lüneburg vorbereitet gewesen. Ein Zusammenhang des neuesten Berliner Unschlags mit den früheren Sprengstoffattentaten ist daher anzunehmen. Der Polizeipräsident hat eine Belohnung von 25 000 Mark ausgesetzt.
Schatzkanzler Snowden, der Sonntag früh vom Haag in London eintraf, wurde bei seiner Ankunft von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge herzliche Kundgebungen bereitet.