Einzelbild herunterladen
 

O

Rk. 109

(1. Blatt)

Dienstag, den 10. September 1929

81. Iahrg.

Amtliche Bekanntmachungen

x-ndratsamt.

Polizeiverordnung.

Auf Grund der §§ 137 und 139 der Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (®S. 5.195), der §§ 6, 12 und 13 der Verordnung vom 20. September 1867 (®S. S. 1529), der §§ 2, 4 und 5 Ar- Kel I des Notgesetzes vom 24. Februar 1923 (NGVl. S. 147), der Verordnung über Vermögensstrafen und Bußen « 6. Februar 1924 (R®BL $. 44) und des § 365 des ürichrstrafgesetzbuches verordne ich bis zur allgemeinen Neuregelung der Bestimmungen über die Polizeistunde und vorbehaltlich der Zustimmung des Provinzialrats für den Umfang der Provinz Hessen-Nassau wie folgt:

Artikel 1.

Im Absatz 1 bes § 9 meiner polizeiverordnunZ üb^r die Polizeistunde und öffentlichen Tanzlustbarkeiten vom 25. Juni 1928 (Sonderbeilage zu Nr. 26 des Amtsblattes der Regierung zu Kassel, Nr. 27 des Amtsblattes der Re= gierung zu Wiesbaden und zu Nr. 26 des Amtsblattes für den Stadtkreis Frankfurt a. Ht.) werden die Wortebis auf 5 Uhr" gestrichen.

Artikel 2.

Diese Polizeiverordnung tritt am Tage der Verkündung in Kraft. (Nr. 83431 )

Kassel am 24. 8. 1929- Der Gberpräsident.

Stadt Schlüchtern.

Wasserleitung.

Die nachstehenden Arbeiten und Lieferungen zur Trwei- erung der Wasserleitung der Stabt Schlüchtern sollen zu- immen, ober getrennt in 4 Losen vergeben werden.

£os 1: Vuellenfassung und Herstellung von Sammel= und Nevisionsschächten aus Zementbrunnenringen. £os 2: Herstellung von rd. 3380 Mir- Nohrgraben st ^ ' die Leitung von der (Quelle bis zur Stabt.

Los 3: Lieferung von rd. 3860 Mir- Gußrohren von 225, 150, 100 und 80 Millimeter Lichtweite.

Los 4: verlegen von rd. 3860 Mtr- Gußrohren, Liefe­rung und Einbau von 9 Schiebern, 2 fyjbranten usw. Die Derbingungsunterlagen, Zeichnungen und Bedingun­gen pp. liegen beim S t a b 16 a u a m t, Schloßgasse Nr- 15, mSchlüchtern zur Einsicht offen. Angebotsformu- me für Los 1, 2 und 4 können zum Preise von je 1,50 U und für Los 3 zum Preise von 3,00 K^ vom Stabt= kamt Schlüchtern, solange Vorrat reicht, bezogen werden. Angebote sind bis zum 1 6. Septemb er 1 9 2 9, vor- jnittag s 1 1 U hr mit entsprechender Aufschrift versehen, M 5 t a d t b a u a m t Schlüchtern einzureichen, woselbst M dieser Zeit die Oeffnung der Angebote in Gegenwart c^a erschienener Bewerber erfolgt. Freie Auswahl unter M Betnerbern bleibt vorbehalten. Schlüchtern, den 7. September 1929.

Der Magistrat: Gaenßlen.

feiiwiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiHiiiiiiiiiiMiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiw

Reichsjugendwetttämpfe

auf dem Rcisbrunnen in Schlüchtern.

Ant Mittwoch, den 11. September werden auf dem «cirbrunnen in Schlüchtern wie alljährlich die Neichsjugend- Mämpfe der Schulen unseres Kreises stattfinden. Die Ottanstaltung, an der sich diesmal sämtliche Volksschulen Mre; Heimatkreises beteiligen werden, soll nach folgen- M Plane verlaufen:

8.30 Uhr: Morgenfeier,

: Wettkämpfe der Knaben (75 m Laus,

. Weiterung, Kugelstoßen),

^1.30 : Mittagspause. (Konzert und Lieddar­bietungen),

1-30 : Vorläufe der Stafetten,

2 .30 ; Gesamtfreiübungen, Reigen und Turn- spiele der Mädchen,

4 : Gesamtfreiübungen der Knaben,

430 : Endlauf der Stafetten,

5 ,, : Preisverteilung.

wir hören, haben die Kreisverwaltung und der ^Pstrat der Stabt Schlüchtern wertvolle Ehrenpreise ge= W.

, wünschen, daß dem Kreisjugendfest ein sonniger Tag Weben sei, und hoffen, daß die Kreisbevölkerung sich (Zahlreich zu der großen sportlichen Kundgebung un- ?f Schuljugend einfindet.

....................................... III...................................................................................................................................................

Ein neuer ReichstagsatteutSter meldet sich.

k Merlin, 9. Septencker. Auf einem Polizeirevier erschien Jahre alte Arbeitslose Werner Müller aus Berlin L Lab an, daß er gemeinsam mit einigen anderen Personen Attentat aus das Reichstagsgebände verübt habe.

SchissSimtergang in Finnland.

Etwa 15 0 Personen ertrunken.

In der Nähe des Hafens von Tammerfors auf dem See Naisijaervi ist der DampferKuru" gesun- ken. 150 Menschen sind dabei ertranken. 50 Fahr- gäste und ein Teil der Besatzung wurden gerettet. Unter den Ertrunkenen sind zahlreiche Schulkinder, die sich auf dem Wege nach Hanse befanden.

Das Unglück ereignete sich etwa 10 Minuten nach­dem das Schiff den Hafen verlassen hatte. Der vordere Teil des Schiffes senkte sich plötzlich aus bisher un­aufgeklärten Gründen. Einigen der Fahrgäste gelang es, in schneN freigemachte Rettungsboote zu klettern, die sich aber wegen der schweren See alle überschlugen. Viele hielten sich an den umgeschlagenen Booten fest und wurden später vom Rettungsdampfer ausgenom­men. Andere konnten sich durch Schwimmen retten. Wieder andere retteten sich dadurch vor dem sicheren Tode, daß sie die Fensterscheiben eruschlugen und in letzter Minute aus dem sinkenden Schiff hinaus- sprangen.

Schwierige Rettungsarbeiten.

Vom Ufer aus waren viele Personen Zeuge des Unglücks, ohne daß sie jedoch etwas zur Rettung tun konnten. Kurz vor dem Untergang des Schiffes sah man eine dichte Rauchwolke aufsteigen. Ein in der Nähe befindlicher Passagierdampfer leistete die erste Hilfe, konnte jedoch nur 10 Personen retten. Auch ein Bugsierboot und mehrere Motorboote eilten an die Unglücksstelle. *

Zehn Tote bei einem Flugzeugabsturz.

Nach Meldungen aus Bukarest ist ein Wasser­flugzeug 60 Kilometer von Konstanz« entfernt durch Explosion des Motors in das Schwarze Meer abge­stürzt. Zehn Insassen, unter ihnen der Befehlshaber der kaukasischen Armee, General Fabrian, kamen ums

Eiu Postflugzeug mit drei Insassen verbrannt.

Das JndienpostflugzeugStadt Jerusalem" ist bei einer Notlandung auf dem Flugplatz in Jask in Per- fien in Brand geraten. Der Flugzeugführer, der Me­chaniker sowie der Fluggast wurden dabei getötet, der Funker und der Bordingenieur schwer verletzt. Der Flugzeugführer, Kapitän Woodbridge, ist ein alter Kriegsflieger, der Richthofen an der Somme abge­schossen haben soll. Die Maschine mit 25 000 Briest- ist verbrannt.

Die Untersuchung der Gprengftoffatlentate.

Wie berichtet wurde, hatte sich der 20 Jahre alte Arbeits­lose Werner Müller in der Nacht zum Sonnabend bei der Polizei gemeldet und sich selbst der Teilnahme an dem Sprengstoffattentat am Reichstag bezichtigt, später aber sein Geständnis wieder zurückgenomnien. Der Montag mel­det nunmehr, daß Werner Müller am Sonntagmorgen vom Polizeipräsidium wieder entlassen worden sei, da sich heraus­gestellt habe, daß seine ersten Angaben unwahr waren und er als Täter überhaupt nicht in Frage kommt. Das genannte Blatt berichtet weiter, die Polizei sei der Ansicht, daß die Attentäter ihren Wohnsitz überhaupt nicht in Berlin haben. Man nehme an, daß es sich um höchstens zwei bis drei Personen handele, die die Terrorakte auf eigene Faust durchführen. Das Hauptaugenmerk der Polizei sei augen­blicklich darauf gerichtet, die Herkunft der großen Spreng­stoffmengen festzustellen, die den Attentätern zur Verfü­gung standen. Die Polizei glaube, daß die Sprengstoffe aus Diebstählen und Einbrüchen herrührten. Die die Er­mittelungen leitenden Kriminalkommissäre hätten sich da­her eine Liste der in letzter Zeit in Deutschland verübten Sprengstoffdiebstähle zusammenstellen lassen und versuch­ten jetzt festzustellen, in wessen Händen das Material ge­langt ist. Diese Liste, die die Zeit vom 31- März bis 29. Juli umfaßt, wird vom Montag veröffentlicht. Die Polizei erwartet für Montag früh das endgültige Gutachten der Sachverständigen der physikalisch-chemischen Neichsanstalt, das auch die Vermutungen über die bei den einzelnen Attentaten zur Verwendung gelangten Sprengmitteln ent­halten soll.

Die Montagsvost meldet, daß bei den Sprengstoffatten­taten nicht nur chemische Sachverständige, sondern vor allem auch Techniker dabei gewesen sein müssen.

Weihe des Hinbenburg-Ablers auf Helgoland.

Unter zahlreicher Beteiligung fand Sonntag nachmittag auf Helgoland die Weihe des vom Norddeutschen Lloyd Und der' Hapag gestifteten Hindenburg-Adlers statt. Das Standbild bringt eine symbolische Verkörperung desNeichs- gedankens zum Ausdruck und stellt den Kopf des Neichs- präfibenten, der von den Fittichen des Reichsadlers über­schattet wird, dar.

Noungplan und Saushallsdefizit.

Deutschlands Finanzlage. 12 Milliarden Reichs­mark Auslandsschulden.

Der preußische Finanzminister Dr. H ö p k e r - Asch off verbreitete sich auf der Westfälischen Be­amten- und Lehrertagung in Münster über Deutsch­lands Finanzlage und erklärte:

Trotz der Befreiung des Rheinlandes seien wir von der Gesundung der Finanzen noch weit entfernt. Jetzt könne die Ordnung des deutschen Finanzwesens erfolgen. Dabei ist von der gegenwärtigen Lage der Reichsfinanzen auszugehen. Das verflossene Rechnungs­jahr hat mit einem Fehlbetrag von 154 Millionen Reichsmark abgeschlossen, das gegenwärtige Rechnungs­jahr bringt einen Fehlbetrag von 260 Millisuen.

Noch schwerer fallen die 350 Millionen Reichs­darlehen an die Reichsanstalt für Arbeitslosenver­sicherung ins Gewicht und die am Ende des Jahres ungedeckten 600 Millionen Reichsmark des außeror­dentlichen Haushalts.

Der Noungplan bringt im laufenden Rechnungs­jahr eine Ersparnis, vie bestenfalls ausreicht, den Fehlbetrag der Jahre 1928 und 1929 zu decken. Auch die Gemeinden können ihre laufenden Bedürfnisse nur durch Hereinnahme von hochverzinslichen kurzfristige« Anleihen bestreiten.

Die deutsche Volkswirtschaft ist mit 12 Milliarden Reichsmark an das Ausland verschuldet, für die rund eine Milliarde Reichsmark an Zinsen zu zahlen sind. Wenn sich die deutsche Wirtschaft von der Auslands­verschuldung und der drohend gewordenen Ueberfrem- dung sreimachen will, muß die Kapitalbildung geför­dert werden.

*

Die Wirtschaftspakte! zur Reform der Arbeitsloseu- Versicherung

Zur Frage der Arbeitslosenversicherungsreform fand im Reichsausschuß der Wirtschaftspartei folgende

Der Reichsausschuß der Wirtschaftspartei hat nach dem Bericht der Sachverständigenvertreter über die Verhandlungen im Sachverständigenausschuß und im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages die Auffas­sung vertreten, daß die Mandatsträger im Reichstag bei der Reform der Arbeitslosenversicherung unter allen Umständen dafür eintreten müssen, daß die Sa­nierung der Neichsanstalt für Arbeitslosenversicherung auf Grund der bisherigen Beitragsleistung durchge­führt wird.

Heuer SchnelligleitSrelorb in der Xuft .

5 28 Stundenkilometer.

Das Flugzeugrennen um den Schneiderpokal, das in der Straße von Solent an der englischen Südküste zwischen drei englischen und drei italienischen Flug­zeugen ausgetragen wurde, hatte folgendes Ergebnis: 1. Großbritannien, Fliegeroffizier Waghorn, Durch­schnittsgeschwindigkeit 528,75 Stundenkilometer; 2. Ita­lien, Deckoffizier Dal Molin, Durchschnittsgeschwindig­keit 456,28 Stundenkilometer: 3. Großbritannien, Flie­geroffizier Greig, Durchschnittsgeschwindigkeit 453,92 Stundenkilometer.

Der Sieger, Leutnant Waghorn, legte diese auf sieben Runden zu je 50 Kilometern entfallende Ge­samtstrecke von 350 Kilometern in 39 Minuten und 42,1 Sekunden zurück. Dem Rennen wohnten etwa eine Million Menschen bei.

Kundgebung an die Christenheit.

Ein Beschluß der Weltkirchentagnug in Eisenach.

Die Weltkirchenkonferenz in Eisenach beschloß auf Antrag des Prof. D. Monod eine Kundgebung an die Christenheit. Darin bekräftigt sie aufs neue feier­lichst die evangelischen Grundsätze unb das christliche Programm, wie sie in der ökumenischen Botschaft der Stockholmer Weltkirchentagnug im Jahre 1925 an die Kirchen der ganzen Welt niedergelegt sind. Den theo­logischen Fakultäten, den geistltchen Kirchenbehörden und der Jugend wird ein aufmerksames Studium dieser Botschaft, durch die der ethischen und totalen Betä- tigung der Christenheit Richtung gegeben werde, ein­dringlich empfohlen. Die Christenheit, ohne Unter­schied der Sprache und der kirchlichen Ueberlieferung, wird aufgerufen zur Mitarbeit, zum Dienst an den Brüdern und zum gemeinsamen Gebet.

Zusamnnnttrik! per Reichstagsfraktion des ZentrumS.

Berlin, 9. Septbr. Die Reichstagsfraktion des Zentrums ist zum 14. und 15. September nach Koblenz zu einer Sitzung einberufen. Auf der Tages­ordnung steht an erster Stelle die innerpolitische Lage, insbesondere die Frage der Arbeitslosenversicherung. Ferner findet auch eine Aussprache über die Ergebniffe der Hanger Konferenz statt.