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Hchlüchtemev Zeitung

Kreis-KmtsbtLtt * Myemeiner amtlich erfinzeLgerfiir öen Kreis Schlüchtem

Nr. 14

(1. Blatt)

GamStag, den 31. Januar 1931

83 Jahrs.

Amtliche Bekanntmachungen Landratsamt.

I.-Nr. 899. In den Gemeinden Gackenhof und Stein« wand, Kreis Gersseld, ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden.

Schlüchtern, den 29. Januar 1931.

Der Landrat: Dr. Müller.

Kretsausschuß.

Uerstetger«ng vs« FleckvlehkuUen iu Fulda.

I.-Nr. 559 K. st. Die Herren Bürgermeister des Kreises mache ich auf die am Freitag, den 6. Februar d. 3s. in Zulda stattfindende Versteigerung von Fleckviehbullen aufmerksam. Diese Versteigerung bietet den Gemeinden Gelegenheit, ihren Bedarf an Zuchtbullen zu decken.

Schlüchtern, den 28. Januar 1931.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.

3 .-Mr. 560. K. st. Die Herren Bürgermeister des Kreises mache ich auf die im Reichsgesetzblatt von 1931 Teil 1 Seite 11 abgedruckte Verordnung des Reichsrats vom 15. 3a« nuar 1931 aus Anlaß und zu Ehren der Reichsgründung unternommen worden sind, der Vergnügungssteuer nicht unterliegen, aufmerksam.

Schlüchtern, den 28. 3anuar 1931.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller-

3 .-Rr. 532 K. st. Die Herren Bürgermeister der Land­gemeinden des Kreises mache ich auf das im Landgemeinde­verlag G. m. b. h. in Berlin N). 9, Potsdamerstr. 22 a, in Kürze erscheinende Werk:

Finanzausgleich Gemeindebiersteuer, Gemeindeg^tränkesteuer, Bürgerfteuer, Senkung der Realsteuern, Zusätze, Verordnungen, Erlasse, mit Anmerkungen und Mustern" aufmerksam. Die Anschaffung des Werkes, dessen Lezu^ - preis 3, Mk. beträgt, kann ich den Herren Bürgermei« stern empfehlen.

Schlüchtern, den 27. 3anuar 1931.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Mülletz.

Stadt Schlüchtern. "

Bekanntmachung.

Die Berechnung des staatlichen stnteils an dem Pacht­erlös des gemeinschaftlichen Jagdbezirks Schlüchtern I für das Pachtjahr vom 1. Februar 1930 bis 31. Januar 1931 liegt in der Zeit vom 31. Januar bis einschließlich 13. Fe­bruar 1931 im Rathaus Zimmer Nr. 2 zur Einsicht der Gemeindeangehörigen öffentlich aus. Schlüchtern, den 28. Januar 1931.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Die deutsche« Landkreise beim Reichsstnaurminister.

TNB. Berlin, 29. 1. (Eigene Meldung). DerReid)s= finanzminister empfing, wie die D. st. 3. meldet, Vertreter der deutschen Landkreise aus allen Teilen Deutschlands unter Führung des Präsidenten Dr. v. Stempel. Die Ab­ordnung wies darauf hin, daß die Zahl der Wohlfahrts- erwerbslosen in den Landkreisen in erschreckendem Maße 7 im letzten Halbjahr um 67 % steige und die Kreis« sinanzen in bedrohlichem Maße gefährde. Die Landkreise seien gern bereit, an der zweckmäßigen Umgestaltung der ckbeitslosenversicherung mitzuarbeiten. Bis zum Inkraft­treten dieses Resormwerkes müßten jedoch die Schwierig­keiten durch Sonderzuweisungen überbrückt werden. Der Keichsfinanzminister sagte in jeder Hinsicht wohlwollende Prüfung zu.

Reichsminister Treviranus tu CeUr.

tUB. Gelle, 29. 1. (Eigene Meldung). In einer von der Deutsch-Hannoverschen Partei und der Konservativen Volks- Partei veranstalteten Versammlung sprach heute abend neichsminister Treviranus. Der Minister kritisierte die Poli­tik der Jahre 1925 bis 1928, die die Tatsache des »er« Härenen Krieges unberücksichtigt gelassen habe, verhäng» ^sdoU sei die in Deutschland herrschende Auffassung, es Glisse alles von Berlin aus nach bürokratischem Schema ^macht werden. Notwendig sei vielmehr, daß man auch pach heimatlichen und landschaftlichen Grundsätzen arbeite. Unsere Kapitalkraft sei nicht zuletzt durch die übermäßige Msblähung des Verwaltungsapparates systematisch zer» nürt worden. Die Verwaltung des Reiches und der Län- müsse von Grund auf reformiert werden. Der Minister "^kannte sich als überzeugter Verfechter des Sclbftver- ^nltuugsgedankens. Es sei an der Zeit, eine eindeutige oilonz zu machen, um in gemeinsamer Front aller »erant« örtlichen Kräfte den Kampf um die bessere Zukunft ^fzunehmen.

Die Doltspartel beharrt auf ihrem

300 Millionen-Gparantrag.

TNB. Berlin, 30. 1. (Eigene Meldung). In der Fraktionssitzung der Deutschen Volkspartei, in der, wie gemeldet, Reichsaußenminister Dr. Turtius einen Vortrag über die Genfer Tagung hielt, berichtete der Parteiführer, wie dieD. st. 3." berichtet, über seine Besprechungen mit dem Reichskanzler. Die volksparteilichen Vorschläge sind beim Finanzminister auf starke Skepsis gestoßen. Es wird bezweifelt, ob sich Ersparnisse in dem gewünschten Umfange durchführen lassen. In der Debatte kam die Enttäuschung über dieses Ergebnis zum Ausdruck. wie das Blatt berichtet, wird die Fraktion heute wahrschein­lich eine Entschließung fassen, in der sie sich nochmals auf ihren bekannten 300 Millionen-Sparantrag festlegt und wiederum mit politischen Konsequenzen droht, falls diesem Anträge nicht stattgegeben werden sollte.

Die Sorialdemokrate» keim Reichskanzler.

TNB. Berlin, 30. 1. (Eigene Meldung). Der Reichs­kanzler empfing gestern außer den bereits gemeldeten Per­sönlichkeiten, wie dervorwärts" berichtet, die sozialde­mokratischen Abgeordneten Breitscheid, Hertz, Hilferding und Müller zu einer Aussprache über die politische Lage. DemBerliner Tageblatt" zufolge handelte es sich bei dieser Besprechung um den von der Regierung bekämpften sozialdemokratischen Antrag auf Staffelung der Gehalts­abzüge für Beamte. Eine Einigung über das Schicksal des sozialdemokratischen Staffelungsantrages ist noch nicht erzielt worden.

Mehrarganifatio« des ^entrum».

TNB. Berlin, 30. 1. (Eigene Meldung). Die neuge­gründete Wehrorganisation der Zentrumsjugend, dieKreuz- Schar", ist, wie dieDo[f. 3tg." berichtet, jetzt zum ersten Male in Beuthen (GS.) vor die Geffsntlichkeit getre« ^n. Rcidjstagsuögeor^ftrterTiM^^ u. irriß 11,;^ 3' lc mit der Erklärung, oie Seit der Diskussionen sei vorbei. Gegen Gewalt, Unterdrückung und gegen die Mächte der Zerstörung müsse auch das Zentrum zur Erhaltung der heiligsten Güter zur Abwehr greifen. Die Gründung der Kreuz-Schar" ist auf den Beschluß einer im Dezember abgehaltenen außerordentlichen Tagung des Reichspartei­vorstandes des Zentrums zurückzuführen. Ihre Grgani- sation soll sich in kurzer Zeit über das ganze Reich er­strecken.

Der Zwischenfall auf dem britischen Kriegsschiff »Lucta".

Auf eine Anfrage im Unterhaus erklärte der Erste Lord der Admiralität, Alexander, die Untersuchung des Zwischenfalles auf dem DepotschiffLucia" habe gezeigt, daß die Beziehungen zwischen den Offizieren dieses Schiffes und ihren Untergebenen bei weitem nicht den üblichen Charakter gegenseitiger Sympathie und Zufriedenheit ge­habt hätten, und zwar sei dies dem Mangel an Taktgefühl und Ächtung seitens des Kapitäns und Der Offiziere zu- zuschreiben. Der Admiralitätsrat hat mildernde Umstände im vollen Umfang anerkannt und beschlossen, die gegen die Mannschaften ausgesprochenen Strafen herabzusetzen. Einige Offiziere werden zur Disposition gestellt. Das Schiff wird mit einer neuen Besatzung und neuen Offizieren be­mannt und wieder in Dienst gestellt werden.

Der ungarische Ministerpräsident Graf Bethlen hat am Mittwoch die Rückreise von Wien nach Budapest an« getreten.

Wegen der Studentenunruhen sind in Madrid ausser« ordentliche Polizeimaßnahmen getroffen worden.

Die amerikanische Regierung entschuldigt sich bet Mussolini wegen einer Rede des Generals Smedley Lutler, die unhöfliche Bemerkungen über den italienischen minister« Präsidenten enthielt.

Der FilmDas dritte Reich", der im Auftrage Sozialdemokratischen Partei hergestellt und gegen dir Na­tionalsozialisten gerichtet ist, wurde von der Filmoberprüf- stelle verboten.

Das Schöffengericht Tharlottenburg verurteilte den Angeklagten Janoschka, genannt dasNachtgespenst", dem zahlreiche Ucberfälle auf alleinstehende Frauen in deren Schlafgemach zur Last gelegt werden, unter Freisprechung von der Anklage der Unzucht wegen fortgesetzten Lin- bruchdiebstahls in strafverschärsendem Rückfall und Frei­heitsberaubung zu einer Gesamtstrafe von 3 Jahren 6 Monaten Gefängnis.

In einem englischen Kohlenbergwerk in Lumber- land «^eignete sich Donnerstag abend eine Schlagwetter- Explosion. 40 bis 50 Bergleute werden vermißt. Bisher sind nur drei Bergleute ans Tageslicht befördert worden.

Am Donnerstagfrüh ist zwischen Matt und Llin bei Glarus in der Schweiz eine Lawine von gewaltigen stus« maßen niedergegangen, wodurch die Straße und das Ge­lände der Scrnftal-Lahn auf einer Strecke von 120 Metern haushoch von Schncemassen begraben wurden. Der Bahn­betrieb zwischen Matt und Elm bleibt für einige Tage unterbrochen. . , , .

Schuldensenkung durch Abrüstung.

Ein amerikanischer Borschlag.

Edward Hurdley, Präsident der American Manu- sacturers Export Association, der seinerzeit auch der Kommission zur Regelung der ausländischen Kriegs schulden angehörte, schlug in einer Rede vor der Chi- cagoer Handelsvereinigung vor, daß die 16 Schuldner­nationen Amerikas ihre Militäretats einschränken und daß Amerika gleichzeitig ihre Kriegsschulden her- absetze. Hurdley erklärte, sein Vorschlag würde die Arbeitslosigkeit vermindern und die Geschäftslage ver­bessern. Die Schuldnernationen seien früher die besten Kunden Amerikas gewesen, und wenn Amerika die Kriegsschulden herabsetzte, würden sie wieder auf den amerikanischen Märkten kaufen.

Im einzelnen schlug der Redner einen LO-Jahrc- Plau vor, der in den ersten zehn Jahren eine I5pro« zentige Verminderung der Kriegsschulden, in den fol­genden zehn Jahren eine 17Vrprozentige und in den letzten letzten zehn Jahren ebenfalls eine 17 -prozentig« Verminderung vorsehen würde. Die GesamtvcrmnHe- rung in 30 Jahren würde somit 50 Prozent der ge­samten Kriegsschulden ausmachen.

Sie Lanbarbeilerfrage.

Neuregelung der Zulassung ausländischer ttrStirer.

Der Reichsrat hielt am Donnerstagabend unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Zweigert eine Voll­sitzung ab, in der er einem Vorschläge des ReichSarbeitS- ministers über eine Neuregelung bei der Zulassung aus­ländischer Landarbeiter für das Jahr 1931 zustimmte.

Die Vorlage des ReichsarbeitsministerS will die Beschäftigung ausländischer Landarbeiter an folgende Voraussetzungen knüpfen:

1. Es werden nur Betriebe berücksichtigt, die auch bisher schon Ausländer erlaubterweise beschäftigt haben.

2. Es kommen nur Betriebe in Frage, die Zucker­rüben anbauen und bei denen die Zuckerrüben-An-

M- . -noenens 25 Morgen verragr.

3. 80 bis 85 Prozent der Ausländer müssen weib­liche Arbeitskräfte sein.

4. Die Zahl der für den einzelnen Betrieb im Jahre 1931 zu genehmigenden Ausländer darf höch­stens zwei Drittel der im Jahre 1930 genehmigten Zahl betragen.

Die Herabsetzung der Zahl findet ihren Grund in dem Anwachsen der Arbeitslosigkeit in Deutschland. Die Zahl der Arbeitslosen war am 15. Januar auf 4 765 000 gestiegen.

Preußen beantragte eine Entschließung, die schon im Ausschuß Zustimmung gefunden hatte und die auch der Reichsrat annahm. Sie spricht die Erwartung aus, daß die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung ihre Be­mühungen, für ^ die Landwirtschaft geeignete inlän- ländische Arbeitskräfte an Stelle der Ausländer zu ver­mitteln, mit allem Nachdruck fortsetzt und daß die Anstalt angesichts der großen Arbeitslosigkeit gegen Arbeitslose, die sich ohne berechtigten Grund weigern, eine ihnen zugewiesene Arbeit anzunehmen, mit Ent­ziehung der Unterstützung vorgeht.

Der Reichsrat erledigte dann noch einige kleine Vorlagen .

Die Stadt Koritza zerstört.

Erdbebenkatastrophe in Albanien.

Albanien ist der Schauplatz eines heftigen Erdbeben, gewesen, das recht erheblichen Schaden angerichtet und auch einige Todesopfer gefordert hat.

Das Zentrums des Bebens lag in Gorkfcha (Koriha). der größten Stadt des Landes. Das Erdbeben verursachte an vielen Häusern großen Schaden. 600 Häuser wurden unbewohnbar. Das Internat des Seminars für Mädchen sowie das Lyzeum wurden ernstlich beschädigt. Die neue rumänische Pfarrkirche wurde vollständig zerstört. Bis jetzt wurden drei Tote und drei Verletzte gemeldet.

Die Stadt liegt nachts im Dunkel, da alle Lichtzuleitun­gen unterbrochen und die Zentralen beschädigt wurden. Der Bevölkerung hat sich eine große Panik bemächtigt. Das Erd­beben war bis nach Tirana fühlbar und wurde auch von allen italienischen Erdbebenwarten als katastrophale Fern- erschütterung verzeichnet. Die Regiening hat sofort Maß­nahmen ergriffen, um die Obdachlosen unterzubringen. Dtk telegraphischen Verbindungen mit der Küste fini^ unter­brochen, zwei Flugzeuge lind von Tirana mit Saniiätv- material nach der heimgesuchten Stadt abgeflogen.

Paris, 30. Januar. Havas berichtet aus Lissa­bon: Das deutsche FlugschiffDo X" wird wahrschein­lich am 31. Januar 7.30 Uhr zum Weiterflug starten. Heute sollen die Moioren nochnials durchgeprüft und ein weiterer Probeflug voran staket werden.

Der französische Geueral Berthelot, der während bei KriegeS eine Zeitlang Heerführer und später Cvef der französischen Militärnitssion in Ruriänien war, ist nach längerer Krankheit gestorben.

Für die im Anschluß an die Verlesung der Sicgierungs» erklärung in der sranzäsischru Kammer stattfindende De­batte über die allgemeine Politik der Regierung sind bis­her vier Interpellationen angemeldet.