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Kreis-Kmtsbiatt * Mtzememev amLlicherKuzeLßer fax ten Kveis -chlüchtem
Nr. 68
V. Blatt)
Gamstag, den 7. Juni 1930
82. Jahrs
Amtliche Bekanntmachungen xandratsamt.
J-Rr. 5206. Jm Monat Mai sind folgenden Personen ! Jagdscheine ausgestellt worden:
a. Jahresjagdscheine:
Lins, Heinrich, Arbeiter, Oberzell,
Keim, Adolf, Oberleutnant, Frankfurt a. M., Dr. Keim, Wilhelm, Apothekenbesitzer, Frankfurt a. M., Zchulzki, Kurt, Obersteuersekretär, Schlächtern,
| Möller, Heinrich, Jagdaufseher, Mallroth, | Müller, Kaspar, Maurermeister, voll merz, stürz, Johann, Müller, Schlüchtern, Müller, Friedrich, Messerschmied, Schlächtern, Momsen, Otto, Ratafterdirektor, Schlächtern, Lins, Johannes, Sägewerksbesitzer, Oberzell, Stelzner, Johann, Jagdaufseher, Rad vrückenau.
b. Tagesjagdscheine: stollischan, Robert,. Lahnhofswirt, Weißenburg. Schlüchtern, den 3. Juni 1930.
Der Landrat. J. v.: Schultheiß
J.-Nr. 5183. Diejenigen Herren Bürgermeister, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 29. April b. Js. — Nr. 4048— Schlüchterner Zeitung Nr. 53—, betr. Fragebogen für die Handwerksrolle noch im Rückstände sind, werden an deren alsbaldige Erledigung erinnert. Schlüchtern, den 3. Juni 1930.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
K r e i s a n s s ch u ß.
Betr: Abfchliehunn der Rechnuttgskücher für 1929/30
J.Mr. 1891 K. A. Diejenigen Herren Bürgermeister der
U—I.-Rr. 1891 K. A. - betr Berichterstattung über den I erfolgten Abschluß der Rechnungsbücher im Rückstände sind, I werden hieran mit einer 8 tägigen Frist erinnert.
Schlächtern, den 3. Juni 1930.
Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.
Krkiohundrstcuer-Kanptnernnlngung betreffend.
I I. Nr. 3210 K. A. Die Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises mache ich auf die gemäß § 2 der Kreishundesteuerverordnung vom 4. November 1936 — abge- I druckt in der Schlüchterner Zeitung Nr. 15 vom 15. Feb- I war 1929 — in diesem Monat vorzunehmende Hauptver- I anlagung zur Kreishundesteuer aufmerksam.
Schlächtern, den '3. Juni 1930.
Der Vorsitzende des Kreisausschlisfes.: Dr. Müller.
J.-Nr. 3209 K. A. Die Herren Bürgermeister der Stadt- I und Landgemeinden des Kreises ersuche ich unter Bezug- I nähme auf die Kreisblattverfügung vom 11, Mai 1905 - J. Nr.
I 1154 K. A. — (Kreisblatt Nr. 2o von 1905) den Bestand I an Bullen, Kühen und deckfähigen Rindern nach dem Stande I Uom I. Juni d. J. mir innerhalb 8 Tagen mitzuteilen.
I Schlüchtern, den 4. Juni 1930.
I __ ______________Der Land rat.: Dr. Müller.
I Etadt Schlüchtern.
Ausschreibung.
: I §ür die neue Radeanstalt soll die Lieferung von Wirt- 11 ichaftsmöbel vergeben werden.
: I Angebote sind bis spätestens 1 0. Juni 1 930, norm. I 10 Uhr dem Stadtbauamt verschlossen einzureichen.
Angebote pp. sind vorher auf dem S'abtbauamt erhältlich. I Öffnung der Angebote geschieht zu der oben festge- I legten Zeit in Gegenwart etwa erschienener Rewerber. ouschlagserteilung bleibt dem Magistrat vorbehalten.
: I schlüchtern, den 6. Juni 1930.
I Der Magistrat: Fenner.
Kurten» Geständnisse.
ENV Berlin, 6. 6. ((Eigene Meldung). Zu einer Nachricht, daß Kürten 50 Morde auf dem Gewissen haben erklärt, nach einer Meldung des „Berliner Tageblat- ' die Düsseldorfer Kriminalpolizei, daß er bis jetzt im ?!Wn neun Morde eingestanden habe. Er sei auch in viesen Fällen überführt worden. Alle anderen Rachrich- kn Kien falsch.
." Das Pfingsttreffen der Rot-Sportler, das in Tbü- fsdgen stattfinden sollte, ist angesichts des Unistandes, daß Thüringen Kunbgebungcn unter freiem Himmel untersagte, (Erfurt verlegt worden. Man erwartet, daß etwa 30 40 000 Rot-Sportler an Pfingsten dort Zusammentreffen werden.
Überall Arbeilslosigleil.
Die Arbeitslosigkeit — ein Weltproblem.
Nicht nur in Deutschland herrscht große Arbeitslosigkeit, sie ist vielmehr zu einem Weltproblem geworden. Der einzige Staat, der nur wenig Arbeitslose zählt, ist Frankreich, das Mitte März nur 1639 registrierte Arbeitslose aufwies, während es im Zeitraum von einem Monat 9025 ausländische Arbeiter aufnahm für die Industrie und 2215 fremde Landarbeiter.
■ Dagegen zählt England unter 43 Millionen Einwohnern Anfang April 1676 400 unterstützte Erwerbslose, eine halbe Million mehr als im Vorjahre in der gleichen Zeit. In der Tschechoslowakei waren von 13.6 Millionen Einwohnern Ende März 86 156 Erwerbslose, 33 000 mehr als im Vorjahre; in Bulgarien bei 200 000 Arbeitnehmern in Handel und Industrie rund 70 000 Arbeitslose; in der Schweiz bei 3.9 Millionen Einwohnern 10 000; in Danzig mit 350 000 Einwohnern 18 500 unterstützte Erwerbslose. Deutsch-Oesterreich zählte bei 6.5 Millionen Einwohnern Mitte April 311 174 unterstützte Erwerbslose.
Die geringe Zahl der Erwerbslosen in Frankreich hat zwei Gründe: erstens die Tatsache, daß Frankreich überwiegend Agrarland ist, und zweitens den Umstand, daß es ein außerordentlich starkes Heer besitzt, das weit über eine Million Menschen vom Arbeitsmarkt fernhält, und natürlich auch durch seinen Bedarf an Kleidung, Waffen, Munition, Nahrung usw. die Wirtschaft belebt.
Keine internationale Konferenz.
Wie aus London gemeldet wird, wurde der englische Ministerpräsident Macdonald im Unterhaus darauf hinge- wiesen, daß es angezeigt erscheinen könne, durch den Völkerbund yne Weltkonferenz zur Behandlung der Arbeitslosenfrage einzuberufen.
Macdonald erwiderte, die Regierung schenke dieser Frage die stärkste Aufmerksamkeit, könne aber im Augenblick keinen Schritt für die Einberufung einer solchen Konferenz tun.
Die Verhandlungen zwischen Anlernehmer und Gewerkschaften.
Ueber die bisherigen Verhandlungen zwischen führenden Kreisen des Reichsverbandes der Deutschen Industrie und den Gewerkschaften läßt sich der „Vorwärts" von unterrichteter Seite mitteilen, die Verhandlungen hätten den Zweck gehabt, durch einen gemeinsamen Appell an die Öffentlichkeit, möglichst getragen von der Autorität des Reichspräsidenten, fördernd auf die Ankurbelung der Wirtschaft einzuwirken. Die Bereinigung des Etats, die Behebung der Notlage der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung und damit zugleich eine dauernde Einschränkung der Arbeitslosigkeit seien Gegenstand eingehender Besprechungen gewesen. Die Einzelheiten sollten in weiteren Beratungen geklärt werden.
Die Gewerkschaftsvertreter hätten sich bei den Verhandlungen mit allem Nachdruck gegen eine Senkung der Reallöhne gewandt und für durchgreifende Senkung der Preise, insbesondere der Kartellpreise ausgesprochen. Die Verhandlungen seien unterbrochen worden, weil der Reichsverband der Deutschen Industrie noch zu keiner einheitlichen Stellungnahme hätte gelungen können.
Die gestrigen Zusammenstöße nach einer kommunistischen Demonstration.
OB Berlin, 6. 6. (Eigene Meldung). Ueber
die
Zusammenstöße am gestrigen Übend erfahren wir noch von zuständiger Seite: Die Polizeibeamten wurden am Landsberger Platz von den Demonstranten mit Steinen bewarfen und mit Stöcken geschlagen. Die Beamten griffen zum Gummiknüppel und mußten, als aus einem Gebüsch plötzlich zwei Schüsse abgefeuert wurden, von der Schußwaffe Gebrauch machen. Wie später festgestellt wurde, sind insgesamt zehn Personen ins Krankenhaus am Friedrichshain eingeliefert worden, davon sind zwei durch Schüsse schwer verletzt. Die übrigen acht trugen leichtere Verletzungen davon. Von den Polizeibeamten wurden vier durch Steinwürfe oder Stockschläge leicht verletzt. Die Ordnung wurde bald wieder hergestellt.
Standortmrldung des „Graf Zeppelin "
WTR. F r ic d r i ch § h a fe n, 6. 6. Beim Luftschiffbau Zeppelin ist folgender Funkspruch eingegangen: 2 Uhr früh östlich von Gartagena.
In Amerika hat eine seit mehreren Tagen andauernde Hitzewelle bereits mehrere Opfer gefordert. Im New Parker Distrikt sind eine Unzahl von Personen an Hitz- schlag erkrankt.
Auf der Nebenstelle Pappelau der Kreiskaffe Oppeln erschienen Donnerstag früh zwei Männer, bedrohten die Rassenbeamten mit Revolvern und raubten etwa 7 000 Mark. Der Wagen, in dem sie die Flucht ergriffen, stieß jedoch gegen einen Baum; die Verbrecher flüchteten hierauf mit dem Geld in den Wald. Die Oppelner Polizei und Landjägerei hat die Verfolgung der dreisten Räuber ausgenommen.
Politische Pfingsten
Wenn durchs maienfrische Grün der neuentfalteten Sta» tur das geheimnisvolle Weben jungen Lebens und starken Hoffens geht, dann zieht auch in des Menschen Seele ein Verlangen nach Neugestaltung des Alltagslebens, nach Verjüngung und Verbesserung der Verhältnisse, nach Ueberwindung der Erdenschwere, nach einem neuen Geist ein. Der Mensch ist ein Sonnenkind, er strebt nach oben und wird doch von den Sorgen im Kampfe um Leben und Existenz immer wieder herabgedrückt, wird müde und mürbe; mißmutig und hoffnungslos. Wenn aber draußen alles grünt und blüht und die Natur in neuer Kraft der Sonne entgegenstrebt, dann wird auch der Mensch von neuer Hoffnung, von neuer Lebensfreude erfüllt. Pfingstgeist kommt über ihn, der Geist der Erneuerung, der Hoffnung, des Glaubens.
Es ist merkwürdig, daß der Geist der Erneuerung, der Versöhnung, der Befriedung, von dem die Staatsmänner gerade in dem letzten Jahrzehnt soviel gesprochen, über den sie immer aufs neue verhandelt und um den sie fast in jedem Jahre neue Verträge abgeschlossen haben, sich so wenig auswirkt in den Beziehungen der Völker zueinander. Wenn es sich darum handelt, den auf internationalen und Staatsmännerkonferenzen zitierten Geist in eine staatsrechtliche Formel zu bringen, dann stellte man immer wieder fest, daß hinter diesem guten Geist sich ein weniger guter, vielfach ein böser Geist verbirgt, der an einen „Uneben" denkt, der von krassem Egoismus erfüllt ist. Und so sehen wir, daß in der großen Politik zwar ein Geist oonLocarno formuliert wurde, der sich später als naher Verwandter des Geistes von Versailles entpuppte. Briand hat uns den Geist von Thoiry in den wundersamsten Farben gezeigt, ihn nachher aber eingesperrt und uns glauben machen wollen, daß die Völker noch nicht reif seien, um diesen Geist in sich aufzunehmen.
Wie oft ist in den letzten Jahren die Erneuerung Europas unter dem Genfer Geist, dem Geiste des internationalen Staatenbundes, dem Geist der Völkergemein-
Akterf worden. Der Völkerbund sollte nach den in Versailles aufgestellten Satzungen „die Zusammenarbeit unter den Nationen zur Gewährleistung des internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit" fördern und „die Gerechtigkeit herrschen lassen". Wie wenig er in der Lage war, alle Völkerbundsstaaten auf diesen hohen Gedanken zu verpflichten, das ist durch die verschiedenen Abmachungen außerhalb des Völkerbundes, die auf A e ch t u n g des Krieges, auf Herabsetzung der allgemeinen R ü st u n - gen abgestellt sind, bewiesen worden. Gerade in diesen Tagen hat der italienische Außenminister Grandi über das Versagen des Völkerbundes in seinen Beschlüssen über die Verhinderung des Krieges ziemlich deutlich sich ausgelassen, hat sich gegen ein „Paradies im Schatten der Schwerter gewendet. also gegen einen Geist, der von einer Gewaltpolitik ausgeht und der den Frieden durch „Organisierung des Krieges" sichern will.
Trotz allem soll nicht verkannt werden, daß die Sehnsucht der Völker nach Befriedung, nach einem neuen internationalen Geist mit dazu beigetragen hat, daß auch die Staatsmänner, die zum großen Teil noch immer Anhänger der Macht- und Gewaltpolitik sind, sich zu einer Abwendung von dem Versailler Geist bekannten. Im Rheinland vollzieht sich soeben der Abtransport der französischen Besatzung. Nach langen, schweren Leiden der dortigen Bevölkerung wird in wenigen Wochen dort die Freiheit wieder einkehren, wo bisher brutale Gewalt, der Wille zur Unterdrückung. der Herrschergeist regierte. Wenn es dort jetzt anders werden soll, dann nicht zuletzt durch den Glauben der Bevölkerung an den nicht zu unterdrückenden deutschen Geist und an seine ethische Kraft Dieser Glaube läßt auch hoffen, daß die Verhandlungen über die Befreiung des Saargebiets eine Wendung nehme, werden, die dem Geist der Erneuerung, dein Geist der Wahrheit entspricht.
Und wie ist's mit diesem Geist der Erneuerung tm Innern Deutschlands? Man kann leider nicht behaupten, daß wir hier vorwärtsgekommen sind. Der Versuch, der Zersplitterung des deutschen Volkes Einhalt zuZun, ist zunächst als gescheitert anzusehen. Aus der anderen Seite sind die politischen Leidenschaften radikaler Or- ganisationen so vertieft, man muß leider sagen, fanatisiert worden, daß sich die zuständigen Stellen ernstlich mit dem Gedanken vertraut machen, durch ein umfaffenbes Waffen- verbot wenigstens die Blutopfer solcher Leidenschaften herab- zumindern. Man fragt vergebens: wann zieht hier ein neuer Geist in das deutsche Volk ein, der jeden einzelnen daran erinnert, daß er Sohn einer Mutter, Blut eines Blutes und Glied eines Stammes iki^
Und schließlich: wann endlich erleben wir den Geist der Erneuerung in Verwaltung, Parlament und Wirtschaft, der uns heraus führt aus dem politischen, dem wirtschaftlichen, aus dem finanziellen Chaos? Hat das deutsche Volk nicht schon genug der Opfer gebracht, ab daß es endlich eine Erneuerung auch auf diesen Gebieten erwarten dürfte? Schafft neue Verhältnisse in Verwaltung und Wirtschaft, damit sich Volk und Staat, Wirtschaft und Verwaltung verbunden fühlen im Geiste der Gemeinschaft, des Vertrauens und des Vorwärts- streben-.