Kreis-Amtsblatt * Myememer amtlich erKuMger für tat Kreis Schlüchtern
Nr. 33 (1. Blatt)Dienstag, den 1S. Mär; 1930 82. Iahrg
Amtliche Bekanntmachungen
Landratsamt.
I .-Nr. 480 D. stuf Ersuchen der Genossenschaft für reichsgesetzliche Unfallversicherung (Berufsgenofenf^aft 68) M. Schauspiel- und Vergnügungsbetriebe zu Berlin ver- aniaffe ich die Herren Bürgermeister an Hand der Lust- barlreitssteuerlisten festzustellen,
a) bei welchen Gastwirten in der Zeit vom 1. Juli 1928 an bis jetzt Musikaufführungen durch Musiker stattge- funden haben,
b) wieviel eigene Veranstaltungen und wieviel Veranstaltungen von vereinen oder geschlossenen Gesellschaften jeder Gastwirt angemeldet hat,
c) wieviel Musiker durchschnittlich von dem Gastwirt gemeldet worden sind.
Die Berichte ersuche ich mir bis zum 1. 4. d. 3s. einzu- senden.
Schlächtern, den 13. März 1930.
Der Vorsitzende des Versicherungsamts.
3. V.: Schultheis.
- 3.=Hr. 2142. Sur Bekämpfung der epidemischen Gehirn- Mtzündung, der epidemischen Uinderlähmung, der übertragbaren Ruhr (Dysenterie) und des Typhus sind Unweisungen herausgegeben worden, die zum preise von 90 pfg. für das Stück bei dem Verlag Richard Zchoetz, Berlin $. W. 48. Dilhelmstraße 10 erhältlich sind.
I 3m Interesse einer geordneten Bekämpfung dieser Rrank- heiten stelle ich den Grtspolizeibehörden des Kreises die Anschaffung der aufgeführten Rnweisungen anheim.
| Schlächtern, den 11. März 1930.
Der Landrat. 3. V.: Schultheis.
; ^ffr-.. 992.^ ^ darauf aufmerksam Haft die "MMtüMer, pttEr uno I tuimteücr von Rpfelbäumen jeder Art (hoch- und Halbstammbäumen, Busch- und niederen l^ormbäumen, veredelten und unveredelten jungen Stämmen der Baumschulen usw. einschl. der sogenannten 3ter= Wpfelarten) verpflichtet sind, bereits im Laufe des Winters und weiterhin bis spätestens zum 25. 3uni jedes Jahres, W von der Blutlaus (wolltragenden Rindenlaus) be- »allenen Gbstbäume gründlich zu reinigen und die vorge- ■ fundenen Blutlauskolonien restlos zu vernichten.
k Sobald neue Blutlauskolonien festgestellt werden, sind (diese sofort zu zerstören und die betreffenden Stellen mit Meigneten Mitteln, die von der zuständigen Hauptstelle Mr Pflanzenschutz nachgewiesen werden, zu b-sstreichen. So» die Bekämpfung aussichtslos erscheint, sind die stufet» bäume bis zu dem obengenannten Termin zu vernichten, gegebenenfalls nach Rnhörung anerkannter Sachverständiger.
I Ebenso mache ich darauf aufmerksam, daß die Tiqentü- Wner, Nutznießer und Pächter von Gbstbäumen soweit letztere Wn der Schildlaus befallen sind, in der Seit vom 1. Oktober bis 1. Rvril j. 3s. den Stamm und die stärkeren Reste | ^Kratzen müssen. Stamm und alle stärkeren Reste sind mit einer^ 10 o/o igen Gbstbaumkarbolineumlösung zu streichen, »der ein geringer Prozentsatz Kalb zuzusetzen ist.
t Bei Bäumen, an welchen die Schildlaus bereits die Krone »mallen hat, sind auch diese in gleicher Weise zu behandeln. DEbenso haben die Eigentümer usw. dafür zu sorgen, daß I <0 alle vor dem 1. Rpril abwelkenden Gbstbäume oder 6este sofort entfernt werden und daß deren Holz I ^gleich verbrannt wird,
I b) alle nach dem 1. Rpril absterbenden Bäume und Hefte im herbst beseitigt werden und daß deren Holz I im Laufe des Winters verbrannt wird.
I Schlächtern, den 14. März 1930.
Der Landrat. 3. v.: Schultheis.
L 2236. Es liegt Veranlassung vor, erneut auf die Wiyeiverordnung des Herrn Regierungspräsidenten 3U Kaf= betr. Trichinen- und Finnenschau vom 25. Juli 1928 IN. stmtsbl. S. 166), aufmerksam zu machen, hiernach 1 Liegen auch die Wildschweine dem Trichinen- und l^^uschauzwang selbst d ann, wenn diese im eignen Haus- des betreffenden Jägers oder Forstbeamten verwendet ’ Mrden.
I Bie Grtspolizeibehörden und Herren Landjägereibeam- |hn bes Kreises ersuche ich, die genaue Durchführung der 1 Innung zu überwachen und etwaige Uebertretungen un- » "Gchtlich zur Rnzeige zu bringen.
I I Züchtern, den 12. März 1930.
Der Landrat. 3. v.: Schultheis!.
2284, Der Bürgermeister Heinrich Hagemann zu als Schiedsmann für den Schiedsmannsbezirk
I gewählt und verpflichtet worden.
I ^lüchtern, den 14. März 1930.
Der Landrat. 3. D. Schultheis.
Kreisausschuß.
J.-Nr. 1554 K. st. Durch Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten zu Rassel ist der Bürgermeister R l t in Sterbfritz zum Standesbeamten und der Beigeordnete Johs. Müller, ebenda, zum Standesbeamten-Stellvertreter des Standesamtsbezirk Zterbfritz ernannt worden.
Schlächtern, den 15. März 1930.
Der Vorsitzende der Rreisausschusses. 3. v.: Preiß.
Stadt Steinau.
Bekanntmachung
Bestellungen auf Laubstreu werden bis zum Dienstag, den 1 8. d s. Mt s. in der Ranzlei des Rathauses entgegengenommen.
Steinau, den 14. März 1930.
Der Magistrat: Dr. Kraft.
Reichskanzler Müller über den Kapp-Putsch.
Stuttgart, 17. März. In Stuttgart sprach Reichskanzler Müller über die Niederwerfung des Kapp-Putsches vor zehn Jahren. Das Kapp-Abenteuer hätte der jungen Republik gefährlich werden können, wenn nicht die Abwehr so prompt und exakt erfolgt wäre.
Moldenhauer über Finanzsanierung und Finanzreform.
Hamburg, 17. März. Hier fand das traditionell gewordene »stasiatische Liebesmahl des vor 30 Jahren gegründeten „Ost» . fiisstischen Vereins Hamburg-Bremen* statt. Reichsfinanz- > minister Dr. Moldenhauer hielt anläßlich dieser Veranstaltung eine programmatische Rede, in der er das Finanzprogramm der Reichsregierung entwickelte, das zwei große Aufgaben habe: die Sanierung der Finanzen und die Entlastung der unter dem ungeheuren Steuerdruck darniederliegenden Wirtschaft.
. Eine Höllenmaschine auch in Neumünster.
Neumünstcr, 17. März. In einem Kellerloch an der Süd- ju«. ve» FiuaUaUiuLs. -an uu Äoeben^euße wurde vpn einem Schüler eine Höllenmaschine gefunden. Die Polizei wurde sofort benachrichtigt und beschlagnahmte die Maschine und machte sie unschädlich.
Die Leiche Professor Drexels aus dem Main gelandet.
Frankfurt a. M., 17. März. Am Sonntag gegen 16.30 Uhr wurde an der Fähre in H ö ch st am Main die Leiche eines j Unbekannten angeschwemmt. Der Fährmann Schmidt zog die Leiche heraus. Die unbekannte Leiche war von kleiner Figur und trug einen Spitzbart, so daß man vermutete, daß es sich um die Person des seit etwa sechs Wochen vermißten Professors Drcxel handele. Die Untersuchung ergab, daß es tatsächlich Professor Drexel war. Bei der Leiche wurde eine lederne Brieftasche mit 23.40 Mark, eine silberne Uhr mit Kette, ein deutscher Reisepaß, ein Personalausweis, zwei Notizbücher, ein Fahrplan und ein Portemonnaie aus Leder vorgefunden. Die Taschenuhr stand auf 8 Minuten vor 12 Uhr. Die Leiche wurde vorläufig beschlagnahmt.
Ein Flugplatz soll zerstört werden.
Ludwigshafen, 17. März. Gegen die vom französischen Oberkommando in der Pfalz angeordnete Zerstörung des Flugplatzes Lachen-Speyersdorf ist von deutscher Seite Protest eingelegt worden. Frankreich hat zugesichert, die Angelegenheit einer genauen Prüfung zu unterziehen.
Pariser Studentenwahlen mit Stöcken und Stinkbomben.
Paris. 17. März. Bei der Wahl des neuen Vorsitzenden der Pariser Studentenschaft kam es zu wüsten Auftritten und Handgemengen. Die Wahl verlief zunächst durchaus ruhig. Am Spätnachmittag aber drangen plötzlich dreihundert Studenten, die auf Autodroschken herbeigeeilt waren, mit Stöcken und Stinkbomben bewaffnet, in das Wohllokal ein. Eine ungeheure Aufregung entstand. Mit Flaschen, Stuhlbeinen und ähnlichen Waffen gingen die beiden Parteien aufeinander los. Der angerichtete Sachschaden beträgt 250 000 Franken. Zahlreiche Studenten wurden verletzt.
— In Nordspanien sollen durch die Überschwemmung des Flußtales des Ebro, der um 7 Meter gestiegen ist, Hunderte von Häusern eingestürzt sein.
— In Ehemnitz und Glachau kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Rechtsradikalen bezw. Sozialdemokraten und Nationalsozialisten. In Them- nitz wurde ein Nationalsozialist getötet, fünf schwer und zwei leichter verletzt,' außerdem wurden sieben Polizeibeamte durch Steinwürse verletzt. In Glachau wurden drei Sozialdemokraten schwer verletzt.
— In Bargteheide bei Hamburg drangen fünf bewaffnete Räuber in ein Wirtshaus, verletzten den Wirt und seinen Schwager durch Schüsse bezw. Messerstiche schwer und raubten aus der Rasse 80 Rm. sowie Getränke. Sämtliche fünf Räuber konnten von der Polizei gefaßt werden.
— Ein Frankfurter Kaufmann namens Rlfred Mayer wurde im Voralberg-Gebiet am Ratzbachtobel von einer Lawine verschüttet. Er lag anderthalb Meter tief in der Lawine und lebte noch, als er ausgegraben wurde, verschied jedoch bald darauf.
Dem Gedächtnis unserer Gefallenen.
Die Feier des Volkstrauertages im Reichstag.
- An der Spitze der Veranstaltungen aus Anlaß des Volkstrauertages stand die Gedenkfeier, die der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge am Sonntagmittag im Reichstag in Berlin abhielt. Wie in den vergangenen Jahren war der Plenarsitzungssaal festlich geschmückt. Die Stirnwand des Saales und die Estrade waren schwarz verkleidet. Vor der Rednertribüne waren zwei riesige Lorbeerkränze mit schwarz-rot-goldenen Schleifen niedergelegt.
Punkt 12 Uhr erschien Reichspräsident von Hindenburg, begleitet von Reichsinnenminister Severing und den Vizepräsidenten des Reichstages, Ester und von Kardorff, sowie den Chefs der Heeres- und Marineleitung, um in der Diplomatenloge Platz zu nehmen. Die Reichsregierung war ferner durch die Minister Dietrich, Dr. Schätze! und Dr. Wirth vertreten.
Außerdem bemerkte man unter den Anwesenden den Präsidenten des Volksbundes, Minister a. D. Dr. Geßler, die Vertreter der Kirchenbehörden, darunter den neuen Weihbischof von Berlin, Vertreter der Landesregierungen; und der Parlamente, Hinter der Rednertribüne hatten Fahnenabordnungen der Reickswehr Aufstellung genommen, während die Vertreter sämtlicher studentischen Korporationen in vollem Wichs und mit Fahnen einen Kreis um den ganzen Saal bildeten. Die Feier wurde eingeleitet durch Darbietungen des Koslekschen Bläserchors und des Berliner Lehrer-Gesangvereins. Die Gedenkrede hielt in diesem Jahre Reichstagsobgeordneter Geheimrat Dr. K a h l.
Er führte u. a. aus: Wir gedenken der Toten mit der starken Stimmung und Entschlossenheit heiligen Opfermutes und unerschütterlichen Glaubens an eine deutsche Zukunft. Der Volkstrauertag ist ein Totenfest des deutschen Volkes.
Von zwei Millionen deutscher Kriegstoten ruhen nur 200 000 in deutscher Erde, während die übrigen in 38 Ländern und auf dem Meeresgrunde zerstreut sind.
Uns alle bewegt heute die Frage, ob es unsere letzten Kriegstoten sein werden. Es geht heute nicht mehr um die -M^'idiermui beä -Stiege», sorcker.il um die Frage der Abschaffung des Krieges. Der Volkstrauertag aber ist zugleich ein Tag des Gedenkens und des Bekenntnisses zum Vaterland.
An die Gedenkrede schloß sich ein Trommelwirbel und, während die Fahnen sich senkten, das Lied vom Kameraden. Mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes wurde die Gedenkfeier beendet. Im Anschluß daran schritt Reichspräsident von Hindenburg vor dem Reichstag eine Ehrenkompanie der Reichswehr ab.
M'chwung in der Sowfelpolilik.
Eine Abwendung von dem bisherigen System.
Wie aus Moskau berichtet wird, hat das Präsidium des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion unter Vorsitz Stalins folgende Beschlüsse gefaßt:
Nachdem die Sowjetbehörden bisher die individuellen Bauernwirtschaften zwangsweise aufgelöst haben, hat die Partei festgestellt, daß eine solche Kollektivisierung nicht mehr den Interessen der Partei entspricht. Die Partei verlangt, daß die Auflösung der individuellen Bauernwirtschaften nicht mehr zwangsweise, sondern nur noch freiwillig erfolgen dürfe. DaS Politische Büro der Kommunistischen Partei der Sowjetunion hat beschlossen:
1. Sofortige Einstellung sämtlicher Maßnahmen gegen die individuellen Bauernwirtschaften,
2. Sämtliche Märkte sollen sofort geöffnet werden.
3. Die Schließung von Kirchen soll sofort eingestellt werden, weil eine Schließung der Kirchen nur freiwillig mit Erlaubnis und Zustimmung des Pfarrers zustandekommen darf.
Diese Beschlüsse bedeuten einen gewaltigen Umschwung in der bisherigen Sowjetpolitik, deren Fortsetzung, wie die Kommunistische Partei inzwischen erkannt hat, den Bestand des Sowjetsystems über kurz oder lang ernstlich gefährdet hätte.
Vor neuen Wasserlinien in Südfrankreich.
Die Garonne weiter im Steigen. — Dammeinstürze.
Nach einer Pariser Meldung aus A g e n dauert das Steigen der Garonne ununterbrochen an. Der Wasserstand nimmt stündlich um fünf Zentimeter zu. Der bisherige Höchststand wurde am Sonntag abend mit einem Wasserspiegel von 7.85 Meter festgestellt. Die über den Tarn führende 200 Meter lange Eisenbahnbrücke von Bordeaux nach Sete wurde von der Strömung zum Teil fortgerissen. Sechs Monate werden nach fachmännischem Urteil nötig sein, um sie wieder instand zu setzen. Obwohl das neue Steigen des Tarn, eines Nebenflusses der Garonne, den höchsten Stand erreichte, bleibt die Lage in dem ganzen Gebiet kritisch und beunruhigend.
In der Provinz Obere Pyrenäen sind durch Dammeinstürze die Eisenbahnlinien an verschiedenen Stellen unterbrochen. In den unteren Pyrenäen nehmen die Flute» ab. Die Flüsse Gave und Ourse sind in ihr Bett zurückgetreten. Die Ueberschwem- mungen des Adour-Tales bedecken mehr als 2000 Hektar. Der Wasserspiegel befindet sich hier im Sinken.
— Der frühere Vizekönig von Indien Lord Harding ist zu einem privaten Besuch heute vormittag in Berlin eingetroffen. Lord Har- ding hat bereits im Jahre 1909 den damaligen König Eduard auf einer Reife nach Berlin begleitet.