:r. 148
(1. Blatt)
Dienstag, den 10. Dezember 1929
81. Iahrg.
Gliche Bekanntmachungen
^-ratsaNk«
f p o l i z e i v e r o r d n u n g.
> betreffend das freie Umherlaufen von Hunden.
^f Grund der §§ 137 und 139 des Gesetzes über die Meine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (GS. S. ’ der §§ 5, 12 und 13 der Verordnung über die Polizei- Haltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. mber 1867 (GS. S. 1529), sowie der Verordnung Vermögensstrafen und Bußen vom 6. Februar 1924 I. $. 44) wird mit Zustimmung des Provinzialrats den Umfang der Provinz Hessen-Nassau folgende Poli- ^ordnung erlassen:
§ 1.
$ unbeaufsichtigte Umherlaufenlassen von Hunden in Auren und Holzungen außerhalb der öffentlichen Wege verboten.
§2.
beaufsichtigt gelten insbesondere:
h Hunde/ die von dem Iagdberechtigten zur Abrichtung oder zwecks Ausübung der Jagd mitgeführt werden, >j Hunde, die angefeilt oder angeschirrt sind, Hirtenhunde, solange sie zur Ueberwachung von Her- f den dienen.
Äts unbeaufsichtigt gelten insbesondere Hunde, die wild in, einer Wildfährte folgen oder fidy aus der unmittel- en Nähe des Besitzers entfernen.
Widerhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu bestraft, an deren Stelle im Unvermögensfalle ende Haft tritt.
150 ent=
für
Wizeiverordnungen, die den gleichen Gegenstand der Provinz Hessen-Nassau regeln, werden aufgehoben schliche Bestimmungen bleiben unberührt.
liefe Polizeiverordnung tritt mit dem Tage der verkün- ng in Kraft. (Kr. 11312.)
. „_a|fel, am 19. 11. 1929.
Dberpräsident der Provinz Hessen-Nassau.
^. Ilb 10811. vorstehende Polizeiverordnung wird hiermit 4 4 ^öffentlicht.
p § 4 der Polizeiverordnung wird bemerkt, daß die chrift des § 30 Ziffer 6 des kurhessischen Iagdgesetzes 7. September 1865 (Kurt}. Ges. Sammt. $• 571) ncid)i SHBer Hunde, die herrenlos sind oder deren Eigentümer Wkannt sind, wenn sie in fremden Jagdrevieren betroffen Dom Iagdberechtigten und dessen Iagdangestellten WMet werden dürfen, noch gültig ist.
J| Wächtern, den 6. Dezember 1929.
Der Landrat: Dr. Müller.
Ä 11087. Die Vorschriften über den Volksentscheid Mheitsgesetz" in dem M. BL f. d. i. v. Nr. 53, das den Bürgermeistern von hieraus zugesandt worden ist, ich genau zu beachten. Die diesem Ministerialblatt ^Beilage angeschlossene Verordnung des Herrn Reichsmi- M; des Innern vom 30. v. Mts. ist sofort ortsüblich
WRS zu. machen.
M Mlüchtern, den 6. Dezember 1929.
| fl Der Landrat. 3. v.: Schultheis.
Kreisausschuß.
^. 5607 K. st. Nachdem die Standesregister und Einulare für 1930 hier eingegangen sind, ersuche ich die Standesbeamten des Kreises dieselben umgehend f ^eisausschußbüro hierselbst abholen zu, lassen. Bei s Abholung sind gleichzeitig die Kosten für die alphabeti- r Register an die kreiskommunalkasse hierselbst einzu-
I Betern
1.95
Rm.
Neuengronau
0.70
Rm
| fünfter
2.15
Oberkalbach
0.60
//
1 | Soden
0.70
Oberzell
0.60
V
F Inau
0.90
Romsthal
0.70
' ^Udhelm
2.55
0.60
Sannerz Schwarzenfels
0.60
0.60
»
n
Wach f'Weinau
0.60
1,05
//
Sterbfritz Ulmbach
0.80
0.80
0
//
Menzell Volten
0.60
Uttrichshaufen
0.60
n
0.60
Dollmerz
1.20
//
W
0.70
, Wallroth
1.40
*
P Mgers
0.70
Jüntersbach
0.60
n
Unkosten fallen den Gemeinden des betreffenden Stan- rawtsbezirks zur Last.
IpWern, den 5. Dezember 1929.
| ^^ Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
zu einer Sammlung „Drüber in Not!"
Das Deutsche Rote Krens hat zu einer Sammlung „Brüder in Hot!" aufgerufen. Mit diesem Ruf erbat es schon einmal im Jahre 1922 Hilfe, um deutsche Stammesbrüder in Rußland vor Hungersnot und Seuchen zu schützen, und willig öffneten sich mildtätige Hände.
heute klingt der gleiche Ruf durch deutsche Lande, aber jetzt, um deutschen Bauern zu helfen, die in Sibirien und in anderen Teilen Rußlands in wirtschaftliche Not gerieten und sich zur Auswanderung entschlossen. Mit geringer habe sind sie in eine ungewisse Zukunft hinausgezogen. Einige hundert sind bereits bis Kiel und Hamburg gekommen, weitere Hunderte sind unterwegs, taufende warten in Moskau auf die Bewilligung zur Ausreise. Diesen Deutschen, die trotz jahrzehntelangen Aufenthalts in fremdem Lande ihr Deutschtum treu bewahrten, die mit zäher Ausdauer arbeiteten, jetzt aber ihrer Existenz beraubt sind, soll in Deutschland eine Zufluchtsstätte gewährt werden. Die Zufluchtsstätte wird für die meisten nur vorübergehend sein, weil sie im fernen Westen eine neue Heimat gründen wollen, sobald ähnen die Einreise dort genehmigt ist. Sie kann für viele zur dauernden Heimstätte werden, wenn & gelingt, sie in den Siedlungsgebieten unserer östlichen Provinzen unterzubringen.
Zu beiden Zwecken sind große Geldmittel nötig. Die 6 Millionen Reichsmark, die das Deutsche Reich zur Verfügung stellt, reichen nicht aus und müssen durch Spenden der freien Liebestätigkeit ergänzt werden. Diese sollen bis zum 31. Dezember 1929 durch Geldsammlungen aufgebracht werden. Die Veranstaltung der Sammlung ist den Wohl- fahrtsverbänden unter Führung des Deutschen Roten Kreu» zes übertragen.
Wir wenden uns an die Bewohner der Provinz Hessen- Nassau «M^^üte, Hßtdipenden auf das Konto des Pro- vinzialvereins vom Roten Kreuz „Brüder in Not!" bei der Deutschen Bank und Diskontogesellschaft, Filiale Kassel oder auf die in den einzelnen Kreisen von den Kreisvereinen vom Roten Kreuz bekannt gegebenen Kanten abzuführen.
Die Landes- und Bezirksverbände des Deutschen Roten Kreuzes, der evangelischen vereine für Innere Mission, des Deutschen Taritasverbandes, des fünften Wohlfahrtsverbandes, der Arbeiterwohlfahrt,
der Zentralwoblfahrtsstelle der israelitischen Gemeinden, des Vereins für das Deutschtum im Auslande.
*
I.-Nr. 191 R. K. vorstehender Aufruf wird hiermit veröffentlicht. Die kreisbevölkerung bitte ich Geldspenden für den vorgenannten Zweck zu zeichnen. Solche können bei den Herren Bürgermeistern und den Herren Pfarrern eingezahlt werden.
Die Herren Bürgermeister und die Herren Pfarrer bitte ich, sich der guten Sache anzunehmen und für das Hilfs- werk in geeigneter Weise zu werben. Sammellisten werden in den nächsten Tagen übersandt werden. Bis zum 5. Januar 1 930 bitte ich, die eingegangenen Beträge mit den Sammellisten an den Schatzmeister des Roten Kreuzvereins, Herrn Stadtkämmerer Battenhausen in Schlüchtern (Rathaus), abführen zu wollen.
Außer den Herren Bürgermeistern und den Herren Pfarrern find Herr Stadtkämmerer Battenhausen und die Kreissparkasse hierselbst zur Annahme von Geldspenden bereit.
Schlüchtern, den 5. Dezember 1929.
Der Vorsitzende des Männervereins vom Roten kreuz.
Dr. Müller, Landrat.
Jugendpflege.
I.-Nr. 12459. Diejenigen Iugendpflegeverem? des Krei= fes, die mit der Erledigung meines Rundschreibens vom 7. November ds. Irs. - I.-Nr- 11367 F^— (vergl. auch Kreisblattbekanntmachung vom gleichen Tage) im Rückstand sind, werden ersucht, die Unterlagen für Fortsetzung der staatl. Unfallversicherung bezw. Neuausfertiguna von Führerausweisen für 1930 nunmehr bis spätestens 15. Dezember 1 929 einzureichen.
Der festgesetzte Termin ist innezuhalten: andernfalls müssen daraus sich ergebende Umstände von den vereinen selbst vertreten werden.
Schlüchtern, den 9. Dezember 1929.
Kreiswohlfahrtsam t
— stbtl. Jugendpflege — Dr. Müller.
Sprechstunden beim Landratsamt: Dienstags und Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr
I.-Nr. 5701 K. A. Die Herren Bürgermeister der Stabt= und Landgemeinden des hiesigen Kreises werden hiermit an die Erledigung meiner Verfügung vom 31. (Oktober d. 3s. — I.-Nr. 5002 K. st. — betr. Ausfüllung und Rücksendung des Anmeldungsformulars zum Gemeindeunfall- versicherungsverband mit einer Frist von 8 Tagen erinnert.
Schlüchtern, den 6. Dezember 1929.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
Stadt Schlüchtern.
Ausschreibung.
Die Weißbinder- und Anstreickwrarbsiten zur Instandsetzung von einigen Räumen im städtischen Hause in der Ful- daerstraße Nr. 47 (Finanzamt) sollen vergeben werden.
Die Angebote sind bis spätestens Freitag, den 1 3. Dezember 1 9 2 9, vormittags 10 Uhr dem Stadtbauamt verschlossen einzureichen, woselbst die Oeffnung derselben in Gegenwart etwa erschienener Bewerber erfolgt.
Angebotsformulare können vorher dortselbst in-Empfang genommen werden.
Zuschlagserteilung bleibt dem Magist at vorbehalten.
Schlüchtern, den 9. Dezember 1929.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Stadt Steinau.
Bekanntmachung.
Am Freitag, den l 3. Dezember 1 9 2 9 wird von mittags 12 bis nachmittags 4 Uhr der Hafer für die städtischen Zuchtbullen, pro sprungfähiges Stück Rindvieh 10 Pfund, abgeliefert.
Die Ablieferung erfolgt bei Bullenwärter Witt im Vieh- Hof.
Steinau, den 6. Dezember 1929.
Der Magistrat: Dr. Kraft.
IW
—
Das vorläufige amtliche Gesamtergebnis 6er Thüringer LandtagSwahlen.
Weimar, 9. 12. (W. B.) Nach dem vorläufigen amtlichen Gesamtergebnis der Thüringer Landtagswahlen ergibt sich folgendes Bild: Sozialdemokraten 257 352 Stimmen (17 bis 18 Mandate), Thristl. nationale Bauern- und Landvolkpartei 131 688 (9 Mandate), KPD. 85 120 (6 Mandate), wirtschaftspt. 76 217 (5 bis 6 Mandate) DNVP. 31 618 (2 bis 3 Mandate), Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei 90 236 (6 Mandate), Demokraten 23 528 (1 bis 2 Mandate) Volksrechtspartei 9 622 (kein Mandat) Kommunistische Opposition 12156 (kein Mandat), Zentrumspartei 9 632 (kein Mandat), Hausbesitzer 423 (kein Mandat), Deutsche Volkspartei 70413 (5 Mandate).
Abgegeben wurden insgesamt 798 005 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug 80 Prozent.
Die Mandatsverteilung im alten thüringischen Landtag war folgende: Sozialdemokraten 18, Landvolkvartei 9, Kommunisten 8, Wirtschaftspartei 6, Deutsche Volksnar- tei 6, Deutschnationale 4, Demokraten 2, Nationalsozialisten 2, Volksrechtspartei 1.
Bayerische Gemeinbewaklen.
Fürth, 8. 12. (W. B.) Sozialdemokraten 19 (21), Kommunisten 2 (0), Bap. Volkspartei 2. Nationalsozialisten 4 (1), Liste Selbstständigkeit 8 (früher büraerl. Arbeitsgemeinsckaft, Bap. Vvt, Demokraten, hausbes tzer und Lehrer 6 Sitze), Sozialrentner 1, Fortschrittliche Arbeitsgemeinschaft 3, Volksoemeinschaft (DeutschnchionaD) 1.
Würzburg, 8. 12. (W. B.) Sozialdem ckraten 10 (9), Deutschnationale und VVP 2 (4), Demokraten 4 (5), Bap. Vpt. 16 (17), Wirtschaftspt. 3 (3), Nationalsozialisten 4 (1), Thristl. soz. Reichspt. 1 (1). Wahlbeteiligung 66%.
Aschaffenburg, 8. 12. (W. B.) Sozialdemokraten 8 (8), Deutschnationale 1 (2), Demokraten 3 (4), Bap. Vpt. mit verbundenen Listen 14 (15), Nationalsozialisten 2 (0). .
12 Jahre unschuldig im Zuchthaus?
Oldenburg, 8. 12. (W. B.) 3m Januar 1914 waren die Gebrüder Schmidt und der Händler Adolf Lehing aus Oldenburg vom Gldenburger Schwurgericht wegen eines Raubüberfalls auf den Kassenboten der Delmenhorster Wollkämmerei, bei dem der Bote getötet wurde, zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden. 3m Jahre 1926 begnadigt und entlassen, betrieben sie, die stets ihre Nn- schuld behauptet hatten, das Wiederausnahmeperfahren. Es ist ihnen nunmehr mit Unterstützung ihrer Verteidiger gelungen, die wirklichen Täter ausfindig zu machen. Am Sonnabend wurden in Bremen zwei Personen verhaftet, die bereits beide ein volles Geständnis abgelegt haben. Die Verhaftung von zwei weiteren Tätern steht unmittelbar bevor.