Einzelbild herunterladen
 

Nr. 26

gez. Kasprzih, Vorsitzender. *

AchlWemer Zutuns

Kreis-Amtsblatt * Allgemeiner amtlicher ArrzeiHtv für öen Kreis Schlüchtem

Y. Blatt-

Amtliche Bekanntmachungen

I.-Rr. 1841. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, dir flirren Leiter der ländlichen Fortbildungsschulen darauf hinzuweisen, dah die Schließung der Fortbildungsschulen »or dem durch meine Verfügung vom 6. (Oktober v. Is. - Nr. 8872 Kreisblatt Hr. 122 festgesetzten End­termin (14. März 1931) nicht erfolgen darf.

Schlächtern, den 24. Februar 1931.

Der Landrat: Dr. Müller.

I.-Rr. 1543. Auf Veranlassung des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe ist eine Broschüre unter dem TitelUm Deutschlands wirtschaftliche Zukunft" (Tribut- bst Arbeitsnot Ringen um Wirtschaftsfreiheit) er­schienen. Der preis beträgt 1,50 RM. Ich werde für sämt­liche ländlichen Fortbildungsschulen des Kreises die e Schrift bestellen, wenn mir nicht bis zum 1. n. Mts. eine Abbe« stellung zugeht.

Schlächtern, den 23. Februar 1931.

Der Landrat: Dr. Müller.

Kreisausschutz.

freiwillige Sauttäts Koiamre Kad Aoden

I.-Rr. 431 R. K. stuf Sonntag, den 1 5. März, achm. 1 Uhr werden die Uolonnen-Mitglieder zu einer bung in die neue Schule zu Lad Soden freundlichst ein­laden. Interessenten sind willkommen.

ab Soden, 27. 2. 1931.

Schlächtern, 27. 2. 1931. Dr. Müller, Vorsitzender

sdes Männervcrcins vom Roten Kreuz.

Reglerung und Gewerkschaften.

CRB. Berlin, 27. 2. ((Eigene Meldung.) Bei dem ge- Ibeten (Empfang der Gewerkschaftsführer durch den eichspräsidenten gaben, den Blättern zufolge, Reichskanz« !r Dr. Brüning und Reichsarbeitsminister Stegerwald wich- Erklärungen ab. Stegerwald erklärte, er würde an m Kern der Tarifverträge, an dem Kern des Schlich, ngswesens und an dem Kern der Sozialversicherung wäh- mb seiner Amtszeit nicht rütteln lassen. Über es g'be auf sem Gebiete noch eine klnzahl Inflalimserscheinungen nd eine Anzahl Unausgeglichenheiten, dir noch besei.igt rden mühten und wo die Gewerkschaften auch noch nzessionen machen könnten. Den Vertretern der Arbeit- ber, die in den letzten Tagen von ihm verlangt hätten, staatliche Schlichtungswesen wenigstens vorübergehend suspendieren, habe er geantwortet, daß er das entschie- n ablehne.

Reichskanzler Dr. Brüning, führte aus, daß die Regie« ng die heutigen Verhandlungen mit den Gewerkschafts- tretern von sich aus weiter fortsetzen werde. (Er wolle r heute schon gegenüber irreführenden Mitteilungen der Geffentlickkeit sagen. dah dir Ermächtigung, die die gierung in dem neuen agrarpolitischen Gesetzentwurf im Reichstag verlange, nicht so gedacht sei, dah dir Re- ssrung nun sofort Zollerhöhungen durchzuführen beab- tige; vielmehr solle jede eventuelle Zollerhöhung davon gängig sein, dah die Landwirtschaft zuvor gewisse Be­sungen auf dem Gebiete der Selbsthilfe erfülle, z. B. f dem Gebiet der Rationalisierung, der Standardisierung, Berkaufsorganifation durch Ausbau des Genossenschaf §. lens usw. Der Reichsernährungsminister habe erklärt, , er der Landwirtschaft für die Durchführung dieser ^Ibsthilfemahnahmen bestimmte Termine setzen werde, und t nach (Erfüllung dieser Bedingungen werde die Regie- ng sich bereit erklären, von der Ermächtigung eventuell brauch zu machen.

her Reichspräsident schloß die Unterredung mit dem Be- ben, dah er die Sorge der Gewerkschaften teile, dah gewiß tun wolle, was in seinen Kräften stehe, zu helfen dah er glaube, daß auch die Regierung ihrerseits das ^wendige und Mögliche gleichfalls tun werde. Man rfe aber den Mut nicht verlieren.

......< \

" Die Zahl der bei der Grkankatastrophe ant ver» ^genen Samstag auf den Fidschi-Inseln ums Leben ge« . enen Personen wird nach den letzten Meldungen auf geschätzt.

Von den am sogenannten wcltkampftag der Er- ^bslofen in Berlin wegen verschiedener Delikte festge- Menen Personen werden sich 25 vor dem Richter zu antworten haben. Am Donnerstag bereits verurteilte Schnellgericht zwei der Demonstranten wegen Tätlich- . ^ gegen Polizeibeamte zu sechs bezw. sieben Wochen uängnis.

Samstag. den 28. Februar 1931

Die Arbeiterführer bei Hindenburg.

Gegen weitere Lohnsenkungen.

Berlin, 27. Februar.

Reichspräsident von Hindenburg empfing die Führer der freien Arbeiter- und Angestelltenverbände, der christlich- nationalen Gewerkschaften und des freiheitlich-nationalen Gewerkschaftsringer. Für die Gewerkschaften trug der Vor- sitzend, des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Theodor Leipart, dem Reichspräsidenten eine Erklärung vor, in der die Aufmerksamkeit zunächst auf die überaus gedrückte Lage der deutschen Arbeitnehmer gerichtet wird. Es sei not- wendig, daß innerhalb der für Deutschland gegebenen Mög­lichkeiten mit äußerster Energie an der Beseitigung aller Störungen der Wirtschaft gearbeitet werde.

Der Abbau der Preise vollziehe sich langsamer als die Senkung der Löhne und Gehälter.

Unausgeschöpfte Möglichkeiten zur Konsumbelebung seien noch oochonden. Die Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung durch die öffentliche Hand würden gehemmt durch Streitig- fetten Zwilchen den beteiligten Verwaltungen. Die Er­höhung des Inlandsverbrauchs als eines der bedeu­tendsten Mittel zur Steigerung des Beschäftigungs­grades bedinge eine kaufkräftige Landwirtschaft, deren Schutz aber innerhalb der Grenze zu bleiben habe, die von der Rücksicht auf unsere industrielle Ausfuhr und auf die Lebenshaltung der breiten Masten gezogen werden müsse.

Die gegenwärtig vorliegenden agrarpolitischen Pläne gingen über diese Grenzen teilweise hinaus und müssen ab- gelehn» werden. Um einen größeren Teil der unfreiwillig Arbeitslosen wieder in geregelte Tätigkeit zu bringen, sei eine Arbeitszeitverkürzung möglichst auf 40 Stunden wöchentlich erwünscht. Als unbedingt notwendig wird die Erhaltung eines rechtlichen gesicherten Anspruchs auf ein 6jiften,jmin>mum für die arbeitslosen Volksgenossen ange» leben. Mit belonderem Nachdruck wird die Aufmerksamkeit öes Reichspräsidenten auf die Angriffe gelenkt, die gegen die tarifvertr^.gliche Regelung der Arbeitsverhältnisse. des Schlichtungswesens einschließlich der Verbindlichkeitserklä- rung und gegen die Sozialversicherung geführt würden. An der Aussprache beteiligte sich auch der Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald.

Der Reichspräsident sicherte den Gewerkschaftsführern sorgfältigste Beachtung ihrer Darlegungen zu und ver­sicherte, daß alles nur mögliche geschehen werde, um unser Holt aus der schwierigen Lage herauszuführen.

Emirsien für Schiele.

rlbsllmmungen über Ernährungsetat am Dienstag.

Der Reichstag beendete am Donnerstag die große Aussprache über den Landwirtschaftshaushalt. Während der Staatsparteiler Dr. Weber auf der Fortsetzung der be­währten Handelspolitik bestand, benutzte der Landvolk- abgeordnete Schlange-Schöningen die Gelegenheit, um den Reichsernährungsminister gegen Angriffe der Grünen Front in Schutz zu nehmen. Man helfe der Landwirtschaft nicht dadurch, daß man den Arbeiten im Reichstage fern­bleibe. Wenn der Minister sich jetzt der Angriffe seiner früheren Freunde erwehren müsse, so stehe das Lmd"^Ik auf seiner Seite. Die Sachlichkeit würd» doch über bai Schlagwort siegen.

Reichsernährungsminister Dr. Schiele faßte dann noch einmal die in der Aussprache zutage getretenen Anregun­gen und Wünsche zusammen und ging aus Einzelheiten ein. Er warnte angesichts der Ueberproduktion an deut­schem Vieh vor der Wiedereinführung des zollfreien Ge­frierfleischkontingents, just zur selben Stunde, wo im han­delspolitischen Ausschuh ein sozialdemokratischer Antrag, jährlich wieder 50 000 Tonnen zollfreien Gefrierfleisches zur Einsuhr zuzulassen, Annahme fand.

Im übrigen erwiderte er auf die im Lande verbrei­teten deutschnationalen Angriffe, daß die Deutschnationalen sich durch ihr Ausscheiden aus der Regierung wegen be« Locarno-Bertrages die Möglichkeit genommen hätten, bte gegen landwirtschaftliches Interesse verstoßenden Handels­verträge rechtzeitig anders zu gestalten. Nach weitere, kurzer Aussprache wurde die Debatte über den Etat bei Landwirlschnftsministeriums beendet und die Abstimmum gen auf Dienstag vertagt. Nächste Sitzung: Montag 8 Uhr.

rlnhenhandelsmonopol in persicn? Fern persischen Parlament Ist ein Gesetzentwurf angegangen, der ein Monopol für den Außen­handel vorsieht. Diese Matznahine richtet sich in erster Linie gegen die russische Regierung

In der Mittelstraßs am Bahnhof Friedlichst, atze h Berlin hob die Polizei am Donnerstag abend eine Falfckf- münzerwerkstatt aus. Drei Personen, die gerade mit der Herstellung von falschen Hundert-Zloth-Noten beschäftigt waren, wurden verlsastet. .

83. Iahrg

Die letzte Woche.

Die gegenwärtige K r i s e n z e i t ähnelt in mancher Beziehung den Inflationsjahren. Heute wie bamals herrscht in Politik und Wirtschaft eine Unruhe und Un­sicherheit, die kaum noch einer Steigerung fähig ist. Die Zahl der Arbeitsuchenden hat die Fünf-Milliouen- Grenze beinahe erreicht, Städte und Landgemeinden sehen sich nicht mehr in der Lage, die drückenden Lasten für die Wohlfahrtserwerbslosen weiterhin auszubringen. Die Verdoppelung der Bürgersteuer, zu der verschiedene Städte in ihrer Not geschritten sind, trifft alle Bevölke- rungsschichten, insbesondere den Mittelstand und die noch im Beruf stehende Arbeiterschaft überaus hart. Und die Industrie sieht sich von Tag zu Tag immer größer werdenden Schwierigkeiten gegenüber, Stille­gungen und Masienenllafsungen sind eine alltägliche Er­scheinung geworden. Auch in der Landwirtschaft sieht es verzweifelt ernst aus. Nur rasche durchgreifende Hilie kann hier den Zusammenbruch vieler landwirtschaftlicher Betriebe aufhalten.

Diese gemeinsame, alle Schichten des Volkes erfas­sende Not ist nur zu lindern, wenn alle verantwor­tungsbewußten Faktoren des öffentlichen Lebens sich zu einheitlicher, erfolgversprechender Arbeit zusammen- schließen. Dieser Wille zur Tat, das Verantwortungs­gefühl muß da sein, dann werden sich auch Mittel und Wege finden lasten, um dem Elend weitester Volkskreise zu steuern. Kommunistische Methoden allerdings führen nicht zum Ziel, im Gegenteil, sie treiben uns einem Chaos, einem Kampf aller gegen alle entgegen. Was sich in den letzten Tagen, insbesondere an demWelt- erwerbslosentag". dem alljährlich wiederkehrenden kom­munistischen Kampftag, in zahlreichen Orten abgespielt hat, yt V »--Verbreche» am Volk, ein t. ßbrauch der Aermsten oer Armen zu politischen Zwecken. In Berlin hat die Polizei festgestellt, daß die Plünderungen im Norden der Stadt planmäßig von einer Zentrale geleitet

worden sind Die gleiche zielbewußte Wühlarbeit zeigt sich auch in anderen Ländern, mit dem Unterschied, daß sich die kommunistischen Demonstrationen dort auf Pro­testkundgebungen beschränken, während es bei uns viel­fach zu blutigen Zusammenstößen kam. Mit dem Sturm auf die Arbeitsnachweise und Steinbombardements auf bie Polizei läßt sich die Wirti^aftskriie wahrhaftig nicht lösen, ebensowenig wie durch A t t e n t a t s v e r s u ch e, die neuerdings auf der Tagesordnung zu stehen scheinen. Dagegen erscheint uns der Besuch der Gewerkschafts­führer beim Reichspräsidenten bester geeignet, um einen aus der gegenwärtigen Arbeitslosennot zu

Ausweg finden.

Die von den

inneren Sorgen haben unsere Aufmerksamkeit außenpolitischen Vorgängen etwas abgelenkt, u..b doch verdienen die F i o t t e n b e s p r e ch u n g e n, die der englische Außenminister Henderson gegenwärtig mit Paris und Rom führt, unsere stärkste Beachtung. Frankreich ist trampfhaft bemüht, schon jetzt eine Ein- Heitsfront der ehemaligenAlliierten" aus der bevor­stehenden Abrüstungskonferenz zu schaffen. Selbst um den Preis, daß es seine Flottenrüstungen etwas ein­schränken mühte und dadurch das Machtverhältnis im Mittelmeer sich zu seinen Ungunsten verschieben würde. Die französische Regierung würde diese Nachteile gern in Kauf nehmen, wenn sie dafür andererseits der eng­lischen Regierung Zugeständnisse auf dem Gebiet der Landabrüstung (gegen Deutschland) «bringen könnte. Die englische Arbeiterpresse behauptet allerdings, daß Henderson in Fragen der Friedensbewegung und der Abrüstung als ihre Grundlage sich auf derartige Ma­növer nicht ein lauen wird, die seine allgemeine Abrü. stungspolitik gefährden könnten. Wir haben allen Grund, diesen Beteuerungen mit größtem Mißtrauen gegenüberzustehen. Bisher hat man sich stets auf Kosten Deutschlands geeinigt, das müßte uns wundernehmen, wenn Briand und .Henderson nicht auch diesmal wieder auf dieses bewührte'Rezevt" zurückgreifen würden. Die deutsche Regierung hat allen Anlaß, die Aussprache in Paris und Rom mit größtem Interesse zu verfolgen. Versailles und alle anderenVerträge" der Nachkriegs­zeit müssen eine Warnung für uns sein.

Lärmszencu im englische» Nnter-anS.

London, 27. Februar. Das Unterhaus schlag mit 96 gegen 17 Stimmen den Abgeordneten der Ar­beiterpartei Brown, der sich geweigert hatte, den An­weisungen des Vorsitzenden Folge zu leisten, von bet Sitzung aus. Die Anhänger BrowlrS veranstaUcten daraufhin lärmende Kundgebungen.