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Schlächterner Zeitung

Kreis-Amtsblatt * Allgemeiner amtlich er Anzeiger für Ken Kreis Schlüchtem

Nr. 28

(). Blatt)

Donnerstag, den 5. März 1931

83. Jahrs.

Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

I.°Nr. 1904. Das den Herren Bürgermeistern in den nächsten Tagen zugehende Formular für dieAbrechnung über die Unterhaltungskosten der ländlichen Fortbildungs­schule" ist unter genauer Beachtung der im Märzheft 1924 der Zeitschrift für das ländliche Fortbildungftchulwrsen veröffentlichtenGrundsätze für die Unterstützung l ind i= cher und gärtnerischer Fortbildungsschulen aus Staatsmit­teln" auszufüllen und bis zum 1 5. d. Mts. wieder hierher zurück zureichen.

Aus der Abrechnung muß ersichtlich sein, für wieviel Stunben Unterricht die verkürzte Vergütung (6°/o Abzug im Februar und März) gemäß meiner Verfügung vom 17. Januar d. 3s. Nr. 484 Schlücht. 3tg. Nr. 9 ge­zahlt worden ist.

Die sächlichen Kosten sind getrennt von den Aus« stattungskosten anzugeben.

3u den sächlichen Kosten gehören: Die Ausgaben für den Schulbedarf (Tinte, Kreide und ähnliche Verbrauchs­gegenstände, Themikalien, Kochmaterial und bergt), ferner die Kosten für die laufende Unterhaltung und Ergänzung der Schulbücherei unb Lehrmittelsammlung, Reparaturen und kleinere Ergänzungen des Inventars, Fachzeitschriften und bergt

3u den 5lusstattungskosten gehören: Die Aufwendung für die erstmalige Beschaffung der Anschauung?- und Leh m'.tt I oder für ihre nach gewisser Seit notwendig werdende Er­neuerung bezw. Ergänzung. Dazu kommt noch die An= legung der Schulbücherei, die Beschaffung von Büchern zur Vorbereitung der Lehrer auf den Unterricht und für die Rädchenfortbildungsschule auch die Beschaffung von Koch­herden, Kücheneinrichtungen, Nähmaschinen und bergt Schlüchtern, den 2. März 1931.

Der Landrat. Dr. Müller.

I.-Nr. 592. Vom 6. bis 14. März 1931 bin ich beur« laubt, meine Sprechtage in Gelnhausen fallen in dieser 3e't aus. In eiligen Angelegenheiten werde ich vertreten von Herrn Kreisarzt in Hanau a. M. Der nächste Sprechtag nach meinem Urlaub findet in üblicher Weise statt in Geln­hausen am Montag, den 16. März 1931.

Gelnhausen, den 2. März 1931.

Der Kreisarzt.

Kreisausschuß.

GrrlehnngsbcttsUfen für Kriegerwrifen.

J.-Nr. 3613 F. Nach einem Erlaß des Herrn Neichs- arbeitsministers sind, wenn Lmpfangsberech.igte Anträge nebst den notwendigen Unterlagen nicht re chtzeitig bei der Fürsorgestelle einbringen, die Erziehungsbeihilfen erst »am Ersten des Bewilligungsmonats ab zu zahlen. Eine Nachzahlung für Höchstens 3 Monate kommt nur dann in frage, wenn den Antragsteller ein verschulden an der Ver­zögerung der Entscheidung nicht trifft. Das gleiche gilt W Süllen, in denen es sich um Weitergewährung ber Lr- Zsehungxbeihilfen handelt. Die Weiterzahlung ist stets recht- Zeitig bei der Fürsorgestelle zu beantragen.

Um die Kriegshinterbliebenen vor Schaden zu bewahren, ^ache ich aus vorstehendes besonders aufmerksam. Ferner empfehle ich, Anträge aus Weitergewährung von E zieh- ^gsbeihilfen, deren Bewil igungsdauer mit Ende März '531 abläuft, bei sortbestehender Berufsausbildung usw. ^glidfft umgehend hier einzureichen. Die Höhe b:r fchrvcrgütung, Invalidenwaisenrente usw. für die betref- Itnbe Waise ist im Anträge anzugeben. bchlüchtern, den 2. März 1931.

Kreiswohlfahrtsamt: Dr. Müller.

Zusatzrente für Kriegsbeschädigte und Kriegslfintrrbttebrnc.

, ^.»Nr. 3488 F. Die Empfänger von Zusatzrenten sind be- ^"nungsgemäß verpflichtet, jede Aenberung in den Dor- "^setzungen für den Bezug der Renten der $ü sorgest eil: . ^rzüglich anzuzeigen. Hierzu gehören i isbc o dere Auf« f^me einer Erwerbstütigkeit, Erhöhung des Einkommens

der Kinder), Wegfall der Waisenrente oder Kindrzu- ^ Tod eines Kindes usw. Ueberhobene Zu atzrente muh "ach den gesetzlichen Vorschriften in jedem Falle zurückge- ^rt werden.

Die Kriegsbeschädigten, Kriegrhinterbliebenen und Do« n'iber von Waisen, die Zusatzrente beziehen, ersuche ich, Bestimmungen künftighin genau zu beachten, damit Barzahlungen und Nücksorderungen an Zusatzrente uer« werden.

Schlüchtern, den 28. Februar 1931.

Kreiswohlfahrtsamt: Dr. Müller.

I.-Nr. 1069 K. A. Am Mittwoch, den 1 1. März d. 3s. nachm. 2 Uhr findet in Kassel im kleinen S.adt- parksaal die 3 5. Hauptversammlung des Gbst- bauvereins für den Regierungsbezirk Kassel statt. Die Versammlung hat in der Hauptsache den Zweck, die obst« bautreibende Bevölkerung des Negierungsbezi ks über die wichtigsten Fragen auf dem Gebiete des Obst- und Ge­müsebaues aufzuklären und auf dem Laufenden zu hal­ten. Am Derfammlungstage findet deshalb vormi tags 9 Uhr in der Gbstbauanstalt Gberzwehren eine be'o ibere Baumwärterbesprechung statt, in der hauptsächlich Anre« gungen- zur besseren Betreuung der Gemeindeobstbaups'an- zungen (bessere Sortenwahl, Pflege, Düngung usw.) ge­geben werden sollen. Da der Gemeindeobstbau in unser m Kreise von Bedeutung ist, halte ich es für zweckmäßig, daß die Gemeinden ihre Gemeindeobstbaumwärter, soweit solche vorhanden sind, zu der Tagung am 11. Mär; ent­senden. Die den Gemeinden hierdurch entstehenden R.fe« kosten werden sich lohnen. : ,

Schlüchtern, den 2. März 1931.

Der Vorsitzende bes Kreisausschustes. Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Die Eigentümer, Pächler und Nutznießer von Dbstbäu- men in hiesiger Gemarkung werden hierdurch unter Hin­weis auf die in der Schlüchterner 3ei ung Nr. 118 vom 1. Oktober 1929 veröffentlichte Anerbnung des Herrn Landrats vom 26. September 1929 aufgefordert, die zur Bekämpfung des Frostspanners, an den Stimmen der Apfel* und Kirschbäume angebrachten Klebrinae in der 3eil von 15. März bis 30. April d. 3s. zu entfernen D e ve ni tung der Tier des Fro'tspanners erfolgt an zweckmäß g- ften, wenn die alten Klebringe verbrannt werden.

Wer den Bestimmungen der Anordnung z lw'dcrhar.d st, wird gemäß § 2 nvt .Selbstlose bis Z" 150 RITT oder m'. entsprechender Haft bestraft, sofern nicht schärfe.« Strafbe- stimmungen anzuwenden sind.

Schlüchtern, den 2. März 1931.

Die Polizeiverwaltung: Gaenß'en.

Bekanntmachung.

Ab Montag, den 16. März d. 3s. erfolgt die Feuer­schau durch das Feuerschauamt in ber Stadt Schlüchtern.

Gemäß § 7 der Polizeiverordnung vom 13 3uni 1927 ist bei der Feuerschau der Eigentümer, der Nutznießer, d r Verwalter des Gebäudes oder ein von diesen Personen Be­auftragter zuzuziehen. Lr hat alle zu beaufsichtigenden Räume zugänglich zu machen und ist dem Feuerschauamt gegenüber zu jeder Auskunft über die bauliche Anlage und Benutzungsart des Gebäudes verpflichtet.

Schlüchtern, den 26. Februar 1931.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Die GefnerfleischöebaSLe.

kommunistischer Mißtrauensantrag abgelehnt.

In der Reichstagssitzung wurde zunächst der kommuni­stische Mißtrauensantrag gegen den Reichsernährungsmi- nister mit 311 gegen 60 Stimmen abgelehnt. Alsdann be­handelte das f>auß eine große Anzahl von Ansschußent- schließungen, um alsdann zu der Abstimmung über den so­zialdemokratischen Antrag Überzugehen, der das Brotgesetz praktisch ablehnt und in 2. und 3. Beratung endgültig an­genommen wurde.

Sehr scharf wird der Kampf sich gestalten, der aus dem Antrag des Haushaltsausschusses entstehen wird, nach wel­chem die Reichsregierung ersucht wird, die Verbilligung von Frischfleisch für die minderbemittelte Bevölkerung in der Weise vorzunehmen, daß der Preis für dieses Fleisch in keiner Weise höher sein darf als der bisherige Preis des zollfreien Gefrierfleisches, und daß der Kreis der Bezieher für dieses verbilligte Fleisch alle Fürsorgeberechtigten, die Erwerbslosen, Sozial- und Kleinrentner umfassen soll.

Des weiteren steht zur 2. und 3. Beratung der sozial- demokratische Gesetzentwurf über die Einfuhr von Gefrier­fleisch, dem bereits der handelspolitische Ausschuß zuge­stimmt hatte und nach welchem mit Wirkung vom 1. März ab jährlich ein Kontingent von 50 000 Tonnen Gefrierfleisch zollfrei eingeführt werden soll.

Der Landwirt und Maurer Berthold Koppe aus Zwabitz bei Kahla wurde von Rubolftäbter Schwurgericht wegen 'voppelmordes zweimal zum Tode verurteiit. Koppe hat 1917 seine Haushälterin in der Saale ertränkt und 1930 seine zweite Frau vorsätzlich getötet und die Leiche verbrannt.

In dem bekannten Weinort Thörnich an der Mosel ereignete sich -am Dienstag ein Bergrutsch, bei d in sich viele hundert Kubikmeter Boden loslösten und lawi:enar« tig ins Tal stürzten. Sie rissen Weinstöcke und Mauern mit sich.

Curtius' Ankunft in Wien, herzlicher Empfang im Bruderland.

Wien, 4. März.

Reichsaußenminister Dr. Curtiur traf in Begleitung bei Staatssekretärs in der Reichskanzlei Dr. Pünder und der übrigen Herren der reichsdeutschen Abordnung zu einem dreitägigen Besuch in Wien ein. Der österreichische Lega- tionsrat Seemann, der den reichsdeutschen Gästen während des Besuches zugeteilt ist. war ihnen bis an die Grenze ent« gegengefahren. Mit demselben Zuge kam auch der öster­reichische Gesandte in Berlin. Dr Frank, an

Zur Begrüßung aus dem Destbahnhos hatten fIS Vize­kanzler und Außenminister Dr. Schober und eine Menge hoher Staatssunkklonäre eingefunden. Ferner waren zum Empfang der deutsche Gesandte in Wien, Gras Lerchenfeld, und der Gesandtschaftsrat Dr. Schellhorn erschienen. Auch der gegenwärtig in Wien weilende sinnliche Gesandte ia Berlin. Wuolijzki, hatte sich aus dem Bahnhof eingesundea.

Als Dr. Curtiur und Staatssekretär Pünder den Wa­gen verließen, begrüßte sie Vizekanzler Schober für die Bundesregierung aufs Herzlichste.

Um 11 Uhr wurde dem Reichsaußenminister und Staatssekretär Pünder das Personal der deutschen Gesandt­schaft in der Gesandtschaft vorgestellt. Um 11 30 Uhr stat- teten beide deutsche Staatsmänner dem Bundeskanzler Dr. Ender einen Besuch ab, an den sich ein Besuch beim Vize­kanzler und Außenminister Dr. Schober anschloß. Schon bei diesem Besuch fanden politische Besprechungen statt. Um 13.15 Uhr gab der Bundesprälident den reichsdeutjqen Gästen einen Empfang und ein Frühstück.

Willkommensqruß der Wiener B>2tier.

Die meisten Morgenblätter enthalten Begrühungrartikel für den Reichsaußenminister Dr. Curtiur. Sie betonen, daß die Wie­ner Bevölkerung den Außenminister der Reiche» empfange, wi» man ein lieber Familienmitglied bewillkommne.

3n den reichsdeutschen Staatsmännern begrüße Dien und Oesterreich vor allem nicht die Bertreter eines auswärtigen Staa- es. sondern die Volkraenossen. M! Curliu- betrete der Abge­sandte eines Brudervolkes Wiener Boden. Gemeinsam erlebtes und erlittenes Schicksal, gemeinsam Sorge der Gegenwart und gemeinsame Hoffnungen einer hoffentlich nicht allzu fernen Zukunft verbänden Oesterreich untrennbar mit der großen deutschen Repu­blik, als deren Vertreter Curlius nach Wien komme.

DieDeutsch-Oesterreichische Tageszeitung" hebt vor allem hervor, daß die schweren Versäumnisse der letzten Jahre auf dem Gebiete der österreichisch-deutschen Handelspolitik wiedergutgemacht werden müßten. Diesem Zweck müsse vor allem der Besuch des Außenministers in Wien dienen.

Wirtschaftspolitische Hoffnungen.

So reibungslos und aussichtsreich die Bemühungen um eine Angleichung der Verhältnisse auf juristischem Gebiet zwischen Deutschland und Oesterreich in Gang gesetzt und weit gefördert werden konnten, so schwierig ist es bei allem guten beiderseitigem Willen, eine solche Angleichung auch auf wirtschaftlichem Gebiet in die Wege zu leiten und prat* tsch auszugestalten.

Es ist deshalb verständlich, daß sich mit der Reise der Reichsaußensninisters Dr. Curtius nach Wien der Wunsch verknüpft, daß die aus diesem Anlaß vorgesehenen Be­sprechungen und die Verhandlungen, die sie nach sich ziehen werden, Schwierigkeiten überwinden möchten, die sich heute aus üer lapachlichen Rotlage der Wirtschaften beider Zan­der ergeben und immer wieder zu Reibungen und Gegen­sätzlichkeiten führen, die so wenig mit irgendeinem bösen Willen auf beiden Seiten zu tun haben.

Alle offiziellen Bemühungen um eine wirtschaftliche Union stoßen immer wieder auf diese Widerstände der Ta- gesnotwendigkeiten. und wenn es auch auf verschiedenen Gebieten der privaten Initiative der Wirtschaftsführer Hü­ben und drüben gelungen ist, Schranken einzureihen und Ausgleiche zu schassen, so führen diese täglichen Notwendig­keiten doch immer wieder zur Schaffung neuer Mauern und zur Gefährdung wirtschaftlicher Verbindungen.

Die unlängst verabschiedete vierte Novelle zu dem österreichischen Zolltarif hat in dieser Beziehung eine ganze Reihe von Erschwernissen und Spannungen geschaffen, und schon sind in Wien die Vorbereitungen zu einer weiteren, fünften Zalltarifnovelle im Gang, d-e abermals auf ver­schiedenen Gebieten beträchtliche Erhöhungen der Zollsätze bringen soll. Zwar werden nicht alle Wünsche, die in dieser Vorlage ihren Ausdruck finden, sich verwirklichen lassen, denn Oesterreich ist durch seine Handelsverträge vielseitig gebunden und an der willkürlichen Heraufsetzung seiner Zölle gehindert. Auf einer Reihe von Gebieten, die gerade für die deutsche Wirtschaft wichtig sind und in dem Aus­tausch der beiden Länder eine besondere Rolle spielen, be­stehen solche Hemmungen aber nicht, und so droht, um nur . ein Beispiel zu nennen, für sehr wesentliche Zweige der deutschen Metallindustrie aus dieser neuen österreichischen Zolliarifnovelle eine Belastung, der man mit ernsten Be­denken entgegensieht.

Aufgabe der Wiener Verhandlungen wird es sein, zu­nächst hier vorzuveuaen und durch deutsche Gegenange­bote einen Ausgleich anzustreben, der für Oesterreich annehmbar und für Deutschland tragbar ist

Das setzt voraus, daß gewisse deutsche Wirtschaftsgruppen im Interesse der anderen zu Konzessionen bereit sind, na­mentlich die Landwirtschaft und die Holzwinschast, aber auch die Elektroindustrie unb andere große verarbeitende