Nr. 28
0. Blatt)
Donnerstag, den 6. Mär; 1030
S2. Jahrs
Amtliche Bekanntmachungen
Landratsamt.
I.-Nr. 1920. Der Landweg Uttrichshausen—GberKal- bach wird von Donnerstag, dem 6. bis einschließlich $on= abend, dem 15. d. Mts. für alle Fuhrwerke gesperrt. Der Verkehr ist über Heubach zu leiten.
Uebertretungen werden nach der Straßenverkehrsord- nung vom 24. September 1926 (Beilage zum Reg. Amtsbl. Hr. 40 von 1926) bestraft.
Schlüchtern, den 4. Mär 31930.
Der Landrat. 3. D.: Schultheis.
3.=Rr. 1794. Die Ortspolizeibehörden ersuche ich, die nachstehende Vogelschutzbestimmung aus § 368 11 R. St.
in ortsüblicher Weise wiederholt zu veröffentlichen.
„Wer unbefugt Tier oder Bunge von jagdbarem Federwild oder Singvögel ausnimmt, wird mit Geldstrafe bis zu 60 Bm. oder entsprechender Haft bestraft."
Schlüchtern, den 3. März 1930.
Der Landrat. 3. D.: Schultheis.
I.-Nr. 1791. Die herrpn Spnagogenälteften werden an die alsbaldige (Einreibung der Voranschläge für 1930 erinnert.
Schlüchtern, den 3. März 1930.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Kreisansschuß.
I.-Nr. 2262 Z.
lnentgeltliche Sp^echtrrqe für Sprachgestörte in der Landestaubstumnienanstalt in Homberg
>urch den Facharzt für Sprachstörungen, Herrn Dr. med. Hoepfner in Kassel, finden in nächster Seit wie folgt statt': .......Sonnabend, den 5. April 1930
„ „ 3. Mai
„ „ 31. Mai
„ 21. 3uni „
„ u 9. August
„ „ 6. September „
„ „ 18. Oktober „
„ „ 15. November „
„ „ 6. Dezember
Sprachgestörte, die die Beratung des Facharztes in lnspruch nehmen wollen, werden ersucht, dieses spätestens 3, Wochen vor dem Sprechtag dem Kreiswohlfahrtsamt nihuteilen unter Angabe von Namen, Wohnort und Ge- Mtstag, ferner zu welchem Sprechtag sie sich in Homberg einfinden werden.
Schlüchtern, den 27. Februar 1930.
Kreiswohlfahrtsamt.
Betrifft: Ablieferung von Tierkadavern an die Meifchmehlfabrik in Wächtersbach.
, 3.=Rr. 1196 K. A. Die Herren Bürgermeister und Land- jägereibeamten mache ich erneut auf die im Kreisblatt Hr. 1 vom 1. Januar 1927 abgedruckte Polizsiverordnung Mr. die Vernichtung von Tierkadavern und Tierkadaverteilen, aufmerksam. Ich ersuche wiederholt, darüber zu wachen, daß die genannten Vorschriften befolgt werden.
schlüchtern, den 27. Februar 1930.
Der Landrat: Dr. Müller.
Stabs Schlüchtern.
Bekanntmachung.
Wir verweisen hierdurch auf die in der Schlüchterner Leitung vom 1. Oktober 1929 veröffentlichte Anordnung
Herrn Landrats vom 26. September 1929 — I.-Nr.
8665 —, wonach (Eigentümer, Pächter und Itu^niefer von Wbäumen zur Bekämpfung des Frostspanners (Frost- ^chtschmetterlings) die an den Stämmen der Apfel- und Nd)bäume angebrachten Klebringe in der Seit vom tNärz bis 3 0. April j. 3 $. wieder zu entfernen haben.
5um 15. Oktober j. 3s. sind wieder neue Klebringe den vorgenannten Baumstämmen anzubringen. Die alten sind am zweckmäßigsten zu verbrennen, da hier- eine Vernichtung der Tier des Frostspanners am Ersten gewährleistet ist.
Wer den Bestimmungen der Anordnung zuwiderhandelt, vird gemäß § 2 mit Geldstrafe bis zu 150.— Rm. oder ^entsprechender Haft bestraft, sofern nicht schärfere Straf- ^stimmungen anzuwenden sind.
Schlüchtern, den 3. März 1930.
i Die Polizeiverwaltung Gaenßlen.
®M
. Unter dem Andrang von Zehntausenden von 3u= Wtn wurden am Rofenmontag in Mainz, Köln, Münster anderen rheinischen Städten die traditionellen Karne- i^mzüge abgehalten.
Gevering gegen Butschpanik.
ENB. Berlin. Bei einer großen Kundgebung anläßlich der fünfjährigen Jubiläums der Vereinigung für polizeiwissenschaftliche Fortbildung, die Montag abend unter Anwesenheit von zahlreichen Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden in den Kammersälen stattfand, hielt Reichsinnenminister Zevering eine Rebe, in der er auf zahlreiche aktuelle politische Fragen programmatisch ein- ging. — Wir befinden uns augenblicklich, so führte Seoe= ring nach einem Bericht der „Voss. Stg." aus, auf einer bedeutsamen Station des Leidensweges, den das deutsche Volk in der Nachkriegszeit durchmachen muß. Die 2,3 Millionen Arbeitslosen und die eine Million Ausgesteuerten sind nicht allein eine Folge der Nationalisierung. Deshalb ist! h!ie Arbeitslosigkeit viel ernster zu bewerten, als es heute noch vielfach geschieht. Je mehr die Radikalen von links und rechts schreien, desto weniger werden sie tun. Aber die geheimen Vorbereitungen zu putschen, wie sie die Nationalsozialisten jetzt zu beginnen scheinen, können wir unter keinen Umständen dulden. Die Nationalsozialisten sind im Augenblick eine ernstere Gefahr als die Kommunisten. Die starken Vermögensverschiebungen ins Aus land und besonders in die Schweiz sind nicht nur eine Flucht vor hohen Steuern, sondern die Sorge, daß durch putsche die Existenz der wirtschaftlichen Unternehmungen in Frage gestellt wird. Deshalb muß die Polizei mit aller Energie gegen derartige Zustände eingreifen. Augenblicklich, so führte der Minister weiter aus, bestehe Aussicht, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse sich bald bessern. Infolgedessen müsse man gerade jetzt die Nerven behalten. Zevering sprach sich energisch für eine einmalige Heranziehung der großen vermögen aus. Der Vorsitzende der preußischen Polizeibeamtenvereinigung habe ihm ebenso wie eine An= zahl von anderen Beamtenführern erklärt, daß ein Not- opfer, Luch-wenn es die Pslizeibeamtenschaft treffen würde, bei der Polizei populär sei. (Starker Beifall.) Der Minister dankte den Beamtenführern und den Beamten für ihre Stellungnahme, die umso- notwendiger sei, als sonst unter Umständen die ungeheure Gefahr einer Einbehaltung von Gehaltsteilen der Beamten am Monatsende entstehen würde. — Sur Reibsreform erklärte der Minister, wenn wir die Reibsreform überstürzt durchführen wollten, so wurde das Resultat sein, daß die Parlamente unserem Vorgehen die Ratifizierung versagten, wodurch wir weiter zurückgeworfen würden, als wir bisher schon sind. Wir haben kein Interesse an einem Einheitsstaat, der so schwach ist, daß er von einem Reichsbankpräsidenten in Schach gehalten werden kann. Aber die Reichsreform ist unbedingt notwendig, und wir werden mit aller Energie an ihrer Verwirklichung arbeiten.
Der Kompromlstvorschlag des ReichSfinanzministers
LNB. Berlin, 5. 3. In politischen Kreisen verlautet, daß der Kompromißvorschlag zur Deckung des Fehlbetrages im Etat sich aus mehreren Teilen zusammensetzt. Zu dem Plan einer Beitragserhöhung für die Arbeitslosenversicherung kommt noch der Gedanke, 20 Millionen aus dem Rücklagefonds der Bank für Industrieobligationen zu entnehmen und 30 Millionen durch eine freiwillige Umlage der Wirtschaft aufzubringen. Line besondere Rolle spielt auch die Frage, ob das Defizit in der bisher angegebenen Höhe überhaupt richtig ist. Außerdem denkt man daran, auch auf anderen Gebieten noch Teileinsparungen zu machen. All’ diese Möglichkeiten haben im Laufe des Abends in parlamentarischen Kreisen den Eindruck verstärkt, daß das Kompromiß im Kabinett zumindest stark im Werden ist, so daß der Schwerpunkt, von Einzelheiten abgesehen, jetzt in der Frage liegt, ob die Fraktionen bereit sind, ebenfalls zuzustimmen.
Der neue Innenminister.
LNB. Berlin, 5. 3. Der preußische Minister des Innern Professor Dr. Waentig gewährte einem Vertreter des Sozialdemokratischen Pressedienstes eine Unterredung, in der er sich über seine künftigen politischen Absichten äußerte. Der Kurs, führte Dr. Waentig aus, der im preußischen Innenministerium unter meinen Amtsvorgängern Zevering und Grzesinski gesteuert wurde, wird nach wie vor gehalten. vornehmste Aufgaben des preußischen Ministers des Innern sind die Sicherung und Festigung der Republik, der Zchutz der demokratischen Verfassung. Es wird mein Bestreben sein, die republikanische Personalpolitik, die Demokratisierung der Verwaltung, die Zevering und Grzesinski so erfolgreich begonnen und fortgeführt haben, mit allem Nachdruck weiter zu fördern.
— 3m amerikanischen Senat erklärte ein republikanischer Senator, daß nach einer amtlichen Mitteilung die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten sich auf 3100 000 belaufe und daß diese Zahl noch steigen werde.
Schwere Vassernol in Südfrmlreich.
Ueberschwemmungskatastrophe im Departement Tarn.
Wie aus Toulouse gemeldet wird, ist das Departement Tarn von starken Ueberschwemmungen Heimgesucht worden, die auch Menschenleben forderten und riesigen Schaden anrichteten. So haben in der Stadt Castres die entfesselten Fluten des Agout die am Fluß liegenden Straßen plöklich unter Wasser gesetzt. Man befürchtet, daß zwanzig Menschen ertrunken sind. Seit dem Jahre 1875 waren derartig heftige Regengüsse nicht zu verzeichnen, wie sie in den letzten Tagen anftraten.
Auch aus anderen Ortschaften liegen Unglücksnachrichten vor. Von dem^Dorfe Lacze ragt nur noch das Dach einer Weberei aus den Fluten hervor. In Mazamet haben die an der Errette gelegenen Werke große Beschädigungen erlitten. Besonders stark sind die Verwüstungen in Samt Amans. Hier überschwcmmten die Fluten den Friedhof und rissen die Särge mit sich fort. In Samt Sulpice wurde eine Hängebrücke abgetrieben und die Kirche bedroht. In den Ostpyrenäen ist die Eise Bahnstrecke von Narbonne nach Perpignan unterbrochen. Ein Schic- nenstrang wurde durch den Ansturm der Wassermassen eins ch fortgerissen.
Die großen Ueberschwemmungsschäden in Südfrankreich.
Paris, 5. März. Aus dem Süden Frankreichs laufen ununterbrochen neue Nachrichten ein, die ein furchtbares Bild von den großen Ueberschwemmungen geben, die Südfrankreich durch die Gebirgsflüsse aus den Pyrenäen in den letzten Tagen heimsuchten. Die Zahl der Menschenleben, die durch die Fluten ums Leben kamen, steigt unaufhörlich. Aus Jsle sur Tarn wird gemeldet, daß zehn Soldaten, die bei der Rettung der bedrohten Zivilbevölkerung tätig waren, verschwunden sind. Zwei von ihnen wurden von den strömenden Wasserfluten forr- geriffen. Wie schnell die Fluten sich über das Land ergießen, geht daraus hervor, daß auf der Chaussee bei Montauban zwei Automobilisten mitten auf der Landstraße überrascht wurden und ertranken.
Hundert Todesopfer der TlebLrsÄwemmungs' kalostrophe in Frankreich?
WTB. Paris, 4. 3. Wie Harms aus Montauban berichtet, ist im Laufe der vergangenen Nacht in Moissac ein Damm gebrochen. Das zwei Stadtteile überflutende Wasser hat weitere Menschenleben gefordert. Noch nicht bestätigten Gerüchten zufolge soll die Oahl der Toten jetzt 100 betragen. In den vom Wasser bedrohten und nach und nach einstürzenden Häusern befinden sich noch Bewohner. Die unermüdlich dukA)gesührten Rettungsarbeiten gehen nur langsam vorwärts.
Die grobe Befreiungsfeier am 6. Juli in Mainz.
Die große Befreiungsfeier für das besetzte Gebiet wird nach der Räumung der dritten Zone am 6. Juli in Mainz stattfinden. Die Feier wird veranstaltet von der Reichsregierung, der hessischen Staatsregierung und der Stabt Mainz. Das Reichsbanner wird in Mainz aufmarschieren' fast alle deutschen Gaue sind zu diesem Reichsbannertreffen aufgerufen. Außerdem werden alle übrigen republikanischen vereine und verbände Deutschlands an der Feier teilnehmen. Für das Reichsbanner ist dem Gauvorstand in Darmstadt die Leitung des Reichsbanneraufmarsches übertragen worden. Sollten sich unüberwindliche Schwierigkeiten ergeben, so muß die Feier auf den folgenden Sonntag, den 13. Juli, verschoben werden.
Noch keine Entscheidung.
Berlin, 5. März. Die Dienstags-Sitzung des Reichs- kabinetts war von kurzer Dauer. Sie brächte keine Entscheidung, die nun erst am Mittwoch abend nach den Fraktionssitzungen der Sozialdemokraten und des Zentrums fallen wird, die am Nachmittag um 17 Uhr zusammentreten sollen. Erst dann wird das Reichskabinett in der Lage sein, über die Frage des Reichsnotopfers eine endgültige Entschließung fassen zu können und über die Frage der Verbundenheit des Aoung-Planes mit dem Reichshaushalt für 1930/31.
Grützner aus der Sozialdemokratischen Partei ausgeschloffen.
Berlin, 5. März. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands teilt mit: Der sozialdemokratische Parteivorstand hat einstimmig beschlossen, den Senatspräsidenten beim Oberverwaltungsgericht, Grützner, aus der Partei auszuschließen: Er erklärt, daß die Behauptung Grützners, er habe vom Parteivorstand für sein Vorgehen gegen den Minister Grzesinski freie Hand erhalten, auf Unwahrheit beruhe.
— Der durch seine Angriffe gegen den zurückgetretenen preußischen Innenminister Grzesinski bekannte Senatsprä= sident Dr. Grützner soll einem Pressevertreter erklärt haben, daß seine Unterredung mit dem Gberverwaltungsge- richtspräsidenten Dr. Drews eine „Handlungsweise des Ministerpräsidenten Dr. Braun zum Gegenstand gehabt habe, für die dieser wahrscheinlich das gleiche Schicksal erleiden werde wie der Innenminister". Grützner wird wegen dieser Aeußerung amtlich vernommen werden.