Einzelbild herunterladen
 

ßreis-KmtMaLL * Myemeiner amtlicher KnzeMv für den Kreis -Echtem

5lt. 30

(L Blatt)

Dienstag, den JL März 1930

82. Jahrs.

Amtliche Bekanntmachungen bandratsawt.

Betr.: AnfallvechüLuna.

Eine Zusammenstellung her landwirtschaftlichen Un- &[[e unb ihrer Veranlassung läßt erkennen, in wie erheb- ichem Maße die Nichtbeachtung der in die Unfallverhü- Mgrvorschriften übernommenen, im § 17 Rbs. 1 der Bau« wlßeiverordnung für die Stäbte und Landgemeinden des kgierungsbezirks Kassel vom 2. September 1925 enthal­tenen Vorschriften:

Jede Treppe einschl. der Treppenab- I sätze muß sicher gangbar sein. Treppen über 3 Stufen müssen mit Schutzgelän- der versehen sein."

L Unfällen mit nachfolgender Rentenzahlung geführt hat. 3ur Verminderung der Unfälle bringe ich diese Bestimm« mg mit dem Hinzufügen zur Kenntnis, daß ich nach Bblauf M 3 Monaten durch die Landjägereibeamten feststellen fassen werde, ob die Treppen sich in vorgeschriebener Ver­fassung befinden. Wo dies nicht der Fall ist, wird Straf« Anzeige erfolgen.

Gleichzeitig mache ich noch auf die Bestimmung der Ziffer 43 Seite 18 der Unfallverhütungsvorschriften auf« nerksam, wonach auch an den Treppen, die beiderseits von Vänden eingeschlossen sind, Randleisten (Geländer) ober m Handseil (Handlauf) angebracht sein muß.

*

3.=Rr. 944 L. U. Die Herren Bürgermeister werden chucht, vorstehende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise >ur Kenntnis der Gemeindeinsassen zu bringen.

Schlüchtern, den 5. März 1930.

Der Landrat: Dr. Müller.

J.-Rr. 874. Für diejenigen Orte des Regierungöbezirrv lasset, für welche das Feuerlöschwesen durch Ortsstatut ge­igelt ist, ist folgende Polizeiverordnung erlassen und im Re- ierungsamtsblatt S. 21 von 1930 veröffentlicht worden.

Wer sich einer ihm nach den Vorschriften des Ortsstatuts iber das Feuerlöschwesen obliegenden Pflicht entzieht, wird, soweit nicht sonstige weitergehende Strafbestimmungen Platz »reifen, mit Geldstrafe bis 150 RM. an deren Stelle im finvermögensfalle eine entsprechende Haftstrafe tritt, bestraft.

Dieselbe Strafe trifft:

I- ein Mitglied der Pflichtfeuerwehr, das einer ihm nach den Vorschriften des Ortsstatuts über das Feuerlöschwesen ob- I liegenden Pflicht zuwiderbandelt,

r. jede Person, die im Brandfalle oder bei Feuerwehrübungen : den von dem Polizeiverwalter oder seinem gesetzlichen Ver­treter, oder dem leitenden Feuerwehrführer innerhalb ihrer f Befugnisse getroffenen Anordnung zuwiderhandelt, oder i deren innerhalb ihrer Zuständigkeit gegebenen Befehlen nicht nachkommt, oder durch ihr Verhalten Störungen verursacht.

Diese Polizeiverordnung tritt mit ihrer Verkündigung im Regierungsamtsblart in Kraft.

Mit demselben Tage werden sämtliche Kreis- und OrtS- pssizeiverordnungen zum Schutze der Ortsstatuten über die Regelung des Feuerlöschwesens aufgehoben.

Schlächtern, den 5. März 1930.

Der Landrat: Dr. Müller.

Kreisausschuß.

Krüpveluntersuchung nnö Aeratuna.

T-Nr. 2270 £. Der Landeskrüppelarzt, Spezialarzt für Orthopädie, Herr Sanitätsrat Dr. Rlsberg in Kassel, wird 8onnabend, den 1 5. März 1 930, von vor« ^ttags y Uhr ab im hiesigen Kreisläufe (Kreistags« Sprechstunde ab halten.

, ^ch mache hierauf die Eltern und Vormünder der einem Krüppelleiden behafteten Kinber, sowie die her- ch u l l e i t e r aufmerksam und empfehle dringend, den Whrlich nur einmal stattfindenden Sprechtag dieses Spe« Jtalarjtes recht zahlreich zu besuchen. Die ärztliche Unter-

* Restveneichnisse

für Grund und Hauszinssteuer, m Hebeliste für Gemeindeumlagen, ^krzeichnis des am Schlüsse des Jahres einzuziehende Rückstände, Pfändungsbefehle, Rnforberungszettel und Mahnzettel zu haben bei ^H. Gteinfelb Söhne.

suchung und Beratung ist kostenlos. Sämtliche orthopädischen Apparate. auch solche, die defekt sind ober aus irgend ein^m Grunde nicht mehr passen, sind von den Patienten oder deren Begleitern mstzubringen und dem Herrn Landeskrüp­pelarzt bei der Untersuchung vorzuzeigen.

Die Herren Vormundschaftsrichter und Rerzte, sowie die Gemeindeschwestern, die eine persönliche Rücksprache wünschen bezw. sich für dieses Gebiet der Gesundhsitsfür- sorae interessieren, werden zu dem Sprechtag ergebenst ein« geladek.

Schlüchtern, den 4. März 1930.

Kreiswohlfahrtsamt. Dr. Müller.

Kreishunbesteuer-Nachveranlagung.

I.-Nr. 1275 K. R. Die Herren Bürgermeister des Krei« ses mache ich auf die in diesem Monat zu erfolgende N a ch- veranlagung zur Kreishundesteuer aufmerksam.

" Die Kreishundesteuerordnung ist im Kreisblatt Nr. 15 vom 2. Februar 1929 ab gedruckt, vergleiche auch Kreis« blatt-verfügung vom 12. April 1921 I.-Nr. 500 K. A. Schlüchterner Zeitung Nr. 93 von 1921).

Schlüchtern, den 5. März 1930.

Der Vorsitzende des Ureisausschusses: Dr. Müller.

I.-Nr. 1321 K. A. Dem Ruszüger Iakob Räder in hohenzell ist anläßlich seines 30jährigen Dienft=3ubiläums bei dem Landwirt Sebastian Lang in Hohenzell eine Prä­mie von 30 RM. aus Kreismitteln bewilligt worden.

Schlüchtern, den 6. März 1930.

Der Vorsitzende des Ureisausschusses: Dr. Müller.

Gtaatl. Kreis- und Forsttafse.

Betr. Rentenbantscheine.

Tgb. Nr. 256. 3n der letzten Zeit werden Rentenbank- scheine, von diesen hauptsächlich die Abschnitte zu 5 Ren« tenmark, von einem großen Teil der Bevölkerung des Krei« ses zurückgewiesen und somit, als > zugelassene Zahlungs­mittel, nicht anerkannt.

Der Herr Finanzminister hat, zugleich im Namen des preußischen Staats-Ministeriums, mit Trlaß vom 17. 2. 1930 I T. 478 c nochmals darauf hingewiesen, daß von den Rentenbankscheinen die Abschnitte zu 1000, 500 und 100 Rentenmark mit dem Ausstellungsdatum vom 1. No­vember 1923 (ohne Kopfbilber), ferner d'e Rentenbankschei- ne zu 50 Rentenmark (mit dem Kopfbildnis eines Land­mannes), zu 10 Rentenmark (mit dem Uopfbildnis einer Landfrau) und zu 5 Rentenmark (mit dem Uopfbildnis eines Landmädchens) nicht aufgerufen, sondern nach wie vor gesetzlich zugelassene Zahlungsmittel sind.

Schlüchtern, den 10. März 1930.

Kartte.

Stabs Schlüchtern.

Bekanntmach«« a.

Durch Bescheid des Bezirksausschusses in Kassel vom 4. März 1930 BASt. Nr. 88/30 ist die Gültigkeits­dauer der Genehmigung der in der Schlüchterner Zeitung Nr. 143 vom 29. November 1928 (2. Blatt) veröffentlich­ten Biersteuerordnung der Stabt Zchlüchtern vom 3. No­vember 1928 bis zum 31. März 1932 verlängert worden.

Zchlüchtern, den 8. März 1930.

Der Magistrat: Fenner.

Stadt Steinau.

B e k a n n t ^ a ch n n a

Die Flohhecke ist zum Holen von Leseholz gesperrt. Zuwiderhandlungen werden bestraft.

Steinau, den 8. März 1930.

Die Polizeiverwaltung.-Vr. Kraft.

Der Katzenbrückenweg ist in der Zeit vom 10. bis )2.d s. Mts. für Fuhrwerke gesperrt.

Steinau, den 8. März 1930.

Die Polizeiverwaltung. Dr. Kraft.

Furchtbares Autounglück.

Frankfurt a. M. 10. 3. heute kurz nach Mitter­nacht stiegen auf der Landstraße zwischen Frankfurt- und höchst ein Taxi und ein großer Sechssitzer zusammen. Die beiden Wagen gerieten sofort in Brand, wobei die Insassen des Privatwagens, eine Dame und ein Herr, bei lebendi­gem Leibe verbrannten. Die Namen der Toten konnten bis« her nicht festgestellt werben. Die Frankfurter Feuerwehr löschtet en Brand mit Schaumlöschern, vermochte aber die verunglückten nicht mehr zu retten.

Bei Segelflügen der 3ungfegelfliegergruppe Lauen- burg (Pommern) stürzte der Segelfluglehrer Räch beim ersten Aufstieg seines Flugzeuges so unglücklich, daß er im * Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlag.

Um den DoungPlan.

Wieder keine Einigung zwischen den Regierungsparteien.

Die Sonntagsbesprechung der Parteiführer, die um 4 Uhr nachmittags begann, wurde bereits nach kurzer Zeit ergebnislos abgebrochen.

Vertreter des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei betonten erneut, daß sie sich bei der Abstimmung über den Aoung- Plan der Stimme enthalten würden, wenn nicht eine Einigung der Regierungsparteien über das Finanzprogramm zustandc- kommt. Die Demokraten wiederholten darauf ihre Erklärung, daß sie sich diesem Vorgehen anschließen würden. Auch die Ver­treter der Deutschen Volkspartei konnten neue Erklärungen nicht abgeben und wiesen daraufhin, daß sich die ablehnende Haltung ihrer Fraktion gegenüber dem Finanzprogramm der Regierung nicht geändert habe.

Darauf wurden die Besprechungen abgebrochen. Eine neue interfraktionelle Aussprache ist nicht vorgesehen, jedoch ist be­absichtigt, die Abstimmung über die Doung-Gesetze zu vertagen.

Parteiführerbefprechung.

Amtlich wird mitgeteilt: In der heutigen unter dem Vorsitz des Reichskanzlers abgehaltenen Besprechung der Führer der Regierungsparteien wurde festgestcllt, daß der Standpunkt der Parteien zum Finanzprogramm der Reichsregierung sich nicht geändert hat. Die Verhandlungen wurden daher für beendet erklärt.

Neue Einigungsversuche?

Inzwischen sind zwischen ben Parteien der Weimarer Koa­lition bereits Besprechungen eingeleitet worden mit dem Ziel, innerhalb dieser Parteien und mit Einschluß der Bayeriicken Volkspartei eine Einigung über die schwebenden Finanzfragen herbeizuführen. Die drei Weimarer Parteien wollen versuchen, ein neues Finanzprogramm aufzustellen, das unter Verzicht auf die Biersteuer eine entsprechende Erhöhung der direkten Steuern enthalten soll. Das würde der Bayerischen Volks­partei den Beitritt ermöglichen.

Für die Deutsche Volkspartei wäre ein derartiges Finanz- . J^msw unannehmbarEs-würdc dLwssvsvrtfgen A-^4«tt der Deutschen Volkspartei aus der Regierungskoalition zur Folge haben. Die beiden volksparteilichen Reichsminister £ur« tius und Moldenhauer würden ihre Aemter dann wohl ohne Zweifel alsbald niederlegen.

Zwei Polizeibeamten erschossen.

Königsberg, 10. März. Der Polizeioberwachtmeister Andres wurde von einem Schaffner drr Straßenbahn gebeten, die Per­sonalien eines Passanten festzustellen, der eine Scheibe zertrüm­mert hatte. Da der Mann keine Ausweispapiere bei sich hatte, mußte der Polizeibegmte ihn zur Schloßwache führen. Auf dem Wege dorthin fanden sich zwei weitere Polizeibeamte ein. Im Dunkel des Schloßtorweges schoß der Verhaftete plötzlich auf den Polizeiwachtmeister Andres und traf ihn in den Kopf.^Der Täter gab auf die beiden anderen Beamten noch mehrere Schüsse ab, ohne jedoch zu treffen. Er wurde ebenso wie die in seiner Be­gleitung befindliche Tänzerin Ilse Rose nach schwerem Wider­stand überwältigt und zur Schloßwache gebracht. Dort wurde er als der Schauspieler Willibald Hennig festgestellt. Der Polizei- beamte starb auf dem Wege zur Klinik.

Frankfurt a. M., 10. März. In der Nacht wurde in Frc N furt-Niederrad der Polizeioberwachtmeister Kern erschollen ,: - gefunden. Augenzeugen bekunden, daß der Beamte zwei .R fahrer, einen Mann und eine Frau, stellte und daß der Mann u. den Polizisten schoß und ihn tödlich verletzte. Die Radfahrer fuhren dann schnell weiter. Bei dem Ermordeten fand man er . Jnvalidenkarte auf den Namen des Kürschners Hermann Schulli, geb. am 12. Juni 1908 in Leipzig-Lindenau.

Zchulle hat sich in letzter Zeit in Frankfurt aufgehalten, jedoch ist nicht bekannt, wo er wohnte ober wo er Unter­schlupf gefunden hatte. Bei der Leipziger Rriminalpolizei ist er als Einbrecher und Fahrraddieb bekannt. Er soll sich in den letzten Monaten auch in Mainz und Trier ausgehal­ten haben. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, den vermut­lichen Täter festzunehmen.

ou dem Vorfall wird noch mitgeteilt: Mit einem Poli­zeiaufgebot, wie es nur in ganz großen Fällen üblich ist nahezu 60 Kriminalbeamte und ebenso viel Zchutzpolizei- beamte ging man an die Untersuchung der vorhandenen Spuren und an die Rekonftruierung des Falles. Danach glaubt die Polizei, daß sich der Vorgang etwa folgender- maßen zugetragen haben kann: Der Polizeiwachtmeister Kern fahndete während seines Patrouillenganges u. a. auch auf Hühnerdiebe und hielt zwei Leute an, wahrschein­lich einen jungen Mann und eine Frau. Dem Mann nahm er die Invalidenkarte und esst Messer ab, worauf der Be« amte von dem Burschen meuchlings erschossen wurde. Es war von vornherein damit zu rechnen, daß es sich um einen schweren 3ungen handelte, her allerlei Delikte auf dem Kerbholz hat und sich durch den Schuß feiner Vorhaltung zu entziehen suchte. Diese Vermutung hat sich auch bestä­tigt. Die Leipziger Kriminalpolize hat telefonisch mitge­teilt, daß Schüsse trotz seiner Iugend schon ein bekannter Einbrecher und Fahrraddieb sei. In der Nähe des Tat­ortes wurde ein Sack gefunden, der die Vermutung, daß es sich bei den angehaltenen Personen um Geflügeldiebe han­delt, zu bestätigen scheint.