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Nr. 155
(1. Blatt)
GamStag, den 28. Dezember 1929
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Eine WeihnachtSmahnung RoldenhauerS.
Die Finanzreform muß Steuererleichterungen bringe».
Der neue Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer veröffentlicht im „Berliner Börsen-Courier" folgende Mahnung:
„In bitterernste Zeit fällt Weihnachten, in eine Zeit, die viel Aehnlichkeit hat mit der des Winters 1923-24. Schwarz verhangen erscheint wie damals der Horizont und vergebens sucht das Auge nach einem Lichtstreifen. Damals hat nur eigene Entschlossenheit uns gerettet, ein Erkennen der politischen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten und ein Handeln aus dieser Erkenntnis heraus.
Nur eigene Entschlossenheit kann uns auch diesmal retten. Wir müssen das Trennende znrückstelle» und uns darauf besinnen, daß wir Ansehen und Weltgeltung erst dann endgültig erringen können, wen» wir zeigen, daß wir im eigenen Haus Ordnung halte« können. Dazu gehört eine Sanierung der Finanzen nicht nur des Reiches, sonder» auch der Länder »nd Gemeinden. Dazu gehört eine Finanzreform, die dem zur Zeit schwer darniederliegenden Htewerbe und »er Landwirtschaft die zum Leben nötige Steuererleichterung bringt. Beides steht nicht im Widerspruch miteinander, sondern im harmonischen Znsammenhang. Eines ist nicht ohne das andere möglich.
Deshalb kein hemmungsloser Pessimismus, kein leichtfertiger Optimismus, sondern handeln, wie e# die Zeitumstände, wie es die bittere Not verlangen. Dann wird Deutschland auch diese schwere Krise üoew stehen und wieder Frieden werden auf Erden."
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Anordnung
ier die Anwerbung und Vermittlung landwirtschaftlicher theiter aus dem Bezirk des Landesarbeitsamts Schlesien.
Dom 16. November 1929.
Auf Grund der §§ 27 und 66 des Gesetzes über Axbeits- mittlung und Arbeitslosenversicherung in der Fassung r Bekanntmachung vom 12. Oktober 1929 (Neichsgesetzbl. S. 162) ordne ich auf Antrag des Fachausschusses für
A und Forstwirtschaft bei der Hauptstelle der Neichsan- i(t für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung
Artikel 1
Der für sich oder andere in der Provinz Gberschlesien rin den niederschlesischen Kreisen: Namslau, Oels, Groß-
artenberg, Militsch, Trebnitz, Guhrau, Fraustadt, Frey- töt, Habelschwerdt, Glatz und Neurode Arbeiter für land- irtschaftliche Betriebe, die außerhalb des Bezirks des mderarbeitsamts Schlesien liegen, anwerben oder ver- itteln will, bedarf hierzu der vorherigen schriftlichen 3u= immung der Vorsitzenden des Landesarbeitsamts Schlesien, «abhängig davon, ob die Anwerbung mündlich, schriftlich r durch Zeitungsanzeige erfolgt. Der Antrag ist an das aadeLarbeitsamt Schlesien zu richten.
Artikel 2
Diese Unordnung gilt nicht:
1. für landwirtschaftliche Arbeiter außerhalb des Be= rk des Landesarbeitsamts Schlesien, die im letzten Jahr rbeitskräfte aus den im Art. 1 genannten Bezirken be- äftigt haben und diese nach ihrer Nückkehr in ihren eimatbezirk wieder für die neue Saison anwerben wol- i. 5oweit jedoch die Arbeitskräfte nicht auf schriftlichem ege, sondern an Ort und Stelle durch den Arbeitgeber «geworben werden sollen, hat sich dieser vorher bei dem andesarbeitsamt Schlesien einen entsprechenden Ausweis beschaffen. Das gleiche gilt auch in den Fällen, in nen von dem Arbeitgeber einer seiner Betriebsangehöri- m oder ein Mitglied der letztjährigen Arbeitergruppe mit r Wiederanwerbung beauftragt wird-
2. für Arbeitsämter und Landesarbeitsämter sowie die mische Arbeiterzentrale,- für sie gelten die besonderen eisungen des Vorstandes der Neichsanstalt,-
3. für andere nichtgewerbsmäßige Arbeitsnachweise. Diese M jedoch verpflichtet, die beabsichtigte Anwerbung und 'Ermittlung im Sinne des Art. 1 dem Landesarbeitsamt Wien anzuzeigen und ihre Beauftragten anzuweifen, sich «i diesem Landesarbeitsamt zur Entgegennahme eines Aus= W zu melden.
Artikel 3
vorsätzliche Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnung »den nach § 257 b des Gesetzes über Arbeitsvermittlung Urbeitslofenverfichsrung in der Fassung der Bekannt- fchung vom 12. Oktober 1929 (Neichsgesetzbl. 1 5- 162) Jf Geldstrafe oder Gefängnis bis zu drei Monaten, fahr- W Zuwiderhandlungen mit Geldstrafe bestraft.
Artikel 4
vorstehende Anordnung tritt am 1. Dezember 1929 "rast. Gleichzeitig tritt die Anordnung über die Anwer- und Vermittlung landwirtschaftlicher Arbeiter aus Bezirk des Landesarbeitsamts Schlesien vom 21. Fe- tUar 1928 (Neichsgesetzbl. 5. 1 52) außer Kraft.
Berlin, den 16. November 1929.
Der Neichsarbeitsminister. 3. V. gez. Dr. Geibi.
?;^r. 11237. Da unter der Iugend die TrinKsitte noch verbreitet ist, sehe ich mich veranlaßt, die Grtspolrzer- Wöen und die Herren Landjägereibeamten des Kreises ....... auf § 5 des Notgesetzes vom 24. Februar 1923 (R. je 1 §. 147^ ^er nachstehend ab gedruckt ist, aufmerk-
? JU machen. Ich ersuche mit aller Strenge vorzugehen & flwaige Uebertretungen unnachsichtlich zur Anzeige
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Verboten ist
1 ^s verabfolgen oder Ausschänken von Branntwein Und das verabfolgen branntweinhaltiger Genußmit- . 1 im Betriebe einer Gast- oder Schankwirtichaf^ euer un Kleinhandel an Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben-
' verabfolgen oder Ausschänken anderer geisnger Getränke und das verabfolgen nikotinhaltiger TabaK- waren im Betrieb einer Gast- oder Schankwirtghaft Wer im Kleinhandel an Personen, die das 16. r.ebens- lahr noch nicht vollendet haben, zu eignem Genuß m Abwesenheit des zu ihrer Erziehung Berechtigten oder Vertreters-
3. das Verabfolgen oder Ausschänken geistiger Getränke im Betrieb einer Gast- oder Schankwirtschaft oder im Kleinhandel an Betrunkene.
Wer einer Vorschrift des Abs. 1 vorsätzlich zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen bestraft.
Schlächtern, den 17. Dezember 1929.
Der Landrat: Dr. Müller.
Kreisausschutz.
Kommunallanbtagswahl.
Nach der in der Beilage zum Negierungsamtsblatt Nr. 50 von 1929 abgedruckten Bekanntmachung des Landesausschusses zu Kassel vom 10. d. Mts. sind aus dem Wahlbezirk der Kreise Schlächtern —Gersfeld als Abgeordnete in den Kommunallandtag gewählt worden:'
Landwirt Richard Wegmann zu Klosterhöfe (Kreis
Schlächtern), Landrat Dr. Heinrich Wiechens in Gersfeld (Kreis
Gersfeld).
Schlächtern, den 21. Dezember 1929.
Der Vorsitzende des - Kreisausschusses: Dr. Müller.
I.-Nr. 6000 K. A. Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des Kreises mache ich auf das im Landgemeindeverlag G. m. b. h. in Berlin W 9, Potsdamerstraße 22 a demnächst erscheinende Buch „wie arbeite ich mit der Presst" aufmerksam. Den größeren Gemeinden wird die Anschaffung des Buches, dessen Bezugspreis sich auf 2.— NM. belauft, empfohlen.
Scklüchtern, den 20. Dezember 1929.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
Stadt Schlüchtern.
Bekannt maUunq
@w* I?t—«düp'-Sv! iächterner Zeitung - vom 10. -Dezember l-I- ist ein Aufruf des Herrn Vorsitzenden des Männervereins vom Noten Kreuz erschienen zu einer Sammlung
„Brüder in Not!"
Es gilt deutschen Brüdern zu helfen, die in Nußland in wirtschaftliche Not geraten sind uno sich zur Auswanderung entschlossen haben. Ich richte an die Einwohnerschaft die dringende Bitte, nach Möglichkeit ein Scherftein zu der Sammlung beizutragen. Geffne jeder willig seine mildtätige Hand. Eine Liste zur Einzeichnung der Gaben liegt im Nathaus — Stadtkasse — aus.
Schlächtern, den 20. Dezember 1929.
Der Bürgermeister: Gaenßlen.
— Der Neicksrat hat in seiner letzten Sitzung dem vor- schlage des Neichsarbeitsministers zugestimmt, wonach im nächsten Jahre insgesamt 109 000 ausländische landwirtschaftliche Wanderarbeiter zur Beschäftigung im Neichsge- biet zugelassen werden sollen. Diese Zahl bleibt um etwa 5000 gegenüber der Zahl des Jahres 1929 zurück.
— Auf einem Bahnübergang der Strecke Paderborn- Lippspringe wurde ein Auto von einem Güterzug erfaßt. Von den fünf Insassen wurden drei getötet, zwei verletzt- Unweit Bapona an der spanischen Westküste ist der norwegische Dampfer „Aslanb" bei heftigem Sturm gestrandet. Die aus 30 Mann bestehende Besatzung ist ertrunken. . ,
— vorgestern Nacht ist in Washington ein Teil des Weißen'. Hauses, in dem sich die Amtsräume des Präsidenten befinden, durch einen. Brand zerstört worden.
— In Berlin-Weißensee sind drei Personen in ihrer Wohnung durch Gas vergiftet tot aufgefunden worden. Anscheinend liegt ein Unglücksfall vor.
— Die drei französischen Flieger Lasalle, Nebart und Faltot, die auf ihrem Flug nach Indochina seit etwa zehn Tagen verschollen waren, sind an der lybischen Küste bei Sprte als Leichen aufgefunden worden.
— In Berlin ist eine bisher unbekannte Krankheit aufgetreten, die mit „Papageienkrankheit" benannt wird und bereits drei Todesopfer gefordert hat. Line größere Anzahl Personen liegt an dieser einer Vergiftung ähnelnden Krankheit darnieder.
— In Walnutcove (Nordkarolina) ermordete ein wahnsinnig gewordener Farmer seine Frau und seine sechs Kinder und erschoß sich dann selbst.
— Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Zug des indischen Vizekönrgs wurden sieben Inder verhaftet.
— Der französische Botschafter in Moskau, Herbette, hatte einen Zusammenstoß mit Litwinow, der seine Abberufung zur Folge haben dürfte.
— Der belgischen Regierung wurde im Senat das Vertrauen ausgesprochen.
— Die bevorstehende Ernennung Pacellis zum Kardinalstaatssekretär als Nachfolger GasparriS wird vom Vatikan offiziös bestätigt.
Weshalb der Polarslug scheiterte.
Eine Erklärung Dr. Eckeners.
Aus Kreisen der „Aero Arktik" war eine Mitteilung verbreitet worden, in der an dem Verhalten bei ^LmtMMaus Zeppelin" und Dr. Eckeners in Sachen der geplanten Polarfahrt Kritik geübt wurde. Gegen diese Veröffentlichung wendet sich Dr. Eckener in einer längeren Erklärung, in der es u. a. heißt:
„Die Darstellung ist nicht allein ganz tendenziös, sondern in allen Hauptpunkten unrichtig. Unrichtig ist zunächst die Angabe, er — Dr. Eckener — habe erklärt, daß er von dem Polarflug zunächst absehe. Richtig ist vielmehr nur, daß die Leitung des ßuft> schiffbaues Zeppelin einigen Pressevertretern auf Befragen mitteilte, daß man im Luftschiffbau Zeppelin nicht mehr mit dem Zustandekommen der Polarfahrt rechne, weil es bisher nicht gelungen sei, die Versicherungsfrage befriedigend zu lösen und weil es gerade zu spät geworden sei, rechtzeitig die verschiedenen Vorarbeiten am Schiff noch ausführen zu können. Ich bemerke zu diesem letzteren Punkt, daß der L. A. seit Wochen und Monaten vergeblich drängt, die erford«- lichen technischen Unterlagen zu erhalten und bereit» vor Monaten die Mitte des November als äußersten Termin für den Beginn der Arbeiten bezeichnet, und daß er endlich — ebenso vergeblich — die Mitte Dezember endgültig als Schlußtermin angegeben hatte.
Dr. Wiener wendet sich dann weiter gegen bie Behauptung, daß die Versicherungsfrage verschleppt worden sei, und stellt fest, daß der Aero Arktik an- heimgegeben worden sei, selbst die Versicherung zu versuchen. Die Aero ArMk „hoffte" auch, diese 'bii zum 1. Januar abschließen zu können, aber, soweit bekannt, zu einem Prämiensatz, der das Vierfache bet von der Aerv Arktik zur Verfügung gestellten Summe beträgt. Der Luftschiffbau Zeppelin habe trotzdem der Aero Arktik nicht den Stuhl vor die Tür gesetzt, vielmehr in einem Schreiben vom 24. Dezember bei dieser angefragt, wie sie sich nun eigentlich die Weiterentwicklung der Frage denke.
Zum Schluß wendet sich Dr. Eckener gegen den Versuch, ihn persönlich für den recht hoffnungslosen Stand der Dinge verantwortlich machen zu wollen, und erklärt, daß er von Anfang an keinen Zweifel darüber gelassen habe, daß er persönlich die Fahrt nicht mitmachen könne, und zwar nicht nur aus Gesundheitsrücksichten, sondern auch, weil er als Vorsitzender des L. Z.-Konzerns nicht zwei Monate lang seine sonstigen Geschäfte im Stich lassen könnte für eine Fahrt, die nicht in der Richtung der VerkchrS- Pläne des L. Z. liege, sondern fremden Interessen diene und nur unter einer gewissen Zwangslage vom L.Z. zugestanden worden sei. Das hat aber nicht gehindert, loyal die Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen zu versuchen.
Eine weitere Festnahme in der Bombenangelegenheit.
Altona, 26. Dezember. Amtlich wird berichtet: Die weiter angestellten Ermittlungen haben zu einer neuen Festnahme geführt. Bei dem Anschlag auf das Finanzamt in Oldenburg in der Nacht zum 3. Januar 1929 ist außer dem bisher beteiligten und geständigen Angeschuldigten Herbert Schmidt auch der Expedient Otto Rieper aus Hamburg beteiligt. Nieder ist geständig. Vor dem Untersuchungsrichter hat er sein bei der Polizei abgelegtes Geständnis wiederholt.