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AchlWemer Zeitung

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Nr. 22

(1. Blatt) Donnerstag, den 19. Februar 1931

83. Jahrs.

Sanchez Guerra verzichtet.

Verhandlungen mit den gefangenen Republikanern. König Alfons soll ins Ausland gehen.

Madrid, 18. Februar.

Der gleichfalls für das neue Kabinett in Frage kom- »ende Melquiades Alvarez hat im Auftrage von Sanchez Suerra die wegen Hochverrats gefangenen Republikaner inb Sozialistenführer im Gefängnis besucht, um wegen einer seteiligung dieser Revolutionäre an der neuen Regierung ls Minister ohne Portefeuille zu verhandeln. Diese ganz ngewöhnliche Handlungsweise hat in den weitesten Kreisen rößte Ueberraschung hervorgerufen. Räch mehrstündiger lerhandlung erklärten die Gefangenen, sie mühten eine Be­teiligung an der Regierung ablehnen, wenn nichr der König as Land sofort verlasse und im Auslande bleibe bis zum Entscheid durch die verfassunggebenden Lortes, also etwa rei Monate.

Daraufhin wurden die Verhandlungen abgebrochen. Sanchez Guerra hat hierauf dem Republikaner und b-deu- Nden Arzt Maranon ein Portefeuille angeboten, das die- n aber ablehnte. Es scheint nun, daß lediglich ine altbe­kannten Politiker der äußersten monarchistischen Linken das Kabinett bilden werden. Man hört Gerüchte über einen an- eblich geplanten Umsturzversuch der Republikaner und So- alisten. Die Gerüchte sind jedoch mit Vorsicht aufzunehmen.

Wer bildet jetzt das Kabinett?

Sanchez Guerra hat dem König den Auftrag zur Ka­binettsbildung zurückgegeben. Er teilte ihm mit, daß er die Kabinettsbildung ablehnen müsse, da er von weiten Kreisen, ie er zur Unterstützung für nötig halte, im Stiche gelassen worden sei. Sanchez Guerra hat der Krone empfohlen, den ach weiter links stehenden Reformisten-Führer Melquiades lvarez mit der Kabinettsbildung zu beauftragen, von dem annimmt, daß er auf die ihm selbst versagte Unterstützung uch die republikanische und die sozialistische Gruppe rech- n könne. Man wird jedoch nicht fehlgehen in der An­nahme, daß diese auch Alvarez gegenüber auf ihrem ab- lchnenden Standpunkt bestehe., bleiben werden.

Rückkehr -er spanischen Königin.

Die spanische Königin, die zu Besuch bei ihrer erkrank- n Mutter in London geweilt hatte, reiste nach Madrid irück. Das Erscheinen des englischen Königspaares auf M Bahnhof bei der Abreise der Königin Ena kam selbst ir die der Königin nahestehenden Personen völlig über- ischend. Der Abschied war besonders herzlich und ging eit über den zeremoniellen Rahmen hinaus. Ein jeder tchte daran, welche Schatten über der spanischen Königs- imilie liegen. Die Kommentare der englischen Presse zu in Ereignissen in Spanien verweisen auf die verwandt» haftlichen Beziehungen zwischen dem spanischen und dem englischen Königshause und geben der Hoffnung Ausdruck, man in Spanien eine für den König glückliche Lösung nden und daß das Land einer glücklichen Zukunft ent» gegengehe.

In Paris hakte die Königin Unterredungen mit Sant- igo Alba und mit dem Botschafter ßuinones de Leon, Dieter begleitete die Königin auf der Weiterfahrt bis zur maischen Grenze.

Ein Zeichen der Nervosität.

iuf die Anfrage der entsandten Press zu bedeuten habe, erhielten diese bi

3n den frühen Morgenstunden wurde das -.: Getafe ei Madrid liegende Feldartillerie-Regiment alarmiert und le Ortsausgänge durch Posten beseht. Sämtliche Fahr­ige und Fußgänger wurden aufgehalten und die Per- wallen festgesteut. Aus '____ ~ " "ertreter, was dies zu bedeuten habe, erhielten diese die lntwort, man wisse das nicht und befolge lediglich die erhaltenen Befehle.

ie-

In den Ort selbst konnten die Berichterstatter nicht vor- swgen. Ancheinend handelt es sich hier um ein Mißver- ?ndnie dieses Regiments, da die Madrider Regimenter

I ruhig sind und keine revolutionären Absichten erken- lassen. Nach den letzten Nachrichten sollen sich pen in Getafe wieder in die Kaserne zurückgez.

b'ie

zurückgezogen

Was nun?

Die Gerüchte über Militärrevolten und über die Absicht 185 Bönigs von Spanien, ins Ausland zu gehen, die von Mgen Grenzagenturen verbreitet werden, wüsten vorsich- ausgenommen werden. Ein sicheres Urteil über die Lage " Spanien ist zur Stunde nicht möglich, die Vorgänge sind ^ar irrt einzelnen einigermaßen zu versolgen, ihre Zusam- Anhänge und ihre praktischen Ergebnisse aber bleiben zu- undurchsichtig, und alles hängt davon ab, ob es nach Rücktritt Sanchez (Sucrras gelingt, ein Kabinett aus 811 verfassungstreuen Parteien und den Liberalen zu bil« :!! das die Möglichkeit bietet, über den Weg einer Ver- Mngsreform und einer Nationalversammlung die Wen Verhältnisse Spaniens neu zu ordnen und zu '"'gen.

Auch wenn sich dieser weg in den nächsten Tagen 'tatet abzeichnen wird als heute, wird noch immer die orage offen bleiben, ob an seinem Ende eine konstitu- . iionelle Monarchie oder die Republik stehen wird.

^ Aussichten, die in der gegenwärtigen Lage für den ^"bestand der Monarchie gegeben sind, dürfen nicht als Luders günstig angesprochen werden. Die Jahre der

Diktatur, die den König völlig hinter Primo de Rivera zurücktreten ließen, und die mangelnde Entschlußkraft des Königs, unter Primos Nachfolger eine sichtbare und fühl­bare eigene Initiative zu entfalten, haben sein persönliches Ansehen nicht minder beeinträchtigt wie der Widerstand gegen das diktatorische Regiment dem monarchischen Ee- danken überhaupt Abbruch getan hat.

Die Auswirkungen zeigen sich heute bereits in sehr krasser Form, und man kann es verstehen, wenn die mon­archistische und neben ihr ganz besonders die klerikale Presse Spaniens in Verzweiflung und Empörung darüber aus- brechen, daß mit im Gefängnis sitzenden Hochverrätern über die Beteiligung an einem Ministerium verhandelt wird, und daß überzeugte Republikaner einem Kabinett des Königs angehören sollen..

Kommt dieses Kabinett aber zustande, dann will es gleichberechtigt, ja, wenigstens zeitweise übergeordnet neben den König treten, die Minister wollen sich nicht ver­eidigen lassen, weil sie ja doch die. Verfassung ändern wol­len, dem König sollen für die Dauer der verfassunggebenden Nationalversammlung alle Prärogativen der Krone genom­men werden, insbesondere das Recht zur Auflösung der Nationalversammlung und zur Entlassung des Kabinetts.

Ulan versteht, daß die überzeugten Republikaner und die Sozialisten Spaniens, die einstweilen Gewehr bei Fuß stehen, mit diesen Bestrebungen durchaus sympathisieren, denn sie sehen in ihnen den folgerichtigen Weg, der zur Be­seitigung der Monarchie auf unblutigem Wege führen soll.

Zur Ka^e in Spanien.

Nach den letzten Meldungen aus Madrid soll jetzt ein monarchistisches Nonzentrationskabinett gebildet werden, an dessen Spitze Da Tierva und zu dem auch Graf Romanones und Garcia prieto gehören würden. Die Gerüchte von der bevorstehenden Einsetzung einer neuen Mi.i.ärdiktatur wurden am Dienstag abend offiziell demen.iert. Anderer­seits wiederum verlautete, daß die Ausrufung des Gene­ralstreiks unmittelbar bevorstehe. Die Erregung in Ma­drid ist ungeheuer groß. Die Pressezensur und di: Uon- uüüe über alle Telephongespräche sind wi.oerhwgesleill worden. Es waren in Madrid auch unbestätig e Gerüchte von einem Militäraufstand in Tordoba in Umlauf. In der Hauptstadt kam es Dienstag abend auch zu Demon­strationen junger Deute, die die Stabt mit den Rufen Tod dem König!" undEs lebe die Republik!" durch­zogen. Die Polizei griff ein und nahm einige Verhaftungen vor. Mehrere Personen wurden bei den Zusammenstößen verletzt. In einer Hauptstraße warfen die Demonstran­ten einen Wagen um und steckten ihn in Brand.

Göbbelsüber dieHaltnng der Nationalsozialisten.

Dortmund, 18. 2. (Eigene Meldung.) Die National­sozialistische Partei hielt am gestrigen Dienstag in der Westfalenhalle eine Kunbgebung ab, in der der Reichstags» abgeordnete Dr. Göbels-Berlin sprach. Der Redner führte aus, es sei eine eitle Hoffnung, wenn die anderen Par­teien glaubten, daß die Nationalsozialisten eines Tages wieder klein beigeben und in den Reichstag zurückkehren würden. Dies würden sie erst tun, wenn sie eine noch größere Masse des Volkswillens hinter sich gebracht hätten und dadurch das jetzige System auf legalem Wege ver- drängen und sich allein an die Macht setzen könnten, wenn man sage, die Nationalsozialisten könnten nur kriti­sieren, so müßten sie ihrerseits dem entgegenhalten, daß die Kritik das gute Recht jeder Widerstandsbewegung sei. wenn das jetzige System an die Nationalsozialisten heran- trete mit der Forderung, es besser zu machen, so könnten sie nur antworten: Gebt uns die Macht! Denn Politik könne man immer nur mit der Macht betreiben, da die Macht das Instrument der Politik sei. wenn man uns jetzt verantwortungslos nennt, fuhr Dr. Göbbels fort, so müssen wir sagen, daß wir keine Verantwortung dem jetzigen System gegenüber kennen. Wir haben nur Verant­wortung vor dem deutschen Volke, zu dem wir jetzt wieder zurückgekehrt sind. Iin übrigen wiederholte der Redner das Gleiche, was er bereits in seiner Berliner Rede vor­gebracht hatte. Die Versammlung verlief ruhig, trotzdem der Redner einmal von der Polizei darauf hingewiesen werden müßte, daß ihm wegen Verächtlichmachung der Regierung das Wort entzogen werden würde.

^ Im Ruhrbergbau werden von der Bergwerks- G. G. Recklinghausen und den vereinigten S ahlwerken aber­mals Entlassungen von rd. 1500 Arbeitern und Angestell­ten angekündigt.

In einer Versammlung der Unterhausfraktion der Arbeiterpartei erregte Schatzkanzler Snowd.m Aufsehen, als er erklärte, das Budget werde voraussichtlich einen Fehlbetrag von 4050 Millionen Pfund aufweisen.

Bei der Beseitigung von Schneemassen entgleiste in Transdanubien (Ungarn) ein aus zwei Lokomotiven und einem Schneepflug bestehender Zug. Ein Lokomotiv­führer wurde getötet, sieben Personen verletzt.

Behebung der Arbeiisnoi.

Damaschke über die deutsche Wirtschaftskrise.

Berlin, 17. Februar.

Der bekannte Bodenreformer Damaschke sprach in der Landwirtschaftlichen Hochschule vor Hörern und Interessen­ten überWege zur Ueberwindung der Arbeitslosigkeit". Der Vortragende beleuchtete eingangs die gegenwärtige Krise und kam zu dem Ergebnis, daß heute drei Arbeitende einen vierten ernähren müßten.

Im letzten Iahre seien 44 000 Selbstmorde aus Gründen wirtschaftlicher Rot begangen worden.

Auf die verschiedenen Vorschläge zur Ueberwindung der Ar­beitslosigkeit eingehend, wies der Redner an Hand von Zah­len nach, daß die Ausschaltung der volksfremden Landar­beiter die Zahl der Arbeitslosen um etwa 100 000, die Ver­längerung der Schulpflicht um etwa 200 000 und die Ar- beitsstreckung um etwa 350 000 verringern würde. Diese

D°n 650 000 würde gegenüber der Arbeitslosenzahl von fünf Millionen nur eine geringe Linderung bedeuten. Auch die Erlassung der Reparationsleistungen, die dringend zu fordern sei, würde keine vollkommene Lösung bringen, da bie Arbeitslosen jährlich einschließlich aller Neben- und Ver- waltungskosten etwa 4,8 Milliarden kosteten.

Der Vortragende wandte sich gegen falsche und über­triebene Fürsorge, die oft zu Unrecht ausgenutzt werde und die Landflucht fördere. Er forderte insbesondere größere Mittel für Meliorationen, Erleichterung des Instanzen­weges bei landwirtschaftlichen Siedlungen, ferner das schon vielfach beantragte Heimstätkengefetz und gesetzliche Maßnah- men zur Verhinderung von Bodenspekulationen.

Ferner befürwortete er die Herausnahme aller Ju­gendlichen unter 21 Jahren aus der geldlichen Fürsorge und empfahl ihre

Unterbringung in Baracken der Truppenübungsplätze, wo sie zu praktischer Landarbeit ausgebildet werden könn­ten und im Eignungsfall später Ansoruch auf eine land- wirtschaftliche Heimstätte hätten. Deutsches Volk und deut- iches Land müßten wieder in organische Verbindung ae» -r^. wirken.

Keine Schwierigkeiten für die Erledigung des Etats.

TNB. Berlin, 18. 2. (Eigene Melduna.) W'e das B. T." schreibt, hat die Reichsregierung sich erfo'ireich bemüht, die Etatsberatungen weiter zu fördern und zu beschleunigen, so daß man hofft, den Twt schon gegen Mitte, nicht erst Ende März in dritter Desung verabschie­den zu können. Die Regierung hat sich vergewissert, daß sie sowohl von der Deutschen volksvartei wie auch von den Sozialdemokraten bei der Erledigung des Etats kiie unüberwindlichen Schwierigkeiten zu befürchten braucht. Die Deutsche Volkspartei ist mit der schnellen Erledigung des Etats einverstanden, nachdem ihr die Zusage einer Sparermäcktigung gemacht worden vt, die der Regierung erteilt werden soll. Die Sozialdemokraste vt insofern be­ruhigt worden, als sie davon unterrichtet wurde, daß der Dolkspartei keine Su'agen darüber gemacht worden sind, | Ersvarnisse an bestimmten Stellen, insbesondere etwa vor­nehmlich am Sozialetat durchzufüh-en. Die Regierung wi'd | vielmehr selbständig prüfen, wo die (Erfnarnile am zweck- . mäßigsten gemacht werden können. Die das Blatt wis- I sen will, dürfte sie dabei auch nicht am Wehretat vorüber­gehen, während auf der anderen Seite kaum zu befürch'en sei, daß die Sozialdemokraten von sich aus durch selb­ständige Sparanträge den Dehre'at in einer Weise be­einträchtigen würden, die den Interessen des Reiches nicht dienlich wäre.

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Für 1,5 Millionen falsche Wechsel.

Die Schwindler verhaftet.

Der Berliner Kriminalpolizei ist eS gelungen, eine sechsköpfige Bande unschädlich zu machen, der bei« ' nahe ein riesiger Betrug mit gefälschten Wechseln ge­lungen wäre. Jngesamt sollten 92 falsche Wechsel, die über eineinhalb Millionen Mark lauteten und auf erste unstdenttche und rheinische Jnduftricfirmcn aus­gestellt waren, verkauf, werden.

Bei aller Vorsicht unterlief den Betrügern der Fehler, üaß s e die Unterschrift eines Prokuristen be. en, der bereits vor drei Jahren verstorben ist! Dieses Versehen führte schließlich zur Aufdeckung deS Schwindels und zur Verhaftung der Schwindler.

Der Stahlhelm hat am Dienstag die bisher einge­laufenen 42 207 Unterschriften für das Volksbegehren Dandtagsauflösung" dem preußischen Minister des Innern zugehen lassen.

Der Kattounker vemobilmachungskommi sar geneh­migte die völlige Stillegung der o'toberschlcsisch.'n Sink« Hüttenindustrie. In den ostoberschlesischen Bergwerken kom­men in der nächsten Zeit weitere 4000 Mann zur Entlas­sung. Die lüoiiuobfihaft Schlesien zählt jetzt insgesamt 61 000 Arbeitslose.