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flucht ernte 3 titung

ÄeLs-KmtMeüt * MyemeLner amtlich erKnzeLtzer für Den. Kreis Schlechtem

Nr. 1 11. Blatt) ? M Donnerstag, den 1. Januar 1931

83. Jahrs.

Ruß

/ Mitbürgerinnen

Grimmiger als je in den Jahren des Weltkrieges und )er Inflation ist in diesem Jahre die wirtschaftliche Hot mit rll ihren Folgeerscheinungen eingetreten. Weite Volkskreise sehen daher in eine trostlose Zukunft. Für viele werden besonders die Wintermonate Not, bittere Not bringen! 5chon heute weiß mancher Volksgenosse nicht, wie er sich and seine Kinder vor Hunger und Kälte schützen sott. Rudi bei uns im Kreise Schlächtern wird die Not des Winters in eine ganze Reihe von Häusern unerbittlich einkehren- Mit Familienangehörigen sind etwa 1 500 Bewohner des Kreises von der Arbeitslosigkeit betroffen; mehrere hundert Klein- und Sozialrentner haben zur Fristung des Lebens nur das Afternotwendigste; hinzu kommen Notleidende, die keinerlei Renten beziehen. Wenn in diesen Familien Krankheiten oder sonstige Un= lücksfälle auftreten, steigert sich die Not ins Unerträgliche.

Um den Folgen solchen Elends vorzubeu- en, um dafür zu sorgen, daß die Not nicht bergroß werde und die Angst um die Zu­kunft die Opfer der Wirtschaftskrise, der Inflation und des Weltkriegs nicht zur Ver­zweiflung treibt, haben Vertreter der gesamten Bür­gerschaft des Kreises das Hilfswerk einer

Winterhilfe des Kreises Schlüchtern zur Linderung der Not der Erwerbslosen, Kranken und Notleidenden ins Leben gerufen.

-"Alt A ll e, l^^wirtschaftlich noch :;: der Lag. . ein Opfer zu Gunsten ihrer notleidenden Mu r j* lach-, gen, ergeht hiermit der N u f z u r o p f - > b ' Hilfe. Wir wissen, auch der Bauer und der Handwer­ker haben ihre Not und können ihre Einkünfte nicht im voraus überschauen- auch der Beamte muß sich nach der »Decke strecken. Die allgemeine Wirtschaftskrise zieht jeden Betrieb und jeden Beruf in Mitleidenschaft. Und doch wis­sen wir, daß jeder, der noch über eine feste Existenz ver­fügt, der noefy ein sicheres Dach über dem Kopfe hat, gern den am härtesten von der Not betroffenen Mitmenschen helfen wird.

Helfe jeder, der in wirtschaftlicher Hinsicht noch irgend leistungsfähig ist!

In der Woche vom 5. bis 1 1. Januar d§. Is. werden Beauftragte des Magistrats oder des Gemeinde­vorstandes mit Listen in den Wohnungen vorsprechen und

I.-Nr. 11349. Die Fleischbeschauer und Trichinen- schauer werden an die pünktliche Einsendung der Viertel- jahresnachweisungen (Postkarten) an den Herrn Veterinär­rat erinnert.

Schlüchtern, den 27. Dezember 1930.

Der Landrat. I. V.: Schultheiß

I.-Nr. 11 342. Der Herr Kreismedizinalrat wird am Dienstag, dem 6. Januar n. 3s. von 9 Uhr ab im hiesi­gen Kreishause Sprechstunde halten.

Schlüchtern, den 29. Dezember 1930.

Der Landrat. 3. v.: Schultheiß

Kreisausfchuß.

Freiwillige 9mtitiit»kolomtc Bad-Soden.

I.-Nr. 393 R. K. Sonntag, den 4. Januar 1931, nachmittags 1.30 Uhr, findet in der Schule zu Bad Soden eine Kolonnenübuna statt. Gleichzeitig beginnt ein neuer Kursus in der E rsthilf e- Hierzu werden Interessenten freundlichst ein geladen.

Fleischbeschaubücher sowie Beiheft B zu haben in Der

Buchdruckerei H. Steinfeld Söhne.

ruf! und Mitbürger!

Geldspenden entgegennehmen. Wir bitten herzlich, diese Männer nicht abzuweisen. Die Bürgermeister führen die gesammelten Gelder an die Kreiskommunalkasse ab. Die Mittel werden vom Kreisausschuß, in dem alle Berufs- stände vertreten sind, nach den Vorschlägen der örtlichen Wohlfahrtsausschüsse an die Bedürftigsten verteilt werden.

Wir haben diesen Weg gewählt, weil die Bürgermei­ster und die örtlichen Wohlfahrtsausschüsse dir Verhältnisse kennen und gerecht beurteilen können. Das Ergebnis der Spende wird ortsweise ohne Nennung der Namen im Kreis­blatt amtliche bekannt gegeben werden.

Soweit Kleidungsstücke oder Naturalspenden gegeben werden sollten, bitten wir, dieselben bis zur Abholung zurückzubehalten.

In der jetzigen Notzeit reicht die Beschaffung der Mit­tel durch steuerliche Erfassung nicht mehr aus. Wir bit­ten um warme Herzen für die Aermsten der Armen. Euer Dank liege in dem Bewußtsein ei­ner guten Tat.

Gebt für die Winterhilfe des Kreises Schlüchtern 1

Dr. Müller, Landrat des Kreises Schlächtern, Berthold, Hans, Schlächtern (Kreistagsmichlied); Blum, Bürgermeister, Salmünster- Frhr. v. Tampen-Hausen, Amtsgerichtsrat, Schwarzenfels: Faust, Amtsgerichtsrat, Schlüchtern; Dr. Fe nne r, Leiter der Aufbauschule, Schläch­tern- Fischer, Hausmeister (Kreisausschußmitglied), Schlüchtern; Ga e n ß le n, Bürgermeister (Kreiraussckuß- mitgiied), Schlächtern; Groß, Schulrat, Schlüchtern- Ha- " ' "' ~ " " ^'i»«-v^r^^ ^ (V '-w!-äcku,G"äaüedt. Butten: ' ppc. Prokurist, Schlüchtern- Jost, Bäckerobermeister, KinöWKuratus sKreSsausschußmitglisH, Marborn- Dr. König, Schlüchtern - Dr. Kraft, Bürgermeister, Steinau- Leipold, Metzgerobermeister, Schlüchtern- Möl­ler, Bürgermeister, Elm; Preiß, Gutsinspektor (Kreis­ausschußmitglied), vollmerz; Radtke, Bürgermeister, Bad Soden- Roftmann, Kreispfarrer, Schlüchtern; Roth, Major, Ahlersbach, Vorsitzender des landw. Kreisvereins- Dr. Salditt, Sanitätsrat, Bad Soden- Dr. Stern. Sa= nitätsrat (Aerzteverein), Schlüchtern- Tielemann, Amts­gerichtsrat, Steinau; Waltber, Seminaroberlehrer i. R., Schlüchtern; Weber, Landwirt, Marborn, Vorsitzender des Kurhessischen Bauernvereins,- Weber, Schneiderobermeister, Schlüchtern: Wegmann, Gutsbestker (Kreistagsmitglied), Röhrigshof; F. Weitzel, Landwirt (Kreisausschußmit­glied), Steinau; Wolf, Mar, Fabrikbesitzer, Steinau;

Wolf, Meier, Fabrikbesitzer, Schlüchtern.

Die Kolonnenmitglieder erhalten am Sonntag die neuen Mützen und Armbinden.

Bad Soden, 29. 12. 1930. Schlüchtern, 29. 12. 1930. gez. Kasprzik, Der vors. des Männervereins Kolonnenführer- v. Rot. Kreuz. Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

Diejenigen Hausbesitzer, die noch Ratten in ihren An­wesen verspüren, werden ersucht, dies bis spätestens 5. Ja­nuar 1931 im Rathaus Kanzlei zu melden, damit eine Nachlegung von Rattengift erfolgen kann.

Besondere Kosten entstehen durch diese Nachlegung nicht-

Schlüchtern, den 30. Dezember 1930.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Gerechtigkeit für die Völker.

Die Stimme Mussolinis: Revision der Arledensverlrägel

Berlin, 31. Dez. Einer Meldung Berliner Blätter aus Mailand zufolge enthält derPopolo d'Jtalia" unter der UeberschriftGerechtigkeit für die Völker" eine Jahresbe- trachtung von Arnando Mussolini, dem Bruder des italie­nischen Ministerpräsidenten.

Rur eine Revision der Ariedensverlräge, so heißt es darin u. a., könne das politische und wirtschaftliche Gleich­gewicht wieder herstellen und die Völker auf die Dauer versöhnen. Diese Revision werde den Eckstein der Wieder­geburt der Welt bilden, wie das von allen Menschen ge­wünscht werde.

Die Schwierigkeiten seien nur zu überwinden, wenn sie auf allen Gebieten bekämpft würden. Es würde ein U n glück geben, wenn keine greifbare und vernünftige Lösung gefunden und Grenzen beibehalten würden, die keine völ­kische Grundlage hätten, sondern Drahtverhauen glichen.

Der Wunsch der Völker nach Erholung und Beseitigung werde durch die Aussicht erdrosselt, daß ganze Generationen für die Tilgung der Kriegsschulden arbeiten müßten.

Rückblick und Ausblick.

Eine politische Neujahrschronik.

Das scheidende Jahr 1930, von dem wir die Befreiung des Rheinlandes von fremder Besatzung, des Saargebietes von fremder Herrschaft erhofften, hat uns viele Enttäu­schungen gebracht. Gewiß ging am 30. Juni über dem Hauptquartier des französischen Oberkommandierenden am Rhein endgültig die Trikolore nieder, aber das Saargebiet ist auch heute noch durch künstliche Schranken vom deut­schen Vaterlande abgetrennt. Monatelang haben in Paris die Unterhändler Deutschlands und Frankreichs über die Rückgabe des Saargebietes verhandelt; ein Ergebnis wurde jedoch nicht erzielt. Da Frankreich nicht bereit war, das dem saargebiet angetane Unrecht, wenn auch reichlich spät, so doch wenigstens freiwillig wiedergutzumachen, vielmehr ein Mitbesitzrecht an den Saargruben erwerben wollte, mußte die deutsch-französische Saarkonferenz am 7. Juli auf unbe­stimmte Zeit vertagt werden.

Unter diesen Umständen hat die Räumung des Rhein­landes politische Wirkungen nicht auszulösen vermocht. Die sichtbare Beschränkung der deutschen Staatshoheit ist mit der Aufhebung bet Besatzung geschwunden, geblieben ist dagegen die Einschränkung der deutschen Freiheit durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages, durch die das Land am Rhein unter Ausnahmerecht geraten ist Offen ist ferner die Frage der deutschen Kriegsiribrte.

Anfang Januar begann im H a a g die Schlußkonfe­renz, und am 12. März bereits stimmte der Reichstag mit 266 gegen 193 Stimmen dem Poungplan zu. Wenn dieser Plan seinerzeit von den Sachverständigen als eine endgül­tige Lösung der Reparationsfrage hingestellt worden ist. dann hat sich inzwischen wohl herausgestellt daß auch dieser Neue Plan", wie er offiziell heißt, eine endgültige Berei­nigung des Reparationsproblems nicht herbeigeführt hat. So wird es denn im neuen Jahre eine der wichtigsten Auf­gaben der deutschen Politik sein, über den Poungplan hin­aus zu einer tatsächlichen Lösung der Reparationsfrage zu kommen und damit zur Zuschüttung der Quelle, aus der i - unir bei.uüc.lchaft schon so riß Trüb gen Wflvisen sind.

Unbefriedigend wie die Reparations- ist auch die Völ­kerbundspolitik. Vom deutschen Standpunkt aus ist dabei die Behandlung der Abrüstungsfrage entscheidend. Im Jahre 1930 ist es endlich, nach fünfjähriger Arbeit, ge­glückt, die vorbereitenden Verhandlungen zum Abschluß zu bringen, nur ist damit sachlich nichts gewonnen. Denn der Entwurfs eines allgemeinen Avrüstungsvertrages, der aus diesen Verhandlungen hervorgegangen ist, ist keine Erfül­lung des Versprechens der allgemeinen Rüstungsbegren- zung, sondern eine Verletzung des Versailler Vertrags. Die allgemeine Abrüstungskonferenz, die Ende des neuen Jahres zusammentreten soll, muß daher entweder von vorne beginnen und wirksame Abrüslungs- maßnahmen treffen, oder sie muß die Nichterfüllung eines der wesentlichsten Kapitel des Friedensvertrages feststellen und Deutschland Handlungsfreiheit gewähren.

In Verbindung mit der Krise der Außenpolitik spitzte sich im Jahre 1930 auch die Innenpolitik mehr ut d mehr zu. Die Reichsregierung bemühte sich um eine Neuordnung der Finanzen und griff dabei zu einschireidenden Maß- nahmeil. Dem Kabinett Müller kündigte der Reichstag da­bei die Gefolgschaft auf, worauf einige Tage später das Kabinett Brüning ans Ruder kam. Aber auch diese Regie­rung verlor nach und nach ihre Mehrheit, insbesondere nach den Reichstags-Neuwahlen vom 14. September, die den radikalen Flügelparteien, insbesondere aber den Nationalsozialisten, außerordentlich große Erfolge brachten. In den letzten Monaten hat das Kabinett bei feinen Maß­nahmen in fast allen entscheidenden Fragen den Reichstag ausgeschaltet und mit Hilfe des Artikels 48, also im Wege der Notverordnung regiert.

Auf wirtschaftlichem Gebiet brächte das alte Jahr nachdem schon 1929 die Konjunktur eine empfindliche Abüäwächung erfahren hatte, eine verstärkte Fortsetzung des Schrumpfungsprozesses der deutschen Produktion. Im­mer neue Erschütterungen störten das Eesüge des britischen Wirtschaftsapparates, die Zahl der Arbeitslosen kletterte an die Vier-Millionen-Grenze heran, und unter dem Druck der Verhältnisse mußte der deutsche Ausfuhrhandel um jeden Preis Waren in das Ausland abführen, so daß der Ausfuhrübersckuß zwar groß, der Gewinn aus dieser Aus­fuhr dagegen sehr mager ist.

Die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse sind da­her für Deutschland alles in allem sehr ernst. Es ist uns ergangen, wie den Helden in der altgriechischen Sckicksal?» tragödie: gerade durch die Maßnahmen, durch die wir dem Verhängnis entrinnen wollten, sind wir ihm erlegen. Und doch ist heute für bange Zweifel kein Raum. Das Ge­bot der Stunde heißt handeln und mutig gegen die Not an« kämpfen. Die deutsche Politik und unsere Wirtschaft haben bedeutsame Aufgaben zu lösen, dazu drängt die Zeit; mich darf nicht verkannt werden, daß unser Volk im Verlaufe seiner Geschichte schon schwierigerer Situationen 5ierr ge­worden ist: und so wollen wir denn in das neue Jahr Hin- eingehen mit fester Zuversicht und mit dem Willen, jeder an seinem Platze und zu seinem Teile dazu beizutra- gen, daß Deutschland aus der Not der Gegenwart wieder den Weg in eine bessere Zukunft findet.